Wartezeiten und schroffes Personal

Von Julius Brockmann

Bisher war es nur ein Gerücht. Die Deutsche Bahn, die Post, das Finanzamt. Drei Institutionen, mehr oder weniger staatlich, auf die jeder schimpfen kann. Fragt man beim Stammtisch nach, hat jeder eine Horrorgeschichte in Sachen Bahn oder Post selbst schon erlebt. Ausgesetzte Kinder, verschwundene Pakete, horrende Nachforderungen. Die Liste der Grausamkeiten ist lang.

Was dem Steuerzahler sein Finanzamt, ist dem Studenten sein Bafög-Amt. Lange Wartezeiten auf den Fluren, Anträge, die in Zeitlupe bearbeitet werden, Auskünfte, die niemand versteht und wehe, wenn ein Formblatt nicht korrekt ausgefüllt ist, dann droht das Amt gleich mit Geldentzug. Alles Quatsch? Wohl nicht ganz.

In einer groß angelegten Befragung von Spiegel-Online stellten die Studenten ihren Bafög-Ämtern fast durchweg mäßige bis schlechte Zeugnisse aus. Egal, ob das Amt in Hamburg oder in München seinen Sitz hat, die Beschwerden ähneln sich. Konkret geben Studenten Chemnitz eine 2,34, Göttingen eine 2,85 und Gießen eine 2,96. Damit sind die Städte Spitzenreiter, auch wenn die Noten eher Positionen im Mittelfeld vermuten lassen.

Dem Bafög-Amt Erlangen-Nürnberg wird nur ein Platz 28 von 39 zu Teil. Kein Glanzergebnis. Sollten die Vorurteile etwa stimmen und die Gemeinheiten, die von Mitarbeitern des Bafög-Amtes angeblich begangen worden sein sollen, nun gerächt werden? Laut Achim Steinbusch vom Unternehmen Team Steffenhagen haben sich 125 Studenten aus der Region an der Umfrage beteiligt. Die Note für das Amt: Ausreichend. Doch bei einem Mittelwert von 3,78 beurteilt der Leiter des Bafög-Amts vom Studentenwerk Erlangen-Nürnberg, Rudolf Anthofer, die Positionierung als gar nicht so schlecht. Schließlich liege man mit einem Wert von 3,91 nur knapp unter dem Durchschnitt. Zudem glaubt er, dass an der Umfrage vor allem Studenten teilgenommen haben, deren Anträge abgewiesen wurden. Empfänger, die keine Beschwerden hätten, würden seiner Meinung nach nicht an der Online-Umfrage teilnehmen.

Unzufriedenheit über lange Bearbeitungszeit der Anträge

Cordula Wehmann hat bei der diesjährigen Befragung zwar nicht teilgenommen, Erfahrung mit dem Bafög-Amt hat sie allerdings bereits gemacht. Wehmann studiert in Bochum und steht eigentlich nicht mit dem Amt auf Kriegsfuß. Trotzdem gab es Probleme. Bei ihr fehlten Unterlagen – ein häufiges Problem bei Erstantragsstellern. Das Amt forderte, sie reichte nach. Dann ein weiterer Brief. „Der Brief bei mir war nicht vollständig, das heißt ich habe die Sachen nachgereicht und dann kam der nächste Brief, was auch noch fehlt“, sagt sie. Ärgerlich für Cordula Wehmann.

Unzufriedenheit herrscht über die lange Bearbeitungszeit der Anträge, die schroffe Art des Personals und die Öffnungszeiten, die als zu kurz empfunden werden. In Erlangen hat das Bafög-Amt am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 08.30 Uhr bis 12 Uhr, sowie montags und donnerstags von 13 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Rudolf Anthofer findet das völlig ausreichend. „Ich glaube wir sind in Bayern, was die Öffnungszeiten angeht, vorne dran“, sagt er. „Und irgendwann brauchen die Mitarbeiter ja auch Zeit, die Anträge zu bearbeiten.“ Die Bearbeitungszeit liege bei sechs bis acht Wochen. Dies sei notwendig, um alle Unterlagen und Auskünfte einzuholen, so Anthofer. Er wisse um die Komplexität der Anträge und wünsche sich auch einfachere Formulare, dafür sei allerdings der Gesetzgeber verantwortlich, nicht das Bafög-Amt.

Aber es gibt auch andere Beispiele. Nicht alle Antragsteller, oder viele, wie es die Umfrage vermuten lässt, sind grundsätzlich unzufrieden mit den Leistungen des Amtes. Studentin Franziska Niemeyer kann sich bislang nicht beschweren: „Ich habe es beantragt, mir wurde der Antrag einige Male zurückgeschickt, wegen einiger Details“, sagt sie. Schließlich hätte alles recht lange gedauert, aber dann sei sofort bezahlt worden.

Dass bei fehlenden Unterlagen sofort ein Hinweis auf Sanktionen erfolgt, sei ebenfalls – wie die Struktur der Anträge – vom Gesetz geregelt, sagt der Leiter des Bafög-Amts. „Die Bearbeitung des Antrags würde sich weiter verzögern, wenn es keine Fristen geben würde“, meint Anthofer. Deshalb sei der Hinweis sinnvoll.

2 Kommentare in “Wartezeiten und schroffes Personal

  1. „Zudem glaubt er, dass an der Umfrage vor allem Studenten teilgenommen haben, deren Anträge abgewiesen wurden. Empfänger, die keine Beschwerden hätten, würden seiner Meinung nach nicht an der Online-Umfrage teilnehmen.“
    Das ist großartig 😀 Und bei den BAföG-Ämtern mit besseren „Noten“ haben dann nur die mitgemacht, die eine Bewilligung bekamen. Starke Ansage, muss man ihm lassen.
    Ich bekomme ja kein BAföG und werde wahrscheinlich nicht mal einen Antrag stellen. Vielleicht mache ich es aus Spaß. Aber ganz ehrlich, das BAföG-Amt Erlangen/Nürnberg ist /bekannt/ für seine … nennen wir es mal „Zahlen“. Abgesehen davon, dass ein halbes Jahr Wartezeit (wohl für alle Ämter dieser Art) als normal gehandelt wird, ist der Ruf der Behörde weder durch ausnehmende Freundlichkeit noch brilliante Serviceleistung veredelt. Ich kenne /keinen/ Studenten, /keinen/ von ein paar Hundert, die mir in meinem Leben begegnet sind, würde ich meinen, der dem Amt ein Lob oder etwas derartiges ausgesprochen hätte. Btw. wir wissen, dass die Angestellten dort auch nur Menschen sind…
    Was ich mich aber wirklich frage: Wie um alles in der Welt soll jemand, der /wirklich/ auf dieses Geld angewiesen ist, um zu studieren, überLEBEN, wenn es erst ein halbes Jahr im Nachhinein ausgezahlt wird? Zwar in voller Höhe, aber, hhrm, etwas spät… Und nicht, dass bei korrekt ausgefülltem und pünktlich weitergereichtem Formular die nächsten Zahlungen monatlich kämen – nö, nach einem halben Jahr, in dem der Student mit seiner Einfuhr nun selbst haushalten soll, kommt die nächste Zahlung.
    Von telefonischen Anfragen sollte diesbezüglich übrigens abgesehen werden 😉

    Viele Grüße an alle, die es versuchen! Ich wünsch euch, dass alle Anträge einen guten Weg nehmen und ihr schnell „euer Geld“ bekommt.

    Ulle

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