Der Druck kommt von allen Seiten

ARCHIV - Ein junger Mann sitzt am 29.01.2014 in einer Bibliothek der Universität Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu dpa "Umfrage: Gut die Hälfte der Studenten fühlt sich massiv unter Stress" vom 11.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Immer mehr Studenten leiden unter psychischen Problemen. Daran ist aber nicht allein die Bologna-Reform schuld. Der Druck kommt von allen Seiten.

Das Bachelor-Master-System hat die Studienbedingungen verschärft: Anwesenheitspflicht, mehr Leistungsnachweise, weniger Wiederholungsmöglichkeiten. Das trägt dazu bei, dass sich junge Menschen immer seltener in der Lage fühlen, das Studium ohne Hilfe zu bewältigen. Trotzdem ist die Lage an den Hochschulen nur ein Symptom einer gefährlichen gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die alle Lebensbereiche erfasst hat, von der Krabbelgruppe bis zur Promotion. weiter lesen

Frühstudium: Streber oder Studenten aus Leidenschaft?

Erlangen: Tim Bothe ist Schüler, aber studiert gleichzeitig Geschichte an der PhilFak der FAU. 17.05.2016. Foto: Harald Sippel

Der Gedanke behagte mir nicht. Gar nicht. Ich war sogar extrem skeptisch. Ich sollte über Schüler schreiben, die schon zur Uni gehen, noch vor dem Abitur. Doch was sollte ich davon halten? Sicher, wer zuletzt schon fleißig für dreisprachige Krabbelgruppen, Turbo-Abitur und Bologna-Studium getrommelt hat, wird auch jetzt wieder begeistert Beifall klatschen. Wer die Aufgabe des Bildungssystems vor allem darin sieht, möglichst schnell eine möglichst hohe Anzahl uniformer Hochschulabsolventen zur ebenso reibungs- wie kritiklosen Verwertung in der Privatwirtschaft zu produzieren, der mag Gefallen daran finden, wenn das Studium bereits in der Schule beginnt.

Überhaupt, Frühstudenten, was sind das für Leute? Verzogene Einzelkinder leistungsgeiler Helikoptereltern, die sich schon darauf freuen beim abendlichen Golfen unter Gleichgesinnten die fantastischen Neuigkeiten vom Karrierefrühstart ihrer vermeintlich hochbegabten Sprösslinge zu verbreiten?

Nein, alles falsch. Je intensiver ich mich für meinen Artikel mit dem Projekt „Frühstudium“ und seinen Protagonisten auseinandersetzte, desto mehr bröckelten meine Vorurteile. Statt auf elitär denkende Professoren traf ich auf Projektleiter, die besonderen Wert auf soziale Kompetenzen und charakterliche Eignung ihrer Frühstudenten legen. Statt auf verbissene Karrieristen sprach ich mit ebenso klugen wie reflektierten Schülern, die das Frühstudium als Chance sehen, sich fachliche Einblicke in Themengebiete zu verschaffen, die in der Schule nicht oder nur oberflächlich behandelt werden. Astrophysik, Klimatologie, Literaturwissenschaft – die Uni ist eine große Spielwiese, die selbst für ausgefallenste Interessen die passende Veranstaltung bereit hält. Und die besonders begabten Schülern eine passende Möglichkeit eröffnet, die eigene Entwicklung zu fördern ohne, dass dadurch Nachteile für andere, weniger begabte, Schüler entstehen.

Nicht jeder passt eben in das starre Korsett, das Schule und Lehrplan bisweilen vorgeben. Individuelle Förderung kann auch darin bestehen, früher als andere in neue Bildungsabschnitte eintreten zu dürfen. Entscheidender Punkt ist in diesem Zusammenhang die Freiwilligkeit. Wahre Begeisterung entfaltet sich nicht selten erst ohne Leistungs- und Notendruck. Die Frühstudenten zeigen das.

Dominik Mayer

Orchideenfächer – nur nutzlose Zierpflanzen?

Freizeit und Touristik Messe 2009 in Nürnberg. Im Bild: Themenpark JAPAN. HIER: Orchidee Foto: Uwe Niklas 01.03.09

Orchideen sind wunderschöne Pflanzen. Allerdings brauchen sie viel Pflege und haben dafür absolut keinen Nutzen. Sie sind eben reine Luxuszierpflanzen. Diese Eigenschaften auf sogenannte Orchideenfächer zu übertragen, bedeutet: Sie bringen nichts aber machen viel Arbeit. Universitäten verstehen unter Orchideen Studienfächer, die ungewöhnlich und daher selten sind und nur von wenigen Studenten belegt werden.

Mein Studienfach, Orientalistik, gehört auch dazu. Egal, wo ich auftauche, die Leute können sich meistens nicht, vorstellen, was ich mache. Und wenn ich dann erkläre, dass ich Arabisch lerne und Vorlesungen zu den Kulturen und Religionen des Orients besuche, kommt schon der nächste unverständliche Blick: „Ja, und was machst du dann damit später mal?“

Die meisten Leute wollen in diesen Momenten wohl einfach nur Konversation betreiben oder ihnen ist wirklich nicht klar, dass diese kleinen Fächer oft eine extrem wichtige Rolle haben. Zum Beispiel waren nach dem 11. September Islamwissenschaftler und Orientalisten so gefragt wie noch nie. Und die Hand voll Europäer, die Arabisch sprechen kann, schwimmt in Zeiten der Flüchtlingsflut nur so in Jobangeboten. Da kann ich dann zu Fragen wie, „Und warum machst du nicht einfach Spanisch oder Französisch?“, auch nur noch die Augen rollen.

Das liegt doch auf der Hand, dass ich mit diesen Sprachen, die so ziemlich jeder in der Schule gelernt hat, nicht besonders weit kommen werde. Klar, im Lebenslauf machen sie sich bestimmt nicht schlecht, aber wer mit Chinesisch, Hebräisch oder Arabisch punktet, macht sich doch gleich zehn Mal interessanter.

Also, wenn ihr das nächste Mal bei einer Party jemanden trefft, der kein 08/15-Fach studiert, bei dem die Berufsrichtung automatisch vorgegeben ist, dann antwortet doch einfach: „Wow, das klingt ja echt interessant!“ Denn dieser Person stehen wahrscheinlich viele Türen offen, dadurch, dass sie etwas Ungewöhnliches macht und in ihrem Fach ein Experte ist.

Sabrina Ahmed

Forschung und Lehre für 8,50 Euro die Stunde

Dies academicus 2013, akademische Jahrfeier der FAUHochschulen sind schon lange keine attraktiven Arbeitgeber für junge Wissenschaftler mehr. Schlecht bezahlte Zeitverträge sind die Regel. Morgen demonstrieren Lehrbeauftragte in Nürnberg für bessere Arbeitsbedingungen.

Sie haben einen Hochschulabschluss, manche sogar einen Doktortitel. Als wissenschaftliche Mitarbeiter forschen sie, arbeiten Professoren zu und halten Vorlesungen. Die Anstellung ist auf ein Jahr befristet, pro Stunde gibt es weniger als den Mindestlohn von 8,50 Euro. Jahr für Jahr wird verlängert.

Der Stundenlohn von 25 Euro wirkt als würde es Lehrbeauftragten besser gehen. Doch ihnen werden nur reine Unterrichtsstunden bezahlt. Keine Vorbereitungzeiten, kein Urlaub, keine Krankheitstage und keine Feiertage. Sozialversicherungsbeiträge müssen Lehrbeauftragte alleine tragen, Kündigungsschutz gibt es nicht. Der Lohn wird erst nach Ende des Semesters ausbezahlt.

Morgen protestieren in ganz Deutschland Dozenten für bessere Arbeitsbedingungen. In Nürnberg demonstrieren die Lehrbeauftragten der Hochschule für Musik  von 10 bis 14 Uhr in der Veilhofstraße 34. Die Musikpädagogen der Universität Erlangen-Nürnberg wollen von 12.30 bis 13.30 Uhr vor der Mensa der früheren EWF in der Regensburger Str. 160 für ihr Anliegen werben.

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Greuther Fürth eröffnet den „Kleeblatt-Campus“

SpVgg Greuther Fürth - SV SandhausenMit der ersten Liga hat es nicht geklappt, doch jetzt ist Greuther Fürth auf einem anderen Gebiet ganz vorne dran: Als erste
Mannschaft der Fußball-Bundesliga eröffnet der Verein einen privaten Hochschulcampus. Die Bewerbungsfrist läuft, die ersten Studenten fangen im September an.

Anpfiff für ein Bildungsprojekt auf fränkischem Rasen: Neben dem Training auf dem Platz gibt es künftig Gehirnjogging am Abend. Die SpVgg Greuther Fürth hat gestern den „Kleeblatt-Campus“gegründet. Ab September können Studenten im Ronhof einen Bachelor of Business Administration absolvieren. Dieses Studium der Wirtschaftswissenschaften, mit den Schwerpunkten Sportbusiness und Fußballmanagement, dauert sechs Semester und kann berufsbegleitend studiert werden – entweder von den Fürther Spielern, Mitarbeitern, anderen Sportlern oder auch sportbegeisterten BWLern. In den drei Jahren gibt es 76 Präsenztage, an denen die Studenten Kurse in der Trolli-Arena besuchen. Sie hören Vorlesungen in den VIP-Räumen des Stadions, im Medienzentrum, in der Geschäftsstelle und sogar in der Spielerkabine.

Eingeschrieben sind die Fußball-Studenten an der privaten Steinbeis-Hochschule in Berlin. Die Kooperation wird durch die Sportbusiness Campus GmbH organisiert, die die ehemalige Profi-Fußballerin Kathrin Lehmann dieses Jahr in München gegründet hat. Ob die Profis von Greuther Fürthbald alle studieren, bleibt abzuwarten. Die Spieler sind zurzeit im Urlaub und auch in der Relegationszeit gab es keine passende Gelegenheit, um sie über die Campuspläne des Vereins zu informieren. Ihrem Präsidenten gefällt die Idee: „Bildung zu Sportlern und in Sportstätten zu bringen, ist ein neuer Ansatz, der sich für die Athleten ebenso lohnt wie für unsere Mitarbeiter und alle Sportbegeisterten“, sagt Helmut Hack. „Es bedarf top-ausgebildeter Teamplayer, um die wirtschaftlichen Herausforderungen im Fußball- und Sportgeschäft heutzutage zu meistern.“

LogoNeben Dozenten aus der Wissenschaft wie Professor Florian Riedmüller von der TH Nürnberg, werden auch Helmut Hack, Geschäftsführer Holger Schwiewagner und andere Verantwortliche des Vereins Seminare halten. Das Studium und auch die angebotenen Weiterbildungen enden mit staatlich anerkannten Abschlüssen. Doch dafür müssen die Studenten wie an allen privaten Hochschulen bezahlen. Wer die Gebühren auf einmal überweist, zahlt 27 900 Euro, monatlich wird es etwas teurer. Eine Dauerkarte ist dafür immer inklusive.

Weitere Infos:  www.greuther-fuerth.de/kleeblatt-campus.html

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Uschi fährt in Erlangen um den Sieg

Mehr als 100 Hochschulteams starten beim „Freescale Cup EMEA“ aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika . Sie bauen ein Elektroauto, das ganz allein eine unbekannte Rennstrecke bewältigen kann – in möglichst kurzer Zeit. Zum ersten Mal findet das Finale in Deutschland statt, am Fraunhofer Institut IIS in Erlangen. Unter den besten 25 Mannschaften, die heute an den Start gehen, ist auch die Technische Hochschule (TH) Nürnberg vertreten.

Ob „Uschi“, das Auto der Informatik-Studenten Stefan Müller, Carsten Ebert, Markus Zoppelt und Marc Rudolf (v.l.) heute der Konkurrenz davon fahren kann, sehen Sie von 14-16 Uhr im Livestream.

Die Siegerehrung läuft von 16 bis 17 Uhr.

Die Filme der Ohmrolle 2014

DustinDie Ohmrolle rollt wieder. Und wer am Donnerstag leider nicht zu den 1000 Besuchern in einem der drei reservierten Kinosäle im Cinecitta gehören kann, der bekommt hier eine kleine Kostprobe der diesjährigen Filmbeiträge. Für alle anderen geht es am 10. April und 19.30 Uhr los. Film ab:

In „Dustin“ kämpft ein hungriger Mops gegen eine gefräßige Maschine.

Bei „Skullywag“ geht es um zwei Piraten auf Schatzsuche, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Film „Trigger“ zeigt, wie die Kunst der Hypnose einem Verkäufer nützt.

Applaus“ bekommt Stefan für seinen perfekten Auftritt als Spiegelbild.

 

 

Infos für Schüler: Was kann ich wo studieren?

Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen und noch nicht wissen, was ihnen denn als Studienfach so taugen könnte, sollten kommende Woche die Chance nutzen und sich direkt vor Ort alle Infos holen: Die Georg-Simon-Ohm-Hochschule, die Fachhochschule, die inzwischen als Technische Hochschule (TH) firmiert, und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) laden zu ihren Studien-Infotagen ein und geben Studieninteressierten die Möglichkeit, Studiengänge, Dozenten, Gebäude, Mensa und alles kennenzulernen, was so zum Studentenleben dazugehört – außer Kneipen vielleicht…

Die Ohm-TH startet am Mittwoch, 25. September, und am Donnerstag jeweils zur schülerfreundlichen Zeit um 9.30 Uhr. (Die Schüler, die es betrifft, bekommen dafür extra ein paar Tage schulfrei, damit sie sich informieren können.) An beiden Tagen werden bis 15 Uhr alle Fakultäten und Studiengänge vorgestellt, die meisten davon sogar an beiden Tagen und/oder mehrmals.

Die Uni fängt sogar schon am Dienstag an und präsentiert sich insgesamt drei Tage lang an mehreren Standorten in Erlangen und Nürnberg. Vom Lehramt über BWL, Geisteswissenschaften und Jura bis zu Ingenieurwesen und Naturwissenschaften ist alles dabei.

Wer mit dem Gedanken spielt, an einem oder mehreren Tagen den Hochschulen einen Besuch abzustatten, sollte sich vorher unbedingt einen genauen Zeitplan zusammenstellen, wann man was wo sehen will. Aufs Geratewohl spontan hinzufahren – davon kann man nur abraten. Das Programm der Ohm-Hochschule findet Ihr hier. Und die Uni hat hier ihren Flyer eingestellt.

fbh

Streber haben das Nachsehen – mit dem Anti-Streber-Stipendium

Alles, nur nicht Lernen. Auf keinen Fall! Eine gute Note könnte das Stipendium gefährden! Nein, nicht bei der Hanns-Seidel-, der Konrad-Adenauer- oder Friedrich-Ebert-Stiftung. Nein, nicht dort: Schließlich sind bei den politischen Stiftungen ehrenamtliches Engagement und gute Noten wichtig, um gefördert zu werden. Die Rede ist vom neuen „Anti-Streber-Stipendium“ der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee.

„Stipendien für Hochbegabte, für Menschen mit herausragenden Leistungen und geradlinigem Lebenslauf gibt es reichlich“, wird ZU-Vizepräsident Tim Göbel von der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. Im vergangenen Semester gab es daher das erste Stipendium für Studienabbrecher. Ein Stipendium, das den Erlanger und Nürnberger Studierenden (noch) vorenthalten bleibt. mk

 

Es gibt nichts, was es nicht für Stipendien gibt

Nach eigenen Angaben ist es Deutschlands umfassendste Datenbank mit über 1200 Stipendien. Hier lohnt es sich für Studenten zu stöbern. Es gibt nichts an Stipendien, so scheint es, was es nicht gibt. Die Online-Plattform „MyStipendium“ ist nun zur Hochschulperle 2012 gewählt worden. Der Sieger ist durch eine Online-Abstimmung gewählt worden. Zur Wahl standen die zwölf Hochschulperlen der Monate Januar bis Dezember 2012. Auf MyStipendium.de entfielen 5846 von insgesamt 15.120 abgegebenen Stimmen.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vergibt die Hochschulperle. Als Preisgeld erhalten die Macher der Website 3000 Euro. Auf den zweiten Platz kam der Mathe-Adventskalender der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (5332 Stimmen). Der dritte Platz ging an das Projekt „Mit Sicherheit verliebt“, bei dem Medizinstudenten Schüler aufklären (2.112 Stimmen).

„MyStipendium trägt zur vollständigeren Erschließung vorhandener Förderpotenziale bei und damit auch zu einem Mehr an chancengerechter Bildung. Zudem ist die Herangehensweise typisch Hochschulperle: aus eigener Erfahrung mit mangelnden Informationsquellen eine nützliche Hilfestellung für andere zu entwickeln und mit viel Engagement zu verbreiten“, findet Ulrike Findeklee vom Stifterverband, die das Projekt Hochschulperle betreut. mk