Training für mehr Tapferkeit im Job

Mit mehr als einer Million Euro fördert die Bundesregierung das Projekt „Resilire“ an der Uni Erlangen-Nürnberg. Die Wissenschaftler entwickeln darin ein Training, die Arbeitnehmer weniger anfällig für psychische Belastungen im Beruf machen sollen. Das ist nicht grundsätzlich falsch, immerhin sind erste  Ergebnisse durchaus positiv und versprechen Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Am Kern des Problems geht die Maßnahme jedoch weit vorbei.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Leiden verdreifacht. Gut 20 Prozent der deutschen Arbeitnehmer bekamen im Jahr 2014 Niedriglohn – damit ist der deutsche Niedriglohnsektor einer der größten in der EU. Der Anteil der Beschäftigten in prekären Verhältnissen liegt bei bis zu 40 Prozent. Auf manchem Werksgelände arbeiten Stammbelegschaft, Werkvertragsarbeiter und Leiharbeiter unter jeweils unterschiedlichen rechtlichen und finanziellen Bedingungen am selben Endprodukt. Diese sogenannte „atmende Fabrik“ kann jederzeit flexibel auf Veränderungen reagieren und Arbeiter vor die Tür setzen – gewissermaßen „ausatmen“. Von beruflicher Sicherheit keine Spur.

Über drei Millionen Beschäftigte haben zwei oder mehr verschiedene Jobs um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtige Mittelschicht schrumpft. Die Bundesregierung müsste der Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse entgegenwirken, um die psychische Belastung der Arbeitnehmer tatsächlich zu verringern. Dringend nötig wäre es etwa, atypischer Beschäftigung enge Grenzen zu setzen und dafür zu sorgen, dass auch die unteren Lohngruppen von der guten wirtschaftlichen Lage profitieren.

Doch da ist es einfacher, den Beschäftigten einzureden, sie bekämen das schon alles selbst irgendwie hin. Widerstandsfähigkeit lässt sich jetzt schließlich trainieren. Wer an Leistungsdruck, Befristungen und finanzieller Unsicherheit zu zerbrechen droht, muss eben nur härter an sich arbeiten.

Dominik Mayer

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