Olga macht an Bord alle fertig – nur einen nicht

Olga braucht viel Zuwendung. Jede Stunde muss jemand nach ihr sehen und alle drei Stunden braucht sie besondere Aufmerksamkeit. Tag und Nacht. Das geht sogar soweit, dass die Menschen ihren Magen für sie riskieren. Denn in Gegenwart von Olga wird vielen schlecht. Bei ihr im Heck ist es heiß, stickig und laut. Hier stampft das Schiff besonders stark. Das hält nicht jeder aus.

Nur Generator-Jens. Der ist gerne bei ihr und kümmert sich rund um die Uhr. So sehr, dass seine Freundin ab und zu eifersüchtig wird: „Im Moment steht es etwa 50 zu 50 zwischen Olga und mir – da komme ich ganz gut weg“, sagt sie. Warum Olga aber außgerechnet Olga heißt, kann nicht einmal Jens sagen. „Das war irgendwie schon immer so.“ Olga, die Schiffsmaschine der Thor Heyerdahl, ist schließlich schon 66 Jahre alt. Ein Sechs-Zylinder-Diesel-Motor mit 400 PS und bis zu 410 Umdrehungen pro Minute, wenn es sein muss. 36 Liter verbaucht sie pro Stunde bei hoher Marschfahrt. Wenn das Schiff nur so dahintuckert, reichen 15 bis 20 Liter aus.

Olga mag es gerne, wenn die Manschaft Hand anlegt: „Wir müssen alles manuell machen, es gibt keine Motorsteuerung“, erklärt der Maschinist. Das bedeutet, dass ein Mitglied der Wache den Tagestank regelmäßig mit einer Handpumpe auffüllen muss. Er muss Kühlwasser und Öltemperatur kontrollieren und die Dieselpumpe, Einspritzpumpe und Regler ölen. Alle drei Stunden muss er die Ventile mit einem Öl-Diesel-Gemisch abschmieren und die Uhrzeit in ein Formular eintragen.

Die Abgastemperatur der Zylinderköpfe darf 400 Grad Celsius nicht überschreiten. Und die Kühlwassertemperatur am Torbulader soll zwischen 65 und 72 Grad liegen. Sobald ein Wert nicht passt oder etwas komisch klingt, muss Jens verständigt werden. Auch mitten in der Nacht, bei starkem Seegang, wenn jemand schwankt und sich ausversehen am Aus-Schalter festhält, kommt er ganz schnell gerannt.

Christina Merkel

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