Wohnst du schon?

Von Julius Brockmann

Es ist der bescheidene Wunsch nach den eigenen vier Wänden, der derzeit einige Studenten in den Wahnsinn treibt. Viele der in Erlangen und Nürnberg neu ankommenden Studis wollen nicht mehr bei Mama und Papa wohnen, sondern in die Freiheit starten. Erster Schritt zur Selbstständigkeit ist das Studium. Vorher muss allerdings auch eine Unterkunft her, damit man im Oktober nicht immer pendeln muss.

Eine Hürde, die besonders in der kleinsten Großstadt des Freistaates regelmäßig zu Problemen führt. Wer einmal auf Wohnungssuche in Erlangen war, weiß, was einem blüht. Von umgebauten Ställen, die noch nach Tier riechen, bis zu fensterlosen Dachkammern wird so ziemlich alles in der mittelfränkischen Stadt vermietet. Dabei übersteigt der Quadratmeterpreis das Niveau der Städte Nürnberg und Fürth oft deutlich. Die Ursachen liegen auf der Hand. Von gut 26 000 Studenten in der Region studieren nur noch 6000 in Nürnberg.

Als Medizinstadt beherbergt Erlangen nicht nur zahlreiche Unikliniken, auch Siemens-Mitarbeiter wohnen hier. Das führt zu unverschämten Mietangeboten. Joachim Gollwitzer, Geschäftsführer des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg, muss zugeben, dass die Situation schlimm ist. Alle Wohnheimplätze sind vergeben, auch der private Wohnungsmarkt sei schlecht.

Gut 72 Prozent der Studenten der Uni Erlangen kommen aus Bayern. Viele von ihnen haben dadurch bei der Wohnungssuche einen Vorteil, können sie doch ohne lange Anreise immer mal wieder zu Besichtigungen fahren, anders als ihre Studienkollegen aus Nordrhein-Westfalen, Berlin oder Niedersachsen. Wer keinen Platz in einem Wohnheim findet, dauernd Absagen für ein WG-Zimmer erhält und trotzdem nicht außerhalb wohnen will, sollte die Sache aussitzen. Erfahrungsgemäß entspannt sich die Wohnungslage im November. Für alle anderen hat das Studentenwerk Notunterkünfte eingerichtet.