Hochschulwahl: Viele Fragezeichen und ein paar Kreuzchen

Einmal im Jahr bittet die Uni ihre Studenten an die Wahlurnen – doch nur wenige unter ihnen wissen, um was es bei den Hochschulwahlen wirklich geht. Die Folge: unglaublich niedrige Wahlbeteiligungen, meist nur knapp über zehn Prozent. Eine funktionierende Demokratie sieht anders aus. Sind Studenten wirklich so politikverdrossen? weiter lesen

Der Druck kommt von allen Seiten

ARCHIV - Ein junger Mann sitzt am 29.01.2014 in einer Bibliothek der Universität Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu dpa "Umfrage: Gut die Hälfte der Studenten fühlt sich massiv unter Stress" vom 11.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Immer mehr Studenten leiden unter psychischen Problemen. Daran ist aber nicht allein die Bologna-Reform schuld. Der Druck kommt von allen Seiten.

Das Bachelor-Master-System hat die Studienbedingungen verschärft: Anwesenheitspflicht, mehr Leistungsnachweise, weniger Wiederholungsmöglichkeiten. Das trägt dazu bei, dass sich junge Menschen immer seltener in der Lage fühlen, das Studium ohne Hilfe zu bewältigen. Trotzdem ist die Lage an den Hochschulen nur ein Symptom einer gefährlichen gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die alle Lebensbereiche erfasst hat, von der Krabbelgruppe bis zur Promotion. weiter lesen

Geht zur Hochschulwahl!

WahlDass Bundestags- und Landtagswahlen wichtig sind, sollte man echt keinem Studenten mehr erklären müssen. Bei Kommunalwahlen sieht es da schon anders aus. „Gääähn“ lautet oft die Reaktion auf Fragen nach dem Interesse an der Politik in Städten und Dörfern. Ganz ähnlich sieht es bei den Hochschulwahlen aus : Obwohl die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und Nürnberg mit ihren mehr als 40.000 Studierenden und noch mal rund 6.300 Beschäftigten die Ausmaße so mancher Kleinstadt übersteigt, sind die Hochschulwahlen den meisten Uni-Angehörigen ziemlich egal.

Gerade bei den Studenten war die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren, katastrophal: Nur 10,27 Prozent der Wahlberechtigten gingen im Jahr 2015 an die Urnen. Am besten schnitten da noch die Medizinerinnen und Mediziner ab, die ein stattliches Ergebnis von mehr als 20 Prozent erzielten. Ein peinliches Bild gab jedoch – gerade für mich als Politikwissenschaftlerin – die Philosophische Fakultät ab. Nicht einmal fünf Prozent der dort Studierenden gaben ihre Stimme ab.

HorneggerDoch bevor ich jetzt anfange zu lamentieren, starte ich lieber einen Aufruf: Geht wählen! Alle! Denn gerade in den universitären Gremien habt ihr dadurch die Chance, eure Meinung kundzutun und eure Interessen zu vertreten. Sei es beim Thema Semesterticket oder zur Anwesenheitspflicht in Seminaren – gerade bei solchen vermeintlich „kleinen“ Wahlen sind eure Chancen am größten, etwas zu verändern, was euch direkt betrifft.

Mehr Informationen zur Hochschulwahl am 15. und 16. Juni findet ihr auf der Seite der Uni und der Studierendenvertretung. Wer noch unentschieden ist, was er wählen soll, kann beim Hochschulwahlkompass die eigenen Positionen mit denen der verschiedenen Listen vergleichen.

Kerstin Kesselgruber

Moderner Universitäts-Manager gefragt

HorneggerFrüher waren Uni-Präsidenten vor allem Repräsentanten, dann Verwalter und heute sind sie Manager. Wie gut, dass Joachim Hornegger Erfahrung in der Industrie gesammelt hat. Nach seinem Informatikstudium in Erlangen, der Promotion 1996 und einem Forschungsaufenthalt am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitete Hornegger fünf Jahre als Entwicklungsingenieur in der Medizinsparte von Siemens.

Wie Firmen stehen Hochschulen heute im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe. Sie werben um Studenten, Wissenschaftler, Forschungsgelder. Hornegger hat sich trotz verlockender Angebote aus Deutschland und den Vereinigten Staaten erneut für die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) – und damit für seine Wurzeln – entschieden. Der 47-Jährige stammt aus der Fränkischen Schweiz, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren. Für die möchte er auch weiterhin genügend Zeit haben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ihm wichtig. „Die Hochschule wirbt damit, ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein“, sagt er. „Das darf auch für den Präsidenten gelten.“ Er kann Vorbild sein.

Ein Manager ist ebenso gefragt, wenn es um den Dialog der Fakultäten geht. Zuletzt fühlten sich oft die Geisteswissenschaftler benachteiligt, weil Gelder in technische Studiengänge flossen. Hornegger ist in der Zusammenarbeit geübt. Mit seinem neuen Studiengang Medizintechnik verbindet er bereits zwei der fünf Fakultäten. Auch als Präsident möchte er weiterhin eine Vorlesung halten – „um den Bezug zu den Studenten nicht zu verlieren“. Moderne Manager können gleichzeitig Präsidenten, Familienväter, Lehrer – und gute Zuhörer sein.

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Forschung und Lehre für 8,50 Euro die Stunde

Dies academicus 2013, akademische Jahrfeier der FAUHochschulen sind schon lange keine attraktiven Arbeitgeber für junge Wissenschaftler mehr. Schlecht bezahlte Zeitverträge sind die Regel. Morgen demonstrieren Lehrbeauftragte in Nürnberg für bessere Arbeitsbedingungen.

Sie haben einen Hochschulabschluss, manche sogar einen Doktortitel. Als wissenschaftliche Mitarbeiter forschen sie, arbeiten Professoren zu und halten Vorlesungen. Die Anstellung ist auf ein Jahr befristet, pro Stunde gibt es weniger als den Mindestlohn von 8,50 Euro. Jahr für Jahr wird verlängert.

Der Stundenlohn von 25 Euro wirkt als würde es Lehrbeauftragten besser gehen. Doch ihnen werden nur reine Unterrichtsstunden bezahlt. Keine Vorbereitungzeiten, kein Urlaub, keine Krankheitstage und keine Feiertage. Sozialversicherungsbeiträge müssen Lehrbeauftragte alleine tragen, Kündigungsschutz gibt es nicht. Der Lohn wird erst nach Ende des Semesters ausbezahlt.

Morgen protestieren in ganz Deutschland Dozenten für bessere Arbeitsbedingungen. In Nürnberg demonstrieren die Lehrbeauftragten der Hochschule für Musik  von 10 bis 14 Uhr in der Veilhofstraße 34. Die Musikpädagogen der Universität Erlangen-Nürnberg wollen von 12.30 bis 13.30 Uhr vor der Mensa der früheren EWF in der Regensburger Str. 160 für ihr Anliegen werben.

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Der Student, der Präsident sein will

_MG_8847Studenten lernen, Dinge zu hinterfragen. Auch im Bachelor- und Mastersystem ist das noch so. Götz Greiner fragt sich, warum
in einem Seminargebäude in der Erlanger Kochstraße die Decke einstürzen musste. Er will wissen, warum im Universitätsrat, dem höchsten Gremium der Hochschule, nur 2 der 20 Mitglieder Studenten sind, obwohl es doch um die geht. Und er testet, wie es ist, sich als Student für das Präsidentenamt der Universität zu bewerben.

Greiner ist 27 Jahre alt und studiert im Masterstudiengang Medien, Ethik und Religion. Er kommt aus Langenburg in Baden-Württemberg und hat nach dem Abitur als Zivildienstleistender in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet. 2008 zog Greiner nach Erlangen.

Er habe die Uni seitdem gut kennengelernt, sagt er. Nun wolle er etwas verändern. Es gibt ein Wahlkampfteam, das Greiner unterstützt. Der Student, der Präsident werden will, tritt im Radio auf und von seiner Kandidatur ist auch bundesweit in den Medien zu lesen. Läuft Greiner durch die Uni, wird er inzwischen erkannt, die Leute grüßen ihn. Hoffentlich bringt ihm das keine Nachteile in Prüfungen oder bei der späteren Jobsuche. Alle anderen Bewerber um das Präsidentenamt versuchen, ihre Kandidatur geheimzuhalten, um im Fall einer Niederlage nicht als Verlierer dazustehen.

Aber vielleicht ist Greiners offensives Vorgehen ja auch nur ein medienethisches Studienprojekt, um zu analysieren, wie berichtet wird und wie Uni und Öffentlichkeit reagieren. Im Internet wird seine Kandidatur kontrovers diskutiert. Die Reaktionen reichen von „albern“ bis „endlich“. Zwar hat Greiners Bewerbung keine Aussicht auf Erfolg, aber sie bringt Aufmerksamkeit für alle anderen Fragen, die die Studenten bewegen.

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Feierliche Amtseinführung der neuen Kanzlerin

Amtseinführung FAU-KanzlerinAnderthalb Jahre musste sie auf diesen Tag warten. Wegen der Klage eines unterlegenen Mitbewerbers verschob sich der Dienstantritt der neuen Kanzlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg immer wieder. Seit 40 Tagen ist sie nun im Amt. Heute wurde Sybille Reichert nun auch feierlich in ihrem Amt begrüßt.“Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Universitätspräsident Karl-Dieter Grüske in seiner Rede. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es plötzlich so schnell geht, deswegen haben wir noch etwas Zeit für die Festvorbereitung gebraucht.“

Die Einladungsliste war lang, schließlich bekommt die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) nicht oft ein neues Verwaltungsoberhaupt. Kanzler Thomas A. Schöck war 25 Jahre im Amt,  sein Vorgänger 14 Jahre lang. Außerdem ist Sybille Reichert die erste Frau an der Spitze. Als Festgäste gratulierten unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein, Wolfgang Strietzel, als Ministerialrat im Kultusministerium zuständiger Ansprechpartner der FAU, Erlangens aktueller Oberbürgermeister Florian Janik, sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Justiz, Wirtschaft und der Universität.

„Sie ist die am besten geeignete Person auf dieser Position“, lobte Grüske die neue Kanzerlin. Moderne Universitäts-Verwaltungen müssten heutzutage weniger Behörden als Serviceeinrichtungen für Forschung und Lehre sein. Zur Unterstützung bot Innenminister Herrmann der Kanzlerin gleich seine Handynummer an, „damit wir vieles auf dem kurzen Dienstweg klären können“. In seiner Funktion als Bauminister wird Reichert noch oft mit ihm zu tun haben.

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Wieder kein Präsident für die KU Eichstätt

EichstättZum dritten Mal seit 2008 ist die Wahl eines neuen Präsidenten an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) geplatzt. Der kirchliche Träger erklärte das laufende Verfahren heute in München für beendet und kündigte die Einsetzung eines Interimspräsidenten für zwei Jahre an. Dies werde noch vor der Sommerpause geschehen.

Nach Auskunft des Stiftungsrats hatte der Senat dem Träger im Juni satzungsgemäß einen Wahlvorschlag mit zwei Kandidaten vorgelegt. Am 15. Juni habe jedoch einer seine Bewerbung zurückgezogen. „Damit war eine echte Wahl nicht mehr möglich“, heißt es in der Mitteilung. Zugleich verzichtete die Stiftung auf die Möglichkeit, selbst einen Kandidaten auf die Liste zu setzen. Dies wäre aus Sicht des Trägers nicht geeignet gewesen, „um in der gegenwärtig schwierigen Situation der Katholischen Universität einen von der gesamten Hochschule akzeptierten, von einer breiten Mehrheit getragenen Präsidenten zu finden.

„Die Stiftung möchte deswegen weder willkürlich einen Kandidaten benennen noch auf bereits früher aus dem Verfahren des Senats ausgeschiedene Bewerber zurückgreifen. Ursprünglich hatte der neue KU-Präsident am 4. Juli gewählt werden sollen. Noch Mitte Mai hatte KU-Kanzler Thomas Kleinert im Hochschulausschuss des Landtags die Bewerberlage als gut eingeschätzt und sich zuversichtlich gezeigt, dass dieser Zeitplan gehalten werden könne. Vor einer Woche verlautete dann aus der einzigen katholischen Universität im deutschen Sprachraum, dass die Wahl auf einen unbekannten Termin verschoben werden müsse.

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Die FAU-Spitze trifft sich am Berg

NZ-ErlangenErwischt! Unser Fotograf Harald Sippel entdeckte heute den alten Kanzler und die neue Kanzlerin der Uni Erlangen auf der Bergkirchweih beim Anstoßen! Sybille Reichert übernimmt nächsten Montag das Amt von Vorgänger Thomas A. H. Schöck. Der geht nach 25 Jahren an der Spitze der Univerwaltung mit Verspätung in den Ruhestand.

Die Neubesetzung zog sich wegen eines Gerichtsverfahrens über ein Jahr hin. Der Universitätsrat hatte die neue Kanzlerin schon im Februar 2013 ohne Gegenstimme als Nachfolgerin vorgeschlagen. Dagegen klagte ein unterlegener Kandidat vor dem Verwaltungsgericht in Ansbach. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob das Urteil vor Kurzem auf. Auch ein weitere Beschwerde am Bundesverfassungsgericht scheiterte.

Ob sie sich heute bei einer Maß Bier Tipps fürs neue Amt holte?
Morgen interviewe ich sie für unsere nächste Hochschulseite, dann frag ich nach!

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Zweifaches Sockelmodell beim Semesterticket?

Bei der gestrigen Versammlung des Zweckverbandes Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ging es neben S-Bahn-Ausbau und Streckenelektrifizierungen auch um „ein weniger imageträchtiges Thema“, wie Jürgen Haasler es ausdrückte. Der beim VGN für Marketing zuständige Geschäftsführer stellte den Mitgliedern des Zweckverbandes, Landräte und Oberbürgermeister der Kreise und Städte, die den VGN tragen, den aktuellen Stand in Sachen Semesterticket vor.

Bei den Planungen richten sich die VGN-Strategen ein bisschen nach den Münchner Kollegen. Dort gibt es seit vergangenem Wintersemester ein recht erfolgreiches Sockelmodell: 59 Euro Zwangsbeitrag fürs Fahren am Abend und Wochenende sowie ein freiwilliges Upgrade (141 Euro) für den Rest der Zeit, also vor allem tagsüber an Werktagen. Beim VGN denkt man neben der Münchner Variante auch darüber nach, ob es eine Wahlmöglichkeit bei der zweiten Stufe geben soll. So könnten Studenten dann wählen, ob sie für die noch unbekannte Summe x die Werktagserweiterung für das ganze Verbundgebiet dazukaufen oder für weniger Geld unter der Woche nur in der Städteachse Nürnberg-Fürth-Erlangen unterwegs sein wollen. Das würde mehrere Wahlmöglichkeiten bedeuten und die ganze Sache – trotz Zwang beim Sockel – etwas demokratischer machen. Studenten könnten dann Geld sparen, wenn sie unter der Woche nur in den Städten unterwegs sind und sich die Fahrten ins Umland fürs Wochenende aufheben.

Derzeit erheben übrigens Verkehrsplaner des Unternehmens WVI Fahrgastzahlen für den VGN. Diese sollen ab April 2014 vorliegen, anschließend geht die große Rechnerei los: Wie viel muss ein Semesterticket kosten, damit einerseits möglichst viele Studenten über den Sockel hinaus mitmachen, aber andererseits sich das Modell auch für die Verkehrsunternehmen lohnt? Wir harren sehnsüchtigst einer Antwort auf diese Frage…

fbh