Keine Kohle auf dem Konto: Uni bucht doppelt Gebühren ab!

Von Christiane Fritz

Peinlich, peinlich, was der Uni Duisburg-Essen da zu Beginn des Sommersemesters unterlaufen ist. Die Hochschule zog einigen Studenten den Studienbeitrag von 500 Euro gleich zweimal vom Konto ab.

Betroffen waren jene Studenten, die sich Anfang April für das Semester zurückmeldeten, denn erst nach einer Rückmeldung erfolgt die Abbuchung. Weil es zu einer Panne bei der Bündelung und Weiterleitung ihrer Daten kam, initiierte die Bank zweimal, den Beitrag abzubuchen. „Das hätte nicht passieren dürfen“, räumt Beate Kostka von der Pressestelle ein. „Das ist ärgerlich und ein peinlicher Vorgang.“

Den 1169 Studenten, die doppelt zur Kasse gebeten wurden, wird das Geld zurücküberwiesen. Ein Drittel beauftragten ihre Geldinstitute bereits von selbst, die 500 Euro auf das eigene Konto zurückzubuchen. Prof. Ulrich Radtke, Rektor der Uni Duisburg-Essen, und der Leiter des Studierendensekretariats, Ludwig Ciesielski, entschuldigten sich bei den Studenten.

20 Euro als Entschädigung

Als Entschädigung erhält jeder Betroffene 20 Euro. Zudem übernimmt die Uni jene Kosten, die dem Studenten unter anderem durch die Stornierung entstanden sind. Wie viel die Hochschule der Buchungsfehler insgesamt kostet, konnte die Hochschule noch nicht genau beziffern.
Dass die Uni Duisburg-Essen mit ihrem Fehler nicht allein steht, zeigt ein Beispiel von der Uni Hamburg. Diese schickte zum Wintersemester 2007/2008 einigen Studenten Unterlagen mit falschen Semesterangaben zu. „Zu dem betreffenden Wintersemester wurde zum ersten Mal unser Campus-Net eingesetzt“, erklärt eine Sprecherin der Uni. „Bei der Datenübernahme ist dieser bedauerliche Fehler bei vereinzelten Datensätzen passiert.“

Irren ist ja bekanntlich eine menschliche Eigenschaft. Nur in diesen Fällen ist sie eine teure zugleich.

Wartezeiten und schroffes Personal

Von Julius Brockmann

Bisher war es nur ein Gerücht. Die Deutsche Bahn, die Post, das Finanzamt. Drei Institutionen, mehr oder weniger staatlich, auf die jeder schimpfen kann. Fragt man beim Stammtisch nach, hat jeder eine Horrorgeschichte in Sachen Bahn oder Post selbst schon erlebt. Ausgesetzte Kinder, verschwundene Pakete, horrende Nachforderungen. Die Liste der Grausamkeiten ist lang.

Was dem Steuerzahler sein Finanzamt, ist dem Studenten sein Bafög-Amt. Lange Wartezeiten auf den Fluren, Anträge, die in Zeitlupe bearbeitet werden, Auskünfte, die niemand versteht und wehe, wenn ein Formblatt nicht korrekt ausgefüllt ist, dann droht das Amt gleich mit Geldentzug. Alles Quatsch? Wohl nicht ganz.

In einer groß angelegten Befragung von Spiegel-Online stellten die Studenten ihren Bafög-Ämtern fast durchweg mäßige bis schlechte Zeugnisse aus. Egal, ob das Amt in Hamburg oder in München seinen Sitz hat, die Beschwerden ähneln sich. Konkret geben Studenten Chemnitz eine 2,34, Göttingen eine 2,85 und Gießen eine 2,96. Damit sind die Städte Spitzenreiter, auch wenn die Noten eher Positionen im Mittelfeld vermuten lassen.

Dem Bafög-Amt Erlangen-Nürnberg wird nur ein Platz 28 von 39 zu Teil. Kein Glanzergebnis. Sollten die Vorurteile etwa stimmen und die Gemeinheiten, die von Mitarbeitern des Bafög-Amtes angeblich begangen worden sein sollen, nun gerächt werden? Laut Achim Steinbusch vom Unternehmen Team Steffenhagen haben sich 125 Studenten aus der Region an der Umfrage beteiligt. Die Note für das Amt: Ausreichend. Doch bei einem Mittelwert von 3,78 beurteilt der Leiter des Bafög-Amts vom Studentenwerk Erlangen-Nürnberg, Rudolf Anthofer, die Positionierung als gar nicht so schlecht. Schließlich liege man mit einem Wert von 3,91 nur knapp unter dem Durchschnitt. Zudem glaubt er, dass an der Umfrage vor allem Studenten teilgenommen haben, deren Anträge abgewiesen wurden. Empfänger, die keine Beschwerden hätten, würden seiner Meinung nach nicht an der Online-Umfrage teilnehmen.

Unzufriedenheit über lange Bearbeitungszeit der Anträge

Cordula Wehmann hat bei der diesjährigen Befragung zwar nicht teilgenommen, Erfahrung mit dem Bafög-Amt hat sie allerdings bereits gemacht. Wehmann studiert in Bochum und steht eigentlich nicht mit dem Amt auf Kriegsfuß. Trotzdem gab es Probleme. Bei ihr fehlten Unterlagen – ein häufiges Problem bei Erstantragsstellern. Das Amt forderte, sie reichte nach. Dann ein weiterer Brief. „Der Brief bei mir war nicht vollständig, das heißt ich habe die Sachen nachgereicht und dann kam der nächste Brief, was auch noch fehlt“, sagt sie. Ärgerlich für Cordula Wehmann.

Unzufriedenheit herrscht über die lange Bearbeitungszeit der Anträge, die schroffe Art des Personals und die Öffnungszeiten, die als zu kurz empfunden werden. In Erlangen hat das Bafög-Amt am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 08.30 Uhr bis 12 Uhr, sowie montags und donnerstags von 13 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Rudolf Anthofer findet das völlig ausreichend. „Ich glaube wir sind in Bayern, was die Öffnungszeiten angeht, vorne dran“, sagt er. „Und irgendwann brauchen die Mitarbeiter ja auch Zeit, die Anträge zu bearbeiten.“ Die Bearbeitungszeit liege bei sechs bis acht Wochen. Dies sei notwendig, um alle Unterlagen und Auskünfte einzuholen, so Anthofer. Er wisse um die Komplexität der Anträge und wünsche sich auch einfachere Formulare, dafür sei allerdings der Gesetzgeber verantwortlich, nicht das Bafög-Amt.

Aber es gibt auch andere Beispiele. Nicht alle Antragsteller, oder viele, wie es die Umfrage vermuten lässt, sind grundsätzlich unzufrieden mit den Leistungen des Amtes. Studentin Franziska Niemeyer kann sich bislang nicht beschweren: „Ich habe es beantragt, mir wurde der Antrag einige Male zurückgeschickt, wegen einiger Details“, sagt sie. Schließlich hätte alles recht lange gedauert, aber dann sei sofort bezahlt worden.

Dass bei fehlenden Unterlagen sofort ein Hinweis auf Sanktionen erfolgt, sei ebenfalls – wie die Struktur der Anträge – vom Gesetz geregelt, sagt der Leiter des Bafög-Amts. „Die Bearbeitung des Antrags würde sich weiter verzögern, wenn es keine Fristen geben würde“, meint Anthofer. Deshalb sei der Hinweis sinnvoll.

Uni plant Campus-Card

Von Christiane Fritz

Gleich platzt es! Noch eine Chipkarte mehr und der Verschluss am Portmonee reißt aus seiner Verankerung. Was muss der Student an Plastikmaterial nicht alles mit sich führen: Bankkarte, Führerschein, eine Plastikkarte für den Arztbesuch, eine für die Videothek, UB-Karte, Mensacard und die graue Kopierkarte. Summa summarum sind das an die zehn Karten.

Weniger dicke Geldbeutel haben ab dem Sommersemester die Studenten der Universität Bayreuth. Denn die führte kürzlich die UBT-Campus-Card ein. Die neue Chipkarte ist nun Semesterticket, Bibliotheksausweis, Geldkarte und Studentenausweis zugleich. Auch an der FAU Erlangen–Nürnberg soll die all-in-one Karte, welche die Ruhr-Uni Bochum als erste Hochschule vor 15 Jahren einführte, kommen. „Seit zwei, drei Jahren denken wir darüber nach“, erklärt Alfred Steinhäußer, Controller der Uni.

In den letzten Semestern signalisierten immer mehr Studenten Interesse an der Plastikkarte. Denn seit sie ihre Studentenausweise über das Selbstbedienungssystem „Mein Campus“ ausdrücken müssen, sind sie mit der Papierform immer unzufriedener. „Etwa zehn Prozent meckern über den ihrer Meinung nach popeligen Ausdruck“, berichtet Steinhäußer.

Dass die Studenten der FAU bislang keine Campus-Card in den Händen halten, hat einen Grund. Denn die Firmen, welche die Karten herstellen, konnten die Sicherheit der Daten des Benutzers nicht gewährleisten. Häcker hatten im März 2008 den Verschlüsselungs-Algorithmus geknackt. Derzeit läuft an FAU Erlangen-Nürnberg ein Technologieberatungs-Projekt, mit dem die richtige Kartenarchitektur ermittelt werden soll.

Konkrete Vorstellungen, was das multifunktionale Plastikkärtchen leisten muss, gibt es bereits. So soll sich auf der Vorderseite ein Bild des Studenten befinden, der Strichcode für die Bibliothek ist auf die Rückseite gedruckt. Der Student soll die Karten zum Zahlen und Kopieren verwenden können. „Und um elektronische Türen zu öffnen und E-Mails zu signieren“, sagt Steinhäußer.

Ob jeder Student die Campus-Card erhält oder ob sie nur Erstsemester verteilt wird, steht noch nicht fest – bis dahin muss ein Gummiband ums Portmonee Schlimmeres verhindern.

Erzieher mit Bachelor-Abschluss

Von Christiane Fritz

Das Kind war aggressiv. Regelmäßig testete der Bub seine Grenzen aus. Die Erzieherinnen konnten sich das Benehmen des Jungen nicht erklären. „Plötzlich ist mir klar geworden, dass das Kind eine Bindungsstörung hat“, erinnert sich Sylvia Demin, Erzieherin in der Nürnberger Kindertagesstätte MOMO. Dass auffälliges Verhalten häufig ein Symptom dieser Störung ist, hatte die 49-Jährige vor kurzem erst im Studiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ gelernt.

Seit dem letzten Wintersemester bietet die Evangelische Fachhochschule Nürnberg den berufsbegleitenden Bachelorstudiengang an. In sechs Semestern lernen die Teilnehmer die theoretischen Grundlagen von Erziehungs- und Bildungsprozessen kennen. Ein Schwerpunkt des Studiengangs ist die Frühpädagogik, die auch auf eine Förderung der Kinder im Alter von bis zu drei Jahren zielt. Die Studenten erfahren welche Methoden die Persönlichkeit und sprachliche Entwicklung ihrer Schützlinge fördern und wie einem möglichen Suchtverhalten vorgebeugt wird.

Sylvia Demin, die im zweiten Semester immatrikuliert ist, lernte, dass die Entwicklung des Kindes unterstützt wird, wenn Erzieherinnen und Eltern zusammenarbeiten. „Es geht nicht mehr nur um die Betreuung“, erklärt die Leiterin des Studiengangs, Prof. Roswitha Sommer-Himmel. Wichtig sei es, die Eltern in den Entwicklungsprozess des Kindes in so genannten Erziehungspartnerschaften mit einzubeziehen.

„Ich hatte immer das Gefühl, dass etwas fehlt“, begründet Demin ihre Entscheidung, ein Studium aufzunehmen. Um so mehr freute sie sich, als sie den Studienplatz erhielt. Die 49-Jährige wollte für die Erziehung von Kindern die wissenschaftlichen Grundlagen erfahren. „Als Erzieherin ist man mittendrin. Mit dem Studium blickt man mal von außen auf die Sache“, sagt Demin. Auch neue Erkenntnisse in der Entwicklungspsychologie veranlassten die Erzieherin, sich fortzubilden. „Jetzt weiß man: Das Gehirn eines Kleinkindes ist schon zu sehr viel in der Lage“, betont die Erzieherin. Für eine Förderung seien die richtigen Impulse wichtig.

Zwar waren die Fächer Psychologie und Pädagogik Bestandteile der Ausbildung, die Entwicklung von Kleinkindern sei jedoch kaum thematisiert worden. Die Arbeit einer Erzieherin sei heute vielschichtiger als früher, sagt Demin. „Familien sind sehr komplex geworden. Wir haben zunehmend problematische Kinder mit Wahrnehmungs- und Sprachstörungen. Ich fühle mich nicht genügend ausgebildet.“

„Erziehung und Bildung im Kindesalter“ ist das Ergebnis einer langjährigen Debatte, die ihren Ursprung im Pisa-Test aus dem Jahr 2001 hat. Damals schnitten deutsche Schüler im internationalen Vergleich schlecht ab. Experten kritisierten die unzureichende frühkindliche Förderung. Auch eine im letzten Jahr veröffentlichte Unicef-Studie, welche die Betreuung und Förderung von Kindern in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen analysierte, verwies auf große Defizite in der Frühpädagogik.

Außerhalb von Deutschland und Österreich ist die Ausbildung in der Frühpädagogik – wie in Schweden und im Südtirol – längst in die Hochschulen gerückt. „Eine höhere Qualität der Ausbildung bedeutet eine höhere Qualität der Arbeit“, fasst die Leiterin des Studiengangs zusammen. Sie sieht den Bachelorstudiengang, der in Bayern bislang nur noch in München angeboten wird, nicht als einen Ersatz für die Fachakademien, an denen die Ausbildung der Erzieherinnen erfolgt, sondern als ein Zusatzangebot. „Der Mehrheit fehlen Erfahrungen mit der Organisation und Leitung einer Kindestagesstätte“, erklärt Sommer-Himmel. Auch dies wird im Studiengang gelehrt.

In der Studienberatung, die Roswitha Sommer-Himmel anbietet, erkundigen sich jede Woche mehr als zehn Interessierte über den Studiengang. „Ich schätze, dass wir wieder weit über 100 Bewerbungen bekommen.“ Im letzten Jahr waren es 200. Der nächste Studiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ startet im Wintersemester. 30 Plätze sind zu vergeben. Die Anmeldungen erfolgen online. Im Zeitraum vom 1. Mai bis zum 15. Juni kann sich beworben werden.

Weitere Informationen zu Studieninhalt, – aufbau und den Voraussetzungen für eine Bewerbung sind zu finden unter: www.evfh-nuernberg.de

Bauchtanz auch für Männer

Von Christiane Fritz

4700 Studenten der Universität Erlangen-Nürnberg hielten sich im Wintersemester mit Hochschulsport fit. In Nürnberg werden im kommenden Semester mehr als 20 Sportarten in 60 Kursen angeboten. Für diese beginnt die Anmeldung am 6. April – Zeit, einige der Angebote näher vorzustellen.

„Man soll ohne Muskelkraft und Geschwindigkeit den Gegner besiegen“, erklärt André Roßbach. Der 31-Jährige leitet zum dritten Mal den Kurs Bujinkan Budo Taijutsu. Die japanische Kampfkunst, die aus mehreren Schulen der Samurai und Ninja hervorgegangen ist, will Wahrnehmung und Reaktion trainieren. In dem Anfängerkurs erlernen die Studenten Fall-, Roll- und Handbefreiungstechniken. „Mich reizt die Perfektion an Körper und Geist“, erklärt der ehemalige Student der Wirtschaftsinformatik, der sich seit sechs Jahren intensiv mit Bujinkan Budo Taijutsu beschäftigt. „Mir gefällt auch, dass es kein Sport ist.“ Demitri Schneider hat bereits die ersten beiden Kurse von André Roßbach absolviert. Der Student der Informationstechnik ist vom Angebot begeistert. „Gerade in den Prüfungen bekommt man so den Kopf frei“, meint er. Als Bekleidung empfiehlt der Kursleiter Trainingshose und ein langes Shirt, um Abschürfungen zu verhindern. Schuhe sind nicht nötig, denn trainiert wird barfuß.

Diese Sportart wurde in der 60er Jahren in den USA entwickelt: Aerobic. Seit 20 Jahren wird der Kurs im Rahmen des Hochschulsports angeboten. 30 Teilnehmer können sich anmelden und Basic-Aerobicschritte sowie verschiedene Choreografien erlernen. Für den Kurs sind Sportschuhe, ein Handtuch und ein wenig Rhythmusgefühl notwendig.

Im Kurs Triathlon Schwimmen wird dem Namen zufolge das Schwimmen bei einem Triathlon-Wettkampf trainiert. Stefan Pistorius bietet den Kurs seit mehr als zehn Jahren an. „Ich war selber mal Teilnehmer, bis sie jemanden gesucht haben, der den Kurs übernimmt“, erzählt der 53-Jährige, der an verschiedenen Triathlon-Wettkämpfen und dem Ironman teilnahm. Trainiert wird vor allem die Kraullage und damit die Arm- und Rumpfmuskulatur. Ziel ist es, die Ausdauerfähigkeit beim Schwimmen zu verbessern.

Wer will nicht seine Konzentrationsfähigkeit steigern, ausgeglichen sein und das eigene Wohlbefinden verbessern? Regelmäßiges Üben des Hatha Yogas wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus. Seit über 15 Jahren finden im Rahmen des Hochschulsports Yoga-Kurse statt. Interessierte können zwischen verschiedenen Formen wählen und sich neben Hatha auch für Vinyasa Yoga oder Ashtanga Yoga entscheiden. Im letztgenannten erlernt der Teilnehmer grundlegende Halteübungen. Auch Atem- und Meditationsübungen stehen auf dem Trainingsplan. Hatha Yoga lindert verschiedene Beschwerden wie Störungen der Durchblutung, chronische Kopf- oder Rückenschmerzen sowie Schlafstörungen.

Beim nächsten Angebot gibt es nur eine Fähigkeit, welche die Teilnehmer beherrschen müssen: schwimmen. Aquapower beansprucht die gesamte Muskulatur. Im Kurs, der in den letzten Jahren immer ausgebucht war, steht die Vermittlung von Kenntnissen über eine gesunde Körperhaltung im Vordergrund.

Die Tänzerinnen von Seeed und Sean Paul machten es vor. Nun können Studenten im Rahmen von Jazz Dance mit ihnen gleichziehen und den Jamaican Dance erlernen. Nach Aufwärmübungen und Stretching werden ihnen einige Grundschritte aus dem zeitgenössischen Tanz vermittelt. Später wird sich dem Jamaican Dance zugewandt und eine Choreografie erarbeitet.

Bereits zum dritten Mal bietet Lehramts-Studentin Linda Fober den Kurs HipHop an. Hier erlernen ihre Kommilitonen jene Bewegungen, die den Lebensstil unverkennbar machen. Zu Beginn zeigt Fober die Basics wie SideStep oder Bounce. Auch das Locking, eine Mischung aus Jazz und Funk, erlernen die Kursteilnehmer. „Locking ist total funky und kommt aus den 60er Jahren“, erklärt die 25-Jährige, die sich seit zehn Jahren für New Style, wie das Tanzen des Stils genau bezeichnet wird, begeistert. Da beim New Style die Knie starken Belastungen ausgesetzt sind, sollten jene mit Knieproblemen vorab Muskelaufbau betreiben. „Am Ende des Kurses kann jeder eine dreiminütige Choreografie tanzen“, verspricht Fober. Neben der Vermittlung der einzelnen Schritte hat sie ein weiteres Ziel: „Die Kursteilnehmer sollen den HipHop fühlen.“

Der Name ist beim folgenden Angebot Programm. Beim Bodystyling, einem Fitness- und Figurtraining, wird den Problemzonen Bauch, Beine und Po zu Leibe gerückt sowie die Schulter-, Arm- und Rückenmuskulatur gestärkt. Hierzu verwenden die Studenten Hanteln, Bänder und Steps. Am Ende der Stunde soll sanfte Musik Entspannung bringen.

„Weil es Interessenten gibt und der Hochschulsport für neue Angebote offen ist“, begründet Dr. Guido Köstermeyer, Leiter des Allgemeinen Hochschulsports, die Entscheidung, Bauchtanz anzubieten. Der Kurs ist sowohl für Anfänger als auch für jene mit Erfahrung konzipiert. Am Ende kann der Student eine Choreografie performen. Auch Männern steht die Anmeldung für Bauchtanz frei – „wenn sie Interesse haben“, fügt Köstermeyer hinzu. cf

Nähere Informationen unter: www.sport.uni-erlangen.de/hochschulsport

Seniorenstudium an der FAU

Von Margot Jansen

Harald Csallner verlässt mit energischen Schritten den Hörsaal 0.011 im Erlanger Kollegienhaus. Um den 70-Jährigen herum Gedränge, Geschnatter, Gelächter, dazwischen immer wieder „ältere Semester“, die es nicht ganz so eilig haben. Schnell packt er seine Aufzeichnungen in die Aktentasche, dann geht es für heute nach Hause.

Csallner, der Kunstgeschichte im Hauptfach, Geschichte und Sozialwissenschaften im Nebenfach studiert, ist einer von 427 Seniorenstudenten, die sich im Wintersemester 2008/09 an der Universität Erlangen-Nürnberg eingeschrieben haben. Seit vier Jahren sitzt er zusammen mit 45 Jahre jüngeren Studenten in denselben Vorlesungen. Alt, nein alt fühle er sich nicht. Er will, wie 25000 andere Seniorenstudenten in ganz Deutschland, geistig fit bleiben, Denkanstöße bekommen, vernachlässigten Interessen endlich nachgehen. Da bleibt für Kranksein keine Zeit.

Laut einer Umfrage in den Städten Dortmund und Oldenburg fühlen sich zwei Drittel der Seniorenstudenten nach Aufnahme des Studiums gesünder, sowohl psychisch als auch physisch. Für Erlangen sind nach Auskunft von Prof. Frieder Lang vom Institut für Psychogerontologie keinerlei Daten oder Informationen zum Gesundheitsstatus der Senioren bekannt. „Ich wäre nicht überrascht, wenn die Teilnahme am Lehrangebot der Universität zunächst einen vitalisierenden, aktivierenden und damit auch gesundheitsfördernden Effekt hätte“, meint Lang. „Allerdings gilt es auch zu berücksichtigen, dass vielleicht oft gerade Personen mit der Zeit weg bleiben, die gesundheitlich belastet sind.“

Harald Csallner war früher Pharmazeut. „Ich wollte schon als junger Mann Kunstgeschichte studieren, aber was sollte ich mit dieser brotlosen Kunst? Jetzt habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt.“ Mit dieser Fächerkombination gehört er zur Mehrheit der Gaststudenten, die diese Vorlesungen besuchen, neben Germanistik und Philosophie. Mit seinen 70 Jahren ist er repräsentativ für die Altersstruktur der Gasthörer.

233 Senioren gehören der Gruppe der 63- bis 72-Jährigen an. Was ihn allerdings zu einer absoluten Minderheit macht, ist die Tatsache, dass er sich zu einem regulären Studium entschieden hat. Nur etwa drei bis vier Seniorenstudenten entscheiden sich, so vermutet es Doris Nitsche von der Studentenkanzlei, für diesen Weg. Die Übrigen besuchen als Gasthörer mit durchschnittlich vier Wochenstunden die Vorlesungen und Seminare. So wie Konrad Huber und sein Kollege, ehemalige Siemens-Ingenieure. „Wir wollten etwas völlig anderes machen, unseren geistigen Horizont erweitern, geschichtliche Zusammenhänge verstehen“, erklärt Huber. Da bot sich die Vorlesung „Deutsche und europäische Geschichte 1740 bis 1806″ geradezu an.

Entgegen der bundesweiten Tendenz sind es in Erlangen die Männer und nicht die Frauen, die die Universität zur wissenschaftlichen Weiterbildung nutzen. Ihr Anteil liegt hier bei 63 Prozent. Noch eine Besonderheit weist Erlangen auf: Die Gasthörerzahlen sind rückläufig. „Da machen sich wohl die Studiengebühren bemerkbar“, meint Doris Nitsche.

88 Jahre – und noch immer an der Universität eingeschrieben – ist der älteste Student der Erlanger Universität. Der lebende Beweis für die positive Beeinflussung des Alterungsprozesses durch lebenslanges Lernen. An anderen Universitäten, wie beispielsweise Dortmund, nutzt man dieses „Altenpotential“. So werden Zeitzeugenseminare für historische Themen durchgeführt. Es muss nicht immer die NS-Zeit sein, denn schon längst haben die 68er die Universität erobert.

"Yes I Can"

Von Christiane Fritz

Was haben Barack Obama und erfolgreiches Lernen gemein? Ganz einfach: „Yes we can“, erklärt Dr. Josef Meier vom Lehrstuhl für Didaktik der englischen Sprache und Literatur der Universität Augsburg. Denn der Glaube an die eigenen Fähigkeiten wirkt sich positiv auf Hirn und Handeln aus.

Für das Pauken bedeutet das: Eine positive Lernmentalität erleichtert die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen. „An das Lernen muss man positiv herangehen und sich dabei immer wieder bestätigen: Yes I can“, verdeutlicht Meier, der sich seit 15 Jahren mit innovativen Lern- und Mentaltechniken beschäftigt.

Den optimalen Lernerfolg erreicht der Student nach Meiers jüngsten Forschungsergebnissen durch die Einrichtung eines mentalen Lernstudios. Will der Student pauken, sollte er sich zunächst entspannen. „Er kann dazu bestimmte Atemtechniken anwenden, zum Beispiel in Kombination mit dem Atemrhythmus von zehn an rückwärts zählen“, erklärt der 55-Jährige. Dadurch wird das Gehirn in den Alphazustand versetzt. In diesem Entspannungszustand arbeiten die linke und rechte Gehirnhälfte besonders gut zusammen. „Die linke Gehirnhälfte ist für die Logik zuständig“, so der Akademiker. „In der rechten sitzen die Emotionen.“ Dabei erhöht das ganzheitliche Lernen die Aufnahme- und Leistungsfähigkeit.

Die meisten sind visuelle Lerntypen

Um Lernerfolge zu erzielen, empfiehlt Meier, den Alphazustand mit weiteren Lerntechniken zu kombinieren. Dafür muss jeder seinen Lerntyp ermitteln. Der Akademiker unterscheidet fünf: den visuellen, auditiven, kineasthetischen, olfaktorisch und den gustatorischen Lerntyp. Letztgenannter Gruppe, die vor allem für Gerüche und Geschmacksrichtungen sensibilisiert sind, gehören die wenigsten an. Die meisten lernen, indem sie Informationen visualisieren.

Rackern im Akkord bringt keinen dauerhaften Lernerfolg. Sinnvoller ist es, genügend Freiräume einzuplanen und den Stoff regelmäßig zu wiederholen. „Das ist gerade beim Erlernen von Sprachen wichtig“, betont der Akademiker. Bei der richtigen Kombination aus Pausen und Wiederholungen kann sich der Student später an bis zu 80 Prozent des Gelernten erinnern. Übrigens ist auch nach dem Aufstehen und kurz vor dem Zu-Bett-Gehen das Hirn im Alphazustand geparkt – höchste Zeit also, um zu Bett zu gehen, schließlich steht demnächst eine Prüfung an.

Radfahren in der Schwerelosigkeit

Von Julius Brockmann

Einmal schwerelos sein. Sein eigenes Gewicht nicht mehr spüren, und die Dinge ganz leicht nehmen. Nicht nur Astronauten wird das ganz besondere Erlebnis zuteil. Mit Parabelflügen imitieren Piloten die Schwerelosigkeit im All. Wissenschaftler führen Experimente über den Wolken durch, die auf der Erde, aufgrund der Schwerkraft, nicht möglich sind.

Unlängst waren auch zwei Teams aus Erlangen an Bord einer Maschine des Typs A300, die vom französischen Bordeaux aus startete und an vier Tagen die so genannte Mikrogravitation, den Zustand des freien Falls und der Schwerelosigkeit, für je 22 Sekunden pro Parabel aufrecht erhielt. Mit der eingangs beschriebenen romantischen Vorstellung des Schwebens hat ein Parabelflug dagegen wenig gemein. Zunächst fliegt der Airbus mit Höchstgeschwindigkeit, bevor er zu einem Steigflug im Winkel von 47 Grad ansetzt. Die Triebwerke werden gedrosselt, die Maschine steigt kurze Zeit weiter und erreicht den höchsten Punkt, bevor sie in etwa gleichem Winkel zurück Richtung Erde fällt: Eine enorme Belastung für Mensch und Maschine. Zwischenzeitlich wirken Kräfte von doppelter Erdbeschleunigung auf die Insassen.

Neue Stoßdämpfer für Satelliten und Antennen erforscht

Prof. Thorsten Pöschel vom Lehrstuhl für Multiscale Simulation of Particulate Systems der Universität Erlangen-Nürnberg und sein Team waren mit dabei, als vor wenigen Wochen die 13. Parabelflugkampagne des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Frankreich startete. Sie hatten das Ziel, mithilfe von Versuchen neue Stoßdämpfer für Satelliten, Flugzeugturbinen oder Antennen zu entwickeln. Pöschel und sein Team untersuchten wie man Schwingungen mildern kann.

Auch der Erlanger Sportwissenschaftler Prof. Matthias Lochmann war an Bord der Maschine. Er setzte bei seinem Experiment einen medizinischen Schwerpunkt. So ging er der Fragestellung nach, wie sich der menschliche Körper in der Schwerelosigkeit verhält. Mit den Ergebnissen sollen vor allem Astronauten trainiert werden. Die Motorik sei dabei anders als auf der Erde, so Lochmann.

Bei den aktuellen Flügen wurde parallel getestet, ob auch im neuronalen Bereich Veränderungen stattfinden. Aus diesem Grund zeichnete ein Elektroenzephalogramm die Gehirnströme des Probanden auf. Der Untersuchungs-Teilnehmer hatte dabei 64 Elektroden auf der Kopfhaut und zehn an den Beinen. Ein Fahrrad wurde in ein Ergometer gespannt. Das Besondere der Apparatur war, dass die Pedalen nicht in einer 180 Grad-Stellung zueinander angebracht waren, sondern die Winkel freigegeben waren. „Die Erfordernisse an die Koordination sind dadurch sehr hoch“, erklärt Lochmann. Er war bereits 2003 und 2004 an Bord einer Parabelflugmission.

In diesem Jahr war die Fragestellung ein wenig anders. Zudem wurde die Versuchsanordnung verbessert. „Wir hatten das Problem, dass die Probanden auf dem Fahrrad mit der Hüfte etwas weggedriftet sind“, sagt Lochmann. Aus diesem Grund habe man dieses Mal die Versuchsteilnehmer fixiert. Lochmann hatte die komplette Verantwortung für das Gelingen der Mission und war auch für die Planung und Durchführung zuständig.

Die Auflagen bei solchen Flügen seien extrem hoch. So gebe es unter anderem einen 90-seitigen Katalog der Novespace zu beachten, um die Sicherheit der sich an Bord befindenden Menschen zu gewährleisten. „Wir sind nun aber mehr als zufrieden mit der Durchführung“, bemerkt Lochmann. Viele der Teilnehmer seien regelrecht begeistert von der Mission. Beim nächsten Mal hofft der Sportwissenschaftler, noch mehr Studenten mit in das Projekt einbinden zu können. Denn neben den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts für Sportwissenschaft und des Lehrstuhls für Mustererkennung war auch ein Student an Bord der Maschine.

Zunächst sei es ein „ganz normaler Flug gewesen“, erinnert sich Robert Christian Klam, der in Gießen Medizintechnik studiert. „Man fühlt sich ganz schön hilflos“, fast er seine Eindrücke zusammen. Das Flugzeug war so präpariert, das die Insassen nicht nach außen blicken konnten. Der freie Fall führte bei Klam dazu, dass er nicht mehr wusste, wo oben und unten war. An Bord der Maschine war Klam sowohl Proband als auch Assistent, denn er betreute die Messdurchführung. Zwei Kameras waren dabei an der Messanordnung befestigt.

Auf einem Fahrrad trat Klam in die Pedale, die Kameras zeichneten die Kurbelbewegung auf. Die Auswertung der Daten erfolgt nun in den kommenden Wochen. So wird zum Beispiel ermittelt, welche Gehirnareale zu welcher Zeit aktiv waren. „Die Parallelmessung ist dabei besonders wichtig“, sagt Klam. Das heißt alle Messungen fanden gleichzeitig statt.

Für den studierten Sportwissenschaftler und angehenden Medizinstudent Klam war es der erste Parabelflug. Auf die außergewöhnlichen Erfahrungen möchte er künftig nicht verzichten. „Es besteht die Möglichkeit, auch in Deutschland vom Köln/Bonner Flughafen aus Parabelflüge zu machen“, sagt er. Diese finden dann über der Nordsee statt.

Die Teilnehmer des Experiments berichten in Missionstagebüchern, wie sie die Tage in Frankreich erlebten. Im Internet nachzulesen unter: www.pfm.sport.uni-erlangen.de

PISA-Test für Studenten

Von Christin Nünemann

Wie jetzt? Du weißt nicht was eine Rating-Agentur ist? Ich dachte, du studierst! Aber man kann ja nicht alles wissen. Ein breit gefächertes Allgemeinwissen wird von einem Hochschulabsolventen aber dennoch erwartet. Wie es um die grauen Zellen der deutschen Studenten tatsächlich bestellt ist, prüft zurzeit Spiegel Online in Kooperation mit studiVZ.

Das so genannte Studentenpisa, das man unter der Adresse www.spiegel.de/unispiegel aufrufen kann, ist ein Wissenstest, bei dem der Student 45 Fragen aus verschiedenen Bereichen wie Politik, Geschichte, Wirtschaft, Naturwissenschaften und Kultur beantworten muss. Für jede Frage hat er 30 Sekunden Zeit. Braucht er länger, wird die Antwort als falsch gewertet.

„Der Test soll Spaß machen, aber auch ernsthafte Ergebnisse hervorbringen“, sagt Markus Verbeet vom Spiegel. Den offiziellen PISA-Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), solle er aber keine Konkurrenz machen, sondern sie ergänzen. „In der ersten Woche wurde der Fragebogen ungefähr 200000 Mal vollständig ausgefüllt“, weiß Verbeet. Wer möchte, kann sich die Auswertung seines Tests auch als E-Mail zusenden lassen. Na dann mal los!

Wer ist der amtierende Generalsekretär der Uno?

Wie hoch ist die momentane Staatsverschuldung? Wie ist der Begriff Arbeit physikalisch definiert? Wie heißt der derzeitige UN-Generalsekretär? Wo liegt die Leber? Und was verbirgt sich hinter der römischen Zahl CLXVI? Okay, das sollte wirklich zu schaffen sein. Kniffeliger wird es bei den Fotos: Wie heißt der gezeigte Vogel? Wie lautet der Nachname dieser Person? Von welchem Maler stammt dieses Bild? Und zu welchem Baum gehört dieses Blatt? Da kommt man dann doch ins Grübeln.

Kein Test ist identisch. Damit sich niemand absprechen kann, gibt es verschiedene Fragebögen. „Die Fragen hat die Spiegel-Redaktion in einem aufwändigen Verfahren erarbeitet“, verrät Verbeet. Über hundert Vorschläge haben Redakteure verschiedener Ressorts eingereicht, die dann von Fachleuten der Spiegel-Dokumentation geprüft wurden.

Übrigens bewerten Rating-Agenturen die Bonität, also die Kreditwürdigkeit, von Unternehmen und Staaten, aber auch von Hedgefonds und Versicherungen. Dass die Prädikate, welche die Rating-Agenturen vergeben, nicht immer zutreffend sind, ist mit ein Grund für die derzeitige Finanzkrise. Das sollte man wissen.

Mit dem Zug durch Europa

Von Christiane Fritz

Drei Jahre lang hat er die Feier dieses Jubiläums organisiert. Er hat mit über 100 Städten in ganz Europa telefoniert. Mit Bahngesellschaften in 18 Ländern verhandelt und ist kreuz und quer durch den europäischen Kontinent gereist. „Es ist wahnsinnig und großartig, dass es an diesem Samstag endlich losgeht“, erklärt Bernhard Jäggle.

Für den 20. Geburtstag des Erasmus Studenten Netzwerks (ESN), einem der größten interdisziplinären Studentenverbände Europas, hat der gebürtige Wiener einen Zug organisiert. Der ESNtrain durchquert 25 Tage lang verschiedene europäische Länder. An Bord: Studenten von sechs Kontinenten. „Es ist höchste Eisenbahn für eine interkulturelle Kommunikationsplattform unter den Studenten der verschiedener Länder“, findet Jäggle, der sich seit fünf Jahren im ESN engagiert. „Mir ist aufgefallen, dass in Zügen Leute miteinander reden, die im Alltag keine Worte wechseln würden“, begründet er die Wahl des ungewöhnlichen Geburtstagsgeschenks.

Mit der Zugfahrt soll auch ein weiteres Jubiläum begangen werden: 20 Jahre Wiedervereinigung. Der ESNtrain besteht aus 16 Waggons, die aus ganz Europa stammen. Auf seiner Reise durchquert der Zug 18 Länder darunter die Schweiz, Deutschland, Italien, Polen, Ungarn sowie Norwegen und legt dabei eine Strecke von 12000 km zurück. Gerne hätte Bernhard Jäggle die Tour auf weitere europäische Länder ausgedehnt. Die Schienen in Finnland oder Spanien verfügen aber über eine andere Spurbreite. „100 Lokomotiven ziehen den Zug abwechselnd, denn in den Ländern gibt es unterschiedliche Sicherheitsbestimmungen und verschiedene Stromsysteme“, erklärt Jäggle.

In 40 Städten macht der ESNtrain Halt. Dort erwartet die Reisenden ein Programm, welches die jeweiligen lokalen Sektionen organisieren. So werden Stadtbesichtigungen und Workshops angeboten. Die Teilnehmer können sich aber auch an Inline Skating oder River Rafting probieren. 25 Veranstaltungen hat allein die Stadt Prag geplant. Neben dem Tagesprogramm haben die Reisenden die Gelegenheit, sich während verschiedener Tanz- und Sprachkurse am Abend besser kennenzulernen.

Interessierte können die gesamte Tour buchen oder sich nur für einen Abschnitt der Strecke entscheiden. „Durchschnittlich bleibt der Gast sechs Nächte“, hat Monika Keller, Mitglied im Organisationskomitee, ausgerechnet. Der ESNtrain bietet 700 Personen eine Schlafmöglichkeit. Über 7000 Übernachtungen sind bereits angemeldet. Von den Zugreisenden aus über 90 Nationen ist Deutschland am stärksten vertreten.

Zwischen zwei verschiedenen Schlafabteilen kann gewählt werden. Ein Bett in einem Sechserabteil kostet 30 Euro pro Nacht. Das Doppelte zahlt man für ein Abteil mit drei Betten. Mitfahren dürfe jeder, der tolerant und friedlich sei und andere akzeptiere, erklärt Monika Keller. Für die Fahrt mit dem ESNtrain besteht keine Altersbeschränkung. Auch ein älteres Ehepaar aus Estland hat sich für die Reise angemeldet. „Die fanden den Zug eine tolle Idee. Sie meinten, sie hätten so viele Städte noch nicht gesehen“, sagt Keller. Über die Osterfeiertage ist der Zug ausgebucht. An anderen Tagen stehen jedoch noch genügend Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Weitere Informationen über den ESNtrain unter: www.esntrain.org