Studium im Land der Eltern

Es soll immer wieder Abituri­enten geben, die schreiben sich für Spanisch oder gar Sinolo­gie ein, obwohl sie die Sprache gar nicht beherrschen und noch nicht einmal einen Schnupper­kurs belegt haben. In den ersten Semestern sind die Studenten dann mehr damit beschäftigt, die Sprache zu lernen, als sich mit den Inhalten des wissenschaftli­chen Studiums zu beschäftigen — sofern sie nicht gleich entnervt ihr Studium abbrechen. Wer dann auch noch ein Semester ins Ausland geht, hat dort häufig erst einmal große Probleme, sich dort in der fremden Sprache zu ver­ständigen.

Die Universität Regensburg will ab diesem Herbst Studenten fördern, die die Sprache bereits beherrschen, die sie studieren, und ihnen darüber hinaus einen Auslandsaufenthalt ermöglichen. Studenten mit Migrationshinter­grund sollen ein oder zwei Semes­ter im Land ihrer Eltern oder Großeltern studieren. „Dadurch wird es ihnen möglich, im Erwach­senenalter an die Kultur ihrer Großeltern anzuknüpfen“, meint Rektor Prof. Thomas Strothotte über das nach seinen Angaben bundesweit einmalige Programm für Ost- und Südosteuropa.

Der Rektor wuchs auch zweisprachig auf


Der Regensburger Uni-Chef ist selbst in Kanada mit Deutsch und Englisch als Muttersprachen auf­gewachsen und kennt die Situa­tion aus eigener Erfahrung. Dadurch kam Strothotte die Idee zum Studienprogramm „Secon­dos“. Der Begriff stammt aus der Schweiz und bedeutet „die in der zweiten Generation befindli­chen“. Der Gedanke: Während es die Secondos in der Schule womöglich etwas schwerer hat­ten, soll sich ihre Zweisprachig­keit und Bikulturalität im Stu­dium vorteilhaft auswirken, erklärt Uni-Sprecher Alexander Schlaak.
Im ersten Jahr als Bachelor-Stu­dent sollen die Secondos ihre Sprachkenntnisse in Regensburg vertiefen, dann geht es ab in die Heimat ihrer Großeltern.

Markus Kaiser