Ja Officer, ich werde ordentlich lernen!

fahrtDie Reise kann beginnen. Die wichtigsten Dokumente für mein Auslandsstudium in den USA sind mein Reisepass, das Visum und ein Dokument namens „I-20“. Das wird von der amerikanischen Uni ausgefüllt und gibt Auskunft über meinen Status, meine Person und meine Universität. Außerdem muss ich einen Nachweis dabei haben, dass ich genügend Geld für Studiengebühren und zum Leben habe. All das packe ich in mein Handgepäck, weil ich die Unterlagen bei der Einreise in die USA vorzeigen muss.

Mein Vater fährt mich nach Düsseldorf und ich steige ins Flugzeug nach Los Angeles. Ich habe einen Flug für 800 Euro gefunden. Das ist sehr günstig für August. Direktflüge nach Fresno, mein Studienort für die kommenden fünf Monate in Kalifornien, hätten 1500 Euro gekostet. Angekommen in LA, habe ich ein bisschen Respekt vor den Homeland Securities. Ich war zwar schon öfter in den USA, aber noch nie für so eine lange Zeit. Zum Glück verläuft alles ohne Probleme. Ich lege meine Dokumente vor und bekomme die nötigen Stempel. Der Officer sagt bloß, ich solle ordentlich lernen, aber trotzdem jede Menge Spaß haben. Oh ja, das werde ich!

Für die Strecke von LA nach Fresno nehme ich ein Mietauto. Das ist sehr viel günstiger als weiter zu fliegen. Es ist ein Uhr nachts als ich in Fresno ankomme und es hat draußen immer noch mehr als 30 Grad Celsius. Nachdem ich meine Schlüssel abgeholt habe, will ich nur noch in mein Bett fallen. Das Wohnheim schaut von außen sehr schön aus und innen geräumig. Ich wohne im ersten Stock in einer Vierer-Wohngemeinschaft. Jetzt heißt es aber erstmal Bettzeit. Schade nur, dass wirklich keinerlei Bettzeug vorhanden ist. Ich habe meinen Hüttenschlafsack dabei und meine zwei Pullis sind mein Kissen.

Die erste Woche in Fresno besteht aus Organisation und Geld ausgeben. Es ist tatsächlich nichts außer Möbel in der Wohnung. Wir fahren zu Second-Hand-Läden und Walmart, eine Einkaufsladenkette, in der wir Stunden zubringen. Walmart ist so riesig, dass (ich bin mir zu 100 Prozent sicher) sich auch noch die Amerikaner darin verlaufen. Plastikgeschirr, Wasserkanister und ein Auto waren die wichtigsten Anschaffungen bis jetzt. Über Craigslist, ein An- und Verkaufsportal, haben wir einen alten Jeep „Grand Cherokee“ erstanden. Autos sind hier sehr viel günstiger als in Deutschland. Da ich noch unter 25 Jahre alt bin, wäre ein Auto mieten für fünf Monate doppelt so teuer wie eines zu kaufen. Für einen Mietwagen müsste ich in meinem Alter 25 Dollar pro Tag extra zahlen. Doch auch für die Uni muss ich – neben der verpflichtenden studentischen Krankenversicherung – noch viel Geld ausgeben. Für meine Kurse benötige ich Bücher im Gesamtwert von 300 Dollar. Die anderen internationalen Studenten aus dem Wohnheim belegen alle Business Kurse. Für sie kostet teilweise ein einzelnes Buch schon 300 Dollar. Ich komme also noch einigermaßen sparsam weg.

Es war gut rechtzeitig anzureisen. So habe ich eine Woche, um alle Anschaffungen zu tätigen und mich etwas einzuleben. Morgen beginnen die Einführungsveranstaltungen. Ich werde berichten, ob sie so aufregend und übertrieben werden, wie man sich das für eine Uni in Amerika vorstellt.

Johanna Kroll