Arbeitsmarathon in Amerika

die-erste-woche-uni_bild_joDie Orientierungstage sind absolviert und meine Kurse an der California State University Fresno beginnen. Ich bin aufgeregt! Ich habe vier Kurse gewählt. Das entspricht zwölf Units und damit 20 Leistungspunkten in Deutschland. Für mein Studium in Deutschland fehlen mir zwar nur noch drei Kurse, für das Visum sind allerdings vier vorgeschrieben. Deshalb habe ich als Zusatz noch Pilates gewählt, wovon ich mir etwas Entspannung erhoffe.

Dienstagmorgen, 8 Uhr. Ich habe „Mass Communication and Society“. Sofort steht Gruppenarbeit mit anschließendem Präsentieren auf dem Plan. Ich bin die einzige internationale Studentin hier. Das sollte meinem Englisch gut tun. Die Dozentin gibt zu verstehen, dass wir jede Stunde „activities“ machen, da sie der Meinung ist, wir lernen nur, wenn wir den Stoff anwenden. Ich fühle mich etwas in meine Schulzeit zurück versetzt. Allein in diesem Kurs muss ich in einem Semester zwei Klausuren und zwei Hausarbeiten schreiben und habe dazu noch regelmäßige Hausaufgaben. Nach einer Stunde und 45 Minuten ist der Kurs vorbei und ich gehe für meine Pause in die Bibliothek.

Um 11 Uhr beginnt „Public Relations“. Die Dozentin teilt den Syllabus (Lehrplan) aus, und mir wird schnell bewusst, dass dieser Kurs meine Erwartungen erfüllen wird. PR ist in den USA moderner und fortschrittlicher als in Deutschland, finde ich. Auch hier habe ich regelmäßige Abgaben, wie etwa einen Twitter-Beitrag oder sonstige Recherchen, und drei Klausuren. Zusätzlich zum Unterricht muss ich 17 Stunden in einer PR-Agentur arbeiten und drei Workshops besuchen. Es hört sich zwar alles nach „positiver“ Arbeit an, dennoch bin ich erst einmal baff von dem geforderten hohen Arbeitsaufwand/Workload.

Nach dem Kurs habe ich nur 15 Minuten Zeit, um zum Pilates, in einer Turnhalle am anderen Ende des Campus, zu kommen. Zuspätkommen ist in den USA keine Option. Ich habe der Dozentin im Vorhinein geschrieben, dass ich mich möglicherweise fünf bis zehn Minuten verspäten würde. Die Antwort war, dass ich dann den Kurs wechseln solle. Darum beeile ich mich sehr und schaffe es glücklicherweise rechtzeitig. Auch im Pilates gibt es jede zweite Woche ein Online-Quiz, insgesamt zwei Klausuren und wir müssen regelmäßig Übungen vorführen. Trotzdem erhoffe ich mir, dass der praktische Teil überwiegen wird und ich nicht viel lernen muss.

Es ist 13:45 Uhr. Für heute ist die Uni vorbei. Am Donnerstag geht es weiter. Dann habe ich alle drei Kurse noch einmal und dazu noch „Technology and Society“. In Deutschland sind die meisten meiner technischen Fächer speziell für meinen Studiengang Technikjournalismus/-PR ausgelegt. Das heißt, sie zielen darauf ab, einen Journalisten oder Pressesprecher auszubilden und nicht zu tief in die technische Materie einzudringen – das klappt allerdings nicht immer. Hier, in Fresno, finden die Seminare direkt am „industrial technology department“ statt und alle anderen Teilnehmer studieren ausschließlich etwas mit Technik. Ich komme in den Klassenraum, sage laut „Hallo“ und ernte verwirrte Blicke und Schweigen. In meinen vorherigen Kursen war Kommunikation das A und O. Sogar Pilates belegen hauptsächlich Theaterstudenten, die es lieben, zu reden und laut zu sein. In „Technology and Society“ ist der erste Eindruck ein völlig anderer und ich finde es gut, das zu erleben. Auch in den USA gibt es also Menschen, die gerne ihre Ruhe haben. Die Arbeit wird nicht weniger: Wir müssen jede Woche ein Online-Quiz machen, ein Kapitel im Buch lesen und dazu zwei Fragen beantworten, einmal im Semester eine Gruppenpräsentation halten, mehrere umfangreiche Hausaufgaben erledigen und eine Klausur schreiben.

Meine erste Uni Woche ist vorbei. Auch wenn ich nur zwei Tage in der Woche Unterricht habe, bin ich mir sicher, dass ich definitiv viel mehr Zeit investieren muss. Von diesen Erfahrungen berichte ich das nächste Mal.

Johanna Kroll