Die Reise auf der Thor Heyerdahl in eine neue Welt

Der Daumen ist wichtiger als der kleine Finger. Das ist eine der ersten Regeln, die Seefahrer lernen. Ohne Daumen können sie nicht greifen und deshalb nicht mehr arbeiten. Ohne kleinen Finger schon. Deshalb lernen wir, die Seile so zu halten, dass der kleine Finger nach vorne zeigt. Wenn wir abrutschen oder uns der Wind das Seil aus den Händen reißt, wird nur der kleine Finger zerquetscht. Und der ist, wie gesagt, verschmerzbar.

Am ersten Tag auf der Thor lernen wir viele neue Regeln und Begriffe. Das Schiff ist wie eine eigene Welt mit eigenen Gesetzen und eigener Sprache. Seile heißen Tampen, rechts heißt Steuerbord und Küchendienst Backschaft. Jedes Segel hat einen eigenen Namen und jedes Tampen auch und wir scheitern daran, sie auseinander zu halten. Zum Glück sagt uns unsere Wachführerin ganz genau, wann wir woran ziehen („hieven“) oder lockerlassen („fieren“) sollen, damit sich etwas bewegt.

Alle Teilnehmer sind in drei Wachdienste aufgeteilt. Watch One ist von 0 – 4 und von 12 – 16 Uhr dran. Watch Two von 4 – 8 und von 16 – 20 Uhr. Und Watch Three hat von 8 – 12 und von 20 – 24 Uhr Dienst. Das Schiff ist ein 24-Stunden-Betrieb. Wer Schicht hat, checkt, ob alles an Bord in Ordnung ist, wir dürfen das Schiff selbst steuern und bei Bedarf die Segel umsetzen. Jede Wache ist außerdem eine Stunde am Tag mit Putzen dran. Entweder die Toiletten und Duschen, unter Deck oder auf dem Achterdeck. Geschlafen wird in jeder freien Minute dazwischen.

Christina Merkel