Ankommen in der Fremde – ein Auslandssemester in Ägypten

Sabrina Ahmed studiert an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen Politik und Orientalistik. Vor allem um ihre Sprachkenntnisse in Arabisch zu verbessern, verbrachte die 22-Jährige ihr Auslandssemester in Ägypten an der Cairo University und lebte sieben Monate in der Hauptstadt Kairo. Von ihren Erfahrungen schreibt sie hier.

„Ist es dort nicht gefährlich? So ganz allein und dann noch als Mädchen?“ „Hast du denn keine Angst dorthin zu fahren?“

Diese Fragen bekam ich vor meinem Auslandsaufenthalt in Ägypten so oft zu hören, dass ich schon gar nicht mehr mitzählen konnte. Freunde, Kommilitonen und Verwandte – alle machten sich Sorgen, dass ich sieben Monate alleine in Kairo leben würde. Auch wenn ich es nicht gerne zugeben möchte, beunruhigten mich die Bedenken der anderen nach einer Weile selbst. Ich fing an, mir Erfahrungsberichte von allein reisenden Frauen im Nahen Osten durchzulesen und mir selber gut zu zureden. Die strengen Auflagen, die mein Vater, der selber Ägypter ist und in Kairo aufwuchs, mir gab, besänftigten meine Sorgen auch nicht gerade. „Geh niemals alleine auf die Straße! Sei immer vor 22 Uhr zu Hause! Sprich mit keinem Fremden und schau am besten niemandem auf der Straße in die Augen! Sonst ermutigst du sie nur, dich anzusprechen.“

Ich malte mir die schlimmsten Dinge aus, die mir in Ägypten passieren könnten. Ägypten gehört zu den Ländern, mit den meisten sexuellen Übergriffen auf Frauen. Vor allem während der Revolution 2011 kam es vermehrt zu Fällen von sexueller Belästigung und Übergriffen. Irgendwann war es so weit, dass ich kaum noch Lust auf mein Auslandssemester hatte und mir immer wieder sagte, es sei ja nur ein halbes Jahr, das vergeht ganz schnell.

Dass die Uni mir bei meiner Planung wenig Hilfe war, verschlimmerte meine Unsicherheit nur noch. Bis einen Tag vor Beginn des Semesters wusste ich nicht, wo ich hinkommen sollte und wann die Vorlesungen anfingen, geschweige denn, welche Kurse angeboten wurden. Online waren nur veraltete Semesterpläne zu finden und E-Mails wurden nur langsam und ungenau beantwortet. Nichtsdestotrotz brach ich Ende August in mein Abenteuer auf, mit wenig Plan und dafür umso mehr Sorgen und Ängsten im Gepäck.

Die ersten paar Wochen traute ich mich kaum alleine auf die Straße. Wenn ich einkaufen wollte, rief ich meistens meinen Cousin an, der mich zuhause abholte und auch wieder dort absetzte. Die Abende verbrachte ich bei meinem Onkel im Wohnzimmer, ab und zu ging ich mit meiner Tante auf Märkte oder abends durch die vollen Straßen. Doch alleine war ich eigentlich nie unterwegs. Ich fühlte mich plötzlich wieder wie ein kleines Kind, das immer Bescheid sagen muss, wenn es etwas machen möchte und nicht alleine zurechtkommt. Verglichen mit meinem selbstständigen Studentenleben in Erlangen, wo ich auf mich alleine gestellt bin und meine Eltern zwei Stunden weit weg in München leben, war das eine große Umstellung.

Zum Glück änderte sich die Situation mit dem ersten Unitag. Nachdem mich am Abend vorher eine Mail erreichte mit Zeit und Ort des Treffpunkts für eine Einführungsveranstaltung, konnte es endlich losgehen. Direkt am ersten Tag wurde ich mehrmals angesprochen. Wenn ich auch nur ein paar Minuten rumstand und etwas hilflos wirkte, kam sofort eine Gruppe Studenten, die mir bereitwillig helfen wollten. Ich fand in meinem ersten Seminar sofort Freunde, die mir halfen, mich zurecht zu finden, und fühlte mich dadurch direkt willkommen. Denn obwohl ich in der Englischen Abteilung studierte und die meisten Kurse auf Englisch waren, waren die Kurs- und Prüfungspläne mit samt den Prüfungszeiten und -orten trotzdem auf Arabisch. Nach ein paar Wochen begrüßten mich Studenten, die ich selber nicht kannte, in den Gängen mit meinem Namen. Die meisten kannten die fünf internationalen Studenten an der Fakultät und freuten sich immer, wenn sie uns sahen.

Erste Gespräche mit dem Gemüsehändler

Diese Erfahrung ließ mich auftauen. Ich ging nachmittags öfter alleine raus. Kaufte mein Essen selber im Supermarkt ohne die Hilfe meiner Familie. Ich unterhielt mich mit dem Gemüsehändler und mit den Menschen auf der Straße. Jeder war neugierig, denn natürlich fiel ich auf mit meiner hellen Haut in meinem Viertel, in das sich nur wenige Touristen verirren. In Ägypten ist es ganz normal, mit Fremden auf der Straße zu sprechen und sich zu unterhalten. Jeder teilt einem sofort seine Lebensgeschichte mit. Ein Taxifahrer erzählte mir einmal, dass es in Ägypten niemals vorkommen würde, dass mehrere Menschen still an einer Bushaltestelle warten und sich nicht unterhalten würden.

Bis ich diese offene und kommunikative Art der Ägypter verstanden hatte und die Angst davor verlor, dauerte es eine Weile. Doch in der ganzen Zeit, die ich in Kairo verbrachte, fühlte ich mich danach nicht einmal unwohl und hatte auch keine schlechten Erfahrungen mit den Menschen dort. Es ist wahrscheinlich trotzdem ratsamer, nicht alleine nachts auf den Straßen herumzulaufen und nicht als Tourist alleine die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen – auch weil man wahrscheinlich einen viel zu hohen Preis zahlen würde – doch generell waren die Ängste meiner deutschen Freunde unbegründet. Bis auf ein paar nervige starrende Blicke, die ich auf Neugier zurückführen würde, wurde ich nie belästigt oder bedrängt.

Zurück in Deutschland fehlt mir die offene Art der Ägypter und dass man nie eine langweilige Taxifahrt hat und eigentlich überall Menschen trifft, die einen mit „Willkommen in Ägypten“ begrüßen.

Sabrina Ahmed

1 Kommentar in “Ankommen in der Fremde – ein Auslandssemester in Ägypten

  1. Ich habe gerade den Bericht in der Zeitung gelesen.
    Wieviel Geld haben sie denn dafür bekommen, wieder etwas wegen der Diskriminierung der Muslime in Deutschland zu schreiben?
    Wo wird denn hier den Frauen das Kopftuch herunter gerissen?

    Wieviel Deutsche Kinder werden tagtäglich in den Schulen von den Muslimen aufgrund ihres Ungläubigseins diskriminiert???
    Waren sie schonmal nachts in Berlin oder im Ruhrgebiet?

    Meiner Meinung nach ist das geistige Brandstiftung, was sie da mit ihren Halbwahrheiten verbreiten,

    Grüße M.

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