Wohnen in Erlangen? Vergesst es…

Für das kommende Wintersemester rechnet die Uni Erlangen-Nürnberg mit rund 8000 Studienanfängern. Zusammen mit den 2500 im vergangenen Sommersemester sind das über 10.000 Erstsemester im Jahr 2011 – im Vorjahr waren es nur 6000. Weil Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske und der Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) Angst haben, dass die ganzen neuen Studis vielleicht keine Bleibe bekommen, haben sie sich schon vor einiger Zeit das Wohnprojekt „Wohnen für Hilfe“ ausgedacht. Das Prinzip: Oma X. vermietet ihre Einliegerwohnung oder ein Zimmer an den Studenten Y. – und zwar für deutlich weniger Miete als sonst üblich. Im Gegenzug verpflichtet sich der Student, der ja die Bude viel billiger bekommt, zu bestimmten vorher ausgemachten Gegenleistungen. Der OB stellt sich so was vor: Rasenmähen, Abwaschen, mal den Hund Gassi führen.

Bislang ist das alles jedoch nur graue Theorie. Denn die lieben Erlanger steigen auf die Idee überhaupt nicht ein. Diejenigen, die mal vorsichtig Interesse beim OB bekundet haben, wollten dann hinterher zwar schon vermieten – aber zum regulären Mietpreis. Und der ist in Erlangen für viele Studenten unerschwinglich, weil die vielen Uni- und Siemens-Mitarbeiter die Preise hochtreiben. Es liegt aber auch daran, dass die guten Senioren manchmal etwas überzogene Vorstellungen davon haben, wie so ein Student zu sein habe. Leise und höflich versteht sich von selbst; fromm, schlank und allwissend hat selbst das Stadtoberhaupt überrascht.

Einen Ruck sollten sich die Erlanger aber vielleicht zuliebe des Nachwuchses doch gebe, sonst können zum Semesterbeginn im Oktober viele Studenten unter den Brücken der Stadt nächtigen. Wer im Radius von 50 Kilometern rund um die Uni wohnt, hat in diesem Winter sowie im Sommer 2012 keine Chance auf einen Studentenwerks-Wohnheimplatz – auch wenn er sich noch so oft bewirbt. Das Studentenwerk hat in Erlangen 1824 Wohnheimplätze, in Nürnberg 1593. Die kommen aber vor allem Austauschstudenten aus dem Ausland und Erstsemestern von weiter weg zugute.

 

Es muss nicht immer Erlangen sein

Wer schon seine Zusage für Erlangen hat, sollte so früh wie möglich den Kontakt zum Wohnservice des Studentenwerks suchen. Die geben auch Tipps, wo man es sonst noch probieren kann. Die cleveren Stadtväter in den Nachbarstädten Nürnberg und Fürth werben zwischenzeitlich schon mit Ausweichquartieren in ihren Kommunen. 390.000 Wohnungen gibt es in der Region. Pro Jahr zieht ein Zehntel um, also sollte immer was freiwerden. Die Fürther locken vor allem mit günstigen Mieten. Tatsächlich liegt die Durchschnittsmiete dort etwa 20 Prozent unter dem Erlanger Niveau. In den vergangenen Jahren ist viel gebaut worden, vor allem auf dem ehemaligen Army-Gelände in der Südstadt. In Nürnberg ist es – je nach Lage – etwas teurer als in Fürth, aber immer noch günstiger als in Erlangen. Außerdem darf man in einer Großstadt leben. Neben dem Zug kommt man auch noch mit der Buslinie 30 von Nürnberg nach Erlangen. Und die, das verrät die VAG, wird ab dem Vorlesungsbeginn-Montag sogar noch häufiger fahren als bisher.

Florian Heider

5 Kommentare in “Wohnen in Erlangen? Vergesst es…

  1. Auch wenn der Beitrag älter ist – in Bamberg sieht die Lage ähnlich aus. Viele Wohnungen die herruntegrekommen sind und zudem maßlos überteuert. Auch gibt es Hausverwaltungen die mit den Wohnungen fragwürdig umgehen. Und das in einer Zeit, in der Bildung immer wichtiger wird. Danke für euern Beitrag.

  2. Ich möchte mal behaupten, dass auch Erlangen eine Großstadt ist. Eine Großstadt ist definiert durch eine Einwohnerzahl jenseits der 100.000 – und Erlangen hat eindeutig ein paar tausender mehr. Somit lebt man in Erlangen auch in einer Großstadt.

    • Na logo ist Erlangen eine Großstadt. Die schillernde Weltstadt hat nicht nur ein paar Tausender mehr als 100.000 Einwohner, genau genommen sind es in toto 105.514 (Stand Juli 2011) – und da sind die hyper-urbanen Metropolen im Umland (Uttenreuth, Marloffstein, Atzelsberg et al) noch gar nicht mitgerechnet. Wer’s noch urbaner mag, kann freilich gleich Fürth in Betracht ziehen – die haben selbst gegenüber dem riesigen Erlangen „eindeutig noch ein paar Tausender mehr“.

  3. Sehr geehrter Herr Heider,

    das Referat für Internationale Angelegenheiten erhält im Rahmen von Sonderkontingentvereinbarungen ca. 120 Plätze pro Jahr für Austauschstudenten in ER und N. Hier kommt die geographische Entfernung der Bewerber zum Tragen. Bei ca. 3300 Wohnheimzimmern und ca. 5 % davon kann meiner Ansicht nicht davon gesprochen werden, dass Austauschstudenten bevorzugt würden oder die Zimmer „vor allem“ an sie gehen würden.

    • Ich hatte Dr. Brigitte Perlick (Leiterin des Referates für Internationale Angelegenheiten) und Mathias Meyer (stellvertretender Geschäftsführer des Studentenwerkes ER-N) so verstanden, dass Ausländer grundsätzlich bevorzugt würden, vor allem, wenn sie kein Deutsch sprechen, was alleine bei 300 BA-Studenten der Fall sei. Es ist ja – meiner Meinung nach – auch nichts dagegen einzuwenden, wenn diejenigen Vorteile bekommen, die sich selbst nicht so gut kümmern können wie die Einheimischen. Laut Studentenwerk werden tatsächlich Wohnheime nie zu mehr als einem Viertel mit Ausländern belegt. Der Ausländeranteil unter den Studenten betrage derzeit 8,8 Prozent.

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