Mensa in Erlangen fällt aus der Statistik
31. März 2008 von julius brockmann
Von Julius Brockmann
Über den Sinn und Unsinn von Statistiken gibt es die berühmte Aussage Winston Churchills: „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.“ Diesen Satz kennt jeder und auch die Soziologiestudenten werden spätestens in der ersten Statistik-Vorlesung mit dieser Weisheit gequält. Dabei ist noch nicht einmal bekannt, aus welcher Quelle dieses angebliche Churchill-Zitat stammt, geschweige denn, ob der britische Premierminister jemals sich zu dieser Aussage hat hinreißen lassen.
Eine Statistik flattert pünktlich jedes Jahr vom „Unicum“-Magazin ein, die ebenso fraglich ist wie die Herkunft des Zitates Churchills. Es ist die Wahl der Essensqual, genauer gesagt: Wie schmeckt es in den deutschen Unimensen? Ist der Fisch in Hamburg besser als das Nürnberger Rostbratwürstchen im Frankenland?
Laut „Unicum“ beteiligten sich über 30 000 Studenten an der Wahl zur „Mensa des Jahres“. Diese steht in Würzburg und bekommt nun von dem Magazin das „Goldene Tablett“. Auf dem zweiten Platz liegt die Unimensa am Boulevard in Bremen und die Bronzemedaille geht im Jahre 2007 an die Karlsruher Mensa.
Und wo sind die heimischen Mensen der Uni Erlangen abgeblieben? Immerhin studiert man hier doch an der zweitgrößten Uni Bayerns – das mit dem zweiten Platz in Bayern ist man in Nürnberg ja auch von vielen Dingen gewohnt – wo also der zweite Platz für die Mensa am Langemarckplatz?
Den gibt es nicht, die Mensen der Metropolregion tauchen gar nicht unter den Top 20 auf. Heißt das also, dass das Essen schlecht ist, die Mitarbeiter unfreundlich und die Atmosphäre eher ungemütlich. „Ja, schon“, kommt es manch einem täglichen Mensagänger in den Sinn.
Aber auch hier ist nur die Statistik schuld. So seien die Mensen in Nürnberg und Erlangen gar nicht erfasst worden, sagt Robert Koisar von der Pressestelle des „Unicum“-Magazins. Die erforderliche Mindestteilnehmerzahl von 50 Studenten sei nicht erreicht worden. Deshalb tauchen die Mensen der Region nicht im Ranking auf.
Puh, Glück gehabt. Jetzt kann man mit ein wenig Fantasie den Spieß umdrehen und sagen: „In der Unimensa in Erlangen schmeckt das Essen so gut, dass die Studenten keinen Bedarf sehen, Stimmzettel auszufüllen und die Mensa zu bekritteln.“
Vielleicht lesen aber auch zu wenig Studenten das „Unicum“-Magazin. Man weiß es nicht und bevor man hier Leuten Dinge in den Mund legt, die sie so gar nicht gesagt haben, beruft der Student sich dann doch lieber auf die Statistik und gratuliert ganz neidlos der Mensa in Würzburg zu ihrer hervorragenden Leistung.



