Olga macht an Bord alle fertig – nur einen nicht

Olga braucht viel Zuwendung. Jede Stunde muss jemand nach ihr sehen und alle drei Stunden braucht sie besondere Aufmerksamkeit. Tag und Nacht. Das geht sogar soweit, dass die Menschen ihren Magen für sie riskieren. Denn in Gegenwart von Olga wird vielen schlecht. Bei ihr im Heck ist es heiß, stickig und laut. Hier stampft das Schiff besonders stark. Das hält nicht jeder aus. weiter lesen

Gut zu wissen, wo der Wind herkommt

Noch so eine Regel, die wir schnell lernen: Gekotzt wird immer mit dem Wind, also über die Lee-Seite des Schiffes. Wer es einmal falsch macht, weiß warum. Am zweiten Tag an Bord sind fast alle seekrank. Es stürmt und regnet, die Wellen schlagen über das Deck. Die Thor schaukelt bei jeder Welle mehrere Meter hoch und runter und rollt nach links und rechts. weiter lesen

Training für mehr Tapferkeit im Job

Mit mehr als einer Million Euro fördert die Bundesregierung das Projekt „Resilire“ an der Uni Erlangen-Nürnberg. Die Wissenschaftler entwickeln darin ein Training, die Arbeitnehmer weniger anfällig für psychische Belastungen im Beruf machen sollen. Das ist nicht grundsätzlich falsch, immerhin sind erste  Ergebnisse durchaus positiv und versprechen Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Am Kern des Problems geht die Maßnahme jedoch weit vorbei. weiter lesen

Hochschulwahl: Viele Fragezeichen und ein paar Kreuzchen

Einmal im Jahr bittet die Uni ihre Studenten an die Wahlurnen – doch nur wenige unter ihnen wissen, um was es bei den Hochschulwahlen wirklich geht. Die Folge: unglaublich niedrige Wahlbeteiligungen, meist nur knapp über zehn Prozent. Eine funktionierende Demokratie sieht anders aus. Sind Studenten wirklich so politikverdrossen? weiter lesen

„Alex“ – ein Wohnheim mit Herz macht zu

Billiger Alkohol, versiffte Sofas…“, so werde ich in einem Online-Portal beschrieben. „Wie man hier ernsthaft wohnen kann, bleibt mir ein Rätsel.“

Gestatten, mein Name ist Alex, genauer gesagt Alexandrinum. Ich wurde 1952 erbaut und bin somit das älteste Wohnheim in Erlangen. Deswegen ist meine Aufteilung auch noch sehr klassisch, Jungs und Mädels wohnen strikt voneinander getrennt – Westbau für die Herren und Ostbau für die Damen. Na gut, ganz so streng ist die Trennung dann doch nicht, da ständig ein reger Austausch über den „Walk of Shame“, die Verbindungsbrücke der beiden Flügel, herrscht. weiter lesen

Der Druck kommt von allen Seiten

ARCHIV - Ein junger Mann sitzt am 29.01.2014 in einer Bibliothek der Universität Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu dpa "Umfrage: Gut die Hälfte der Studenten fühlt sich massiv unter Stress" vom 11.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Immer mehr Studenten leiden unter psychischen Problemen. Daran ist aber nicht allein die Bologna-Reform schuld. Der Druck kommt von allen Seiten.

Das Bachelor-Master-System hat die Studienbedingungen verschärft: Anwesenheitspflicht, mehr Leistungsnachweise, weniger Wiederholungsmöglichkeiten. Das trägt dazu bei, dass sich junge Menschen immer seltener in der Lage fühlen, das Studium ohne Hilfe zu bewältigen. Trotzdem ist die Lage an den Hochschulen nur ein Symptom einer gefährlichen gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die alle Lebensbereiche erfasst hat, von der Krabbelgruppe bis zur Promotion. weiter lesen

Ohne Tuberkulose nach Kalifornien

vorbereitungDrei Tage nach meinem Besuch im Konsulat ist das Visum für mein Auslandssemester in Kalifornien in meinem Briefkasten. Als Technikjournalismus/-PR Studentin gehe ich aus Nürnberg für fünf Monate in die USA. Da ich meinen Auslandsaufenthalt als Freemover mache, habe ich ein F-1-Visum. Austauschstudenten, die an eine Partneruniversität gehen, haben im Regelfall das J-1-Visum. Mein Visum kostet etwas mehr, ist dafür aber in meinen Augen auch besser. Ich darf beispielsweise, statt 30 Tage, 60 Tage nach Semesterende in den USA bleiben und kann auf dem Campus arbeiten.

Das Gespräch für das Visum fand in München im Konsulat statt. Unfreundliche Sicherheitskräfte begrüßten mich, aber dann folgte ein sehr nettes Zehn-Sekunden-Gespräch, bis ich die Bestätigung hatte. Im Endeffekt kein großer Stress, dafür aber teuer. Danach galt es, „nur“ noch den Klausurenwahnsinn in Nürnberg zu überstehen. 19 Prüfungen hatte ich mir in dieses Semester gelegt, um während des Auslandssemesters nicht zu viel zu verpassen. Und tatsächlich habe ich schließlich auch alle erfolgreich abgelegt. Ein weiterer Glücksmoment: Ich habe ein Stipendium vom bayerischen Staat für meine Zeit in Kalifornien bekommen!

Meiner Wohnung und Mitbewohnerin sage ich etwas beklommen „adé“ und fahre nach Hamburg zu meinen Eltern für die finalen Vorbereitungen wie Arztbesuche und Besorgungen. Die amerikanische Universität will Nachweise sehen, dass ich keine Tuberkulose habe und gegen alles Mögliche und Unmögliche geimpft bin.

Dann geht es schließlich ans Packen. Das ist eine Kunst für sich und jeder Mensch geht es anders an. Mein Koffer ist riesig, deswegen ist es schwer, die von der Airline erlaubten 23 Kilogramm nicht zu überschreiten. Platzsparend meine Klamotten rollen oder unzusammengelegt in den Koffer packen, brauche ich also nicht. In meinem Einzugsschreiben  weist die Uni explizit darauf hin, dass keinerlei Küchenutensilien, Staubsauger, Bettzeug oder ähnliches im Studentenwohnheim auf dem Campus vorhanden sind. Einen Fernseher soll man doch bitte selbst mitbringen. Fernsehen habe ich noch nie geschaut und auf die Idee, etwas Derartiges in einem Flugzeug zu transportieren, kommt sicher niemand. Außerdem bezweifle ich, dass die vorherigen Mieter ihre ganzen Sachen wieder mit nach Hause genommen haben. Ich packe in meinen Koffer hauptsächlich Sonnencreme und Badutensilien, da diese in den USA teurer als in Deutschland sind.

Meine künftigen Mitbewohner habe ich schon über Facebook gefunden und Kontakt aufgenommen. Wir sind alle überzeugt davon, dass die Wohnung mit dem gröbsten ausgestattet ist. Bald geht es los!

Johanna Kroll

Mit Meditation gegen den Uni-Stress

MeditationDas Handy in der rechten Hand, das Tablet in der linken und den Blick auf den Laptop gerichtet. Was noch vor wenigen Jahren nur bei gestressten Topmanagern zu sehen war, ist heute auch bei Studenten üblich. Und nicht nur die Laptops haben die Studenten von den Managern übernommen, sondern auch den Stress. Die Hochschule Coburg lenkt jetzt dagegen und nimmt Meditation in ihr Studienangebot auf.

Der Titel klingt nach Klangschalen und Duftkerzen: „Achtsamkeitsseminar“. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, Studenten aus ihrem Alltagsstress herauszuholen. So soll ihnen ein entspanntes Studium möglich sein. In den Seminaren haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit den Gründen für ihren Stress auseinanderzusetzen. Vielleicht ist es bei Einem die Handysucht und der Drang, ständig auf Whatsapp zu antworten. Beim Nächsten der Wille, unbedingt die neue Staffel der Serie „House of Cards“ vor seinen Kommilitonen fertigzuschauen. Und beim Dritten, die Angst, in der nächsten Prüfung zu versagen.

Das Angebot der Hochschule ist ein guter Schritt, den Studenten den Stress ein wenig zu nehmen. Dabei wird von den Teilnehmern auch Verzicht gefordert. Das Programm sieht etwa vor, dass jeder einen Tag lang ohne Smartphone auskommen muss. Für viele klingt das wie der Weltuntergang. Nicht leicht für Studenten, die jede Joggingrunde mit ihrer Lauf-App auf Facebook teilen. Auch diejenigen, die ihren Instagram-Followern mitteilen müssen, dass das Schnitzel in der Mensa nicht schmeckt, werden schnell an ihre Grenzen stoßen.

Wer sich angesprochen fühlt, der hat beim Achtsamkeitsseminar die Möglichkeit, den Blick vom Smartphone zu lösen. Die schönen Dinge werden dann sichtbar, wenn die Augen mehr sehen als die Facebooktimeline. Der Tischnachbar kann doch am besten beurteilen, wie die Currywurst gerade schmeckt. Ganz ohne Likes.

Björn-Hendrik Otte