Donnerstags ist Seemannssonntag

Donnerstag ist Seemannssonntag. Dieser Brauch ist mehrere hundert Jahre alt. Weil es an Bord eines Schiffs kein Wochenende gibt, sondern sieben Tage durchgeschuftet wird, soll die Mannschaft wenigstens an einem zweiten Tag in der Woche etwas Besonderes zu essen bekommen. Wie sonst eben nur sonntags.

Auf der Thor Heyerdahl gibt es deshalb zum Frühstück frische Semmeln und Eier. Martin, ein mitsegelnder Wissenschaftler aus Dänemark, spendiert dazu traditionelle Zimtschnecken, weil wir gerade in seinem Heimatland zu Gast sind. Von Gotland aus haben wir die Insel Bornholm angesteuert. Im Hafen von Rönne bekommt das Schiff neuen Diesel und wir frisches Duschwasser. Zum ersten Mal seit Tallinn legen wir wieder an Land an. Immunbiologe und Segelneuling Mario hat das Schiff sicher in den Hafen gesteuert, und bekommt dafür ein extra Lob vom Kapitän. Am Kai bleiben einige Leute stehen und beobachten das Einparken – so ein 50 Meter langes Traditionssegelschiff macht schon einiges her.

Wir spannen das Sonnensegel auf und essen an Deck zu Mittag. Chemikerin Yamini, die aus Indien stammt und in Erlangen promoviert hat, hat Gemüsecurry und Reis gekocht. Dazu gibt es Tomaten-Gurken-Salat und Lassi, gesalzenes Trinkjoghurt. Jeder ist während der Reise einmal mit „Backschaft“ dran. In der rund drei mal drei Meter großen Kombüse wird dann zu viert für 50 Leute gekocht. Die Schicht beginnt um 6 Uhr morgens mit dem Vorbereiten der Wurst- und Käseteller fürs Frühstück und endet nach 21 Uhr, wenn der letzte Teller abgespült ist.

Eine Spülmaschine gibt es nicht – kein Platz an Bord. Dafür befindet sich unter Deck ein Kühl- und ein Gefrierraum sowie die „Trockenlast“ mit gestapelten Vorräten bis unter die Decke. Am Abend überlegt das jeweilige Team mit den Proviantmeisterinnnen, was es am nächsten Tag zu essen gibt. Je nach Appetit, Können und vorhandenen Zutaten, reicht das Angebot von Nudeln mit Tomatensoße bis zu Rumpsteak mit Ofengemüse. Nachgekauft wird unterwegs nur Joghurt und Eier. Und Semmeln am Seemannssonntag.

Christina Merkel