Mach's gut, Erlangen

Erwischt! Anstatt für meine Abschlussprüfung zu lernen, schaue ich aus dem Fenster. Das kann ich ziemlich gut. Es ist ja auch spannend, wie der nasse Schnee vom Dach rutscht, mitten auf dem Balkon meines Nachbarn aufklatscht und zu allen Seiten spritzt. Oder wie er im freien Fall langsam auseinanderfällt.

„Du musst durchhalten“, sage ich mir. „Bald ist es geschafft.“ Nur noch diese eine Prüfung, dann liegt das Studium hinter mir. Nie wieder für Klausuren ler­nen, sich vor mündlichen Prüfun­gen fürchten, Papierberge wäl­zen, Wochenenden durcharbeiten oder unzählige Tage in der Biblio­thek verbringen. Keine Gruppen­referate mehr, bei denen man dann doch alles alleine macht, keine langweiligen Vorlesungen in überfüllten stickigen Räumen oder Hausarbeiten in den Som­mermonaten. Dann ist alles vor­bei! Endlich!

Zur Vorfreude gesellt sich Wehmut

Doch zu der Vorfreude auf die wiedergewonnene Freiheit nach dem Studium gesellt sich Weh­mut. Die Uni-Zeit war anstren­gend, aber war sie nicht auch wun­derschön? Hier hatte ich meine erste eigene Bude, musste auf eige­nen Beinen stehen, konnte studie­ren, was ich mir schon so lange gewünscht hatte und eine neue Stadt kennenlernen. Mit netten Kommilitonen an der Seite waren die Vorlesungen und Lernphasen eigentlich nur halb so schlimm und obwohl es in der Mensa zwar nie Drei-Sterne-Essen gab, reichte es trotzdem immer für eine nette Pause mit Freunden. Dann gab es da noch die sonnigen Nachmittage auf der Schlossgar­ten- Wiese, die legendären Abende während der Bergkirch­weih und die zahlreichen Sommer­feste und Studentenpartys.
Ja, die Zeit in Erlangen war schön, aber auch als Alumna wird es sicher spannend. Wieder eine neue Stadt, interessante Men­schen, neue Herausforderungen, eine neue Wohnung und endlich der Job, von dem ich immer geträumt habe! Ob es mir dort genauso gut gefallen wird?

Wieder fällt Schnee vom Dach und landet dieses Mal direkt auf dem roten Liegestuhl, der selbst im tiefsten Winter bei meinem Nachbarn auf dem Balkon steht. „Du musst durchhalten!“, sage ich mir. „Bald ist es geschafft!“ Ob ich mich nun darüber freue oder traurig bin, kann ich nicht genau sagen. Fest steht: Erlangen, ich werde dich vermissen!

Christin Nünemann