Rückwärts einparken mit einem Segelschiff

Das Rückwärtseinparken hat nicht geklappt. Mit einem 50 Meter langen Schiff ist das auch schwieriger als mit einem Auto. Die Thor Heyerdahl kam vorwärts durch die Hafeneinfahrt gefahren, ließ sich dann von ihrem Beiboot Stück für Stück wenden und versuchte rückwärts am Steg anzulegen. Aber der Wind war zu stark. Das Schiff trieb ab und hätte im schlimmsten Fall die kleineren Boote am Nachbarsteg zerquetscht. Also gab Kapitän Johannes das Kommando zum Gasgeben und dirigierte die Thor zurück hinaus aufs freie Wasser.

In Tallinn beginnt die dritte und letzte Etappe von Science Sets Sail. 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen hier von Bord. 30 neue steigen zu – und eine Journalistin. Wenn es die Thor in den Hafen schafft. Bis dahin liegt sie vor Anker ein paar hundert Meter vom Land entfernt und es gibt Abendessen für die Mannschaft. Lasagne und Vanillepudding. Wie zur Entschuldigung spannt das Wetter einen Regenbogen über das Schiff und den noch unerreichten Hafen.

Kurz vor 22 Uhr ruft der Kapitän die Stammbesatzung zusammen. 17 Leute mit Segelausbildung sind an Bord, die die Wissenschaftler anleiten. Sie wollen das Einparken noch einmal versuchen und sprechen das Manöver durch. Der Wind hat abgeflaut. Es geht los. Alle sind auf ihrer Position. Über Funkgeräte geben sie die Kommandos des Kapitäns weiter. Alle zehn Sekunden ein neuer Befehl: Hart steuerbord, Maschine halbe voraus, pushen auf standby backbord. Nach rechts, vor, wenden. Zurück, dann links. Der Motor des Beiboots läuft auf Hochtouren und drückt die Thor herum. Der Hafen ist eng und das Einparken selbst für erfahrene Seeleute eine Herausforderung. Die Mannschaft ist voll konzentriert. „So was erleben wir auch nicht alle Tage“, sagen sie später.

Eine Stunde dauert es, dann ist es geschafft. Der Kapitän läutet die Glocke – damit ist das Manöver beendet. Alle applaudieren. Die Ersten klettern über die Reling an Land. Sie haben ein Bier in der Hand, denn jetzt ist Feierabend. Die Thor liegt sicher im Hafen von Tallinn. Die Gangway wird ausgefahren, die neue Besatzung kann kommen.

Christina Merkel