Uni soll mehr Menschen für Bewegung begeistern

Foto: Michael Matejka

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Künftig wird in Erlangen für die Gesundheit der ganzen Welt geforscht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ernannte das Uni-Institut für Sportwissenschaft und Sport gestern offiziell zum Kollaborationszentrum – weltweit gibt es nur zwei vergleichbare Einrichtungen.

Jeden Morgen joggen

Jeden Morgen, bevor sich Alfred Rütten an seinen Schreibtisch setzt, geht der 59-Jährige laufen. „Ich bin ein Sportfreak, ich brauche das, bevor ich geistig anfangen kann“, sagt er. Die Begeisterung will Rütten am liebsten auf die Bevölkerung übertragen – das ist sein Job. Seit zwei Jahren arbeiten der Leiter der Sportwissenschaft und sein Team dafür auch mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen. Die „Probezeit“ ist nun vorbei.

In der Erlanger Orangerie feierte das Institut gestern die offizielle Ernennung zum Kollaborationszentrum für Bewegung und Gesundheit der WHO. Angereist waren dafür auch Vertreter der Gesundheitsministerien aus elf Mitgliedsstaaten, der Chef des Regionalbüros der WHO in Europa und Bayerns Sportminister Joachim Herrmann (CSU).

Das Institut der Friedrich-Alexander-Universität ist die erste sportwissenschaftliche Einrichtung in einer solchen Rolle und die erste überhaupt in Europa. Weltweit gibt es nur zwei weitere Kollaborationszentren der WHO für Bewegung und Gesundheit, jeweils medizinische Institute in Amerika und Australien. „Die Zentren unterstützen die WHO mit Expertise aus der Wissenschaft“, sagt Rütten. „Die WHO wiederum berät mit diesem Wissen weltweit Regierungen.“

Mehr Sport vom Kindergarten bis ins Altenheim

Die Forscher untersuchen, wie gezielte Politik zur Sportförderung beitragen kann und wie auch sozial benachteiligte Gruppen zu mehr Bewegung animiert werden können. „In den nächsten eineinhalb Jahren erarbeiten wir einen Aktionsplan, den die WHO dann ihren 53 Mitgliedsländern in Europa empfehlen wird“, sagt Rütten. Nicht in jedem Land gibt es Sportvereine wie in Deutschland. „Wir müssen natürlich den jeweiligen kulturellen, geografischen und politischen Kontext beachten“, sagt der Sportwissenschaftler. Für Bayern hat er in den letzten Jahren ein Konzept entwickelt für Sport vom Kindergarten bis ins Altenheim.

Schon seit 15 Jahren berät Rütten die WHO in einzelnen Fachfragen, ab jetzt ist die Zusammenarbeit mit dem Institut dauerhaft und geschäftlich vereinbart. Geld gibt es dafür nicht. „Das ist eine freiwillige Dienstleistung, die sich die Universität leistet“, sagt Rütten. „Dafür bietet uns die WHO ein fantastisches Netzwerk und internationale Reputation.“ Der Titel des Kollaborationszentrums bringt außerdem Pluspunkte in Bewerbungen um Fördermittel der EU.

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