Studenten und Schüler wollen für das Klima streiken

Foto: Carsten Rehder/dpa

Karsten Schwanke hat immer interessiert: „Was passiert da draußen? „Was passiert in den Wolken?“ Deshalb hat er Meteorologie studiert. Inzwischen ist der 49-Jährige als Wetterexperte und Fernsehmoderator bekannt. An der Uni in Erlangen sprach er vor 700 Gästen beim „Physikalischen Kolloquium“ über den Klimawandel. Am Freitag wollen Schüler und Studenten auf der ganzen Welt für eine bessere Klimapolitik streiken – auch in der Region.

Sechs Grad wärmere Winter, acht Grad wärmere Sommer. Das wäre doch was. „Wenn wir nicht die Kurve kriegen, haben wir am Ende des Jahrhunderts in Nürnberg die gleichen Temperaturen wie zurzeit in Madrid“, sagt Carsten Schwanke. Dann herrscht Urlaubswetter in Franken.

Doch schon der vergangene Sommer hat gezeigt, dass damit nicht zu spaßen ist. Die Ernte ist auf den Feldern verdorrt, der Rhein ausgetrocknet. „In Köln hatten die Tankstellen zu, weil die Benzin liefernden Schiffe nicht weiterfahren konnten“, erinnert sich Schwanke. „Wenn nur ein Grad Erwärmung schon solche Sommer auslöst, was passiert dann bei zwei Grad, vier Grad oder mehr?“ Mehr als 700 Besucher sind gekommen, um Schwankes Vortrag „Klimawandel oder doch nur: das Wetter?“ an der Uni in Erlangen zu hören. Das sind doppelt so viele wie eigentlich in den Hörsaal passen, so dass die Veranstaltung nebenan live übertragen wird. Jeden Mittwochmittag lädt das Department Physik zum öffentlichen Kolloquium ein, oft sind die Vorträge auf Englisch und recht fachspezifisch. An diesem Tag nicht.

Die Gesellschaft fordert Antworten

„Meine Professoren haben mir beigebracht, dass Wissenschaftler nicht im Elfenbeinturm sitzen dürfen“, sagt Schwanke. Er hat Meteorologie in Berlin und Hamburg studiert. „Da draußen ist eine Gesellschaft, die Fragen hat, und die wollen beantwortet werden.“ Professoren, Mitarbeiter, Doktoranden, Studenten und Schüler sitzen im Publikum, aber auch andere interessierte Gäste, darunter Erlangens Umwelt- und Energiebürgermeisterin Susanne Lender-Cassens.

„Über das Wetter reden alle Menschen gern, weil jeder eine Meinung dazu hat“, sagt Schwanke. Dem einen ist es zu kalt, dem anderen zu warm. Der eine liebt Schnee, die andere hasst ihn. „Das Klima ist dagegen bloß Statistik, ein Mittelwert, bei dem es nur um Veränderungen nach dem Komma geht.“ Die aktuelle, weltweite Erwärmung um ein Grad kann niemand fühlen. „Das erklärt die Lethargie vieler Menschen, wenn es um den Klimawandel geht“, sagt Schwanke. „Aber der vergangene Sommer war drei Grad wärmer als sonst, das war nicht nur ein normaler Ausreißer.“

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Von April bis November schien die Sonne in Deutschland. In Italien tobten dagegen heftige Unwetter, Ortschaften wurden überschwemmt. „Das passt zusammen“, erklärt der Experte. Die Hoch- und Tiefdruckgebiete hingen fest. Normalerweise treibt sie der Jetstream weiter. Der Höhenwind entsteht durch den Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator. Im Winter sind das um die 60 Grad Celsius. In der Arktis herrschen dann minus 30 Grad und in den Tropen plus 30.

Doch wenn es im Sommer am Nordpol taut, schwächt das den Höhenwind ab. Bei 0 Grad in der Arktis und 30 Grad am Äquator beträgt der Unterschied nur noch die Hälfte. „Die Klimaerwärmung schwächt den Jetstream ab“, sagt Schwanke. Lange Hitzeperioden werden dadurch häufiger. „Um das Jahr 1900 lag ihre Wahrscheinlichkeit noch bei allen 245 Jahren, heute sind es alle acht Jahre und im Jahr 2050 dann alle zwei Jahre, wenn es so weiter geht.“

Demo am Hauptmarkt und Hugenottenplatz

Viele junge Leute wollen nicht, dass das passiert. Allen voran Greta Thunberg. Die 15-jährige Schwedin protestiert seit August vor dem Reichstag in Stockholm. Dafür schwänzt sie jeden Freitag die Schule. Weltweit haben es ihr schon viele nachgetan. Nun ist der Protest unter dem Motto „Fridays for Future“ auch in Deutschland angekommen. Für diesen Freitag, 18. Januar, haben sich erstmals bundesweit in mehr als 40 Städten Schüler und Studenten zu Streiks verabredet. In Erlangen treffen sie sich um 11 Uhr auf dem Hugenottenplatz. In Nürnberg um 10 Uhr am Hauptmarkt. Ihr Hauptziel ist eine konsequentere Klimapolitik der Bundesregierung.

Auch Schwanke meint in seinem Vortrag: „Ich bin überrascht, dass unsere Politik zwar viel verspricht, aber nichts tut. Deshalb ist es anuns, etwas zu tun, sonst gefährden wir das Leben der nächsten Generation.“ Beklagen, dass es schwierig werden könnte, nütze nichts. „Wir wissenes schon, es wird drastisch und dann müssen wir es auch so drastisch sagen.“

Christina Merkel

Die Uni hat den Vortrag von Karsten Schwanke aufgezeichnet und auf ihrer Video-Plattform veröffentlicht: www.video.uni-erlangen.de/ clip/id/9976

Erste Vorlesung in Kairo, typisch deutsch: Ich bin zu früh da.

Morgens halb 10 in Kairo. Ich trinke einen Tee mit Mohammed, dem Hausmeister, im vierten Stock der Cairo University. Er bietet mir ein traditionelles ägyptisches Frühstück mit Bohnen und Falafel an, aber das ist mir so früh am Morgen dann doch etwas zu deftig. Ich bin wie immer viel zu früh in der Uni. Mein erstes Seminar fängt erst um 10 Uhr an, aber wegen des ständigen Verkehrs fahre ich lieber immer rechtzeitig los. Die Zeit vertreibe ich mir dann meistens mit Mohammed, der auch nicht viel zu tun hat und mir Bilder von allen Studenten zeigt, die er kennt, also praktisch jedem an der Fakultät. weiter lesen

Eine Liebeserklärung an Fleischfresser in der Mensa

Kennt ihr diese Menschen, die jedem Veganer erstmal Fleisch zum Essen anbieten? Nicht aus Versehen, sondern mit Absicht. Diese Menschen, die jedem Veganer erzählen, dass nichts über ein gutes Schnitzel geht und sie schon alleine aus Protest nie auf Fleisch verzichten würden? Ich kenne solche Menschen, sogar sehr gut – denn ich bin einer von ihnen!
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Odysee im Bürgeramt – vom langen Weg zum Visum

Sabrina Ahmed studiert an der Friedrich-Alexander-Universität Politik und Orientalistik. Vor allem um ihre Sprachkenntnisse in Arabisch zu verbessern, verbrachte die 22-Jährige ihr Auslandssemester in Ägypten an der Cairo University und lebte sieben Monate in der Hauptstadt Kairo. Von ihren Erfahrungen schreibt sie hier.

Es ist der Albtraum eines jeden Einheimischen. Touristen verschwinden tagelang in diesem Gebäude. Vor den Türen sieht man verzweifelte Gesichter und fassungslose Menschen.

Die Rede ist von der „Mogamma“, dem ägyptischen Zentralverwaltungsgebäude für alle Bürgeranliegen. Hier muss jeder Tourist, der länger als einen Monat in Ägypten bleibt, sein Visum verlängern. Das galt auch für mich. Ich hatte zwar versucht, die Visumsangelegenheiten schon von Deutschland aus zu klären, im Konsulat wurde mir aber geraten, mein Touristenvisum einfach zu verlängern. Und so musste auch ich mich nach vier Wochen auf den Weg zur Mogamma machen. weiter lesen

Ankommen in der Fremde – ein Auslandssemester in Ägypten

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„Ist es dort nicht gefährlich? So ganz allein und dann noch als Mädchen?“ „Hast du denn keine Angst dorthin zu fahren?“ weiter lesen

Hochschulwahl: Viele Fragezeichen und ein paar Kreuzchen

Einmal im Jahr bittet die Uni ihre Studenten an die Wahlurnen – doch nur wenige unter ihnen wissen, um was es bei den Hochschulwahlen wirklich geht. Die Folge: unglaublich niedrige Wahlbeteiligungen, meist nur knapp über zehn Prozent. Eine funktionierende Demokratie sieht anders aus. Sind Studenten wirklich so politikverdrossen? weiter lesen

Facebook-Fasten fast geschafft

Ich gebe zu: Ich bin Facebook-abhängig. Ich schaue nicht nur einmal am Tag auf Facebook, um die wichtigsten Neuigkeiten mitzukriegen, sondern ich verfalle viel zu häufig dem hirnlosen Scrollen in meinem bodenlosen Newsfeed. Und ja, das kann auch seine guten Seiten haben. Ab und zu schiebt sich dann doch eine interessante Veranstaltung, ein cooles Praktikum, oder die Verlobung einer entfernt Bekannten vorbei. Und ich stoße immer wieder auf Artikel, die mich interessieren. Trotzdem – ich hasse es, weiter lesen

„Alex“ – ein Wohnheim mit Herz macht zu

Billiger Alkohol, versiffte Sofas…“, so werde ich in einem Online-Portal beschrieben. „Wie man hier ernsthaft wohnen kann, bleibt mir ein Rätsel.“

Gestatten, mein Name ist Alex, genauer gesagt Alexandrinum. Ich wurde 1952 erbaut und bin somit das älteste Wohnheim in Erlangen. Deswegen ist meine Aufteilung auch noch sehr klassisch, Jungs und Mädels wohnen strikt voneinander getrennt – Westbau für die Herren und Ostbau für die Damen. Na gut, ganz so streng ist die Trennung dann doch nicht, da ständig ein reger Austausch über den „Walk of Shame“, die Verbindungsbrücke der beiden Flügel, herrscht. weiter lesen

Der Druck kommt von allen Seiten

ARCHIV - Ein junger Mann sitzt am 29.01.2014 in einer Bibliothek der Universität Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu dpa "Umfrage: Gut die Hälfte der Studenten fühlt sich massiv unter Stress" vom 11.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Immer mehr Studenten leiden unter psychischen Problemen. Daran ist aber nicht allein die Bologna-Reform schuld. Der Druck kommt von allen Seiten.

Das Bachelor-Master-System hat die Studienbedingungen verschärft: Anwesenheitspflicht, mehr Leistungsnachweise, weniger Wiederholungsmöglichkeiten. Das trägt dazu bei, dass sich junge Menschen immer seltener in der Lage fühlen, das Studium ohne Hilfe zu bewältigen. Trotzdem ist die Lage an den Hochschulen nur ein Symptom einer gefährlichen gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die alle Lebensbereiche erfasst hat, von der Krabbelgruppe bis zur Promotion. weiter lesen