Seegang-Pause in Schweden

Stille. Zum ersten Mal seit drei Tagen schweigt der Motor. Die Thor ankert vor Gotland. Im Windschatten der schwedischen Insel sind die Wellen flach und das Schiff hat endlich aufgehört zu schaukeln. Alle brauchen eine Pause.

Drei Tage lang haben sich Thor und Crew gegen den Wind in Richtung Südwesten gekämpft. Es regnete und die Wellen schlugen über das Deck. Segeln war nicht möglich und der Motor hämmerte Tag und Nacht. Zuletzt nur noch mit halber Kraft, weil die Kühlung der 70 Jahre alten Maschine nicht hinterherkommt. Auch die Mannschaft lief nur noch mit halber Kraft, die andere Hälfte hing über der Reling oder lag im Bett und kämpfte gegen das Seekranksein.

Kaum ist das Schiff in ruhigeren Gewässern geht es den meisten besser. Zum ersten Mal ist deshalb auch die Messe wieder voll besetzt. Alle schaffen es in den Essensraum unter Deck und haben Hunger. Ein gutes Zeichen. Es gibt Bratwürste, Kartoffeln und Blumenkohl.

Alle atmen durch. Die Sonne scheint. Obwohl das Wasser nur 15 Grad hat, hält das einige nicht davon ab, von der Bordwand hineinzuspringen und eine Runde zu schwimmen. Manche trauen sich sogar vom Klüverbaum, der vordersten Spitze des Schiffs, die sieben Meter nach unten zu köpfern. Andere nutzen die Gelegenheit lieber und schlafen zum ersten Mal, ohne Angst, aus dem Bett zu fallen. Die Pause tut allen gut. Gleich gibt es Kaffee und Kuchen.

Christina Merkel 

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