Mein Sommer hinter Fensterglas

ARCHIV - Studenten arbeiten am 12.08.2013 in der Bibliothek der Universität Darmstadt (Hessen). Seit gut einem Jahr können Nutzer der Universitäts- und Landesbibliothek rund um die Uhr lernen und Bücher entleihen. Ob dieser Service weitergeht, wird in den kommenden Wochen entschieden. Foto: Andre Hirtz/dpa (zu dpa lhe: «Nachtschicht zwischen tausend Büchern» vom 09.02.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

An sonnigen Tagen wie heute denken arbeitende Menschen gern: „Student müsste man sein, dann könnte ich jetzt im Freibad liegen statt im Büro zu sitzen!“ Klingt gut. Aber ist an dieser Behauptung wirklich etwas dran? Haben wir Studenten im Sommer wirklich mehr (Frei-)Zeit als Arbeitnehmer? Zeit dieses Klischee etwas zu relativieren.

Zurzeit schreibe ich an meiner Bachelorarbeit. Ich führe Experteninterviews, arbeite Berge von Literatur durch, suche geeignete Zitate und werte sie anschließend für meine Arbeit aus. Viel zu tun. Aber es stimmt, ich kann mir meine Zeit dafür selbst einteilen. Gehe ich heute in die Bibliothek oder nicht? Gönne ich mir morgens eine Stunde länger im Bett oder einen Nachmittag im Schwimmbad?  An sonnigen Tagen kann ich mir eine Auszeit nehmen. Ganz ohne Urlaubsantrag, aber meistens auch nicht ohne schlechtes Gewissen. Außerdem hat niemand Zeit mitzugehen. Undwer will schon alleine ins Freibad?

Gut die Hälfte meines Freundeskreises steht mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Vor fünf Uhr Nachmittags kommt da niemand aus dem Büro. Die andere Hälfte studiert – aber trotzdem hat keiner Zeit. Denn außgerechnet im Sommer befinden wir uns in der von Studenten so sehr gehassten Prüfungszeit. Je nach Klausurterminen fallen da auch mal mehrere Prüfungen in eine Woche. Die Folge ist: ein Lernmarathon. Um sieben Uhr aufstehen, fertig machen, in die Bibliothek fahren, Platz ergattern, loslegen. Stress pur, konzentriert auf ein paar, viel zu kurze, Wochen. Da hilft oft nur, Wissen reinfressen und wieder Ausspucken.

Klar, ist das zum Teil auch hausgemachter Stress. Denn seien wir mal ehrlich, ein Großteil der Studenten ist während des Semesters stink faul. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Das Hausarbeitsthema steht ja oft schon zu Beginn der Vorlesungszeit fest. Am Ende ist der gemeine Student damit aber trotzdem selten früher als 24 Stunden vor der Abgabefrist fertig. Eigentlich ziemlich dumm. Das heißt wir sitzen bei strahlendem Sonnenschein ebenfalls am Schreibtisch, weil wir es bei Regen nicht rechtzeitig und lange genug geschafft haben, sitzen zu bleiben.

Somit ist das Klagen der arbeitenden Bevölkerung zum Teil gerechtfertigt. Ja, Studenten haben im Prinzip mehr Zeit, beziehungsweise können freier darüber verfügen. Sie müssen aber erst lernen, sie sinnvoll oder weniger sinnvoll einzuteilen. Das gehört zum Erwachsenwerden während des Studiums dazu. Deshalb, liebe Ex-Studenten, Gesellen, Facharbeiter oder sonstige Büromenschen, vergesst bitte bei eurer Anklage nicht, dass ihr irgendwann Feierabend habt, wir aber trotzdem weiter lernen müssen.  Zum Ende des Semesters heißt es Rechenschaft ablegen. So viel wir vielleicht auch vorher relaxed haben, soviel dürfen wir in der Prüfungsphase schwitzen. Stress haben wir alle, ihr und wir, es verteilt sich nur anders.

Jetzt sitze ich in einer Bibliothek voll mit Studenten und muss an meiner Bachelorarbeit weiter schreiben. Im Freibad muss irgendwer anders sein.

Andreas Huber

„In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk“

MarkgrafDer Wilde Markgraf ist verwirrt: „In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk.“ Die Stadt hat eine Oberbürgermeisterin und die Hochschule eine Präsidentin. Diese modernen Zeiten! Trotz Empörung bekommen beide einen Handkuss. Mann hat schließlich Manieren. Trotzdem lässt er zur Vorsicht viele Grüße an „König Horst“ in München ausrichten.

So können Jubiläumsfeiern laufen. Keine langweiligen Reden. Keine stundenlangen Ehrungen. Dafür Filme, Interviews und ein leibhaftig auferstandener Markgraf, Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Genannt „der Wilde“, wegen seiner vielen Frauengeschichten. Der ist zwar eigentlich schon mehr als 250 Jahre tot, aber für den 20. Geburtstag der Hochschule Ansbach extra seiner Gruft entstiegen, um zu gratulieren und sich auf dem Campus umzuschauen.

20160601_124331Dort ist einiges geboten. Denn die Studenten haben die Planung zum Hochschuljubiläum übernommen. Im vergangenen Semester gab es extra Seminare und Vorlesungen dafür. Samira Becker und Benjamin Hecht haben das Modul „Moderation“ gewählt und führen am Vormittag durch den Festakt für die Ehrengäste. Der Kurs „Eventmanagement“ hat das Nachmittagsprogramm organisiert, mit Kinderbuchkino, Hochschul-Rallye und Modellautorennbahn. Beim Kulturabend ab 17 Uhr spielen  Hochschulorchester und Big Band, es gibt Theater- und Filmvorführungen.

Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle ist einer der Gratulanten und entschuldigt sich für das schlechte Wetter, das er aus München mitgebracht hat: „Das sind Freudentränen zum Geburtstag, die da vom Himmel kommen.“ Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel erinntert ihn daran, dass durchaus auch mehr Geld für die Hochschule aus München kommen könnte.

20160601_132839Die junge Hochschule ist schnell groß geworden: „Wir hatten mehr Parkplätze als Studenten und mehr Studenten als Bücher in der Bibliothek“, erinnert sich Gründungspräsident Bernhard Krämer an das Jahr 1996. Damals waren es 85 Studenten, heute sind es 3100. Sie haben Filme gedreht, wie sie ihre Hochschule sehen. Bilder und Fotografien zeigen das „Studentenleben im Wandel der Zeit“. Mit Farbe drückt jeder seinen Handabdruck auf ein großes Plakat: „20 Jahre Hochschule Ansbach“, steht darauf, „Wir waren dabei“.

Christina Merkel

Orchideenfächer – nur nutzlose Zierpflanzen?

Freizeit und Touristik Messe 2009 in Nürnberg. Im Bild: Themenpark JAPAN. HIER: Orchidee Foto: Uwe Niklas 01.03.09

Orchideen sind wunderschöne Pflanzen. Allerdings brauchen sie viel Pflege und haben dafür absolut keinen Nutzen. Sie sind eben reine Luxuszierpflanzen. Diese Eigenschaften auf sogenannte Orchideenfächer zu übertragen, bedeutet: Sie bringen nichts aber machen viel Arbeit. Universitäten verstehen unter Orchideen Studienfächer, die ungewöhnlich und daher selten sind und nur von wenigen Studenten belegt werden.

Mein Studienfach, Orientalistik, gehört auch dazu. Egal, wo ich auftauche, die Leute können sich meistens nicht, vorstellen, was ich mache. Und wenn ich dann erkläre, dass ich Arabisch lerne und Vorlesungen zu den Kulturen und Religionen des Orients besuche, kommt schon der nächste unverständliche Blick: „Ja, und was machst du dann damit später mal?“

Die meisten Leute wollen in diesen Momenten wohl einfach nur Konversation betreiben oder ihnen ist wirklich nicht klar, dass diese kleinen Fächer oft eine extrem wichtige Rolle haben. Zum Beispiel waren nach dem 11. September Islamwissenschaftler und Orientalisten so gefragt wie noch nie. Und die Hand voll Europäer, die Arabisch sprechen kann, schwimmt in Zeiten der Flüchtlingsflut nur so in Jobangeboten. Da kann ich dann zu Fragen wie, „Und warum machst du nicht einfach Spanisch oder Französisch?“, auch nur noch die Augen rollen.

Das liegt doch auf der Hand, dass ich mit diesen Sprachen, die so ziemlich jeder in der Schule gelernt hat, nicht besonders weit kommen werde. Klar, im Lebenslauf machen sie sich bestimmt nicht schlecht, aber wer mit Chinesisch, Hebräisch oder Arabisch punktet, macht sich doch gleich zehn Mal interessanter.

Also, wenn ihr das nächste Mal bei einer Party jemanden trefft, der kein 08/15-Fach studiert, bei dem die Berufsrichtung automatisch vorgegeben ist, dann antwortet doch einfach: „Wow, das klingt ja echt interessant!“ Denn dieser Person stehen wahrscheinlich viele Türen offen, dadurch, dass sie etwas Ungewöhnliches macht und in ihrem Fach ein Experte ist.

Sabrina Ahmed

Feierliche Amtseinführung der neuen Kanzlerin

Amtseinführung FAU-KanzlerinAnderthalb Jahre musste sie auf diesen Tag warten. Wegen der Klage eines unterlegenen Mitbewerbers verschob sich der Dienstantritt der neuen Kanzlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg immer wieder. Seit 40 Tagen ist sie nun im Amt. Heute wurde Sybille Reichert nun auch feierlich in ihrem Amt begrüßt.“Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Universitätspräsident Karl-Dieter Grüske in seiner Rede. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es plötzlich so schnell geht, deswegen haben wir noch etwas Zeit für die Festvorbereitung gebraucht.“

Die Einladungsliste war lang, schließlich bekommt die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) nicht oft ein neues Verwaltungsoberhaupt. Kanzler Thomas A. Schöck war 25 Jahre im Amt,  sein Vorgänger 14 Jahre lang. Außerdem ist Sybille Reichert die erste Frau an der Spitze. Als Festgäste gratulierten unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein, Wolfgang Strietzel, als Ministerialrat im Kultusministerium zuständiger Ansprechpartner der FAU, Erlangens aktueller Oberbürgermeister Florian Janik, sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Justiz, Wirtschaft und der Universität.

„Sie ist die am besten geeignete Person auf dieser Position“, lobte Grüske die neue Kanzerlin. Moderne Universitäts-Verwaltungen müssten heutzutage weniger Behörden als Serviceeinrichtungen für Forschung und Lehre sein. Zur Unterstützung bot Innenminister Herrmann der Kanzlerin gleich seine Handynummer an, „damit wir vieles auf dem kurzen Dienstweg klären können“. In seiner Funktion als Bauminister wird Reichert noch oft mit ihm zu tun haben.

cm

Wieder kein Präsident für die KU Eichstätt

EichstättZum dritten Mal seit 2008 ist die Wahl eines neuen Präsidenten an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) geplatzt. Der kirchliche Träger erklärte das laufende Verfahren heute in München für beendet und kündigte die Einsetzung eines Interimspräsidenten für zwei Jahre an. Dies werde noch vor der Sommerpause geschehen.

Nach Auskunft des Stiftungsrats hatte der Senat dem Träger im Juni satzungsgemäß einen Wahlvorschlag mit zwei Kandidaten vorgelegt. Am 15. Juni habe jedoch einer seine Bewerbung zurückgezogen. „Damit war eine echte Wahl nicht mehr möglich“, heißt es in der Mitteilung. Zugleich verzichtete die Stiftung auf die Möglichkeit, selbst einen Kandidaten auf die Liste zu setzen. Dies wäre aus Sicht des Trägers nicht geeignet gewesen, „um in der gegenwärtig schwierigen Situation der Katholischen Universität einen von der gesamten Hochschule akzeptierten, von einer breiten Mehrheit getragenen Präsidenten zu finden.

„Die Stiftung möchte deswegen weder willkürlich einen Kandidaten benennen noch auf bereits früher aus dem Verfahren des Senats ausgeschiedene Bewerber zurückgreifen. Ursprünglich hatte der neue KU-Präsident am 4. Juli gewählt werden sollen. Noch Mitte Mai hatte KU-Kanzler Thomas Kleinert im Hochschulausschuss des Landtags die Bewerberlage als gut eingeschätzt und sich zuversichtlich gezeigt, dass dieser Zeitplan gehalten werden könne. Vor einer Woche verlautete dann aus der einzigen katholischen Universität im deutschen Sprachraum, dass die Wahl auf einen unbekannten Termin verschoben werden müsse.

kna

Die FAU-Spitze trifft sich am Berg

NZ-ErlangenErwischt! Unser Fotograf Harald Sippel entdeckte heute den alten Kanzler und die neue Kanzlerin der Uni Erlangen auf der Bergkirchweih beim Anstoßen! Sybille Reichert übernimmt nächsten Montag das Amt von Vorgänger Thomas A. H. Schöck. Der geht nach 25 Jahren an der Spitze der Univerwaltung mit Verspätung in den Ruhestand.

Die Neubesetzung zog sich wegen eines Gerichtsverfahrens über ein Jahr hin. Der Universitätsrat hatte die neue Kanzlerin schon im Februar 2013 ohne Gegenstimme als Nachfolgerin vorgeschlagen. Dagegen klagte ein unterlegener Kandidat vor dem Verwaltungsgericht in Ansbach. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob das Urteil vor Kurzem auf. Auch ein weitere Beschwerde am Bundesverfassungsgericht scheiterte.

Ob sie sich heute bei einer Maß Bier Tipps fürs neue Amt holte?
Morgen interviewe ich sie für unsere nächste Hochschulseite, dann frag ich nach!

cm

Doch (k)ein Scherz: FAU geht an die Börse

Viele würden sich wohl wünschen, dass es wahr wäre: Die Uni Erlangen-Nürnberg verkündet heute auf ihrer Homepage, die Universität privatisieren zu wollen, um Geld für die vielen maroden Gebäude zu bekommen. „Durch einen Börsengang will die FAU Kapital in dreistelliger Millionenhöhe beschaffen“, heißt es in der Mittleilung.

Doch mit dem Geld kann die Uni nur etwa „die Hälfte der anstehenden Sanierungskosten für ihre Gebäude in Höhe von knapp einer Milliarde Euro decken“.

Russischer Oligarch kauft Dürer-Schatz

Weitere Mittel soll daher der Verkauf kostbarer Dürer-Zeichung einbringen – die Teil eines Kunstschatzes sind, der im Keller der Universitätsbibliothek schlummert. Ein russischer Oligarch habe bereits 200 Millionen Euro geboten. Der Verlust der Kleinodien schmerze zwar sehr, teilt Uni-Präsident Karl-DieterGrüske mit, doch der Zustand der Universität lasse keinen Raum für Kompromisse: „Wir wollen unseren Studierenden beste Bedingungen bieten – und dafür müssen wir auch harte Einschnitte in Kauf nehmen.“

Einige FAU-Mitarbeiter haben aber trotz des 1. Aprils Bedenken: „Ein Handel mit einem russischen Wirtschaftsmagnaten konterkariere die angesichts der Krim-Krise angedachten Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland.“ Bedenken, die Grüske nicht teilt: „Es ist die hohe Aufgabe der Kunst, in Krisenzeiten Brücken über Gräben zu bauen.“

Grüske ist selbst Finanzwissenschaftler, er kennt sich also aus: „Es hat sich gezeigt, dass die Gelder, die der Freistaat Bayern für den Bauunterhalt bereitstellt – jährlich waren das in den vergangenen Jahren etwa 5 Millionen Euro – nicht annähernd ausreichen, um auch nur die nötigsten Sanierungsarbeiten durchzuführen.“ Und das ist kein Scherz, sondern traurige Realität. PCB-Warnung in der Bibliothek, bröckelnde Decken in der Kochschraße.

Präsident Grüske wird CEO

Doch am ersten April reagiert die Uni mit schwarzem Humor: „Wir haben beschlossen, zur Selbsthilfe zu greifen“, sagt Grüske. „Die Aktien sollen ab Herbst an der Nasdaq gehandelt werden.“ Präsident Grüske, der die FAU AG als CEO leiten wird, geht von einem positiven Börsenstart der „Aktie blau“ aus: „Wir hoffen, einen Ausgabekurs von 250 Euro realisieren zu können – das entspricht etwa dem derzeitigen Aktienkurs von Amazon.“

Auch das eigene Personal ist vor Scherzen nicht sicher: Nach dem tatsächlichen rechtlichen Gerangel um die Nachfolge des langjährigen FAU-Kanzlers Thomas A.H. Schöck bietet der erfundene Börsengang endlich Zukunftschancen. „Schöck wechselt nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Kanzleramt in den Aufsichtsrat der AG – ein rechtlich äußerst innovativer Schritt: Als autonome Universität kann die FAU wesentlich flexibler agieren als die meisten anderen Wirtschaftsunternehmen, in denen ein solcher Wechsel womöglich durch Compliance-Anforderungen behindert würde.“

 

Gift lagert auf den Büchern

Bibliothek

Nur in Teil-Bibliotheken, wie hier im vierten Stock in Turm B der Philosophischen Fakultät, und in einigen Seminarräumen lag der PCB-Wert über der „Vorsorgegrenze“. Foto: Harald Sippel

Seit 1989 sind Baustoffe, die PCB enthalten, in Deutschland verboten. Die drei Hochhäuser der Philosophischen Fakultät in der Bismarckstraße in Erlangen stehen allerdings schon seit Anfang der 70er Jahre – als weltweit die größte Menge der chlorhaltigen Öle produziert wurde.

PCB galten lange als idealer Baustoff. Sie isolieren gut, sind wärmeleitfähig und verbrennen erst bei 1000 Grad Celsius. Darum kamen polychlorierte Biphenyle als Dichtungsmaterial zum Einsatz, als Fugenmasse um Fenster, sowie in feuerfesten Farben. Bis Wissenschaftler entdeckten, dass die chlorhaltigen Öle Krebs auslösen können.
„PCB sind nicht akut toxisch, sondern chronisch, wenn man sie über einen langen Zeitraum immer wieder aufnimmt und im Körper anreichert“, sagt Hannes Strebl, Betriebsarzt an der Universität Erlangen-Nürnberg. „Darum muss man die lebenslange Belastung möglichst gering halten.“

„Häufiger lüften“

Bei einer Routineüberprüfung im Sommer waren in den Bibliotheken der Philosophischen Fakultät in Erlangen Werte über 3000 Nanogramm (ng) pro Kubikmeter Luft gemessen worden. Eine Grenze, die als „Interventionswert“ gilt – die Uni musste handeln und gab ein Gutachten in Auftrag, das jetzt vorliegt. „Erhöhte Werte im Sommer sind normal“, sagt Strebl. Ab 9000 ng/m3 hätte niemand mehr das Gebäude betreten dürfen. Bei weiteren Messungen im Winter lagen die Werte nun unterhalb der „Vorsorgegrenze“ von 300 Nanogramm pro Kubikmeter, in den Bibliotheken über 300, aber unter 3000. Die offizielle Empfehlung: „Häufiger lüften“.
„In dem alten Staub, der sich über die Jahre auf den Büchern sammelt, haben wir PCB gefunden“, sagt Uni-Sprecher Heiner Stix. „Nicht jedes Buch wird schließlich jeden Tag ausgeliehen und die Reinigungskräfte dürfen nicht höher als 1,60 Meter putzen.“ Das würde zusätzlich kosten, denn die Regale sind 3,50 Meter hoch und dafür bräuchte das Personal Leitern. In den Semesterferien ist nun eine Bücherputzaktion geplant.

6000 betroffene Mitarbeiter und Studenten

Rund 6000 Mitarbeiter und Studierende gehen in den Philosophen-Türmen ein und aus. „Selbst für Menschen, die jahrelang dort gearbeitet haben, besteht absolut keine Gefahr“, sagt Arbeitsmediziner Strebl. Auch Studenten, die die Bibliothek zur Prüfungszeit intensiv nutzen, müssten sich keine Sorgen machen. „Die Grenzwerte sind so streng ausgelegt, dass sie ihr ganzes Leben dort verbringen könnten“, sagt Strebl. Trotzdem: „Die Belastung der Luft ist leider nicht die einzige Art, wie wir PCB aufnehmen, auch belastete Lebensmittel sind ein Problem.“
Als noch wenig über die giftige Wirkung der Biphenyle bekannt war, gelangten Abfälle sorglos in die Umwelt, ins Meer und in die Nahrungskette. „Eine Zeit lang war vor allem Lachs aus der Ostsee stark belastet“, sagt Strebl.
Besorgte Mitarbeiter konnten sich beim Betriebsarzt untersuchen lassen. 14 nahmen das Angebot an. „Bei fast allen lag der Test unter der Nachweisgrenze, bei manchen darüber, aber weit unter schädlichen Grenzwerten.“
Am Mittwoch, 29. Januar, stellen Strebl und der Dekan der Philosophischen Fakultät, Rainer Trinczek, das Gutachten den Studenten und Mitarbeitern vor.

cm

Neue Reihe: Wissenschaft auf AEG

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) startet am Montag, 25. November, mit einer neuen Vortragsreihe zu wissenschaftlichen Themen, die populär präsentiert werden. An vier Abenden wird die Maschinenhalle des FAU-Lehrstuhles für Fertigungsautomatisierung auf dem Ex- AEG-Gelände im Nürnberger Westen Schauplatz für Vorträge und Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Forschung der FAU. Präsentiert wird die Reihe „Wissenschaft auf AEG“ von der Nürnberger Zeitung.

Bisher fanden solche Vortragsreihen der Universität mehr oder weniger naturgemäß in Erlangen statt. Da sich die FAU aber auch in Nürnberg stark weiterentwickelt, etwa mit den neuen Standorten auf AEG, will die Uni nun auch hier der Öffentlichkeit ihre Forschungsarbeit präsentieren. Da das Nürnberger Publikum weniger stark akademisch geprägt sei als das Erlanger, biete sich eine populärwissenschaftliche Serie hier besonders gut an.

Als Zielgruppe hat die FAU Berufstätige, aber auch Schüler, Studenten und Ehemalige der Universität im Auge, bei den kostenlosen Vorträgen sind aber alle Interessierten gerne gesehen. Den Veranstaltungsort im E-Drive-Center auf dem AEG-Gelände habe man bewusst gewählt, so die Veranstalter. Die Vorträge sollen an einem Ort stattfinden, an dem tatsächlich täglich geforscht wird.

Die vier Vorträge werden aber nicht nur technische Themen behandeln. Den Organisatoren geht es vielmehr um eine gute Mischung. Die Vorträge sollen die Arbeit der Emerging-Fields-Initiative widerspiegeln, in der die Universität interdisziplinär außergewöhnlichen Fragestellungen nachgeht. Die Auftaktveranstaltung etwa befasst sich am übernächsten Montag mit der Frage: „Wie beeinflusst Nahrung unser Gehirn – und umgekehrt?“ Dabei gehen Monika Pischetsrieder vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie, Andreas Hess vom Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie und Johannes Kornhuber von der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik der Frage nach, woher der Drang kommt, mehr zu essen, als der Körper braucht – vor allem bei Unwiderstehlichem wie Chips und Schokolade.

Am 16. Dezember geht es um die Solarenergie der Zukunft und die Frage, ob es je eine künstliche Photosynthese geben kann. Im neuen Jahr, am 27. Januar, geht es unter dem Motto „Im Bann des Schwarzen Lochs“ um neue Erkenntnisse aus der Astroteilchenphysik. Die vierte und letzte Episode der Reihe befasst sich am 3. Februar mit der Frage: „Eigennutz oder Gemeinwohl: Wie werden Steuerzahler ehrlich und kooperationsbereit?“

25.11., 16.12., 27.1.2014, 3.2., jeweils ab 18.30 Uhr, Fürther Straße 246b, Erdgeschoss. Das ausführliche Programm findet sich hier.

Studenten kaperten Dies Academicus für Proteste

Voll wie in Überblicksvorlesungen für Erstsemester war es am Montagabend beim Dies Academicus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Der große Hörsaal der Medizinischen Fakultät am Ulmenweg reichte nicht aus, um allen Gästen einen Sitzplatz zu bieten.

Hörsaal reichte nicht für alle Gäste

Parallel musste die Veranstaltung per Videoübertragung in einem Nachbarsaal gezeigt werden – „um zu demonstrieren, wie es den Studenten in den großen Fächern geht“, sagte FAU-Präsident Karl-Dieter Grüske. Im vergangenen Jahr hätte der Saal noch ausgereicht, heuer hätten sich jedoch besonders viele Gäste angemeldet. In den vergangenen Jahren war die Universität meist im Erlanger Redoutensaal zu Gast gewesen.

Grüske sagte über die auch heuer wieder gestiegenen Studentenzahlen, diese seien zunehmend eine Belastung für die inzwischen 270 Jahre alte Universität sowie die Stadt Erlangen – etwa was Wohnen oder Verkehr anbelange.

Rekord bei Drittmitteln

Allerdings zeige sich, dass die Zahl der Studenten sich relativ gleichmäßig auf vier der fünf Fakultäten verteile. Für die Medizin (fünf Prozent der Studenten) gelten freilich aufgrund der bundesweiten Quotierung der Studienplätze andere Regeln. Beim Einwerben der Drittmittel konnte die FAU den Trend der vergangenen Jahre fortsetzen und mit eingeworbenen 160 Millionen Euro wieder einen Rekord aufstellen.

Freilich musste der Präsident auch auf den schlechten Zustand des Philosophischen Seminargebäudes in der Erlanger Kochstraße eingehen. Das war schon deswegen unausweichlich, weil alle Gäste den Sitzprotest einiger Studenten geisteswissenschaftlicher Fächer im Foyer mitbekommen hatten. Grüske versuchte, offensiv mit der Situation umzugehen. Der Sit-In der Studenten sei berechtigt.

Sanierungsbedarf von fast einer Milliarde (!) Euro

Ohnehin sei die Situation „extrem schwierig für alle Beteiligten“. Die Uni treffe jedoch keine Schuld, immerhin habe sie im vergangenen Jahr beim Freistaat einen „dringendsten Renovierungsbedarf“ in Höhe von 40 Millionen Euro angemeldet. „Erhalten haben wir aber nur 3,8 Millionen Euro, das heißt, dass über 90 Prozent weitergeschoben wurden.

Inzwischen beliefen sich die aufgeschobenen, aber dringend nötigen Renovierungen auf „mehrere Hundert Millionen Euro“. Der Präsident zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sich „die Politik der grundsätzlichen Problematik von Sanierungsstau und ausufernden Bewirtschaftungskosten annehmen wird“.

Buh-Rufe und Pfiffe für Staatssekretär

Der Angesprochene, Staatssekretär Bernd Sibler (CSU), wurde beim Gang ans Rednerpult ausgepfiffen und ausgebuht. Parallel marschierte eine etwa 40-köpfige Gruppe ebenfalls nach vorne. Der akademische Nachwuchs, allesamt mit gelben Bauhelmen auf dem Kopf, entrollte ein Transparent mit dem Slogan: „Gefährlich unterfinanziert“. Sibler reagierte souverän, sprach die Studenten, die sich schweigend neben dem Pult postierten, immer wieder direkt an und dankte ihnen sogar für die angemessene Form des Protestes.

Wo Spitzenforschung stattfinde, müssten auch die Rahmenbedingungen passen, meinte Sibler. „Danke, dass Sie darauf aufmerksam machen.“ Konkrete Zusagen machte der Staatssekretär des neuen Superministeriums für Wissenschaft und Kultus freilich nicht. Recht allgemein bekräftigte er das Ansinnen der Staatsregierung, die Hochschulen im Freistaat auch weiterhin kräftig zu fördern. Sibler lobte die Universität und ihren Präsident dafür, die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft nach Erlangen und Nürnberg geholt zu haben.

Auch Studentenvertreter beklagen marode Bausubstanz

Studentenvertreter Thorsten Wißmann feierte noch einmal die bayerischen Bürger dafür, dass sie per Volksbegehren die Staatsregierung zum Abschaffen der Studiengebühren gebracht hatten. Nun müsse der Freistaat sein Versprechen einlösen und die weggefallenen Gebühren vollständig kompensieren. Der Universität warf er vor, in den vergangenen Semestern zu viel Geld aus dem Gebührentopf ausgegeben zu haben. Nun könnten etwa einige Tutorien nicht mehr angeboten werden, bis die „Schulden ausgeglichen“ seien. „Da müssen wir jetzt durch.“

Zum Deckeneinsturz in der Kochstraße sagte Wißmann, eine rechtzeitige Sanierung wäre billiger gekommen. Er wies die Aussage Grüskes zurück, der Vorfall sei unvorhersehbar gewesen. Im Gegenteil: Der schlechte Zustand sei Studenten wie Personal bestens bekannt gewesen. „Ein solcher vermeidbarer Fall darf sich auf keinen Fall an unserer Uni wiederholen“, resümierte der Student.

Gleichstellungspreis für den Kanzler

Zum Dies Academicus gehört stets eine Reihe von Auszeichnungen. Der scheidende Kanzler Thomas Schöck wurde für seine Verdienste um eine familienfreundliche Universität mit dem Gleichstellungspreis der Uni geehrt. Jiachun Lu (China) und Parisa Khoram (Iran) wurden mit Preisen für „hervorragende Leistungen ausländischer Studenten“ ausgezeichnet. Zu Ehrensenatoren wurden das ehemalige Siemens-Vorstandsmitglied Dietrich Ernst und der Verleger Gunther Oschmann ernannt.

Den Festvortrag hielt Michael Lackner. Der Inhaber des Lehrstuhles für Sinologie ist seit 2009 Direktor des Internationalen Kollegs für Geisteswissenschaftliche Forschung „Schicksal, Freiheit und Prognose“: Bewältigungsstrategien in Ostasien und Europa. Unter dem Motto „Zukunft im Plural? Formen der Prognostik in China“ sprach Lackner über kulturell bedingt unterschiedliche Sichtweisen auf zukünftige Ereignisse.

fbh