Die Uni in zwei Städten
7. Januar 2010 von campus
Hochschul-Campus in Erlangen? – Fehlanzeige. Nicht nur, dass die Studenten der Friedrich-Alexander-Universität über ganz Erlangen verstreut sind. Nein, sie befinden sich sogar in zwei verschiedenen Städten. Das wäre kein Problem, wenn die einen nur in Erlangen und die anderen nur in Nürnberg studieren würden. Tun sie aber nicht.
So müssen die Wirtschaftsinformatiker zum Beispiel Informatik an der Erlanger Tech Fak und BWLan der Nürnberger Re Wi studieren. Dass das bei so manchem den Stunden- beziehungsweise Zeitplan gehörig durcheinanderwirft, ist programmiert. Denn wie soll es bei der obligatorischen 30-Minuten-Pause zwischen den Vorlesungen möglich sein, von Erlangen nach Nürnberg oder von Nürnberg nach Erlangen zu gelangen? Fährt der Student mit dem Zug, kommt er zu spät. Ebenso, wenn er den Bus nimmt. Mit dem Auto wäre es fast zu schaffen, wäre da nicht die langwierige Parkplatzsuche.
Dass die Uni auf zwei Städte verteilt ist, hat aber auch Vorteile. So zum Beispiel für die Lehramtsstudenten, die manche Vorlesungen sowohl in Nürnberg als auch in Erlangen besuchen können. So lässt sich der Stundenplan flexibler gestalten. Meistens zumindest.
Am Morgen in Erlangen, am Nachmittag in Nürnberg
So müssen beispielsweise die angehenden Lehrer, deren Studium inzwischen auch auf Bachelor umgestellt wurde, ein Pädagogik- Modul mit zwei Vorlesungen belegen. Diese Vorlesungen werden sowohl in Erlangen als auch in Nürnberg angeboten. „Prima“, dachte sich ein Nürnberger Student, der die eine Pädagogik-Vorlesung in Erlangen besucht. „Dann kann ich ja im nächsten Semester die andere Pädagogik-Vorlesung in Nürnberg besuchen und muss nicht mehr pendeln.“ Zu früh gefreut.
Obwohl die Erlanger und die Nürnberger Vorlesungen den identischen Inhalt haben, müssen beide an einem Ort absolviert werden. Wer den einen Schein also in der Hugenottenstadt macht, muss seine Leistung für den anderen auch hier erbringen. Und das, obwohl die Lehrveranstaltungen an der gleichen Uni und nur an anderen Orten angeboten werden!
Die Begründung des Dozenten: „Die machen das da ein bisschen anders.“ Aha. Fragt sich nur, wie die ach so flexiblen Studenten innerhalb Deutschlands oder gar Europas von einer Hochschule zur anderen wechseln sollen und dabei Scheine anerkannt bekommen, wenn das noch nicht einmal innerhalb einer Universität funktioniert.
Christin Nünemann



