Erlanger Chemikum ist das Top-Bauprojekt in Deutschland

Chemikum Baustelle Uni-Süd Erlangen Foto:Bernd Böhner 20.09.2013

Chemikum Baustelle Uni-Süd Erlangen
Foto:Bernd Böhner 20.09.2013

Der Berliner Flughafen, die Hamburger Elbphilharmonie und der Limburger Bischofssitzung – die meisten Bauprojekte in Deutschland sind teuer – und vor allem wesentlich teurer als geplant. Wenn es umgekehrt ist, ist das etwas besonderes. Deswegen wählte die Hertie School of Governance das Chemikum der Uni Erlangen-Nürnberg jetzt auf Platz 1 der „Top Ten der Großprojekte in Deutschland“, mit einer Kostensenkung um 46 Prozent. Die private Hochschule stellte ihre Studie heute in Berlin vor.

Prof. Dr. Genia Kostka und ihr Team untersuchten 170 Großprojekte, die seit 1960 in Deutschland gebaut wurden. Darunter sind 119 abgeschlossene und 51 noch laufende Projekte. Bei den aktuellen Baustellen ermittelt die Untersuchung Kostensteigerungen von bislang durchschnittlich 41 Prozent. Öffentliche Großprojekte werden im Schnitt sogar 73 Prozent teurer als geplant.

Der Neubau der Chemie am Südgelände in Erlangen sticht da positiv heraus. Statt der geplanten 148 Millionen Euro, kostete das Gebäude letztlich nur 80 Millionen Euro. Der Bau war dringend nötig: Das alte Gebäude war so marode, dass es demnächst schließen hätte müssen. Dann hätte niemand mehr Chemie studieren können. Und auch alle anderen Studiengänge, die Chemie im Lehrplan haben, hätten ein Problem gehabt.

Dass, dass Chemikum nur knapp die Hälfte kostete, liegt aber nicht an einer vorbildlichen Planung. Vielmehr war zwischenzeitlich sogar von einer Kostensteigerung auf 205 Millionen Euro die Rede. Doch dann schob die Universität einen Riegel vor, plante um und baute kleiner.

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2 Kommentare in “Erlanger Chemikum ist das Top-Bauprojekt in Deutschland

  1. Ausserdem wurde der zweite Bauabschnitt gestrichen. Die Einsparungen von knapp 50% kommen daher vermutlich von der halbierten Gebaeudegroesse.

  2. Realsatiere!

    Übernimmt man jetzt sogar schon Lokalnachrichten ohne vorher mal zu prüfen?

    Hier in Erlangen gilt das Chemikum als „kleiner BER“. Das Ding steht nämlich seit zwei Jahren „fertig“ in der Gegend rum, kann aber nicht bezogen werden, weil die Abluftanlage vollkommen untauglich ist – und das ist für ein Chemiegebäude nun mal ein nicht ganz unwesentlicher Punkt.

    Die Firma, die das verbockt hat (angeblich die gleiche wie beim BER, aber das ist nur ein Gerücht), ist natürlich inzwischen pleite. Ob und wann das Gebäude tatsächlich genutzt werden kann ist immer noch vollkommen unklar.

    Laufende Kosten verursacht es natürlich trotzdem bereits!

    Ungeachtet dessen, ist das alte Gebäude natürlich tatsächlich so marode, dass es schon längst hätte geschlossen werden müssen. Aus dem Gesichtspunkt der Arbeitssicherheit ist der weitere Betrieb fahrlässig, vielleicht sogar grob fahrlässig. Aber halt immer noch besser als der Neubau.

    Tolles Vorzeigeprojekt!

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