Studieren, wo andere Urlaub machen

Knapp ein halbes Jahr lang darf ich nun die Hafenstadt an der Südostküste Spaniens mein neues Zuhause nennen. Mein achtes und letztes Semester studiere ich hier an der Universitat de València im Fach „communicación audiovisual y periodismo“, also audiovisuelle Kommunikation und Journalismus. Knapp ein dreiviertel Jahr Vorbereitungszeit mit unzähligen E-Mails und Papierkram liegt hinter mir. Spoiler: Das wird dank der spanischen Bürokratie so schnell auch nicht enden.

Das Erste, was mir an Spanien gefällt sind die bereits Ende Januar schon sehr milden Temperaturen. 20 Grad und strahlend blauer Himmel sind gerade keine Seltenheit. In Nürnberg bin ich im Schneeregen zum Flughafen gestartet, hier stauben meine dicken Pullover schon im Kleiderschrank.

Am Freitag vor dem offiziellen Uni-Start gab es für alle Erasmus-Studenten eine Einführungsveranstaltung an der Fakultät. Knapp drei Stunden bekamen wir eine Frontbeschallung mit allen wichtigen und unwichtigen Infos über die kommenden Monate, Freizeitangebote, Wohnungssuche etc. Ich habe zum Glück schon vorher über Facebook meine WG gefunden und durfte schon vor Mietbeginn einziehen. Ich wohne in Benimaclet, dem Studentenviertel Valencias mit vielen Bars, Cafés und jungen Leuten.

Über die Uni kann ich bisher sagen, dass die Kurswahl und das Immatrikulationsverfahren um einiges komplizierter sind als bei mir zu Hause an der Hochschule Ansbach. Gerade in meinem Studiengang schränkt sich das Kursangebot für Erasmus Studenten stark ein, da gut 80 Prozent der Kurse auf Valencian, dem regionalen Dialekt, gehalten werden. Stundenlanges Rumprobieren war erforderlich, damit ich am Ende auf meine geforderten 15 ECTS Punkte gekommen bin, doch das hieß noch lange nicht, dass ich in die Kurse auch reinkomme.

Bei der Immatrikulation wird erst ein Antrag auf Zulassung gestellt, eine Woche später erhält man dann die Zu- oder Absage. Glücklicherweise habe ich in meine drei Wunschkurse bekommen und belege dieses Semester nun Sportjournalismus, Fotojournalismus und TV-Produktion und Realisation. Alle Kurse sind auf Spanisch, das ist am Anfang noch sehr anstrengend, fördert aber gleichzeitig die Fremdsprachen-Kenntnisse. Ansonsten sind die Studenten und Professoren sehr freundlich zu uns Erasmus-Studenten, dennoch gibt es in Sachen Prüfungsleistungen keine Extrawürste.

Hier zählen zur Prüfungsleistung mehrere Komponenten. Im Fach Sportjournalismus muss ich zum Beispiel ein Audio-Interview mit einem Sportler, eine Reportage über ein Sportthema sowie eine Klausur schreiben. Die Mitarbeit im Unterricht zählt ebenfalls zur Gesamtnote dazu. Wenn ich beispielsweise die Klausur nicht bestehe, habe ich einfach eine schlechtere Gesamtnote und falle nicht komplett durch den Kurs.

In Spanien ist es keine Seltenheit, dass Kurse erst um 18:30 Uhr beginnen und erst um 22 Uhr aufhören, generell ist der Rhythmus der Spanier ein ganz anderer. Mittagessen gibt es immer gegen 14 Uhr, zum Abendessen trifft man sich nicht vor 21:30 Uhr. Da sitzt man unter der Woche locker mal bis 1 Uhr nachts in der Bar.

Die erste Woche beschränkte sich also größtenteils auf organisatorischen Kleinkram, die Stadt erkunden, viel Kaffee trinken und Sonne tanken. In Valencia ist alles entweder zu Fuß oder per Fahrrad innerhalb von zehn Minuten zu erreichen. Eingewöhnt habe ich mich ziemlich schnell. Was auch daran liegt, dass die Spanier alle super freundlich sind. Wenn sie erfahren, dass man nicht aus Spanien kommt, erkundigen sie sich, warum man hier ist, wo man Spanisch gelernt hat und schon entwickeln sich immer kleine Gespräche. Auf der Straße, im Supermarkt oder Café – mit Einheimischen komme ich hier ganz schnell und einfach in Kontakt.

Isabella Fischer