Doch (k)ein Scherz: FAU geht an die Börse

Viele würden sich wohl wünschen, dass es wahr wäre: Die Uni Erlangen-Nürnberg verkündet heute auf ihrer Homepage, die Universität privatisieren zu wollen, um Geld für die vielen maroden Gebäude zu bekommen. „Durch einen Börsengang will die FAU Kapital in dreistelliger Millionenhöhe beschaffen“, heißt es in der Mittleilung.

Doch mit dem Geld kann die Uni nur etwa „die Hälfte der anstehenden Sanierungskosten für ihre Gebäude in Höhe von knapp einer Milliarde Euro decken“.

Russischer Oligarch kauft Dürer-Schatz

Weitere Mittel soll daher der Verkauf kostbarer Dürer-Zeichung einbringen – die Teil eines Kunstschatzes sind, der im Keller der Universitätsbibliothek schlummert. Ein russischer Oligarch habe bereits 200 Millionen Euro geboten. Der Verlust der Kleinodien schmerze zwar sehr, teilt Uni-Präsident Karl-DieterGrüske mit, doch der Zustand der Universität lasse keinen Raum für Kompromisse: „Wir wollen unseren Studierenden beste Bedingungen bieten – und dafür müssen wir auch harte Einschnitte in Kauf nehmen.“

Einige FAU-Mitarbeiter haben aber trotz des 1. Aprils Bedenken: „Ein Handel mit einem russischen Wirtschaftsmagnaten konterkariere die angesichts der Krim-Krise angedachten Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland.“ Bedenken, die Grüske nicht teilt: „Es ist die hohe Aufgabe der Kunst, in Krisenzeiten Brücken über Gräben zu bauen.“

Grüske ist selbst Finanzwissenschaftler, er kennt sich also aus: „Es hat sich gezeigt, dass die Gelder, die der Freistaat Bayern für den Bauunterhalt bereitstellt – jährlich waren das in den vergangenen Jahren etwa 5 Millionen Euro – nicht annähernd ausreichen, um auch nur die nötigsten Sanierungsarbeiten durchzuführen.“ Und das ist kein Scherz, sondern traurige Realität. PCB-Warnung in der Bibliothek, bröckelnde Decken in der Kochschraße.

Präsident Grüske wird CEO

Doch am ersten April reagiert die Uni mit schwarzem Humor: „Wir haben beschlossen, zur Selbsthilfe zu greifen“, sagt Grüske. „Die Aktien sollen ab Herbst an der Nasdaq gehandelt werden.“ Präsident Grüske, der die FAU AG als CEO leiten wird, geht von einem positiven Börsenstart der „Aktie blau“ aus: „Wir hoffen, einen Ausgabekurs von 250 Euro realisieren zu können – das entspricht etwa dem derzeitigen Aktienkurs von Amazon.“

Auch das eigene Personal ist vor Scherzen nicht sicher: Nach dem tatsächlichen rechtlichen Gerangel um die Nachfolge des langjährigen FAU-Kanzlers Thomas A.H. Schöck bietet der erfundene Börsengang endlich Zukunftschancen. „Schöck wechselt nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Kanzleramt in den Aufsichtsrat der AG – ein rechtlich äußerst innovativer Schritt: Als autonome Universität kann die FAU wesentlich flexibler agieren als die meisten anderen Wirtschaftsunternehmen, in denen ein solcher Wechsel womöglich durch Compliance-Anforderungen behindert würde.“

 

1 Kommentar in “Doch (k)ein Scherz: FAU geht an die Börse

  1. Die Reaktionen innerhalb der FAU waren heute früh wirklich sehr witzig. Die Leiterin der UB hat erst mal geschluckt – aber dann angekündigt: „Die UB bleibt heute geschlossen, und wir geben nichts heraus, keinen Dürer, keinen Grünewald, keinen Burgkmair, gar nichts, nicht die kleinste Münze!!!“ Und der Leiter der Innenrevision plädiert dafür, den Schlossgarten in ein Elefantenfreilaufgehege umzuwandeln. Es macht Spaß zu sehen, dass die Menschen an der FAU Humor haben. Ach, die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben auch schon nach Vorzugsaktien gefragt….

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