Frühstudium: Streber oder Studenten aus Leidenschaft?

Erlangen: Tim Bothe ist Schüler, aber studiert gleichzeitig Geschichte an der PhilFak der FAU. 17.05.2016. Foto: Harald Sippel

Der Gedanke behagte mir nicht. Gar nicht. Ich war sogar extrem skeptisch. Ich sollte über Schüler schreiben, die schon zur Uni gehen, noch vor dem Abitur. Doch was sollte ich davon halten? Sicher, wer zuletzt schon fleißig für dreisprachige Krabbelgruppen, Turbo-Abitur und Bologna-Studium getrommelt hat, wird auch jetzt wieder begeistert Beifall klatschen. Wer die Aufgabe des Bildungssystems vor allem darin sieht, möglichst schnell eine möglichst hohe Anzahl uniformer Hochschulabsolventen zur ebenso reibungs- wie kritiklosen Verwertung in der Privatwirtschaft zu produzieren, der mag Gefallen daran finden, wenn das Studium bereits in der Schule beginnt.

Überhaupt, Frühstudenten, was sind das für Leute? Verzogene Einzelkinder leistungsgeiler Helikoptereltern, die sich schon darauf freuen beim abendlichen Golfen unter Gleichgesinnten die fantastischen Neuigkeiten vom Karrierefrühstart ihrer vermeintlich hochbegabten Sprösslinge zu verbreiten?

Nein, alles falsch. Je intensiver ich mich für meinen Artikel mit dem Projekt „Frühstudium“ und seinen Protagonisten auseinandersetzte, desto mehr bröckelten meine Vorurteile. Statt auf elitär denkende Professoren traf ich auf Projektleiter, die besonderen Wert auf soziale Kompetenzen und charakterliche Eignung ihrer Frühstudenten legen. Statt auf verbissene Karrieristen sprach ich mit ebenso klugen wie reflektierten Schülern, die das Frühstudium als Chance sehen, sich fachliche Einblicke in Themengebiete zu verschaffen, die in der Schule nicht oder nur oberflächlich behandelt werden. Astrophysik, Klimatologie, Literaturwissenschaft – die Uni ist eine große Spielwiese, die selbst für ausgefallenste Interessen die passende Veranstaltung bereit hält. Und die besonders begabten Schülern eine passende Möglichkeit eröffnet, die eigene Entwicklung zu fördern ohne, dass dadurch Nachteile für andere, weniger begabte, Schüler entstehen.

Nicht jeder passt eben in das starre Korsett, das Schule und Lehrplan bisweilen vorgeben. Individuelle Förderung kann auch darin bestehen, früher als andere in neue Bildungsabschnitte eintreten zu dürfen. Entscheidender Punkt ist in diesem Zusammenhang die Freiwilligkeit. Wahre Begeisterung entfaltet sich nicht selten erst ohne Leistungs- und Notendruck. Die Frühstudenten zeigen das.

Dominik Mayer

Geht zur Hochschulwahl!

WahlDass Bundestags- und Landtagswahlen wichtig sind, sollte man echt keinem Studenten mehr erklären müssen. Bei Kommunalwahlen sieht es da schon anders aus. „Gääähn“ lautet oft die Reaktion auf Fragen nach dem Interesse an der Politik in Städten und Dörfern. Ganz ähnlich sieht es bei den Hochschulwahlen aus : Obwohl die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und Nürnberg mit ihren mehr als 40.000 Studierenden und noch mal rund 6.300 Beschäftigten die Ausmaße so mancher Kleinstadt übersteigt, sind die Hochschulwahlen den meisten Uni-Angehörigen ziemlich egal.

Gerade bei den Studenten war die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren, katastrophal: Nur 10,27 Prozent der Wahlberechtigten gingen im Jahr 2015 an die Urnen. Am besten schnitten da noch die Medizinerinnen und Mediziner ab, die ein stattliches Ergebnis von mehr als 20 Prozent erzielten. Ein peinliches Bild gab jedoch – gerade für mich als Politikwissenschaftlerin – die Philosophische Fakultät ab. Nicht einmal fünf Prozent der dort Studierenden gaben ihre Stimme ab.

HorneggerDoch bevor ich jetzt anfange zu lamentieren, starte ich lieber einen Aufruf: Geht wählen! Alle! Denn gerade in den universitären Gremien habt ihr dadurch die Chance, eure Meinung kundzutun und eure Interessen zu vertreten. Sei es beim Thema Semesterticket oder zur Anwesenheitspflicht in Seminaren – gerade bei solchen vermeintlich „kleinen“ Wahlen sind eure Chancen am größten, etwas zu verändern, was euch direkt betrifft.

Mehr Informationen zur Hochschulwahl am 15. und 16. Juni findet ihr auf der Seite der Uni und der Studierendenvertretung. Wer noch unentschieden ist, was er wählen soll, kann beim Hochschulwahlkompass die eigenen Positionen mit denen der verschiedenen Listen vergleichen.

Kerstin Kesselgruber

„In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk“

MarkgrafDer Wilde Markgraf ist verwirrt: „In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk.“ Die Stadt hat eine Oberbürgermeisterin und die Hochschule eine Präsidentin. Diese modernen Zeiten! Trotz Empörung bekommen beide einen Handkuss. Mann hat schließlich Manieren. Trotzdem lässt er zur Vorsicht viele Grüße an „König Horst“ in München ausrichten.

So können Jubiläumsfeiern laufen. Keine langweiligen Reden. Keine stundenlangen Ehrungen. Dafür Filme, Interviews und ein leibhaftig auferstandener Markgraf, Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Genannt „der Wilde“, wegen seiner vielen Frauengeschichten. Der ist zwar eigentlich schon mehr als 250 Jahre tot, aber für den 20. Geburtstag der Hochschule Ansbach extra seiner Gruft entstiegen, um zu gratulieren und sich auf dem Campus umzuschauen.

20160601_124331Dort ist einiges geboten. Denn die Studenten haben die Planung zum Hochschuljubiläum übernommen. Im vergangenen Semester gab es extra Seminare und Vorlesungen dafür. Samira Becker und Benjamin Hecht haben das Modul „Moderation“ gewählt und führen am Vormittag durch den Festakt für die Ehrengäste. Der Kurs „Eventmanagement“ hat das Nachmittagsprogramm organisiert, mit Kinderbuchkino, Hochschul-Rallye und Modellautorennbahn. Beim Kulturabend ab 17 Uhr spielen  Hochschulorchester und Big Band, es gibt Theater- und Filmvorführungen.

Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle ist einer der Gratulanten und entschuldigt sich für das schlechte Wetter, das er aus München mitgebracht hat: „Das sind Freudentränen zum Geburtstag, die da vom Himmel kommen.“ Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel erinntert ihn daran, dass durchaus auch mehr Geld für die Hochschule aus München kommen könnte.

20160601_132839Die junge Hochschule ist schnell groß geworden: „Wir hatten mehr Parkplätze als Studenten und mehr Studenten als Bücher in der Bibliothek“, erinnert sich Gründungspräsident Bernhard Krämer an das Jahr 1996. Damals waren es 85 Studenten, heute sind es 3100. Sie haben Filme gedreht, wie sie ihre Hochschule sehen. Bilder und Fotografien zeigen das „Studentenleben im Wandel der Zeit“. Mit Farbe drückt jeder seinen Handabdruck auf ein großes Plakat: „20 Jahre Hochschule Ansbach“, steht darauf, „Wir waren dabei“.

Christina Merkel

Orchideenfächer – nur nutzlose Zierpflanzen?

Freizeit und Touristik Messe 2009 in Nürnberg. Im Bild: Themenpark JAPAN. HIER: Orchidee Foto: Uwe Niklas 01.03.09

Orchideen sind wunderschöne Pflanzen. Allerdings brauchen sie viel Pflege und haben dafür absolut keinen Nutzen. Sie sind eben reine Luxuszierpflanzen. Diese Eigenschaften auf sogenannte Orchideenfächer zu übertragen, bedeutet: Sie bringen nichts aber machen viel Arbeit. Universitäten verstehen unter Orchideen Studienfächer, die ungewöhnlich und daher selten sind und nur von wenigen Studenten belegt werden.

Mein Studienfach, Orientalistik, gehört auch dazu. Egal, wo ich auftauche, die Leute können sich meistens nicht, vorstellen, was ich mache. Und wenn ich dann erkläre, dass ich Arabisch lerne und Vorlesungen zu den Kulturen und Religionen des Orients besuche, kommt schon der nächste unverständliche Blick: „Ja, und was machst du dann damit später mal?“

Die meisten Leute wollen in diesen Momenten wohl einfach nur Konversation betreiben oder ihnen ist wirklich nicht klar, dass diese kleinen Fächer oft eine extrem wichtige Rolle haben. Zum Beispiel waren nach dem 11. September Islamwissenschaftler und Orientalisten so gefragt wie noch nie. Und die Hand voll Europäer, die Arabisch sprechen kann, schwimmt in Zeiten der Flüchtlingsflut nur so in Jobangeboten. Da kann ich dann zu Fragen wie, „Und warum machst du nicht einfach Spanisch oder Französisch?“, auch nur noch die Augen rollen.

Das liegt doch auf der Hand, dass ich mit diesen Sprachen, die so ziemlich jeder in der Schule gelernt hat, nicht besonders weit kommen werde. Klar, im Lebenslauf machen sie sich bestimmt nicht schlecht, aber wer mit Chinesisch, Hebräisch oder Arabisch punktet, macht sich doch gleich zehn Mal interessanter.

Also, wenn ihr das nächste Mal bei einer Party jemanden trefft, der kein 08/15-Fach studiert, bei dem die Berufsrichtung automatisch vorgegeben ist, dann antwortet doch einfach: „Wow, das klingt ja echt interessant!“ Denn dieser Person stehen wahrscheinlich viele Türen offen, dadurch, dass sie etwas Ungewöhnliches macht und in ihrem Fach ein Experte ist.

Sabrina Ahmed

Von Nürnberg in die Welt als „Freemover“

IMG_2947Mein Freund studiert in Münster. Ich in Nürnberg. Unser gemeinsames Ziel ist es, zusammen für ein Semester in Kalifornien zu studieren. Wir wollen nach Fresno, denn dort hat seine Uni eine Partneruniversität. Für mich heißt das, „Freemover“ werden.

Erfahrungen sammeln, eine neue Sprache lernen und vor allem Spaß haben. Deswegen verbringen viele Studenten ein Semester im Ausland. Bei der Organisation hilft das International Office der Hochschule und finanzielle Unterstützung bieten Programme wie Erasmus oder Auslandsbafög. Aus einer Liste wählen die Studenten eine passende Partneruni aus und schreiben dafür eine Bewerbung. Das klingt eigentlich total unkompliziert. Bei meinem Freund hat das genauso geklappt.

Aber was mache ich, wenn ich an eine Uni möchte, mit der meine Hochschule nicht „verpartnert“ ist? Das geht auch – ist aber wesentlich aufwendiger. „Freemover“ heißen Studenten, die sich eigenständig eine Universität auswählen und den Bewerbungsprozess auf eigene Faust durchziehen. Das International Office unterstützt sie nicht. Trotzdem ist es machbar. Schließlich will ich mit.

Dank meines Journalismus-Studiums habe ich gelernt, dass Anrufen mehr bringt als eine E-Mail zu schreiben, und dass „Abwimmeln-lassen“ keine Option ist. Zuerst stelle ich also Kontakt zum International Office der California State University in Fresno her. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass ich mich bewerben kann, ordne ich alle meine Unterlagen, übersetze meinen Lebenslauf und scanne Pass und TOEFL-Test ein. Die Bewerbung selbst läuft Online ab. Mehrere Seiten muss ich zu meiner Person und zu meiner akademischen Laufbahn ausfüllen. 55 Euro kostet allein dieser Prozess. Da ich schon persönlich Kontakt aufgenommen habe, darf ich meine Unterlagen direkt an das International Office per E-Mail schicken. Nun heißt es warten.

Geduldig, wie ich nicht bin, vergewissere ich mich zwischenzeitlich mehrmals telefonisch, dass meine Unterlagen angekommen und komplett sind. Schließlich, nach rund fünf Wochen, bin ich angenommen! Eine automatisch-generierte Mail mit meiner Matrikelnummer und eine persönliche mit der Bitte, weitere Dokumente anzufordern, sind in meinem Postfach. Über ein Versandprogramm schickt mir die Universität für weitere 50 Euro nun drei Papiere per Post zu. Unter anderem die Unterlagen für das Visum. Mein Geburtsort ist leider falsch angegeben. Also noch einmal die gesamte Prozedur. Dieses Mal riskiere ich den Standard-Versand und muss keine Kosten tragen. Es klappt. Nach einer Woche liegt das neue und richtige Papier in Nürnberg in meinem Briefkasten.

Da Wohnheime in den USA sehr beliebt sind, bewerbe ich mich gleich nach meiner Zusage dafür. Erstaunlicherweise ist noch Platz und mein Freund und ich bekommen je ein Zimmer in derselben Vierer-WG auf dem Campus. Der Mitvertrag ist schnell unterschrieben. Sie berechnen uns allerdings einen Aufpreis,  weil wir nur für ein Semester bleiben.

Schleichend wird mir bewusst, wie teuer das Auslandssemester wird. Klar, dass die Studiengebühren in den USA immens hoch sind. Doch obendrauf kommen zahlreiche weitere Beträge. Meine internationale Krankenversicherung genügt nicht, ich muss eine Zusatzversicherung über die Uni abschließen – 500 Euro weg. Das Visum kostet 200 Euro. Die Anmeldegebühr an der Uni 120 Euro. So geht das die ganze Zeit. Trotzdem zweifle ich keine Sekunde an meinem Plan.

Die Erfahrungen, die ich sammeln werde, sind mir jeden Cent wert. Mein Englisch auffrischen, das amerikanische Unileben mit dem Sport-Hype erleben und viele Roadtrips machen. Darauf freue ich am meisten! Gerade muss ich auf das Visum waren. Dazu hier bald mehr.

Johanna Kroll

Von Tauben und Tischbekanntschaften

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„Laufgelage“ heißt der eine Abend im Semester, an dem halb Erlangen unterwegs ist. Viele Studierende verlassen dafür den wohligen Kokon ihres Studiengangs, um die – teils kuriose – Bekanntschaft anderer exotischer Universitätsangehöriger zu machen.

Und so funktioniert’s: In Zweier-Teams bereiten mehrere hundert Menschen entweder eine Vorspeise, ein Hauptgericht oder einen Nachtisch vor und servieren das Essen in ihrer eigenen Wohnung. Dort schlagen dann jeweils zwei andere Teams auf. Organisiert wird das Ganze von der Hochschulgruppe des VWI, dem Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure. Obwohl das Laufgelage dieses Semester schon zum achten Mal in Erlangen stattfand, war ich das erste Mal dabei.

  • Folgendes habe ich dabei gelernt: Es ist richtig, dass die Uni in Erlangen hauptsächlich aus Medizinern, Juristen und TechFaklern besteht. Sie machen auch beim Laufgelage den Großteil der Tischnachbarn aus. Trotzdem – nach fast drei Jahren als Erlangerin hätte ich das nicht gedacht – gibt es tatsächlich Orchideen-Studiengänge, von denen ich noch nie gehört habe: Einer meiner Gäste war mit nur fünf anderen Kommilitonen im Masterfach Kryptozoologie eingeschrieben, das sich, wie er erklärte, mit unentdeckten und mystischen Tierarten beschäftigt.
  • Noch eine Erkenntnis: In Deutschland fertigen manche Mieter Lärmprotokolle an, wenn sie sich durch die Lautstärke ihrer Nachbarn belästigt fühlen. Dort kann man Zeitpunkt, Ort und Art des Vergehens eintragen, und ob man die Polizei gerufen hat oder nicht. Einer Tischbekanntschaft ist das passiert, als sie sich abends nach dem Sport noch etwas kochen wollte. Ihre Nachbarn fühlten sich scheinbar durch ihr lautes Zwiebelschneiden um 23 Uhr derart gestört, dass sie ihr das ausgefüllte Lärmprotokoll zur Kenntnisnahme und zum Gegenzeichnen in den Briefkasten warfen. Nette Art des Zusammenlebens.
  • Ebenfalls neu für mich: Das Gurren von Tauben kann eine wirkliche Lärmbelästigung sein. Ich habe einen Studenten getroffen, der jeden Morgen durch das lautstarke Geräusch der Vögel auf seinem Balkon aus dem Schlaf gerissen wird. Spätestens, nachdem er alle drei Kissen, die in seinem Bett liegen, gegen das Fenster geworfen hat, um die Viecher zu verscheuchen, muss er sowieso aufstehen. Da helfen auch die eigens montierten Taubenabwehrstacheln auf der Balkonbrüstung und der große Plastikrabe nichts.

Das sind nur ein paar der überraschenden Geschichten, die ich am Laufgelage-Abend gehört habe. Es waren noch viele mehr, und genau das fand ich so schön am gemeinsamen Essen. Mir gelang der Blick über den – Achtung Wortspiel – Tellerrand hinaus und ich habe mich mit Menschen unterhalten, die ich sonst wahrscheinlich nie getroffen hätte. Ich habe leckere Mahlzeiten verspeist und Einblicke in sehr unterschiedliche studentische Lebenswelten innerhalb der gleichen Stadt gewonnen. Fazit: Nächstes Semester bin ich auf jeden Fall wieder dabei! Weiter Infos gibt’s auf http://laufgelage.jimdo.com

Kerstin Kesselgruber

Game of Thrones: Nichts wissen macht mehr Spaß

Achtung Spoiler Alert! Denn die Wissenschaft ist ein Spielverderber. Sie sagt uns, dass Rauchen krank macht, Smartphones dumm und Kaffee alt. Und jetzt auch noch das: Daenerys Targaryen wird sterben! Die sexy Drachenlady aus der TV-Hitserie „Game of Thrones“! Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent überlebt sie die gerade gestartete, sechste Staffel nicht. 50 Tage lang haben 40 Informatik-Studenten der TU München vor ihrem Computern gesessen, um das herauszufinden. Na toll.

Doch damit nicht genug: Bei Tommen Baratheon, dem schüchternen Prinzen der Sieben Königreiche, liegt die Sterbewahrscheinlichkeit sogar bei 97 Prozent. Nur eine gute Nachricht gibt es: Jon Snow, der eigentlich am Ende von Staffel fünf heldenhaft ins Jenseits ging, wird wohl doch ein Hintertürchen finden – bei ihm kamen die Algorithmen nur auf elf Prozent.

Natürlich wollen alle wissen, wer wann wie als nächstes stirbt in einer Serie, die dafür bekannt ist, dass ständig ein Hauptcharakter nach dem anderen drauf geht. Zwölf Millionen Menschen sahen sich in der Nacht von Sonntag auf Montag die heißersehnte erste Folge der sechsten Staffel an. Aber wer will schon WIRKLICH vorher wissen, wie es weitergeht? Wo bleibt da noch die Spannung?

Angeblich ist der, der uns das eingebrockt hat, sogar selbst Hardcore-Fan der Serie. Doktorand Guy Yachdav hat sich die Studie ausgedacht und verwirklicht. Sie wollten mal etwas anderes berechnen als immer nur Finanzen, sagt er. Die Nachwuchsforscher gingen streng wissenschaftlich vor.  Ihr Computerprogramm durchsuchte die Online-Datenbank „Game of Thrones Wiki“ und testete 24 Eigenschaften der Figuren. Das Ergebnis: Männer sterben früher als Frauen. Bekannte eher als unbekannte Leute. Und wenn die Mutter schon tot ist, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Charakter selbst stirbt.

Die Wissenschaft nimmt einem mit solchen Informationen die ganze Unbeschwertheit und den Spaß. Lieber sitzen wir mit einer Tasse Kaffee und Zigarette in der Hand vor unserem Smartphone und schauen unwissend aber glücklich Game of Thrones.

Wer es trotzdem nicht lassen kann… Die Studenten haben alle ihre Ergebnisse ins Netz gestellt: https://got.show/statistics

Christina Merkel

Schräge Tische, schräge Chemiker

NZ-graffitiGleich vorne weg: Ich habe Chemie noch nie gemocht. Obwohl, das ist zu milde. Ich habe es gehasst! Während meiner Schulzeit hat das angefangen. Ich saß im Klassenzimmer und habe nichts verstanden. Überhaupt nichts. Das Einzige, was ich in diesen drei Jahren Chemie gelernt habe, ist abzuschreiben und das Wissen, dass für Chemiker der Erlenmeyerkolben anscheinend unersetzlich ist.

Ich hatte gedacht und auch gehofft, dass mir dieses Thema nie wieder begegnen würde. Schon gar nicht als Jurastudent. Doch das Studium belehrte mich gleich im ersten Semester eines Besseren. Meine erste Abschlussklausur musste ich im Hörsaal der anorganischen Chemie schreiben. Den Unterschied zwischen organisch und anorganisch kenne ich übrigens heute noch nicht. Ich nehme einmal an, dass das eine lebt und das andere nicht.

Kaum hatte ich Platz genommen, wurde mir der Grund meiner Ablehnung wieder schlagartig klar. Die Tische im Hörsaal – der deutlich jünger aussieht als das Audimax –  gehen so schräg nach unten, dass sowohl Bücher als auch Klausurpapier ständig in meinem Schoß landeten. Meinen Banknachbarn erging es genauso. In Erlangen gibt es wohl genauso viele kaputte Tische wie schlechte Fahrradfahrer. An meinem ersten Tag im Audimax war an einem Sitzplatz die Tischplatte falsch herum montiert. Das hatte zur Folge, dass der Tisch automatisch nach dem Aufklappen zehn Zentimeter tiefer war als alle anderen. Mittlerweile ist die Platte richtig herum montiert. Ein Kommilitone hatte sich zu stark dagegen gelehnt und somit das Problem beseitigt – oder besser gesagt abgebrochen.

Nachdem meine Bücher im Chemie-Hörsaal zum fünften Mal auf dem Boden gelandet waren, beschloss ich, sie einfach auf meine Beine zu legen. Das handelte mir natürlich umgehend skeptische Blicke der Prüfungsaufsicht ein. Anscheinend haben Chemiker keine Bücher. Das bestätigt meine Vorstellung, dass Chemie außer ein bisschen „Puff!“ und „Peng!“ keinen tieferen Sinn hat. Mein Appell an alle Chemiker, Chemiestudenten und Tischbauer: ein Tisch ist dafür da, um auf ihm etwas abzulegen. Rutscht alles sofort herunter, dann ist der Tisch – wie Juristen sagen –  in seiner „bestimmungsgemäßen Brauchbarkeit eingeschränkt.“ Warum die Tische so schräg montiert sind, konnte mir bis heute keiner erklären. Aber das ist mit der Chemie ja genauso.

Björn-Hendrik Otte

Zum Affen machen – und Spaß dabei

KerstinIch habe beim Ballett mit den Füßen gewackelt, im Lindy Hop alle fünf Minuten den Tanzpartner gewechselt und beim Zumba die Hüften geschwungen. Ich bin allein bei knapp über null Grad am Kletterturm gehangen und im Fitnesstraining mit hundert anderen bei 30 Grad schwitzend übers Fußballfeld gekeucht. Kurzum: Ich habe mich schon oft vor etlichen Zuschauern zum Affen gemacht und dabei auch noch Spaß gehabt.

Hochschulsport macht mir Spaß, weil ich eine Gesellschaftssportlerin bin. Alleine Sport zu treiben finde ich meist öde, am liebsten ist es mir, wenn eine Gruppe Freundinnen und Freunde dabei ist. Dabei habe ich früher wirklich nie Sport gemacht – bis vor fünf Jahren lebte ich nach dem allseits bekannten „Sport ist Mord“-Grundsatz. Bewegung und vor allem Schwitzen waren mir ein Graus. Bis ich immer länger vor dem PC saß, mit Hausarbeiten in der Bibliothek, beim Arbeiten im Büro.

Ich merkte irgendwann, wie gut mir Sport tut, wie angenehm sich ein ausgepowerter Körper anfühlt und wie fein man danach schlummert. Sportangebote an der Uni waren da der schnellste und bequemste Weg, ohne großen Aufwand den Hintern hochzukriegen. Wenn jemand mit mir hinging, umso besser. Jetzt versuche ich, zwei- bis dreimal die Woche irgendeine Art von Sport zu machen und bin dadurch ausgeglichener, entspannter und fitter.

Deshalb mein Tipp an alle Couch-Potatoes: Probiert’s einfach mal aus. Einmal, zweimal. Und wenn ihr dann merkt, wie glücklich ihr euch damit fühlt, macht ihr aus eigenem Antrieb weiter. Körper und Seele werden es euch danken.

Am Montag beginnt die Anmeldung beim Hochschulsport für’s neue Semester. Wir stellen euch die ausgefallensten neuen Sportarten vor.

Kerstin Kesselgruber

Ein Ereignis, das zum Himmel stinkt

Die größte Blume der Welt, die Titanwurz, blüht am 01.08.2014 im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität in Bayreuth (Bayern). Die Titanwurz erblüht nur etwa alle drei Jahre. Die Blüte dauert oft nur einen Tag oder eine Nacht und verströmt dabei einen intensiven Aasgeruch. Foto: Peter Kolb/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Großer Hype um eine kleine Blüte? Von wegen! Das hier ist nicht weniger als die größte Blüte der Welt. Sie öffnet sich eigentlich nur alle drei bis zehn Jahre, weshalb es einer botanischen Sensationn gleicht, dass sich die Titanwurz im Botanischen Garten der Uni Bayreuth in den nächsten Tagen nach nur zehn Monaten erneut öffnen wird. Wenn es soweit ist, verströmt die Pflanze einen widerlichen Gestank nach totem Fleisch. In ihrer ursprünglichen Heimat auf Sumatra lockt sie damit Aaskäfer an, die sie bestäuben. Doch auch die schaulustigen Menschen hält der „Duft“ nicht ab. Im vergangenen August kamen mehr als 12.000 Besucher, um das stinkende Spektakel und die bis zu drei Meter hohe Blume zu bestaunen.

Seinen Direktor hat sich der Botanische Garten der Universität namentlich passend zu seiner größten Attraktion ausgesucht: Gregor Aas sagt, dass die erneute Blüte innerhalb eines Jahres unter Botanikern als Rekord gelte. Normalerweise braucht die Titanwurz Jahre, um wieder genügend Energie zu sammeln. Weltweit haben Aufzeichnungen zufolge überhaupt erst rund 120 dieser Pflanzen in Botanischen Gärten geblüht. Der bislang kürzeste Abstand sei 2012 nach nur 18 Monaten in Basel gemessen worden, teilt die Universität mit. Die unterirdische Knolle der Blume wog dort mehr als 40 Kilogramm.

MOTIV: Blüte / Blühender Titanwurz im Palmengarten in Frankfurt . Foto: Hilke Steinecke; überm.v. Botan. Garten Bayr. Juli 2014.Zwischen diesem Donnerstag, 4. Juni, und kommenden Dienstag, 9. Juni, soll es in Bayreuth soweit sein. Der Botanische Garten der Universität verlängert dafür extra seine Öffnungszeiten und hat eine Webcam installiert, die das Ereignis filmt. Nach rund drei Tagen ist dann alles wieder vorbei. Der gelbe Blütenstab und das rotbraune Blütenblatt fallen in sich zusammen und die Pflanze tritt in eine sogenannte Ruhephase ein. Mal sehen wie lange sich die Titanwurz dann diesmal von dem Rummel erholen muss.

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