Bier brauen an der FAU: Ein ideales Praktikum für durstige Studenten

20100505_4c_booze1_bigUni und Bier gehören zusammen – zumindest für einige Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg. Während andere lernen oder in Vorlesungen sitzen, brauen die angehenden Chemie- und Bio-Ingenieure eigenen Gerstensaft – im Rahmen eines Praktikums und in Begleitung von Dozenten.

Morgens um acht Uhr beginnt für Benedikt Köninger und zwei Studentinnen der Brautag. Unterarmdicke Schläuche, Pumpen, Gasflaschen und Kessel stehen in einer modernen Halle im Erlanger Stadtosten. Matthias Stach und Christoph Lindenberger vom Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik erklären, in welchen Prozessschritten aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe schließlich Bier entsteht und welche Geräte dafür eingesetzt werden.

Erst trockene Theorie, später feuchte Kehlen

Nach der Theorie folgt gleich die Praxis. Dabei müssen die Studenten selbst anpacken: Leitungen verlegen, umpumpen und stets den Brauprozess überwachen. „Ich weiß, was für eine Arbeit dahintersteckt“, sagt Köninger. „Bier kann ich dann bewusster genießen.“ Und Anna Pöverlein fügt hinzu: „Mir gefällt, dass es so etwas Anschauliches ist.“
Bis die beiden den ersten Schluck genießen können, ist es aber ein langer Weg. Der Brauprozess beginnt mit dem Maischen. Dabei wandeln Enzyme die Stärke des Getreides in Zucker um, der von der Brauhefe in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt wird. Über die Temperatur beim Maischen beeinflussen die Studenten die Sorte des Bieres. Im anschließenden Läuterprozess wird die Flüssigkeit vom Feststoff getrennt. Diese Flüssigkeit wird dann in die sogenannte Würzepfanne abgelassen. Die Bierwürze wird gekocht, dann kommt Hopfen hinzu. Anschließend müssen die Studenten die Flüssigkeit wieder umpumpen, diesmal in einen Gärbottich. Schließlich wird Hefe hinzugegeben und die Gärung eingeleitet.
Was in der Theorie einfach klingt, ist in Wirklichkeit ein mehr als achtstündiger Prozess. Neben dem fachlichen Wissen lernen die Studenten auch, Geduld zu haben. „Einfache Produktionsschritte dauern oft sehr lang“, sagt Köninger. Spaß mache es trotzdem. Nicht nur, weil „Brauen der Traum von jedem Jungen ist“, sondern vor allem, „weil man die ganze Zeit den Biergeruch in der Nase hat“. Kein Wunder, dass alle Beteiligten zwischendurch immer wieder kosten, wie das Bier im aktuellen Produktionsstadium schmeckt.
Das Brauen verläuft diesmal ohne Zwischenfälle. Beim vergangenen Mal sei ein Rührflügel im Kessel abgerissen, dann „musste mal ein Student kopfüber in den Kessel steigen“, erinnert sich Matthias Stach. Genau darum geht es in dem Brau-Praktikum. „Die Studenten müssen handeln, wenn ein Problem auftritt, um die Produktion zu retten“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter. „Und man muss auch mal was über den Daumen abschätzen können.“ Zum Beispiel wie viel Wasser hinzukommt.

Das findet auch Köninger am Praktikum so interessant. „Die Abläufe sind nicht genau vorgegeben, man muss ein bisschen mit Gefühl arbeiten.“ Zweimal im Jahr haben jeweils zehn Studenten die Möglichkeit, ihr eigenes Bier zu brauen. Angefangen mit der Planung der Brauanlage haben die Mitarbeiter am Lehrstuhl im Sommersemester 2008. Entstanden ist eine 14000 Euro teure Anlage, mit der während der Langen Nacht der Wissenschaften im vergangenen Jahr zum ersten Mal Bier hergestellt wurde. Seitdem integriert die Bioverfahrenstechnik das Brauen dauerhaft ins Praktikumsangebot für Chemie- und Bio-Ingenieursstudenten.
Das Bier gärt acht bis zwölf Tage, bevor es weitere vier Wochen eingelagert wird. Benedikt Köninger und seine Kommilitoninnen werden dann Mitte des Semesters ein helles Bier mit zwölf Prozent Stammwürze und einem Alkoholgehalt von rund fünf Prozent trinken können. Hergestellt werden die 200 Liter Bier für das Institutssommerfest und für einen Brauwettbewerb der Uni Hamburg-Harburg, an dem die Erlanger Bioverfahrenstechniker teilnehmen. Noch dauert es ein paar Wochen, bis das erste Fass angezapft wird. Auf das Ergebnis freut sich Anna Pöverlein aber jetzt schon: „Ich bin echt gespannt, wie es dann schmecken wird.“

Marco Piljic