Keine TU in Franken
27. Januar 2010 von campus
Immer wieder mal schürten Professoren der Fachhochschule Nürnberg das Gerücht, dass zusammen mit den Wirtschaftswissenschaftlern oder den Ingenieuren der Uni Erlangen eine Business School oder eine Technische Universität gegründet wird. Diesmal kommt das Gerücht nicht aus dieser Ecke, sondern vonseiten der Partei, die in der bayerischen Regierung Verantwortung für die Bereiche Wirtschaft und Wissenschaft trägt: der FDP. Eine zweite Technische Universität nach München soll in Nordbayern mittelfristig gebaut werden, heißt es in einem „Innovationspapier“. Eine Schnapsidee.
Das Vorhaben ist noch unrealistischer als das Versprechen Horst Seehofers, in Augsburg eine Uniklinik zu installieren. Eine neue TU in Nordbayern mit unbestimmtem Ort und nach FDP-Angaben noch komplett unklarem Zeitplan wäre auch völlig unnötig. Wenn die FDP die Ingenieursdisziplinen in Franken stärken will, braucht sie nur die Technische Fakultät der Uni Erlangen weiter ausbauen.
Hier wird bereits hervorragende Arbeit geleistet
Hier ist die Infrastruktur bereits vorhanden, hier sind die Wissenschaftler vernetzt, hier wird – was alleine die vier Leibniz- Preise und der Erfolg in der Exzellenzinitiative in den Neuen Materialien zeigt – hervorragende Arbeit geleistet. Selbst die CSU, die aus regionalpolitischen Gründen die neuen Universitäten in Bayreuth und Passau und die zig Fachhochschulen gebaut hat, hat inzwischen erkannt, dass es in Bayern eher zu viele als zu wenige Hochschulen gibt. Statt neue zu gründen, sollten die vorhandenen besser ausgestattet und ausgebaut werden.
22 Seiten ist das Innovationspapier der Liberalen mit dem Titel „Chancen schaffen – Bayern erneuern“ lang. Eine TU in Nordbayern „bedarf vielfältiger Vorarbeiten“, hat Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch immerhin erkannt. Vermutlich wollte er mit dem Vorschlag einer neuen TU nur provozieren und die Bedeutung der Maschinenbauer, Elektrotechniker und Werkstoffwissenschaftler nur mal wieder ins Gespräch bringen. Das ist ihm geglückt. Er muss aber aufpassen, dass es für ihn nicht ähnlich peinlich wird wie für Seehofer, nachdem er im Goldenen Buch der Stadt Augsburg geschrieben hatte: „Die Uniklinik kommt.“ Die TU Nordbayern kommt definitiv nicht.
Markus Kaiser
1 Kommentar zu “Keine TU in Franken”




Der Fehler war, dass man in den 60er beschlossen hat die Uni Erlangen mit ein paar Ingenieurstudiengängen abzuspeisen, anstatt auf eine vollwertige eigene TU in Franken zu setzen.
Zu einer TU gehören die Naturwissenschaften und die Ingenieurwissenschaftten und bei beiden kann die Uni Erlangen mit der TU nicht mithalten.
Ich habe mir mal die Studentenzahl 2008/09 vom Statistischen Amt geholt (das demnächst in Fürth) und angesehen wer wo was studiert.
Über 70% der Ingenieurstudenten in Bayern sind in München (TU bzw. Uni der Bundeswehr). Da sieht man, dass Erlangen für einige Studenten noch nicht attraktiv genug ist. Verkehrstechnik, Architektur, Bauingenieur und das Vermessungswesen kann man in Erlangen gar nicht studieren. Das sind aber Fächer die zu einer TU gehören.
Und auch bei den Naturwissenschaften sieht es in Erlangen an einigen Stellen etwas langweilig aus: Chemie und vor allem die Informatik ist in Erlangen noch ausbaufähig.
Dazu fehlen ein paar Grundlagenforschungsinstitute wie Max-Plank und Helmholtz. Mit einem einzigen (kleinen) Max-Plank-Institut hat man noch nicht genug “Netzwerkeffekte” in Erlangen.
Wäre die Technische Fakultät in Erlangen eine TU würden diese Mängel viel eher ins Auge fallen und man hätte schon viel früher Abhilfe geschaffen.
Damit Erlangen in der ersten Liga mitspielen kann muss der bayrische Staat noch einige Millionen, wahrscheinlich sogar Milliarden in die Hand nehmen. Bisher werden diese Gelder fast nur in München ausgegeben.