Prof spielt in seinen Vorlesungen "Wer wird Millionär?"

Von Julius Brockmann

Jauch_dpa.jpgVorlesungen bestehen aus den berühmten zwei Prinzipien der Langeweile und der Inaktivität des Studenten.
Dass das nicht immer so sein muss, beweist jetzt ein Prof aus Frankfurt.
Theo Dingermann ist Professor für Pharmazeutische Biologie und hält seine Vorlesungen im Knopfdruckverfahren ab. Wie bei der erfolgreichen RTL-Sendung „Wer wird Millionär?“ dürfen die Studenten im Hörsaal ein wenig Quiz spielen. Nur geht es hier meist eher um Fragen zur richtigen Medikamentenwahl oder zu der Zusammensetzung des Insulinmoleküls.

Prof. Dingermann hat dafür extra ein Abstimmungssystem gekauft. So haben die Studenten ein Gerät an ihrem Platz, das Ähnlichkeiten mit einer Fernbedinung aufweist. Nachdem jeder seinen Knopf gefunden und gedrückt hat, bringt das TED-System binnen einer Minute die Abstimmung auf die Hörsaal-Leinwand. Wie im Fernsehen blinkt ein Balkendiagramm auf, die richtige Lösung färbt sich rot.
Bei den Studenten kommt der Günther Jauch der Uni gut an. So schlugen sie ihn im vergangenen Jahr für den Universitätspreis vor. Theo Dingermann gewann und darf sich nun mit dem Prädikat „exzellente Lehre“ schmücken. Und weil der Prof eben ein technikbegeisterter Mensch ist, schaffte er von den 15 000 Euro Preisgeld das TED-System an. Dies rollt er nun zu jeder Vorlesung in den Saal und baut es nach seiner Stunde wieder ab.

Der Günther Jauch der Uni

Ist das nun reine Spielerei, um den oben genannaten Prinzipien der Langeweile und der Inaktivität zu entkommen?
Auf der einen Seite schon, schließlich wacht der Student so aus seinem Mittagsschläfchen auf und denkt auch mal mit. Auf der anderen Seite kann der Prof aus Frankfurt mit dem Verfahren seine Lehre evaluieren. Hat er den Stoff verständlich erklärt, wie viele der Studeten sind nicht mitgekommen, oder haben etwas nicht verstanden?
Der 59-Jährige geht aber noch weiter. Für ihn scheint das Frage-Antwort-Spiel ein Service zu sein, denen er seinen Studenten schuldig ist. Darüber hinaus bietet er auf seiner Homepage auch Vorlesungen und Vorträge als Audiodateien an.
Wer also in der Impfvorlesung krank war, oder trotz der Quizeinlage nicht allzuviel mitbekommen hat, kann sich am heimischen Computer noch einmal die Ausführungen Prof. Dingermanns anhören.

6 Kommentare in “Prof spielt in seinen Vorlesungen "Wer wird Millionär?"

  1. Das ist mal was Innovatives und sicherlich einen Versuch wert. Sicher muss man nicht jeden Hörsaal damit ausstatten, aber ein paar sind schon gut. Und man muss einfach mal Neues auch ausprobieren. Harald Groß kann ich nur zustimmen.

  2. Pingback: Munterrichtsmethoden » Blog Archive » Professor spielt in seiner Vorlesung „Wer wird Millionär“

  3. Als Vater der Munterrichtsmethoden geht mir hier das Herz auf. Da macht einer wirklich ernst mit dem Wunsch, einen ganzen Hörsaal voller Studenten am Lernprozess zu beteiligen und zeigt, dass es geht!
    Gut dosiert hat die „Jauch-Methode“ sicherlich vielerlei positiven Wirkung auf den Lernerfolg: Die Studenten sind immer wieder aktiv ins Geschehen eingebunden. Sie selbst überlegen, wägen ab, schätzen, treffen ins Schwarze oder liegen daneben. Sie sind regelmässig im Lerngeschehen beteiligt. Und: Mit Professoren, die das Instrument gut anleiten, d.h. Fragen mit dem richtigen Schwierigkeitsgrad stellen und das Frage-Antwort-Spiel munter moderieren, macht es sicherlich Spaß, zu lernen.
    Ich empfehle, die Studenten bei manchen Fragen mit ihren Nachbarn beraten zu lassen. Entweder bevor sie antworten oder zur Kommentierung des Ergebnisses. Das würde die Lernphase des Ausatmens (die Lernenden erinnern sich, geben das Gelernte wieder, übertragen und wenden es an) noch stärker fordern.

  4. Lernt man denn dadurch mehr? Ich bezweifel das mal ganz stark. Letztendlich ist das doch nur eine sehr teure Anschaffung zu Gunsten des Proffessors.

  5. Das ist ja eine klasse Idee. Leider scheitert so was bei uns in den Geisteswissenschaften noch immer an der fehlenden technischen Ausstattung. Und wenn es jetzt dank Studiengebühren mal Technik wie einen BEamer gibt, dann können ihn die lieben Profs nicht bedienen…

  6. Laut unbestätigten Informationen wird ein solches Abstimmungsgerät auch für den größten Hörsaal (H4) der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Erlangen-Nürnberg angeschafft. Auch die Aufzeichnung von gesamten Vorlesungen wird an hießiger Fakultät seit längerem praktiziert, auch in Zusammenarbeit mit der Virtuellen Hochschule Bayern.

Kommentarfunktion geschlossen.