Nachtrag: Das Zimmer schwankt noch immer

Ich wache auf und mein Bett schwankt. Kann bitte mal jemand das Zimmer anhalten? Ich stolpere ins Bad, der Boden bewegt sich. Dafür kann ich wieder duschen, so lange ich will. An Bord war das Frischwasser begrenzt. Außerdem lief das Shampoo-Wasser-Gemisch auf einer Seite der Duschkabine zusammen, wenn das Schiff schräg stand. Aber jetzt bin ich wieder an Land. Trotzdem dreht sich in meinem Kopf alles.

Landkrankheit heißt das allen Ernstes. Es ist das Gegenteil der Seekrankheit. Nachdem sich der Gleichgewichtssinn an das Geschaukel auf See gewöhnt hat, braucht er hinterher ein wenig Anpassungszeit, um zu Kapieren, dass der Untergrund wieder still steht. Tagsüber merke ich nichts. Aber morgens direkt nach dem Aufwachen, schaukelt etwa zehn Minuten lang mein Zimmer . Es gibt diese Bilder von wankenden Matrosen nach einer langen Reise, die sich an einem Laternenpfahl festhalten müssen. Bisher dachte ich immer, sie seien betrunken. Von wegen!

Christina Merkel

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Das Ende der Reise nach 652 Seemeilen

Und plötzlich sind da andere Schiffe. Viele andere Schiffe. Große Traditionssegler wie auch die Thor einer ist, mit hohen Masten und vielen Segeln. Zahlreiche kleine Boote, eine Autofähre und ein Feuerwehrschiff, das uns mit einer Wasserfontäne begrüßt. Alle Schiffe hupen und die Thor hupt zurück. Es ist ein Spektakel. weiter lesen

Olga macht an Bord alle fertig – nur einen nicht

Olga braucht viel Zuwendung. Jede Stunde muss jemand nach ihr sehen und alle drei Stunden braucht sie besondere Aufmerksamkeit. Tag und Nacht. Das geht sogar soweit, dass die Menschen ihren Magen für sie riskieren. Denn in Gegenwart von Olga wird vielen schlecht. Bei ihr im Heck ist es heiß, stickig und laut. Hier stampft das Schiff besonders stark. Das hält nicht jeder aus. weiter lesen

Gut zu wissen, wo der Wind herkommt

Noch so eine Regel, die wir schnell lernen: Gekotzt wird immer mit dem Wind, also über die Lee-Seite des Schiffes. Wer es einmal falsch macht, weiß warum. Am zweiten Tag an Bord sind fast alle seekrank. Es stürmt und regnet, die Wellen schlagen über das Deck. Die Thor schaukelt bei jeder Welle mehrere Meter hoch und runter und rollt nach links und rechts. weiter lesen

Die Reise auf der Thor Heyerdahl in eine neue Welt

Der Daumen ist wichtiger als der kleine Finger. Das ist eine der ersten Regeln, die Seefahrer lernen. Ohne Daumen können sie nicht greifen und deshalb nicht mehr arbeiten. Ohne kleinen Finger schon. Deshalb lernen wir, die Seile so zu halten, dass der kleine Finger nach vorne zeigt. Wenn wir abrutschen oder uns der Wind das Seil aus den Händen reißt, wird nur der kleine Finger zerquetscht. Und der ist, wie gesagt, verschmerzbar. weiter lesen

Rückwärts einparken mit einem Segelschiff

Das Rückwärtseinparken hat nicht geklappt. Mit einem 50 Meter langen Schiff ist das auch schwieriger als mit einem Auto. Die Thor Heyerdahl kam vorwärts durch die Hafeneinfahrt gefahren, ließ sich dann von ihrem Beiboot Stück für Stück wenden und versuchte rückwärts am Steg anzulegen. Aber der Wind war zu stark. Das Schiff trieb ab und hätte im schlimmsten Fall die kleineren Boote am Nachbarsteg zerquetscht. Also gab Kapitän Johannes das Kommando zum Gasgeben und dirigierte die Thor zurück hinaus aufs freie Wasser. weiter lesen