Universität Erlangen wird keine Elite-Uni

Die schlechte Nachricht erreichte den Präsidenten der Universität Erlangen-Nürnberg auf einer Delegationsreise in Mexiko. Maßlos enttäuscht soll Prof. Karl-Dieter Grüske gewesen sein, als er aus Erlangen die Nachricht bekam: Seine Hochschule wird keine Elite-Universität.

In der dritten Runde der Exzellenziniative ist Erlangen – wie auch die Unis in Würzburg und Bayreuth – bereits im Vorentscheid ausgeschieden, während es die beiden Münchner Unis erwartungsgemäß und die Unis in Bamberg und in Regensburg überraschend in den Endentscheid geschafft haben.

„Wir bedauern sehr, dass die FAU die Jury nicht von ihren zweifellos vorhandenen Stärken überzeugen konnte“, ließ Grüske aus Mexiko verlauten. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP), der zu dieser Fahrt eingeladen hatte, soll die Nachricht vom Ausscheiden der Uni Erlangen zunächst gar nicht geglaubt haben. Denn nicht nur mit ihrem Zukunftskonzept, das den inoffiziellen Titel einer „Elite-Uni“ bringen sollte, sondern auch mit seinen jeweils zwei Anträgen auf Forschungsschwerpunkte (Exzellenzcluster) und Graduiertenschulen für Doktoranden ist Erlangen gescheitert. „Wir sind ziemlich ratlos ob des Warum“, sagte Vizepräsident Prof. Hans-Peter Steinrück, der im Erlanger Schloss die Stellung hielt. „Wir sind überrascht und enttäuscht.“

Gemeinsam mit den an den Anträgen beteiligten Professoren hatte sich Steinrück im Präsidentenbüro die Live-Übertragung der Entscheidung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Wissenschaftsrats im Internet angeschaut. Kurz vor 16 Uhr kam per E-Mail die Vorabinformation. „Wir verstehen es nicht“, meint Steinrück, „wir haben noch keine Information darüber, warum die Entscheidung so gefallen ist.“ Immerhin dürfen das bereits bestehende Exzellenzcluster in den Materialwissenschaften und die Graduiertenschule in Optik, die sich gestern nicht bewähren mussten, im nächsten Jahr noch auf eine Verlängerung hoffen.

Schnell hat sich die Uni Erlangen gestern verständigt, wie sie Karl-Dieter Grüskes größte Niederlage verkauft: „Die Friedrich-Alexander-Universität hat dennoch gewonnen“, ließ er aus Mexiko per Pressemitteilung ausrichten, „weil wir Initiativen angestoßen und Impulse gegeben haben. Bei der Erstellung unserer Anträge hat eine Zusammenarbeit zwischen Fächern und Kollegen stattgefunden, die es sonst in dieser Form wahrscheinlich nicht gegeben hätte.“

Steinrück will am Konzept festhalten: „Wir haben vor, neue Wissenschaftsfelder schnell und unkonventionell zu fördern.“ Diese Zukunftsfelder habe die Uni in den vergangenen Monaten zu identifizieren versucht. Dies muss künftig nun ohne den Millionen geschehen, die die „Elite-Unis“ vom Bund und den Ländern erhalten. „Das Konzept verschwindet aber nicht in der Schublade.“

 

Markus Kaiser