Wer blechen muss

Von Dorothee Engelhard

Bayern zeigt sich in der Hochschulpolitik derzeit scheinbar recht familienfreundlich. Geplant ist, dass zum Wintersemester 2009/2010 höchstens 500 Euro pro Familie an Studiengebühren erhoben werden dürfen. Das heißt, zahlt ein Student bereits Studiengebühren in einem EU-Staat, muss ein zweites Kind einer Familie für sein Studium so lange keine Gebühren entrichten, wie seine Geschwister studieren.

Eine weitere geplante Änderung besagt, dass Studenten befreit werden, die sich um Kinder bis 18 Jahre kümmern. Klingt auf den ersten Blick ganz schön zuvorkommend gegenüber allen Familien. Aber wirklich für alle Familien? Was passiert eigentlich, wenn Zwillinge gemeinsam zu studieren beginnen? Wer von den beiden zahlt dann die Gebühren? Der bayerischen Landesbank wird das ziemlich egal sein – Hauptsache das Geld fließt. Unter den Zwillingen kommt es aber bestimmt zu Diskussionen, wer es verdient hat, befreit zu werden und wer blechen muss. Frei nach dem Motto: „Du bist schon der Erstgeborene und hast deswegen alle Vorteile, du musst zahlen“, könnte sich der Jüngere rausreden. Streit ist da vorprogrammiert! Und was passiert, wenn jemand zu studieren anfangen will, dessen Schwester schon in der Schweiz studiert, das bekanntlich kein Mitglied in der EU ist?

Wenn die Schweiz ein Mitglied der EU wird

Einmal angenommen die Schweiz würde ihre politische Neutralität aufgeben und Mitglied der Europäischen Union werden, gibt es dann eine Rückerstattung der Studiengebühren? Was passiert eigentlich, wenn in bayerischen Patchworkfamilien mehrere Kinder zur Hochschule gehen? Zählt dort ein studierender Stiefbruder genauso viel wie ein büffelnder Blutsbruder? Und was passiert, wenn man jemanden heiratet, der schon ein Kind hat und dann zu studieren beginnt? Möglicherweise zählt das angeheiratete Kind als eigenes und man wird befreit. Schade, dass hier in Bayern keine Polygamie erlaubt ist, sonst würde so ziemlich jeder gebührenfrei studieren können. Zum Schluss bleibt zu klären, was passiert, wenn Einzelkinder studieren wollen? Diese litten in ihrer Kindheit unter Einsamkeit. Könnte man hier nicht eine Ausnahmeregelung schaffen?