In Gedanken in München

Blumen und Kerzen liegen am 24.07.2016 an der U-Bahn Station Olympia-Einkaufszentrums (OEZ) in München (Bayern), zwei Tage nach einer Schießerei mit Toten und Verletzten. Die tödlichen Schüsse hat ein 18-jähriger Deutsch-Iraner abgegeben. Zehn Menschen starben, darunter der Täter. Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Es ist Freitag. Mein Tag beginnt wie immer. Ich arbeite von 10 bis 16 Uhr in der Teilbibliothek meines Studiengangs. Nach Feierabend fahre ich direkt zu einem Handyladen in der Erlanger Innenstadt. Seit Tagen geht mein Smartphone einfach aus und deswegen will ich den Akku austauschen lassen. Der Verkäufer versichert mir, ich könne es morgen wieder abholen. Zurück in meinem Wohnheim beginne ich für meine letzte Prüfung zu lernen. Um nicht abgelenkt zu werden schalte ich den Computer aus, das Handy ist ja eh schon weg. Gegen 18 Uhr fragt mich eine Freundin, ob ich mit Volleyball spielen gehe. Ein wenig Bewegung kann nicht schaden, nach dem vielen Sitzen, also sage ich zu. Das Spiel macht Spaß, die schnellen Ballwechsel bringen Spannung rein. Der Lernstress ist schnell vergessen und auch die Zeit. Ein Freund steigt aus dem Spiel aus und telefoniert lange Zeit aufgeregt, aber das kümmert mich nicht weiter. Gegen halb neun meldet sich mein Magen und ich beschließe nach Hause zu fahren und zu essen. Bis dahin bin ich immer noch komplett ahnungslos, was gerade in meiner Heimatstadt passiert. Ohne Handy, ohne Push-Meldungen von Nachrichten-Apps oder Facebook.

Unter der Dusche höre ich dann den Verkehrsfunk: „Bitte fahren sie nicht nach München, die Straßen sind gesperrt, die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht mehr.“ Was ist denn da los, denke ich mir. Eine leise Ahnung schwappt in mir hoch und die Meldungen von Nizza und Würzburg schießen durch meinen Kopf. Dann kommen die Radio-Nachrichten. Anschlag in München. Mir wird kalt unter der warmen Dusche. Bestimmt in der Innenstadt, hoffe ich. Anschlag in München Moosach, sagt der Sprecher. Mein Herz setzt aus, das ist der Stadtteil, in dem meine Familie wohnt. Anschlag in München Moosach im Olympia Einkaufszentrum. Nur zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt von meinem Zuhause. Mein Herz pocht, ich trockne mich hastig ab und renne aus der Dusche. Tränen steigen mir in die Augen. Ich denke an meine Familie.

Panisch klopfe ich an die Tür einer Freundin, um mir ihr Handy auszuleihen. Sie schaut mich an und fragt, ob ich das noch nicht mitbekommen habe, mit dem Anschlag. Ich schüttle den Kopf kann aber nichts sagen, weil ich sonst in Tränen ausbrechen würde. Wie konnte mir so etwas entgehen, in mir steigen Vorwürfe auf. In meinem Zimmer wähle ich so schnell es geht die Festnetznummer meiner Familie. Es tutet. Es tutet wieder. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. In mir sehe ich Bilder, wie mein Bruder angeschossen wird. Ich kontrolliere die Nummer, aber sie stimmt. Es tutet immer noch. Ich kann mein Herz schlagen hören und mein Kopf pocht. Dann endlich geht meine Mutter ran. „Mama?“ frage ich, während mir Tränen über die Wangen laufen. „Uns geht es gut“, versichert sie mir. Sie erzählt mir, dass sie am Vormittag noch im Olympiaeinkaufszentrum T-Shirts umgetauscht hat und mein Bruder zwei Stunden vor der Schießerei auch dort war. Aber weil seine Abschlussfeier um 18 Uhr anfing, waren sie zum Zeitpunkt, als die Schüsse fielen, alle in der Schule und applaudierten, während die Schulabgänger ihre Zeugnisse erhielten. Alles war dort ganz normal, bis zu dem Moment als die Direktorin die Veranstaltung absagt und die Polizei das Schulgelände absichert und verriegelt. Da war meine Familie aber schon wieder nach Hause gefahren, weil mein Vater Nachtschicht hatte. Ich atme tief aus. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

In diesem Moment wird mir klar, dass es jeden hätte treffen können. Hätte ich keine Prüfung mehr gehabt, dann wäre ich vermutlich auch nach Hause gefahren und es wäre nicht unwahrscheinlich gewesen, dass ich mich mit meinen Freunden zum Kaffee im OEZ getroffen hätte. Ob es vielleicht ein Vorteil war, nicht dauer-online gewesen zu sein, nicht jede falsche Nachricht mitzubekommen, nicht die ganzen Fake-Bilder von blutverschmierten Rolltreppen zu sehen? Das kann ich nicht sagen. Ich hätte nie im Leben so seelenruhig Volleyball gespielt, wenn ich gewusst hätte, was in München passiert ist. Zum anderen hätte ich die WhatsApp Nachrichten erhalten, in denen Freunde und Familie bestätigten, dass es ihnen gut geht. Und vielleicht hätte ich dann weniger Panik gehabt, die mir bis jetzt noch in den Knochen steckt.

Sabrina Ahmed

Fünf Sommer-Hotspots für Studenten in Ansbach

e-nn-gun-20160710_112440-4Wer denkt, in der Residenzstadt sei im Sommer nichts geboten, der irrt sich gewaltig. Unsere NZ-Bloggerin Eva Orttenburger hat sich umgehört und die zehn beliebtesten Orte der Studis in Ansbach ausgekundschaftet.

  1. Der Campus

… geht eigentlich immer. Egal ob Flunkyball, Bierpong oder Grill & Chill: Der Ansbacher Campus ist im Sommer der Studenten-Hotspot schlechthin. Wer Lust auf Gesellschaft hat oder nach der Vorlesung entspannen möchte, der trifft am Campus garantiert auf Gleichgesinnte – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Verhungern oder verdursten muss dank der Mensa dort auch niemand.

  1. Der Altmühlsee

… wer braucht schon Rimini, wenn es die „Fränkische Adria“ gibt? Der Altmühlsee liegt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und ist mit dem Auto von Ansbach aus in einer halben Stunde zu erreichen. Die Highlights sind ein gemütlicher Sandstrand, relativ warmes Wasser und ein Tretbootverleih (ich empfehle mit Rutsche!). Ganz großes Kino ist auch der Sonnenuntergang am Abend. Weiteres Plus: Kein Eintritt und kein nerviger Bademeister. Unbedingt mitnehmen: Mückenspray! 

  1. Die Eisdielen

Auf dem Weg vom Campus zum Schlossplatz können Eisliebhaber gleich dreimal Halt machen. Zu Beginn im Mamma Mia im Brückencenter, bevor es ins Cafe Doge auf dem Martin-Luther-Platz geht. Wer dann noch nicht genug hat, kann einen Abstecher ins Castello direkt neben der Residenz machen. Bei allen drei Cafes gibt’s auch eine gemütliche Terrasse zum Pause machen.

  1. Der Hofgarten

…ist immer wieder schön anzusehen und bietet sich auch für die Eisliebhaber von Punkt drei an (er liegt direkt am Schlossplatz). Die barocke Anlage mit der akkuraten Bepflanzung erinnert etwas an den Garten von Versailles (natürlich nur in Klein – wir sind schließlich in Ansbach.) Im hinteren Teil gibt es eine Liegewiese zum Entspannen. Der Hofgarten schließt im Sommer jedoch bereits um 21 Uhr. Wer dann noch nicht genug hat, kann auf dem Rückweg Richtung Campus abermals einkehren, nämlich in…

  1. Die Biergärten

Leider gibt es sie in Ansbach nicht in Hülle und Fülle, aber sie sind zumindest vorhanden. An der Riviera locken zahlreiche Sitzplätze unter schattigen Bäumen ins Freiraum. Dort gibt es neben einem großen Getränkeangebot vor allem Flammkuchen und Salate zu Essen. Wer es etwas deftiger mag, der wird im zwei Meter entfernten Zum Mohren glücklich. In dem fränkischen Wirtshaus gibt es neben herkömmlichen Speisen natürlich auch Schäufele und Co. Für Regentage sei noch das Chilli’s erwähnt. Dort lässt es sich mexikanisch schlemmen mit Tapas und Cocktails (Happy Hour aber leider nur von 17 bis 19 Uhr und dann wieder ab 22.30 Uhr).

Schönen Sommer!

Eva Orttenburger

Mit Meditation gegen den Uni-Stress

MeditationDas Handy in der rechten Hand, das Tablet in der linken und den Blick auf den Laptop gerichtet. Was noch vor wenigen Jahren nur bei gestressten Topmanagern zu sehen war, ist heute auch bei Studenten üblich. Und nicht nur die Laptops haben die Studenten von den Managern übernommen, sondern auch den Stress. Die Hochschule Coburg lenkt jetzt dagegen und nimmt Meditation in ihr Studienangebot auf.

Der Titel klingt nach Klangschalen und Duftkerzen: „Achtsamkeitsseminar“. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, Studenten aus ihrem Alltagsstress herauszuholen. So soll ihnen ein entspanntes Studium möglich sein. In den Seminaren haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit den Gründen für ihren Stress auseinanderzusetzen. Vielleicht ist es bei Einem die Handysucht und der Drang, ständig auf Whatsapp zu antworten. Beim Nächsten der Wille, unbedingt die neue Staffel der Serie „House of Cards“ vor seinen Kommilitonen fertigzuschauen. Und beim Dritten, die Angst, in der nächsten Prüfung zu versagen.

Das Angebot der Hochschule ist ein guter Schritt, den Studenten den Stress ein wenig zu nehmen. Dabei wird von den Teilnehmern auch Verzicht gefordert. Das Programm sieht etwa vor, dass jeder einen Tag lang ohne Smartphone auskommen muss. Für viele klingt das wie der Weltuntergang. Nicht leicht für Studenten, die jede Joggingrunde mit ihrer Lauf-App auf Facebook teilen. Auch diejenigen, die ihren Instagram-Followern mitteilen müssen, dass das Schnitzel in der Mensa nicht schmeckt, werden schnell an ihre Grenzen stoßen.

Wer sich angesprochen fühlt, der hat beim Achtsamkeitsseminar die Möglichkeit, den Blick vom Smartphone zu lösen. Die schönen Dinge werden dann sichtbar, wenn die Augen mehr sehen als die Facebooktimeline. Der Tischnachbar kann doch am besten beurteilen, wie die Currywurst gerade schmeckt. Ganz ohne Likes.

Björn-Hendrik Otte

 

Zehn Tipps für einen kühlen Kopf in der Klausurenphase

Nuernberg, 18.08.2012 Wetter, Sommer, Spanische Sommerhitze in Nürnberg , bei Temperaturen von über 30 Grad suchen die Nuernberger Abkühlung in den Eisdielen und Freibädern. Freibad West erwartet am Samstag 7000 Besucher. Tarsa sucht die Abkuehlung. Ressort: Anzeiger Lokales Foto: Stefan Hippel ..

Was ist die schönste Jahreszeit im Jahr? Ja, richtig: der Sommer! Sonnenstrahlen, Sonnenbrillen, draußen sitzen, lauer Wind und wir kommen aus der Uni solange es noch hell ist. Die Sommermonate sorgen für mehr Lebensfreude. Gleichzeitig stellt diese Jahreszeit Studenten auf eine besonders harte Probe. Wir müssen die Klausurenphase mit vielen verführerischen Ablenkungen und einer unklimatisierten Bib überstehen. Deswegen kommen hier zehn Tipps für euch, mit denen ihr das schaffen könnt!

  1. Die Prüfungsanmeldung läuft: Im Sommersemester sollte das tatsächlich der Startschuss sein, zumindest mit der Organisation des Lernens zu beginnen. Sei es Skripte drucken, Mappen kaufen oder einen Lernplan schreiben. Wer den Sommer genießen will, fängt jetzt an!
  2. An den Sprichworten „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Je schwärzer die Nacht, desto schöner der Tag“ ist im Sommer wirklich etwas dran. Wer will schon in der Mittagshitze vor der Lektüre kleben? Lernt morgens oder tut es nachts!
  3. Schnell eine Schokolade, Bifi, Cola… Automaten machen es möglich! Schnell ist dort das „gute“ Mittagessen gekauft. Fühlt ihr euch danach motiviert? Wenn nicht, überlegt euch einfache Alternativen und steckt zehn Minuten in die Vorbereitung einer Stulle. Es lohnt sich!
  4. Wasser, Wasser, Wasser! Trinkt! Seht es wie eine Challenge, die wohl im Vergleich zum Lernstoff am leichtesten zu bewältigen ist: Mindestens 1,5 Liter trinken am Tag. Wollt ihr Variationen, dann friert Weintrauben ein und tut sie als Eiswürfel dazu. Die sind auch als erfrischender Snack optimal. Seid ihr ein Kaffeeliebhaber versucht es mal mit Eiskaffee. Den Kaffee etwas stärker als sonst kochen, ein paar Stunden in den Kühlschrank und Eiswürfel hinzu. Fertig. Nun seid ihr wach und erfrischt zugleich.
  5. Auch wenn noch so oft dafür geworben wird, an der frischen Luft zu lernen, folgt dem nur, wenn ihr euch sicher seid, dass das für euch funktioniert. Meistens ist der Schreibtisch der effektivste Lernort. Auf der Whörder Wiese ist die Verlockung, die Augen für einen Moment (oder ein paar Stunden) zu schließen, einfach zu groß…
  6. Für die ganz heißen Tage stellt euch eine große Schüssel mit kaltem Wasser unter den Tisch. Stellt dann die Füße hinein. Sind die Füße abgekühlt, fährt der ganze Körper seine Körpertemperatur herunter. Kühlpads oder Waschlappen sind ebenso geeignet.
  7. Ein Hoch auf Stoßlüften! Luft brauchen wir nicht nur zum Atmen, sondern auch zum Denken. Reißt die Fenster morgens und abends auf. So lassen wir die Mittagshitze draußen und haben keinen Mief im Zimmer.
  8. Kennt ihr die Folge aus Scrubs, wo Turk seine Unterhosen im Gefrierschrank lagert? Legt eure Boxershorts in die Tiefkühltruhe und zieht sie nach einer lauwarmen Dusche an. Innerhalb kürzester Zeit seid ihr wach und erfrischt. Hat bei Turk geklappt, warum also nicht auch bei euch.
  9. Welche Frau, die kurze Hosen trägt, kennt es nicht? Wir wollen aufstehen doch unsere Beine lassen sich kaum vom Stuhl lösen. Da unsere nackte Haut in Berührung mit dem Stuhl kommt, haben wir nicht nur den allseits bekannten Abdruckstrich an der Hinterseite unserer Oberschenkel sondern es ist schlichtweg alles klebrig durch den Schweiß. Abhilfe schafft ein dünnes Tuch. Morgens, wenn es kühl ist, um den Hals wickeln, mittags draufsetzen.
  10. Zu guter Letzt der wohl wichtigste Tipp: Wir wollen ja keinen unnötigen Arbeitsaufwand. Löchert die Dozenten und die Studenten aus den Semestern über euch mit Fragen zu Klausuren. Für so manches Fach bleiben sie über mehrere Jahre schlichtweg ähnlich. So schafft ihr es, die Gewichtung eures Arbeitsaufwandes noch leichter zu strukturieren. Aber ihr solltet immer gut überlegen, wie seriös eure Quellen sind.

So nun viel Erfolg bei den Prüfungen und vergesst nicht, den Sommer trotzdem zu genießen. Lachen reduziert Kopfschmerzen und mindert den Stresslevel. Gelegentliche Eskapaden müssen also drin sein!

Johanna Kroll

Und täglich grüßt die Schranke

AutoschlangeDa sind sie wieder: Rot auf schwarz. Die sieben lästigen Buchstaben, die jeden Pendler-Studenten noch vor der Vorlesung verzweifeln lassen. Egal wie oft ich das Kärtchen an den Sensor halte, die Schranke bleibt unten. “BESETZT” steht auf der Anzeige. Der Hochschulparkplatz ist voll – wie jeden Tag. Hinter mir staut es sich bereits. Vier andere Pkw haben den Blinker gesetzt und wollen auf den Parkplatz. Andere Autofahrer ärgern sich über die Verzögerung und fangen an zu hupen.

Die schwierigste Entscheidung des Vormittags steht an: Warten, bis jemand rausfährt, oder wo anders parken? Ich entscheide mich für letzteres. Bis alle verstanden haben, dass ich nun rückwärts aus der Einfahrt raus will, vergehen zehn Minuten. In fünf Minuten beginnt die Vorlesung. Ich sollte vorher aber auch noch das Equipment vom letzten Filmdreh zurückbringen – nur deshalb bin ich mit dem Auto gefahren.

Verärgert kurve ich ins nahegelegene Wohngebiet. Dort ist aber auch alles zugeparkt. Außerdem müsste ich dann die schweren Taschen mit Kamera und Stativ ewig weit schleppen. Ich wähle also die letzte Option: Kostenpflichtiges Parken im Ansbacher „Brückencenter“ gleich neben der Hochschule. Dort bekomme ich endlich einen Platz. Genervt lade ich mein ganzes Zeug aus und hechte damit Richtung Campus.

Der Ärger mit den Parkplätzen rund um die Ansbacher Hochschule ist mittlerweile so sicher, wie das Gähnen in der Vorlesung. Viele Pendler müssen täglich auf das Parkhaus des Einkaufscenters ausweichen und dafür bezahlen, obwohl sie eigentlich mit der Campuskarte umsonst an der Hochschule parken könnten. Auf die Situation angesprochen winkt der Pressesprecher ab: Es gebe eine große Anzahl an Parkplätzen. Verglichen mit vielen anderen Städen sei das eine komfortable Situation.

“Komfortabel?”, frage ich mich, während ich am Abend mal wieder vier Euro in den Parkautomaten einwerfe. In der Woche sind das 20 Euro nur fürs Parken. Ein Glück, dass meine Tour mit dem Auto die Ausnahme war. Am nächsten Tag komme ich mit dem Fahrrad: Wieder fünf Autos, wieder BESETZT, wieder eine geschlossene Schranke, wieder Hupen. Zwei von meinen Pendler-Freundinnen kommen diesmal zu spät in die Vorlesung. “Parkplatzsuche?”, frage ich und bekomme nur ein böses Nicken zurück.

Eva Orttenburger

Frühstudium: Streber oder Studenten aus Leidenschaft?

Erlangen: Tim Bothe ist Schüler, aber studiert gleichzeitig Geschichte an der PhilFak der FAU. 17.05.2016. Foto: Harald Sippel

Der Gedanke behagte mir nicht. Gar nicht. Ich war sogar extrem skeptisch. Ich sollte über Schüler schreiben, die schon zur Uni gehen, noch vor dem Abitur. Doch was sollte ich davon halten? Sicher, wer zuletzt schon fleißig für dreisprachige Krabbelgruppen, Turbo-Abitur und Bologna-Studium getrommelt hat, wird auch jetzt wieder begeistert Beifall klatschen. Wer die Aufgabe des Bildungssystems vor allem darin sieht, möglichst schnell eine möglichst hohe Anzahl uniformer Hochschulabsolventen zur ebenso reibungs- wie kritiklosen Verwertung in der Privatwirtschaft zu produzieren, der mag Gefallen daran finden, wenn das Studium bereits in der Schule beginnt.

Überhaupt, Frühstudenten, was sind das für Leute? Verzogene Einzelkinder leistungsgeiler Helikoptereltern, die sich schon darauf freuen beim abendlichen Golfen unter Gleichgesinnten die fantastischen Neuigkeiten vom Karrierefrühstart ihrer vermeintlich hochbegabten Sprösslinge zu verbreiten?

Nein, alles falsch. Je intensiver ich mich für meinen Artikel mit dem Projekt „Frühstudium“ und seinen Protagonisten auseinandersetzte, desto mehr bröckelten meine Vorurteile. Statt auf elitär denkende Professoren traf ich auf Projektleiter, die besonderen Wert auf soziale Kompetenzen und charakterliche Eignung ihrer Frühstudenten legen. Statt auf verbissene Karrieristen sprach ich mit ebenso klugen wie reflektierten Schülern, die das Frühstudium als Chance sehen, sich fachliche Einblicke in Themengebiete zu verschaffen, die in der Schule nicht oder nur oberflächlich behandelt werden. Astrophysik, Klimatologie, Literaturwissenschaft – die Uni ist eine große Spielwiese, die selbst für ausgefallenste Interessen die passende Veranstaltung bereit hält. Und die besonders begabten Schülern eine passende Möglichkeit eröffnet, die eigene Entwicklung zu fördern ohne, dass dadurch Nachteile für andere, weniger begabte, Schüler entstehen.

Nicht jeder passt eben in das starre Korsett, das Schule und Lehrplan bisweilen vorgeben. Individuelle Förderung kann auch darin bestehen, früher als andere in neue Bildungsabschnitte eintreten zu dürfen. Entscheidender Punkt ist in diesem Zusammenhang die Freiwilligkeit. Wahre Begeisterung entfaltet sich nicht selten erst ohne Leistungs- und Notendruck. Die Frühstudenten zeigen das.

Dominik Mayer

Geht zur Hochschulwahl!

WahlDass Bundestags- und Landtagswahlen wichtig sind, sollte man echt keinem Studenten mehr erklären müssen. Bei Kommunalwahlen sieht es da schon anders aus. „Gääähn“ lautet oft die Reaktion auf Fragen nach dem Interesse an der Politik in Städten und Dörfern. Ganz ähnlich sieht es bei den Hochschulwahlen aus : Obwohl die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und Nürnberg mit ihren mehr als 40.000 Studierenden und noch mal rund 6.300 Beschäftigten die Ausmaße so mancher Kleinstadt übersteigt, sind die Hochschulwahlen den meisten Uni-Angehörigen ziemlich egal.

Gerade bei den Studenten war die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren, katastrophal: Nur 10,27 Prozent der Wahlberechtigten gingen im Jahr 2015 an die Urnen. Am besten schnitten da noch die Medizinerinnen und Mediziner ab, die ein stattliches Ergebnis von mehr als 20 Prozent erzielten. Ein peinliches Bild gab jedoch – gerade für mich als Politikwissenschaftlerin – die Philosophische Fakultät ab. Nicht einmal fünf Prozent der dort Studierenden gaben ihre Stimme ab.

HorneggerDoch bevor ich jetzt anfange zu lamentieren, starte ich lieber einen Aufruf: Geht wählen! Alle! Denn gerade in den universitären Gremien habt ihr dadurch die Chance, eure Meinung kundzutun und eure Interessen zu vertreten. Sei es beim Thema Semesterticket oder zur Anwesenheitspflicht in Seminaren – gerade bei solchen vermeintlich „kleinen“ Wahlen sind eure Chancen am größten, etwas zu verändern, was euch direkt betrifft.

Mehr Informationen zur Hochschulwahl am 15. und 16. Juni findet ihr auf der Seite der Uni und der Studierendenvertretung. Wer noch unentschieden ist, was er wählen soll, kann beim Hochschulwahlkompass die eigenen Positionen mit denen der verschiedenen Listen vergleichen.

Kerstin Kesselgruber

„In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk“

MarkgrafDer Wilde Markgraf ist verwirrt: „In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk.“ Die Stadt hat eine Oberbürgermeisterin und die Hochschule eine Präsidentin. Diese modernen Zeiten! Trotz Empörung bekommen beide einen Handkuss. Mann hat schließlich Manieren. Trotzdem lässt er zur Vorsicht viele Grüße an „König Horst“ in München ausrichten.

So können Jubiläumsfeiern laufen. Keine langweiligen Reden. Keine stundenlangen Ehrungen. Dafür Filme, Interviews und ein leibhaftig auferstandener Markgraf, Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Genannt „der Wilde“, wegen seiner vielen Frauengeschichten. Der ist zwar eigentlich schon mehr als 250 Jahre tot, aber für den 20. Geburtstag der Hochschule Ansbach extra seiner Gruft entstiegen, um zu gratulieren und sich auf dem Campus umzuschauen.

20160601_124331Dort ist einiges geboten. Denn die Studenten haben die Planung zum Hochschuljubiläum übernommen. Im vergangenen Semester gab es extra Seminare und Vorlesungen dafür. Samira Becker und Benjamin Hecht haben das Modul „Moderation“ gewählt und führen am Vormittag durch den Festakt für die Ehrengäste. Der Kurs „Eventmanagement“ hat das Nachmittagsprogramm organisiert, mit Kinderbuchkino, Hochschul-Rallye und Modellautorennbahn. Beim Kulturabend ab 17 Uhr spielen  Hochschulorchester und Big Band, es gibt Theater- und Filmvorführungen.

Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle ist einer der Gratulanten und entschuldigt sich für das schlechte Wetter, das er aus München mitgebracht hat: „Das sind Freudentränen zum Geburtstag, die da vom Himmel kommen.“ Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel erinntert ihn daran, dass durchaus auch mehr Geld für die Hochschule aus München kommen könnte.

20160601_132839Die junge Hochschule ist schnell groß geworden: „Wir hatten mehr Parkplätze als Studenten und mehr Studenten als Bücher in der Bibliothek“, erinnert sich Gründungspräsident Bernhard Krämer an das Jahr 1996. Damals waren es 85 Studenten, heute sind es 3100. Sie haben Filme gedreht, wie sie ihre Hochschule sehen. Bilder und Fotografien zeigen das „Studentenleben im Wandel der Zeit“. Mit Farbe drückt jeder seinen Handabdruck auf ein großes Plakat: „20 Jahre Hochschule Ansbach“, steht darauf, „Wir waren dabei“.

Christina Merkel

Orchideenfächer – nur nutzlose Zierpflanzen?

Freizeit und Touristik Messe 2009 in Nürnberg. Im Bild: Themenpark JAPAN. HIER: Orchidee Foto: Uwe Niklas 01.03.09

Orchideen sind wunderschöne Pflanzen. Allerdings brauchen sie viel Pflege und haben dafür absolut keinen Nutzen. Sie sind eben reine Luxuszierpflanzen. Diese Eigenschaften auf sogenannte Orchideenfächer zu übertragen, bedeutet: Sie bringen nichts aber machen viel Arbeit. Universitäten verstehen unter Orchideen Studienfächer, die ungewöhnlich und daher selten sind und nur von wenigen Studenten belegt werden.

Mein Studienfach, Orientalistik, gehört auch dazu. Egal, wo ich auftauche, die Leute können sich meistens nicht, vorstellen, was ich mache. Und wenn ich dann erkläre, dass ich Arabisch lerne und Vorlesungen zu den Kulturen und Religionen des Orients besuche, kommt schon der nächste unverständliche Blick: „Ja, und was machst du dann damit später mal?“

Die meisten Leute wollen in diesen Momenten wohl einfach nur Konversation betreiben oder ihnen ist wirklich nicht klar, dass diese kleinen Fächer oft eine extrem wichtige Rolle haben. Zum Beispiel waren nach dem 11. September Islamwissenschaftler und Orientalisten so gefragt wie noch nie. Und die Hand voll Europäer, die Arabisch sprechen kann, schwimmt in Zeiten der Flüchtlingsflut nur so in Jobangeboten. Da kann ich dann zu Fragen wie, „Und warum machst du nicht einfach Spanisch oder Französisch?“, auch nur noch die Augen rollen.

Das liegt doch auf der Hand, dass ich mit diesen Sprachen, die so ziemlich jeder in der Schule gelernt hat, nicht besonders weit kommen werde. Klar, im Lebenslauf machen sie sich bestimmt nicht schlecht, aber wer mit Chinesisch, Hebräisch oder Arabisch punktet, macht sich doch gleich zehn Mal interessanter.

Also, wenn ihr das nächste Mal bei einer Party jemanden trefft, der kein 08/15-Fach studiert, bei dem die Berufsrichtung automatisch vorgegeben ist, dann antwortet doch einfach: „Wow, das klingt ja echt interessant!“ Denn dieser Person stehen wahrscheinlich viele Türen offen, dadurch, dass sie etwas Ungewöhnliches macht und in ihrem Fach ein Experte ist.

Sabrina Ahmed

Von Nürnberg in die Welt als „Freemover“

IMG_2947Mein Freund studiert in Münster. Ich in Nürnberg. Unser gemeinsames Ziel ist es, zusammen für ein Semester in Kalifornien zu studieren. Wir wollen nach Fresno, denn dort hat seine Uni eine Partneruniversität. Für mich heißt das, „Freemover“ werden.

Erfahrungen sammeln, eine neue Sprache lernen und vor allem Spaß haben. Deswegen verbringen viele Studenten ein Semester im Ausland. Bei der Organisation hilft das International Office der Hochschule und finanzielle Unterstützung bieten Programme wie Erasmus oder Auslandsbafög. Aus einer Liste wählen die Studenten eine passende Partneruni aus und schreiben dafür eine Bewerbung. Das klingt eigentlich total unkompliziert. Bei meinem Freund hat das genauso geklappt.

Aber was mache ich, wenn ich an eine Uni möchte, mit der meine Hochschule nicht „verpartnert“ ist? Das geht auch – ist aber wesentlich aufwendiger. „Freemover“ heißen Studenten, die sich eigenständig eine Universität auswählen und den Bewerbungsprozess auf eigene Faust durchziehen. Das International Office unterstützt sie nicht. Trotzdem ist es machbar. Schließlich will ich mit.

Dank meines Journalismus-Studiums habe ich gelernt, dass Anrufen mehr bringt als eine E-Mail zu schreiben, und dass „Abwimmeln-lassen“ keine Option ist. Zuerst stelle ich also Kontakt zum International Office der California State University in Fresno her. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass ich mich bewerben kann, ordne ich alle meine Unterlagen, übersetze meinen Lebenslauf und scanne Pass und TOEFL-Test ein. Die Bewerbung selbst läuft Online ab. Mehrere Seiten muss ich zu meiner Person und zu meiner akademischen Laufbahn ausfüllen. 55 Euro kostet allein dieser Prozess. Da ich schon persönlich Kontakt aufgenommen habe, darf ich meine Unterlagen direkt an das International Office per E-Mail schicken. Nun heißt es warten.

Geduldig, wie ich nicht bin, vergewissere ich mich zwischenzeitlich mehrmals telefonisch, dass meine Unterlagen angekommen und komplett sind. Schließlich, nach rund fünf Wochen, bin ich angenommen! Eine automatisch-generierte Mail mit meiner Matrikelnummer und eine persönliche mit der Bitte, weitere Dokumente anzufordern, sind in meinem Postfach. Über ein Versandprogramm schickt mir die Universität für weitere 50 Euro nun drei Papiere per Post zu. Unter anderem die Unterlagen für das Visum. Mein Geburtsort ist leider falsch angegeben. Also noch einmal die gesamte Prozedur. Dieses Mal riskiere ich den Standard-Versand und muss keine Kosten tragen. Es klappt. Nach einer Woche liegt das neue und richtige Papier in Nürnberg in meinem Briefkasten.

Da Wohnheime in den USA sehr beliebt sind, bewerbe ich mich gleich nach meiner Zusage dafür. Erstaunlicherweise ist noch Platz und mein Freund und ich bekommen je ein Zimmer in derselben Vierer-WG auf dem Campus. Der Mitvertrag ist schnell unterschrieben. Sie berechnen uns allerdings einen Aufpreis,  weil wir nur für ein Semester bleiben.

Schleichend wird mir bewusst, wie teuer das Auslandssemester wird. Klar, dass die Studiengebühren in den USA immens hoch sind. Doch obendrauf kommen zahlreiche weitere Beträge. Meine internationale Krankenversicherung genügt nicht, ich muss eine Zusatzversicherung über die Uni abschließen – 500 Euro weg. Das Visum kostet 200 Euro. Die Anmeldegebühr an der Uni 120 Euro. So geht das die ganze Zeit. Trotzdem zweifle ich keine Sekunde an meinem Plan.

Die Erfahrungen, die ich sammeln werde, sind mir jeden Cent wert. Mein Englisch auffrischen, das amerikanische Unileben mit dem Sport-Hype erleben und viele Roadtrips machen. Darauf freue ich am meisten! Gerade muss ich auf das Visum waren. Dazu hier bald mehr.

Johanna Kroll