Sexuelle Aufklärung bei der Ersti-Begrüßung

Die Einführungsveranstaltungen an der California State University Fresno bedeuten zwei Tage Programm für mich. Ich bin gespannt und erwarte, viele Leute kennen zu lernen und Spaß zu haben. Der erste Tag ist nur für internationale Studenten und kostet für Freemover 70 Dollar. Bei Partneruniversitäten wird dieser Betrag gezahlt.

Leider ist gerade dieser erste Tag mehr als enttäuschend. Es gibt zwar Donuts, aber die Veranstaltung ist unglaublich langweilig. Insgesamt gibt es zwei Minuten Interaktion, die restliche Zeit hören wir Vorträgen oder sehen Rollenspiele, die das Gesagte verinnerlichen sollen. Dabei wird sehr viel über sexuelle Aufklärung gesprochen. Das habe ich in Deutschland noch nie gehört, dass das bei der Erstsemesterbegrüßung auf der Agenda steht. Da hier in Fresno sehr viele verschiedene Kulturen und somit auch viele verschiedene Auffassungen von Sexualität aufeinander treffen, finde ich es aber sehr gut, dass es thematisiert wird.

Wirklich Auskunft über die Universität und unsere Möglichkeiten dort bekommen wir nicht. Das einzig spannende ist das „Student Cupboard“, das uns gezeigt wird. Hier können Studenten einmal täglich kostenlos einkaufen. Von jeder Sorte darf jeder nur ein Teil mitnehmen und wenn der Korb voll ist, ist Schluss. Hier werde ich definitiv regelmäßig Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln und Tomatensoße besorgen! Ich hole noch meinen Studentenausweis ab und dann ist der erste Orientierungstag um.

Der zweite Tag findet für alle neuen Studenten an der Universität statt, also auch für Amerikaner. Es ist heiß und die Schlange in das Event Center ist lang. auf dem Weg hinein müssen durch einen circa 100 Meter langen Gang laufen und mit allen Studenten aus höheren Semestern ein High-Five abklatschen. Ich merke, dass dieser Tag definitiv amüsanter wird. Laute Musik, nur ein paar Reden, viele Tänze und Gesang werden geboten. Die Cheerleader und die Marching-Band der Uni treten auf – wie im Highschool-Film. Auch das Maskottchen der Fresno State, eine lebendige Bulldogge, wird hereingeführt. Nach der Veranstaltung bekommt jeder einen Essensgutschein für die Foodtrucks, die vor der Veranstaltungshalle stehen. Außerdem gibt es eine große Halle mit Gewinnspielen und Informationsständen.

Der zweite Teil der Begrüßungstage war also sehr viel spaßiger. Ich habe Lust auf die Uni und bin gespannt auf die erste Woche. Davon berichte ich bald mehr!

Johanna Kroll

Auch über ihre Vorbereitungen, Anreise und Ankunft hat Johanna hier schon berichtet.

Lasst mich mit euren Urlaubsfotos in Ruhe

MOTIV: Bachelor - Studenten stehen unter enormen psychischem Druck aufgrund der hohen Arbeitsbelastung. FOTO: Franziska Bauer, gesp. 2010 Hier: Feature-Bild: Wie ein Hamster im Laufrad - psychischer Druck bei Bachelorstudenten steigt

Bisher bedeutete Hausarbeit für mich Staubsaugen und Fenster putzen. Zumindest bis ich in diesen Semesterferien meine erste Hausarbeit schreiben durfte. Dass es noch schlimmer werden kann als Fenster putzen, hätte ich nicht gedacht – wurde aber eines besseren belehrt.

„Naja gut, das wird schon“, dachte ich als ich die Vorgaben Anfang August ausdruckte. Schließlich hatte ich meine Seminararbeit in der Schule ja auch aus mehreren Zeitungsartikeln, ein paar hübschen Bildern und den Informationen diverser Internetseiten zusammengesetzt. Für das Ergebnis von 13 Punkten hielt sich der Aufwand damals sehr in Grenzen.

Das ist jetzt anders. Hübsche Bilder sind nicht mehr drin. Wäre bei einer Hausarbeit in Jura auch ein bisschen schwierig. Zur passenden Illustrierung bräuchte ich da zum Beispiel einen eifersüchtigen Mörder, einen unseriösen Teppichhändler oder einen Studenten, der in jeder Klausur die volle Punktzahl erreicht. Alles nichts, was sich so spontan in meiner Fotosammlung finden lässt. Am schwierigsten zu finden ist da wohl der Streber.

Im Internet ist auch eher Halbwissen unterwegs. Das Juristischste, was ich dort gefunden habe, waren Facebooknutzer, die in einem Post irgendwelchen Nutzungsbedingungen widersprochen haben. Da wäre mein Studium dann sofort beendet. Und aus Zeitungsartikeln lässt sich zu meinem Thema wirklich nichts zusammensuchen – aber selbst schuld, ich hätte eben nichts studieren dürfen, was zunächst keinen normalen Menschen interessiert.

Das darf ich jetzt alles abarbeiten. Bei 30 Grad in der Uni Bibliothek, während meine Freunde an ihrem perfekt gebräunten Sommerkörper arbeiten. Auch bei 30 Grad. Bloß am Strand, mit rauschendem Meer und einem Caipirinha in der Hand.

Nein, ich bin auf niemanden neidisch. Nicht auf die Karibikurlauber. Auch nicht auf die Kreuzfahrer, die in drei Wochen jede Küstenstadt zwischen Venedig und Barcelona gesehen haben. Ich gönne auch jedem seinen Spaß im Freibad. Ist ja schließlich schönes Wetter. Da muss der Spätsommer doch genutzt werden. Aber eine Bitte habe ich dann doch noch: Lasst mich mit euren Fotos in Ruhe. Postet sie nicht auf Instagram, dreht keine Facebook Live Videos und schickt mir keine Snaps vom Flughafen. Sonst muss ich das auch noch anschauen, statt weiterzuschreiben.

Außer ihr habt da zufällig einen eifersüchtigen Mörder drauf. Dann kann ich sie gebrauchen.

Björn-Hendrik Otte

 

Ja Officer, ich werde ordentlich lernen!

fahrtDie Reise kann beginnen. Die wichtigsten Dokumente für mein Auslandsstudium in den USA sind mein Reisepass, das Visum und ein Dokument namens „I-20“. Das wird von der amerikanischen Uni ausgefüllt und gibt Auskunft über meinen Status, meine Person und meine Universität. Außerdem muss ich einen Nachweis dabei haben, dass ich genügend Geld für Studiengebühren und zum Leben habe. All das packe ich in mein Handgepäck, weil ich die Unterlagen bei der Einreise in die USA vorzeigen muss.

Mein Vater fährt mich nach Düsseldorf und ich steige ins Flugzeug nach Los Angeles. Ich habe einen Flug für 800 Euro gefunden. Das ist sehr günstig für August. Direktflüge nach Fresno, mein Studienort für die kommenden fünf Monate in Kalifornien, hätten 1500 Euro gekostet. Angekommen in LA, habe ich ein bisschen Respekt vor den Homeland Securities. Ich war zwar schon öfter in den USA, aber noch nie für so eine lange Zeit. Zum Glück verläuft alles ohne Probleme. Ich lege meine Dokumente vor und bekomme die nötigen Stempel. Der Officer sagt bloß, ich solle ordentlich lernen, aber trotzdem jede Menge Spaß haben. Oh ja, das werde ich!

Für die Strecke von LA nach Fresno nehme ich ein Mietauto. Das ist sehr viel günstiger als weiter zu fliegen. Es ist ein Uhr nachts als ich in Fresno ankomme und es hat draußen immer noch mehr als 30 Grad Celsius. Nachdem ich meine Schlüssel abgeholt habe, will ich nur noch in mein Bett fallen. Das Wohnheim schaut von außen sehr schön aus und innen geräumig. Ich wohne im ersten Stock in einer Vierer-Wohngemeinschaft. Jetzt heißt es aber erstmal Bettzeit. Schade nur, dass wirklich keinerlei Bettzeug vorhanden ist. Ich habe meinen Hüttenschlafsack dabei und meine zwei Pullis sind mein Kissen.

Die erste Woche in Fresno besteht aus Organisation und Geld ausgeben. Es ist tatsächlich nichts außer Möbel in der Wohnung. Wir fahren zu Second-Hand-Läden und Walmart, eine Einkaufsladenkette, in der wir Stunden zubringen. Walmart ist so riesig, dass (ich bin mir zu 100 Prozent sicher) sich auch noch die Amerikaner darin verlaufen. Plastikgeschirr, Wasserkanister und ein Auto waren die wichtigsten Anschaffungen bis jetzt. Über Craigslist, ein An- und Verkaufsportal, haben wir einen alten Jeep „Grand Cherokee“ erstanden. Autos sind hier sehr viel günstiger als in Deutschland. Da ich noch unter 25 Jahre alt bin, wäre ein Auto mieten für fünf Monate doppelt so teuer wie eines zu kaufen. Für einen Mietwagen müsste ich in meinem Alter 25 Dollar pro Tag extra zahlen. Doch auch für die Uni muss ich – neben der verpflichtenden studentischen Krankenversicherung – noch viel Geld ausgeben. Für meine Kurse benötige ich Bücher im Gesamtwert von 300 Dollar. Die anderen internationalen Studenten aus dem Wohnheim belegen alle Business Kurse. Für sie kostet teilweise ein einzelnes Buch schon 300 Dollar. Ich komme also noch einigermaßen sparsam weg.

Es war gut rechtzeitig anzureisen. So habe ich eine Woche, um alle Anschaffungen zu tätigen und mich etwas einzuleben. Morgen beginnen die Einführungsveranstaltungen. Ich werde berichten, ob sie so aufregend und übertrieben werden, wie man sich das für eine Uni in Amerika vorstellt.

Johanna Kroll

Ohne Tuberkulose nach Kalifornien

vorbereitungDrei Tage nach meinem Besuch im Konsulat ist das Visum für mein Auslandssemester in Kalifornien in meinem Briefkasten. Als Technikjournalismus/-PR Studentin gehe ich aus Nürnberg für fünf Monate in die USA. Da ich meinen Auslandsaufenthalt als Freemover mache, habe ich ein F-1-Visum. Austauschstudenten, die an eine Partneruniversität gehen, haben im Regelfall das J-1-Visum. Mein Visum kostet etwas mehr, ist dafür aber in meinen Augen auch besser. Ich darf beispielsweise, statt 30 Tage, 60 Tage nach Semesterende in den USA bleiben und kann auf dem Campus arbeiten.

Das Gespräch für das Visum fand in München im Konsulat statt. Unfreundliche Sicherheitskräfte begrüßten mich, aber dann folgte ein sehr nettes Zehn-Sekunden-Gespräch, bis ich die Bestätigung hatte. Im Endeffekt kein großer Stress, dafür aber teuer. Danach galt es, „nur“ noch den Klausurenwahnsinn in Nürnberg zu überstehen. 19 Prüfungen hatte ich mir in dieses Semester gelegt, um während des Auslandssemesters nicht zu viel zu verpassen. Und tatsächlich habe ich schließlich auch alle erfolgreich abgelegt. Ein weiterer Glücksmoment: Ich habe ein Stipendium vom bayerischen Staat für meine Zeit in Kalifornien bekommen!

Meiner Wohnung und Mitbewohnerin sage ich etwas beklommen „adé“ und fahre nach Hamburg zu meinen Eltern für die finalen Vorbereitungen wie Arztbesuche und Besorgungen. Die amerikanische Universität will Nachweise sehen, dass ich keine Tuberkulose habe und gegen alles Mögliche und Unmögliche geimpft bin.

Dann geht es schließlich ans Packen. Das ist eine Kunst für sich und jeder Mensch geht es anders an. Mein Koffer ist riesig, deswegen ist es schwer, die von der Airline erlaubten 23 Kilogramm nicht zu überschreiten. Platzsparend meine Klamotten rollen oder unzusammengelegt in den Koffer packen, brauche ich also nicht. In meinem Einzugsschreiben  weist die Uni explizit darauf hin, dass keinerlei Küchenutensilien, Staubsauger, Bettzeug oder ähnliches im Studentenwohnheim auf dem Campus vorhanden sind. Einen Fernseher soll man doch bitte selbst mitbringen. Fernsehen habe ich noch nie geschaut und auf die Idee, etwas Derartiges in einem Flugzeug zu transportieren, kommt sicher niemand. Außerdem bezweifle ich, dass die vorherigen Mieter ihre ganzen Sachen wieder mit nach Hause genommen haben. Ich packe in meinen Koffer hauptsächlich Sonnencreme und Badutensilien, da diese in den USA teurer als in Deutschland sind.

Meine künftigen Mitbewohner habe ich schon über Facebook gefunden und Kontakt aufgenommen. Wir sind alle überzeugt davon, dass die Wohnung mit dem gröbsten ausgestattet ist. Bald geht es los!

Johanna Kroll

Mein Sommer hinter Fensterglas

ARCHIV - Studenten arbeiten am 12.08.2013 in der Bibliothek der Universität Darmstadt (Hessen). Seit gut einem Jahr können Nutzer der Universitäts- und Landesbibliothek rund um die Uhr lernen und Bücher entleihen. Ob dieser Service weitergeht, wird in den kommenden Wochen entschieden. Foto: Andre Hirtz/dpa (zu dpa lhe: «Nachtschicht zwischen tausend Büchern» vom 09.02.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

An sonnigen Tagen wie heute denken arbeitende Menschen gern: „Student müsste man sein, dann könnte ich jetzt im Freibad liegen statt im Büro zu sitzen!“ Klingt gut. Aber ist an dieser Behauptung wirklich etwas dran? Haben wir Studenten im Sommer wirklich mehr (Frei-)Zeit als Arbeitnehmer? Zeit dieses Klischee etwas zu relativieren.

Zurzeit schreibe ich an meiner Bachelorarbeit. Ich führe Experteninterviews, arbeite Berge von Literatur durch, suche geeignete Zitate und werte sie anschließend für meine Arbeit aus. Viel zu tun. Aber es stimmt, ich kann mir meine Zeit dafür selbst einteilen. Gehe ich heute in die Bibliothek oder nicht? Gönne ich mir morgens eine Stunde länger im Bett oder einen Nachmittag im Schwimmbad?  An sonnigen Tagen kann ich mir eine Auszeit nehmen. Ganz ohne Urlaubsantrag, aber meistens auch nicht ohne schlechtes Gewissen. Außerdem hat niemand Zeit mitzugehen. Undwer will schon alleine ins Freibad?

Gut die Hälfte meines Freundeskreises steht mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Vor fünf Uhr Nachmittags kommt da niemand aus dem Büro. Die andere Hälfte studiert – aber trotzdem hat keiner Zeit. Denn außgerechnet im Sommer befinden wir uns in der von Studenten so sehr gehassten Prüfungszeit. Je nach Klausurterminen fallen da auch mal mehrere Prüfungen in eine Woche. Die Folge ist: ein Lernmarathon. Um sieben Uhr aufstehen, fertig machen, in die Bibliothek fahren, Platz ergattern, loslegen. Stress pur, konzentriert auf ein paar, viel zu kurze, Wochen. Da hilft oft nur, Wissen reinfressen und wieder Ausspucken.

Klar, ist das zum Teil auch hausgemachter Stress. Denn seien wir mal ehrlich, ein Großteil der Studenten ist während des Semesters stink faul. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Das Hausarbeitsthema steht ja oft schon zu Beginn der Vorlesungszeit fest. Am Ende ist der gemeine Student damit aber trotzdem selten früher als 24 Stunden vor der Abgabefrist fertig. Eigentlich ziemlich dumm. Das heißt wir sitzen bei strahlendem Sonnenschein ebenfalls am Schreibtisch, weil wir es bei Regen nicht rechtzeitig und lange genug geschafft haben, sitzen zu bleiben.

Somit ist das Klagen der arbeitenden Bevölkerung zum Teil gerechtfertigt. Ja, Studenten haben im Prinzip mehr Zeit, beziehungsweise können freier darüber verfügen. Sie müssen aber erst lernen, sie sinnvoll oder weniger sinnvoll einzuteilen. Das gehört zum Erwachsenwerden während des Studiums dazu. Deshalb, liebe Ex-Studenten, Gesellen, Facharbeiter oder sonstige Büromenschen, vergesst bitte bei eurer Anklage nicht, dass ihr irgendwann Feierabend habt, wir aber trotzdem weiter lernen müssen.  Zum Ende des Semesters heißt es Rechenschaft ablegen. So viel wir vielleicht auch vorher relaxed haben, soviel dürfen wir in der Prüfungsphase schwitzen. Stress haben wir alle, ihr und wir, es verteilt sich nur anders.

Jetzt sitze ich in einer Bibliothek voll mit Studenten und muss an meiner Bachelorarbeit weiter schreiben. Im Freibad muss irgendwer anders sein.

Andreas Huber

Texas erlaubt Waffen an der Uni

(FILES) This file photo taken on April 25, 2014 shows a view down the barrel of a semi-automatic handgun displayed at the 143rd NRA Annual Meetings and Exhibits at the Indiana Convention Center in Indianapolis, Indiana. Texas becomes the eighth US state to allow guns on university campuses – a controversial decision that comes on the 50th anniversary of a deadly campus sniper rampage at the University of Texas that left 17 dead. / AFP PHOTO / KAREN BLEIER

Hallo Texas,

erst am vergangenen Wochenende ist in deiner Hauptstadt Austin eine Frau bei einer Schießerei ums Leben gekommen. Vier Menschen wurden verletzt. In Dallas, deiner drittgrößten Stadt, wurden kürzlich fünf Polizisten erschossen. Und jetzt weitest du mit dem „Campus-Carry“-Gesetz die Erlaubnis für das Tragen von Waffen auf Universitäten aus?

Ich halte das für eine schlechte Idee. Und für eine sehr gefährliche. Klar, ich verstehe, dass du dir mehr Sicherheit für deine Bürgerinnen und Bürger wünschst. Wer tut das nicht? Auch in Deutschland wird das Thema gerade heiß diskutiert, nach dem was in den vergangenen Wochen hier passiert ist. Du glaubst, dass potenzielle Amokläufer abgeschreckt werden, wenn sie wissen, dass an der Universität Studenten, Dozenten und Besucher auch Waffen dabei haben könnten.

Ich aber denke nicht, dass mehr Waffen die Welt zu einem sichereren Ort machen. Ich stelle es mir ganz im Gegenteil ziemlich beängstigend vor, in der Uni zu sitzen und zu wissen, dass die Person neben mir gleich ihre Pistole ziehen könnte. Klar, du bist Waffen gewohnt. Schließlich tragen die Leute sie überall in Texas offen herum. Und ich weiß auch, dass Waffen laut neuem Gesetz auf dem Campus nur verdeckt getragen werden dürfen. Dass ich mich dadurch sicherer fühlen würde, bezweifle ich stark.

Ich habe mir die Hinweise der Universität Austin zum „Campus-Carry“-Gesetz durchgelesen: Wer auf dem Universitätsgelände eine offen getragene Waffe sieht, soll sofort die Polizei rufen. Wer eine Waffe mitbringt, muss sie immer bei sich tragen – und darf sie nur im eigenen Auto ablegen; an der Uni gibt es sonst keine Möglichkeit dazu. So ein Uni-Tag mit Waffe muss also sorgfältig geplant werden. Denn Veranstaltungen, bei denen die Waffe zum Vorschein kommen könnte, wie zum Beispiel beim Sport oder bei Rollenspielen im Theaterkurs, sollen die Waffenträger meiden. Zusätzlich können Universitäten in einigen Bereichen des Campus auch das verdeckte Tragen von Waffen weiterhin verbieten – die dürfen Waffenträger dann nicht betreten. Vielleicht schreckt das ja ein paar Leute ab und sie lassen ihre Waffen doch lieber zu Hause.

Texas, ich wünsche dir und deinen Bundesstaaten-Kollegen von Herzen mehr Frieden und Sicherheit. Dass das „Campus-Carry“-Gesetz dazu führt, ist aus meiner Sicht ein großer Trugschluss.

Viele Grüße

deine Kerstin Kesselgruber

In Gedanken in München

Blumen und Kerzen liegen am 24.07.2016 an der U-Bahn Station Olympia-Einkaufszentrums (OEZ) in München (Bayern), zwei Tage nach einer Schießerei mit Toten und Verletzten. Die tödlichen Schüsse hat ein 18-jähriger Deutsch-Iraner abgegeben. Zehn Menschen starben, darunter der Täter. Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Es ist Freitag. Mein Tag beginnt wie immer. Ich arbeite von 10 bis 16 Uhr in der Teilbibliothek meines Studiengangs. Nach Feierabend fahre ich direkt zu einem Handyladen in der Erlanger Innenstadt. Seit Tagen geht mein Smartphone einfach aus und deswegen will ich den Akku austauschen lassen. Der Verkäufer versichert mir, ich könne es morgen wieder abholen. Zurück in meinem Wohnheim beginne ich für meine letzte Prüfung zu lernen. Um nicht abgelenkt zu werden schalte ich den Computer aus, das Handy ist ja eh schon weg. Gegen 18 Uhr fragt mich eine Freundin, ob ich mit Volleyball spielen gehe. Ein wenig Bewegung kann nicht schaden, nach dem vielen Sitzen, also sage ich zu. Das Spiel macht Spaß, die schnellen Ballwechsel bringen Spannung rein. Der Lernstress ist schnell vergessen und auch die Zeit. Ein Freund steigt aus dem Spiel aus und telefoniert lange Zeit aufgeregt, aber das kümmert mich nicht weiter. Gegen halb neun meldet sich mein Magen und ich beschließe nach Hause zu fahren und zu essen. Bis dahin bin ich immer noch komplett ahnungslos, was gerade in meiner Heimatstadt passiert. Ohne Handy, ohne Push-Meldungen von Nachrichten-Apps oder Facebook.

Unter der Dusche höre ich dann den Verkehrsfunk: „Bitte fahren sie nicht nach München, die Straßen sind gesperrt, die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht mehr.“ Was ist denn da los, denke ich mir. Eine leise Ahnung schwappt in mir hoch und die Meldungen von Nizza und Würzburg schießen durch meinen Kopf. Dann kommen die Radio-Nachrichten. Anschlag in München. Mir wird kalt unter der warmen Dusche. Bestimmt in der Innenstadt, hoffe ich. Anschlag in München Moosach, sagt der Sprecher. Mein Herz setzt aus, das ist der Stadtteil, in dem meine Familie wohnt. Anschlag in München Moosach im Olympia Einkaufszentrum. Nur zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt von meinem Zuhause. Mein Herz pocht, ich trockne mich hastig ab und renne aus der Dusche. Tränen steigen mir in die Augen. Ich denke an meine Familie.

Panisch klopfe ich an die Tür einer Freundin, um mir ihr Handy auszuleihen. Sie schaut mich an und fragt, ob ich das noch nicht mitbekommen habe, mit dem Anschlag. Ich schüttle den Kopf kann aber nichts sagen, weil ich sonst in Tränen ausbrechen würde. Wie konnte mir so etwas entgehen, in mir steigen Vorwürfe auf. In meinem Zimmer wähle ich so schnell es geht die Festnetznummer meiner Familie. Es tutet. Es tutet wieder. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. In mir sehe ich Bilder, wie mein Bruder angeschossen wird. Ich kontrolliere die Nummer, aber sie stimmt. Es tutet immer noch. Ich kann mein Herz schlagen hören und mein Kopf pocht. Dann endlich geht meine Mutter ran. „Mama?“ frage ich, während mir Tränen über die Wangen laufen. „Uns geht es gut“, versichert sie mir. Sie erzählt mir, dass sie am Vormittag noch im Olympiaeinkaufszentrum T-Shirts umgetauscht hat und mein Bruder zwei Stunden vor der Schießerei auch dort war. Aber weil seine Abschlussfeier um 18 Uhr anfing, waren sie zum Zeitpunkt, als die Schüsse fielen, alle in der Schule und applaudierten, während die Schulabgänger ihre Zeugnisse erhielten. Alles war dort ganz normal, bis zu dem Moment als die Direktorin die Veranstaltung absagt und die Polizei das Schulgelände absichert und verriegelt. Da war meine Familie aber schon wieder nach Hause gefahren, weil mein Vater Nachtschicht hatte. Ich atme tief aus. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

In diesem Moment wird mir klar, dass es jeden hätte treffen können. Hätte ich keine Prüfung mehr gehabt, dann wäre ich vermutlich auch nach Hause gefahren und es wäre nicht unwahrscheinlich gewesen, dass ich mich mit meinen Freunden zum Kaffee im OEZ getroffen hätte. Ob es vielleicht ein Vorteil war, nicht dauer-online gewesen zu sein, nicht jede falsche Nachricht mitzubekommen, nicht die ganzen Fake-Bilder von blutverschmierten Rolltreppen zu sehen? Das kann ich nicht sagen. Ich hätte nie im Leben so seelenruhig Volleyball gespielt, wenn ich gewusst hätte, was in München passiert ist. Zum anderen hätte ich die WhatsApp Nachrichten erhalten, in denen Freunde und Familie bestätigten, dass es ihnen gut geht. Und vielleicht hätte ich dann weniger Panik gehabt, die mir bis jetzt noch in den Knochen steckt.

Sabrina Ahmed

Fünf Sommer-Hotspots für Studenten in Ansbach

e-nn-gun-20160710_112440-4Wer denkt, in der Residenzstadt sei im Sommer nichts geboten, der irrt sich gewaltig. Unsere NZ-Bloggerin Eva Orttenburger hat sich umgehört und die zehn beliebtesten Orte der Studis in Ansbach ausgekundschaftet.

  1. Der Campus

… geht eigentlich immer. Egal ob Flunkyball, Bierpong oder Grill & Chill: Der Ansbacher Campus ist im Sommer der Studenten-Hotspot schlechthin. Wer Lust auf Gesellschaft hat oder nach der Vorlesung entspannen möchte, der trifft am Campus garantiert auf Gleichgesinnte – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Verhungern oder verdursten muss dank der Mensa dort auch niemand.

  1. Der Altmühlsee

… wer braucht schon Rimini, wenn es die „Fränkische Adria“ gibt? Der Altmühlsee liegt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und ist mit dem Auto von Ansbach aus in einer halben Stunde zu erreichen. Die Highlights sind ein gemütlicher Sandstrand, relativ warmes Wasser und ein Tretbootverleih (ich empfehle mit Rutsche!). Ganz großes Kino ist auch der Sonnenuntergang am Abend. Weiteres Plus: Kein Eintritt und kein nerviger Bademeister. Unbedingt mitnehmen: Mückenspray! 

  1. Die Eisdielen

Auf dem Weg vom Campus zum Schlossplatz können Eisliebhaber gleich dreimal Halt machen. Zu Beginn im Mamma Mia im Brückencenter, bevor es ins Cafe Doge auf dem Martin-Luther-Platz geht. Wer dann noch nicht genug hat, kann einen Abstecher ins Castello direkt neben der Residenz machen. Bei allen drei Cafes gibt’s auch eine gemütliche Terrasse zum Pause machen.

  1. Der Hofgarten

…ist immer wieder schön anzusehen und bietet sich auch für die Eisliebhaber von Punkt drei an (er liegt direkt am Schlossplatz). Die barocke Anlage mit der akkuraten Bepflanzung erinnert etwas an den Garten von Versailles (natürlich nur in Klein – wir sind schließlich in Ansbach.) Im hinteren Teil gibt es eine Liegewiese zum Entspannen. Der Hofgarten schließt im Sommer jedoch bereits um 21 Uhr. Wer dann noch nicht genug hat, kann auf dem Rückweg Richtung Campus abermals einkehren, nämlich in…

  1. Die Biergärten

Leider gibt es sie in Ansbach nicht in Hülle und Fülle, aber sie sind zumindest vorhanden. An der Riviera locken zahlreiche Sitzplätze unter schattigen Bäumen ins Freiraum. Dort gibt es neben einem großen Getränkeangebot vor allem Flammkuchen und Salate zu Essen. Wer es etwas deftiger mag, der wird im zwei Meter entfernten Zum Mohren glücklich. In dem fränkischen Wirtshaus gibt es neben herkömmlichen Speisen natürlich auch Schäufele und Co. Für Regentage sei noch das Chilli’s erwähnt. Dort lässt es sich mexikanisch schlemmen mit Tapas und Cocktails (Happy Hour aber leider nur von 17 bis 19 Uhr und dann wieder ab 22.30 Uhr).

Schönen Sommer!

Eva Orttenburger

Mit Meditation gegen den Uni-Stress

MeditationDas Handy in der rechten Hand, das Tablet in der linken und den Blick auf den Laptop gerichtet. Was noch vor wenigen Jahren nur bei gestressten Topmanagern zu sehen war, ist heute auch bei Studenten üblich. Und nicht nur die Laptops haben die Studenten von den Managern übernommen, sondern auch den Stress. Die Hochschule Coburg lenkt jetzt dagegen und nimmt Meditation in ihr Studienangebot auf.

Der Titel klingt nach Klangschalen und Duftkerzen: „Achtsamkeitsseminar“. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, Studenten aus ihrem Alltagsstress herauszuholen. So soll ihnen ein entspanntes Studium möglich sein. In den Seminaren haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit den Gründen für ihren Stress auseinanderzusetzen. Vielleicht ist es bei Einem die Handysucht und der Drang, ständig auf Whatsapp zu antworten. Beim Nächsten der Wille, unbedingt die neue Staffel der Serie „House of Cards“ vor seinen Kommilitonen fertigzuschauen. Und beim Dritten, die Angst, in der nächsten Prüfung zu versagen.

Das Angebot der Hochschule ist ein guter Schritt, den Studenten den Stress ein wenig zu nehmen. Dabei wird von den Teilnehmern auch Verzicht gefordert. Das Programm sieht etwa vor, dass jeder einen Tag lang ohne Smartphone auskommen muss. Für viele klingt das wie der Weltuntergang. Nicht leicht für Studenten, die jede Joggingrunde mit ihrer Lauf-App auf Facebook teilen. Auch diejenigen, die ihren Instagram-Followern mitteilen müssen, dass das Schnitzel in der Mensa nicht schmeckt, werden schnell an ihre Grenzen stoßen.

Wer sich angesprochen fühlt, der hat beim Achtsamkeitsseminar die Möglichkeit, den Blick vom Smartphone zu lösen. Die schönen Dinge werden dann sichtbar, wenn die Augen mehr sehen als die Facebooktimeline. Der Tischnachbar kann doch am besten beurteilen, wie die Currywurst gerade schmeckt. Ganz ohne Likes.

Björn-Hendrik Otte

 

Zehn Tipps für einen kühlen Kopf in der Klausurenphase

Nuernberg, 18.08.2012 Wetter, Sommer, Spanische Sommerhitze in Nürnberg , bei Temperaturen von über 30 Grad suchen die Nuernberger Abkühlung in den Eisdielen und Freibädern. Freibad West erwartet am Samstag 7000 Besucher. Tarsa sucht die Abkuehlung. Ressort: Anzeiger Lokales Foto: Stefan Hippel ..

Was ist die schönste Jahreszeit im Jahr? Ja, richtig: der Sommer! Sonnenstrahlen, Sonnenbrillen, draußen sitzen, lauer Wind und wir kommen aus der Uni solange es noch hell ist. Die Sommermonate sorgen für mehr Lebensfreude. Gleichzeitig stellt diese Jahreszeit Studenten auf eine besonders harte Probe. Wir müssen die Klausurenphase mit vielen verführerischen Ablenkungen und einer unklimatisierten Bib überstehen. Deswegen kommen hier zehn Tipps für euch, mit denen ihr das schaffen könnt!

  1. Die Prüfungsanmeldung läuft: Im Sommersemester sollte das tatsächlich der Startschuss sein, zumindest mit der Organisation des Lernens zu beginnen. Sei es Skripte drucken, Mappen kaufen oder einen Lernplan schreiben. Wer den Sommer genießen will, fängt jetzt an!
  2. An den Sprichworten „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Je schwärzer die Nacht, desto schöner der Tag“ ist im Sommer wirklich etwas dran. Wer will schon in der Mittagshitze vor der Lektüre kleben? Lernt morgens oder tut es nachts!
  3. Schnell eine Schokolade, Bifi, Cola… Automaten machen es möglich! Schnell ist dort das „gute“ Mittagessen gekauft. Fühlt ihr euch danach motiviert? Wenn nicht, überlegt euch einfache Alternativen und steckt zehn Minuten in die Vorbereitung einer Stulle. Es lohnt sich!
  4. Wasser, Wasser, Wasser! Trinkt! Seht es wie eine Challenge, die wohl im Vergleich zum Lernstoff am leichtesten zu bewältigen ist: Mindestens 1,5 Liter trinken am Tag. Wollt ihr Variationen, dann friert Weintrauben ein und tut sie als Eiswürfel dazu. Die sind auch als erfrischender Snack optimal. Seid ihr ein Kaffeeliebhaber versucht es mal mit Eiskaffee. Den Kaffee etwas stärker als sonst kochen, ein paar Stunden in den Kühlschrank und Eiswürfel hinzu. Fertig. Nun seid ihr wach und erfrischt zugleich.
  5. Auch wenn noch so oft dafür geworben wird, an der frischen Luft zu lernen, folgt dem nur, wenn ihr euch sicher seid, dass das für euch funktioniert. Meistens ist der Schreibtisch der effektivste Lernort. Auf der Whörder Wiese ist die Verlockung, die Augen für einen Moment (oder ein paar Stunden) zu schließen, einfach zu groß…
  6. Für die ganz heißen Tage stellt euch eine große Schüssel mit kaltem Wasser unter den Tisch. Stellt dann die Füße hinein. Sind die Füße abgekühlt, fährt der ganze Körper seine Körpertemperatur herunter. Kühlpads oder Waschlappen sind ebenso geeignet.
  7. Ein Hoch auf Stoßlüften! Luft brauchen wir nicht nur zum Atmen, sondern auch zum Denken. Reißt die Fenster morgens und abends auf. So lassen wir die Mittagshitze draußen und haben keinen Mief im Zimmer.
  8. Kennt ihr die Folge aus Scrubs, wo Turk seine Unterhosen im Gefrierschrank lagert? Legt eure Boxershorts in die Tiefkühltruhe und zieht sie nach einer lauwarmen Dusche an. Innerhalb kürzester Zeit seid ihr wach und erfrischt. Hat bei Turk geklappt, warum also nicht auch bei euch.
  9. Welche Frau, die kurze Hosen trägt, kennt es nicht? Wir wollen aufstehen doch unsere Beine lassen sich kaum vom Stuhl lösen. Da unsere nackte Haut in Berührung mit dem Stuhl kommt, haben wir nicht nur den allseits bekannten Abdruckstrich an der Hinterseite unserer Oberschenkel sondern es ist schlichtweg alles klebrig durch den Schweiß. Abhilfe schafft ein dünnes Tuch. Morgens, wenn es kühl ist, um den Hals wickeln, mittags draufsetzen.
  10. Zu guter Letzt der wohl wichtigste Tipp: Wir wollen ja keinen unnötigen Arbeitsaufwand. Löchert die Dozenten und die Studenten aus den Semestern über euch mit Fragen zu Klausuren. Für so manches Fach bleiben sie über mehrere Jahre schlichtweg ähnlich. So schafft ihr es, die Gewichtung eures Arbeitsaufwandes noch leichter zu strukturieren. Aber ihr solltet immer gut überlegen, wie seriös eure Quellen sind.

So nun viel Erfolg bei den Prüfungen und vergesst nicht, den Sommer trotzdem zu genießen. Lachen reduziert Kopfschmerzen und mindert den Stresslevel. Gelegentliche Eskapaden müssen also drin sein!

Johanna Kroll