Vitamin B im WWW

Von Florian Meyer

Um sechs Ecken ist jeder mit jedem bekannt – so zumindest die These von Stanley Milgram. Mitte der 60er Jahre, als der US-amerikanische Soziologe die Ergebnisse seiner Forschung zur sozialen Vernetzung vorstellte, verdrehte noch mancher ungläubig die Augen. Heute hat sich das geändert. Das Internet macht es möglich: Seit sich Surfer auf der ganzen Welt in Social Networks virtuelle Profile anlegen, emsig Freunde horten und digitalen Gruppen und Foren beitreten, ist es einfach, die Verknüpfungen offen zu legen – und sie gewinnbringend zu verwerten.

Businessportale wie Monster, XING oder das von der Holtzbrinck-Gruppe im Februar neu gestartete Business Live wollen diese Verknüpfungen nutzbar aufbereiten. Sie bieten Arbeitssuchenden Raum, sich in einem Netzwerk zu präsentieren, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Vitamin B hilft. Besonders bei einer Neuanstellung zahlt es sich aus, auf persönliche Kontakte zurückgreifen oder Informationen über den Personalchef einholen zu können. Doch versteckt sich der neue Arbeitsplatz wirklich in einem der Businessportale?

So leicht ist es auch wieder nicht

„Über die Karrierenetzwerke findet man keine neue Stelle“, sagt Gerhard Laga, Leiter des E-Centers der Wirtschaftskammer Österreich. „Auf den Plattformen sieht man nicht, wenn eine Stelle neu ausgeschrieben oder ein Arbeitsplatz frei wird.“ Diese Information holen sich Bewerber immer noch aus der Zeitung oder von der Homepage eines Unternehmens. Sobald ein Bewerber aber von einer freien Stelle weiß, kann er gezielt seine Kontakte in einem Karrierenetzwerk durchforsten, um möglichst konkrete Informationen über den Arbeitsplatz, die Firma und vielleicht sogar die Mitarbeiter der Personalabteilung zu erhalten.

Mitmachen im Karrierenetzwerk und Job finden? So einfach ist die Rechnung nicht. Ein erfolgreicher Netzwerker benötigt vor allem viel Zeit, um regelmäßig sein Profil zu pflegen. Vielen Studenten geht es aber um eine ganz andere Art der Kontaktpflege: Sie suchen ehemalige Schulkameraden, die sich mit der Aussicht auf interessante Angebote in den Netzwerken registriert haben.