Ein Roadtrip durch Andalusien

Die Plaza de Espana in Sevilla.

Immer nur Lernen geht ja auch nicht im Erasmus-Semester in Valencia. Deswegen hat sich unsere Autorin Isabelle auf einen Roadtrip durch Andalusien gemacht. Im Mietwagen sind sie und ihre Freunde insgesamt 2135 Kilometer durch die Region im Süden Spaniens gefahren. Ein paar Reiseziele und Tipps teilt sie hier mit euch.

Sevilla

Die Altstadt Sevillas zählt zu den größten in ganz Europa. Die Hauptstadt der Region Andalusien hat eine bewegende Geschichte, bei der es sich genauer hinzusehen lohnt. Beispiel Nummer eins: Die Catedral Maria de la Sede. Das UNESCO Weltkulturerbe war einst eine maurische Moschee, bis sie von 1401 bis 1519 zur Kathedrale umgebaut wurde. Der Zusammenprall der Kulturen und der Bauweise lässt sich an der Fassade besonders gut erkennen. Die Giralda, heute der Glockenturm, diente damals als Minarett. Der Aufstieg lohnt sich, nicht nur, weil der Turm über bequeme Rampen anstatt Treppen verfügt. Der Legende nach war der damalige Kalif zu korpulent, um täglich mehrmals die Spitze zum Gebet zu erklimmen. Um das Problem zu lösen, ließ er Rampen bauen um gemächlich mit dem Pferd hochzureiten.

Real de Alcazar

Beispiel Nummer zwei: Direkt neben der Kathedrale befindet sich der Real de Alcázar, der mittelalterliche Königspalast, deren Ursprünge bis in die maurische Zeit reichen. In prächtigen Sälen und Hallen sowie dem großen Garten kann man problemlos mehrere Stunden staunen und entspannen. Es lohnt sich, die Tickets im Voraus zu buchen, die Warteschlange ist lang, was bei den hohen Frühlingstemperaturen anstrengend sein kann.

Wer bei seinem Stadtspaziergang aufmerksam ist, erkennt an vielen Gebäuden, Laternen und Polizeifahrzeugen den Schriftzug NO 8 DO, der das Stadtwappen Sevillas präsentiert. Die Ziffer 8 soll dabei ein Wollknäuel symbolisieren, ausgeschrieben bedeutet „NO DO“ No me ha dejado, sie hat mich nicht verlassen. Dieses Wortspiel geht auf Alfons X, dem König von Kastilien und León zurück, der sich damit für die Treue der Stadt Sevilla bedankte, in der er nach seiner Entthronung bis zu seinem Tod im Exil lebte.

Ein weiteres Highlight der Stadt ist die Plaza de España. Der halbkreisförmig angeordnete Platz diente schon mehrfach als Szenerie in Filmen wie Lawrence von Arabien oder Star Wars Episode II. Das Gebäude ist mit unzähligen Klinkern, Marmor und Keramiken versehen, die ihm eine verspielte Mischung aus Renaissance und Barock verleihen. An den Wänden sind in aufwendigen Azulejos (Kachelornamenten) die Landkarten, historische Begebenheiten sowie die Wappen der 48 spanischen Provinzen abgebildet.

Wer nach dem ganzen Sightseeing die Füße entlasten möchte, ist im jüdischen Viertel Santa Cruz bestens aufgehoben. In unzähligen Einkehrmöglichkeiten kann man bei typisch andalusischen Tapas und Sangria dem bunten Treiben zusehen. Kleine Bodegas, wo es vorrangig günstigen Wein und Snacks wie dem leckeren Manchego-Käse oder Chorizo gibt, findet man vor allem in den kleinen Gassen. Wenn man Glück hat, kann man dabei Straßenkünstler beim musizieren und Flamencotanzen zusehen.

Für den Sonnenuntergang lohnt sich der Weg zum Metropol Parasol. Dieser gilt als größte Holzkonstruktion der Welt und wird von den Sevillanos auch Las Setas (die Pilze) genannt. In einer Höhe von 26 Metern hat man einen hervorragenden Blick auf die Stadt. Der Eintritt von drei Euro beinhaltet ein Freigetränk sowie eine Postkarte aus dem Souvenirshop. Wer danach noch weiterziehen möchte, ist in 15 Minuten Fußmarsch an der Alameda de Hercules. Abends herrscht dort buntes Treiben, unzählige Bars und Restaurants ziehen vor allem die Studenten an.

Mein Tipp: Flamenco-Shows sind nicht gerade günstig. Im Restaurant Madriguera de Mai gibt es zweimal wöchentlich einen Flamenco-Abend. Zum Eintrittspreis von drei Euro gibt es eine Copa Bier oder Wein dazu. Wer nicht stehen möchte, sollte rechtzeitig reservieren.



Tarifa

Tarifa

Freizeit- und Profisportler kommen am südlichsten Zipfel Spaniens voll auf ihre Kosten. Das kleine Dörfchen ist der Hotspot schlechthin und gilt neben Hawaii und Fuerteventura als eine der Welthauptstädte für Wind- und Kite-Surfer. Der lange Sandstrand ist gesäumt von bunten Segeln, im Abschnitt Valdevaqueros kann man sich es als Zuschauer zwischen den kleinen Dünen gemütlich machen und den Sportlern zusehen. Jacke und Sonnencreme nicht vergessen, der Wind pfeift und die Sonne ist hier besonders kräftig. Auch Wandern, Reiten oder Radtouren sind in der Gegend sehr beliebt.

Besonders spanisch und authentisch ist Tarifa aufgrund der zugezogenen internationalen Sport-Szene leider nicht mehr, dennoch kann man hier ruhige und schöne Tage verbringen. Der Ortskern besteht aus kleinen weisen Häusern, vielen Klamotten- und Schmuckläden und Cafés. In der Nähe des Hafens kann man die gut erhaltene Burg Castillo de Guzmán besuchen, dort trifft der wilde Atlantik auf das ruhige Mittelmeer. Nur 14km weiters südlich beginnt bereits der afrikanische Kontinent, das Meer mit den Bergen Marokkos bilden eine beeindruckende Aussicht.

Mein Tipp: Leckeres und reichhaltiges Frühstück gibt es im orientalisch angehauchten Café Azul. Den Tag bei einem Aperitif ausklingen lassen kann man u.a im Chiringuito „Demente“. Das tropische Design verschafft sofort Urlaubslaune. Wer abends noch fit ist, kann sich in der Bar Tomatito unter das Volk mischen.



Málaga und Ronda

Ronda

Nach einem kurzen Zwischenstopp im hübschen Málaga geht es in das etwa 100 Kilometer im Landesinneren gelegene Ronda, im Landesinneren. Die kleine Stadt ist vor allem für seine maurisch geprägte Altstadt bekannt, die auf einem rundum steil abfallenden Felsplateau liegt. Für die Spanier ist Ronda vor allem wegen seiner Rolle in der Entwicklung des Stierkampfes von großer Bedeutung, Popikone Madonna drehte 1994 das Video zu ihrem Song Take a Bow in der Stierkampfarena. Wir sind wegen der imposanten Brücke Puente Nuevo nach Ronda gekommen. Sie überspannt den Río Guadalevín, der in der etwa 120 Meter tiefen Schlucht die Altstadt vom jüngeren Stadtteil trennt. Die Brücke ist tatsächlich sehr eindrucksvoll, für den besten Blick lohnt es sich, die Touristenmassen hinter sich zu lassen und einen kleinen Spaziergang zum Fuße der Brücke zu unternehmen.

Mein Tipp für Málaga: Das Recyclo Bike Café bietet leckeren Kaffee und ein frei zusammenstellbares Frühstück, abends gibt es, oft mit Live-DJ, verschiedene Gerichte (viel vegetarisch), Biersorten oder Drinks in entspannter Atmosphäre. Dort ist jede Altersklasse vertreten. Wie der Name schon sagt, gehört das Café zu einem Fahrradgeschäft, von der Decke hängen Räder, die auch gekauft werden können.

Mein Tipp für Ronda: Wanderschuhe einpacken! Die Region um Ronda ist sehr grün und eindrucksvoll, das kleine Örtchen El Burgo eignet sich als Startpunkt für eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Sierra de las Nieves.



Granada

Alhambra in Granada

Granada war das Highlight unserer Reise. Schon die Anreise ist faszinierend, wenn vor einem auf einmal die schneebedeckte Sierra Nevada auftaucht. Hier kann man zum richtigen Zeitpunkt vormittags Ski fahren und nachmittags im Meer baden.

Ein absolutes Must-Do ist der Besuch der Alhambra. Die über der Stadt thronende Palastanlage gehört zu den bedeutendsten Bauten der islamisch-arabischen Zeit. Die ältesten Paläste wurden im 13. Und 14. Jahrhundert als Residenz der muslimischen Könige der Nasriden-Dynastie errichtet. Vor allem im Palacio Nazarié kann man sich vor Formen, Farben und Kacheln kaum satt sehen, noch dazu hat man einen perfekten Blick auf die Sierra Nevada. Zum weitläufigen Gelände mit einem wunderschönen Garten gehören die Festung Alcazaba und die Sommerresidenz des Emirs, Generalife. Um in Ruhe alles zu besichtigen, sollte man mindestens drei bis vier Stunden einplanen.

Flamenco Show

Einen guten Blick auf die Alhambra, vor allem beim Sonnenuntergang hat man vom Berg Sacromonte, der über dem alten arabischen Viertel Albaicín liegt. Typisch für diese Ecke Granadas sind die Cármenes, ein in speziell Granada gebräuchlicher Begriff für eine Villa am Hang mit Garten. Aus der Herrschaftszeit der Nasriden sind noch zahlreiche Paläste erhalten, die teilweise zu einem Museum umfunktioniert wurden. Bei einem Spaziergang durch Albaicín mit seinen Souvenirläden und Tapas-Bars merkt man das arabische Feeling der Stadt besonders. In Granada lohnt es sich, einzukehren: zu jedem Bier, Wein, Sangria etc. werden kostenlose Tapas gereicht, und das teilweise nicht zu knapp. So spart man sich schnell ein Abendessen. Besonders schön ist es in der Tapas-Bar La Fontana, direkt am Rio Darro mit Blick auf die Alhambra gelegen. Dort gibt es außergewöhnliche Tapas-Kreationen, noch dazu kann man gemütlich dem Trubel von der Terrasse aus zusehen. Wer eine stilechte Flamenco-Show erleben möchte, dem empfehle ich die Veranstaltungen im Palacio de los Olvidados. Gänsehaut garantiert!

Mein Tipp: Tickets müssen im Vorfeld über die offizielle Website gekauft werden, vor allem in der Saison sind sie sehr schnell ausverkauft. Die Besucheranzahl ist limitiert, wer also kein Ticket bekommt, muss draußen bleiben. Es lohnt sich, ein paar Tage vor dem geplanten Besuch regelmäßig die Homepage zu aktualisieren, teilweise kommen einzelne Tickets in den freien Verkauf. Um Mitternacht wird zudem der Server umgestellt, für den nächsten Tag lassen sich auch hier noch Tickets ergattern. Wir hatten das Glück und haben über diese Weise unsere Karten bekommen.

Isabella Fischer