Den Prof simulieren

Von Christiane Fritz

En Garde! Mit diesem Ausspruch wird normalerweise ein Duell im Fechtsport eröffnet. Informationstechniker und Sportwissenschaftler der Bundeswehr Universität München entwickelten nun ein KFG – ein Koordinations-Fecht-Gerät. Oder simpel: einen Fechtsimulator.
Hier richtet der Sportler seinen Degen nicht mehr gegen einen Trainingspartner sondern auf eine Kinoleinwand. Auf dieser ist eine Person projiziert, gegen die er unter realitätsnahen Bedingungen kämpft. Mit dem Fechtsimulator können die Reaktions- und Bewegungszeit des Athleten ermittelt werden. Eine Blickbewegungs-Kamera analysiert das Blickverhalten und die Zielauswahl des Fechters. Über Kraftsensoren, die sich auf der Auftreffplatte befinden, wird der Druck der Degenspitze berechnet.

Schwierigkeitsgrad der Fragen bestimmen

Für den massentauglichen Einsatz an der Uni müsste aus dem KFG allerdings ein PÜG werden: ein Prüfungs-Übungs-Gerät. Mit diesem könnte sich der Student auf mündliche Examen vorbereiten, indem er sie vorab simuliert. Statt einem Trainingspartner erscheint dann auf der Leinwand der jeweilige Dozent. Ob dieser freundlich oder finster schaut, ob er legere oder formelle Kleidung trägt, entscheidet der Student nach seinem Gusto. Man müsste den Simulator selbstverständlich mit einem Sprachmodus ausstatten. Nacheinander stellt der Dozent dem vor der Leinwand positionierten Studenten die Fragen. Über einen Regler lässt sich der Schwierigkeitsgrad der Fragen steuern.
Um den Prüfling auf die mündliche Leistungskontrolle optimal vorzubereiten, sollte der PÜG auch mit Daten für die Simulation von ungewöhnlichen aber durchaus möglichen Situationen gefüttert werden. So konfrontiert der Dozent auf der Leinwand den Studenten mit verwirrend formulierten Fragen. Ein spezielles Gerät überprüft, wie gestresst der Prüfling klingt, und bestimmt somit, wie überzeugend dessen Argumentation ist.

Wie beim Koordinations-Fecht-Gerät zeichnet auch beim PÜG eine Kamera den Getesteten auf. Nach dem Ende der simulierten Prüfung kann der Student seine Reaktion und seine Antworten auf die Fragen in Ruhe reflektieren. So lernt der Student, gelassen und pfiffig zu antworten und sein Halbwissen optimal an den Mann oder die Frau zu bringen. Denn fest steht: die Formulierung des Arguments ist wichtiger als der eigentliche Inhalt. En Garde Prüfung!