Lasst mich mit euren Urlaubsfotos in Ruhe

MOTIV: Bachelor - Studenten stehen unter enormen psychischem Druck aufgrund der hohen Arbeitsbelastung. FOTO: Franziska Bauer, gesp. 2010 Hier: Feature-Bild: Wie ein Hamster im Laufrad - psychischer Druck bei Bachelorstudenten steigt

Bisher bedeutete Hausarbeit für mich Staubsaugen und Fenster putzen. Zumindest bis ich in diesen Semesterferien meine erste Hausarbeit schreiben durfte. Dass es noch schlimmer werden kann als Fenster putzen, hätte ich nicht gedacht – wurde aber eines besseren belehrt.

„Naja gut, das wird schon“, dachte ich als ich die Vorgaben Anfang August ausdruckte. Schließlich hatte ich meine Seminararbeit in der Schule ja auch aus mehreren Zeitungsartikeln, ein paar hübschen Bildern und den Informationen diverser Internetseiten zusammengesetzt. Für das Ergebnis von 13 Punkten hielt sich der Aufwand damals sehr in Grenzen.

Das ist jetzt anders. Hübsche Bilder sind nicht mehr drin. Wäre bei einer Hausarbeit in Jura auch ein bisschen schwierig. Zur passenden Illustrierung bräuchte ich da zum Beispiel einen eifersüchtigen Mörder, einen unseriösen Teppichhändler oder einen Studenten, der in jeder Klausur die volle Punktzahl erreicht. Alles nichts, was sich so spontan in meiner Fotosammlung finden lässt. Am schwierigsten zu finden ist da wohl der Streber.

Im Internet ist auch eher Halbwissen unterwegs. Das Juristischste, was ich dort gefunden habe, waren Facebooknutzer, die in einem Post irgendwelchen Nutzungsbedingungen widersprochen haben. Da wäre mein Studium dann sofort beendet. Und aus Zeitungsartikeln lässt sich zu meinem Thema wirklich nichts zusammensuchen – aber selbst schuld, ich hätte eben nichts studieren dürfen, was zunächst keinen normalen Menschen interessiert.

Das darf ich jetzt alles abarbeiten. Bei 30 Grad in der Uni Bibliothek, während meine Freunde an ihrem perfekt gebräunten Sommerkörper arbeiten. Auch bei 30 Grad. Bloß am Strand, mit rauschendem Meer und einem Caipirinha in der Hand.

Nein, ich bin auf niemanden neidisch. Nicht auf die Karibikurlauber. Auch nicht auf die Kreuzfahrer, die in drei Wochen jede Küstenstadt zwischen Venedig und Barcelona gesehen haben. Ich gönne auch jedem seinen Spaß im Freibad. Ist ja schließlich schönes Wetter. Da muss der Spätsommer doch genutzt werden. Aber eine Bitte habe ich dann doch noch: Lasst mich mit euren Fotos in Ruhe. Postet sie nicht auf Instagram, dreht keine Facebook Live Videos und schickt mir keine Snaps vom Flughafen. Sonst muss ich das auch noch anschauen, statt weiterzuschreiben.

Außer ihr habt da zufällig einen eifersüchtigen Mörder drauf. Dann kann ich sie gebrauchen.

Björn-Hendrik Otte

 

Mein Sommer hinter Fensterglas

ARCHIV - Studenten arbeiten am 12.08.2013 in der Bibliothek der Universität Darmstadt (Hessen). Seit gut einem Jahr können Nutzer der Universitäts- und Landesbibliothek rund um die Uhr lernen und Bücher entleihen. Ob dieser Service weitergeht, wird in den kommenden Wochen entschieden. Foto: Andre Hirtz/dpa (zu dpa lhe: «Nachtschicht zwischen tausend Büchern» vom 09.02.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

An sonnigen Tagen wie heute denken arbeitende Menschen gern: „Student müsste man sein, dann könnte ich jetzt im Freibad liegen statt im Büro zu sitzen!“ Klingt gut. Aber ist an dieser Behauptung wirklich etwas dran? Haben wir Studenten im Sommer wirklich mehr (Frei-)Zeit als Arbeitnehmer? Zeit dieses Klischee etwas zu relativieren.

Zurzeit schreibe ich an meiner Bachelorarbeit. Ich führe Experteninterviews, arbeite Berge von Literatur durch, suche geeignete Zitate und werte sie anschließend für meine Arbeit aus. Viel zu tun. Aber es stimmt, ich kann mir meine Zeit dafür selbst einteilen. Gehe ich heute in die Bibliothek oder nicht? Gönne ich mir morgens eine Stunde länger im Bett oder einen Nachmittag im Schwimmbad?  An sonnigen Tagen kann ich mir eine Auszeit nehmen. Ganz ohne Urlaubsantrag, aber meistens auch nicht ohne schlechtes Gewissen. Außerdem hat niemand Zeit mitzugehen. Undwer will schon alleine ins Freibad?

Gut die Hälfte meines Freundeskreises steht mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Vor fünf Uhr Nachmittags kommt da niemand aus dem Büro. Die andere Hälfte studiert – aber trotzdem hat keiner Zeit. Denn außgerechnet im Sommer befinden wir uns in der von Studenten so sehr gehassten Prüfungszeit. Je nach Klausurterminen fallen da auch mal mehrere Prüfungen in eine Woche. Die Folge ist: ein Lernmarathon. Um sieben Uhr aufstehen, fertig machen, in die Bibliothek fahren, Platz ergattern, loslegen. Stress pur, konzentriert auf ein paar, viel zu kurze, Wochen. Da hilft oft nur, Wissen reinfressen und wieder Ausspucken.

Klar, ist das zum Teil auch hausgemachter Stress. Denn seien wir mal ehrlich, ein Großteil der Studenten ist während des Semesters stink faul. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Das Hausarbeitsthema steht ja oft schon zu Beginn der Vorlesungszeit fest. Am Ende ist der gemeine Student damit aber trotzdem selten früher als 24 Stunden vor der Abgabefrist fertig. Eigentlich ziemlich dumm. Das heißt wir sitzen bei strahlendem Sonnenschein ebenfalls am Schreibtisch, weil wir es bei Regen nicht rechtzeitig und lange genug geschafft haben, sitzen zu bleiben.

Somit ist das Klagen der arbeitenden Bevölkerung zum Teil gerechtfertigt. Ja, Studenten haben im Prinzip mehr Zeit, beziehungsweise können freier darüber verfügen. Sie müssen aber erst lernen, sie sinnvoll oder weniger sinnvoll einzuteilen. Das gehört zum Erwachsenwerden während des Studiums dazu. Deshalb, liebe Ex-Studenten, Gesellen, Facharbeiter oder sonstige Büromenschen, vergesst bitte bei eurer Anklage nicht, dass ihr irgendwann Feierabend habt, wir aber trotzdem weiter lernen müssen.  Zum Ende des Semesters heißt es Rechenschaft ablegen. So viel wir vielleicht auch vorher relaxed haben, soviel dürfen wir in der Prüfungsphase schwitzen. Stress haben wir alle, ihr und wir, es verteilt sich nur anders.

Jetzt sitze ich in einer Bibliothek voll mit Studenten und muss an meiner Bachelorarbeit weiter schreiben. Im Freibad muss irgendwer anders sein.

Andreas Huber

Parkscheiben in der Unibib

Parkscheibe

Damit die Pause wirklich kurz bleibt. Foto: FAU

In der Prüfungszeit wird es eng in den Uni-Bibliotheken in Nürnberg und Erlangen. Viele Lernwillige finden dann keinen Sitzplatz mehr. Besonders ärgerlich ist das, wenn Taschen und Jacken die Plätze besetzen, von deren Besitzern weit und breit aber nichts zu sehen ist.

Gegen unfaire Reservierungen gehen die Bibliotheksmitarbeiter jetzt vor. Sie haben Parkscheiben an den Arbeitsplätzen angebracht. In der Hauptbibliothek in Erlangen und in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Zweigbibliothek in Nürnberg gibt es die extra gestalteten orangefarbenen Drehscheiben, auf denen „kurze Pause“ steht.

Wenn ein Besucher von seinem Platz aufsteht, stellt er die aktuelle Uhrzeit ein – egal, ob er zur Büchersuche geht oder zum Mittagessen in die Mensa. Ist er nach einer Stunde noch nicht zurück, darf ein anderer Anwärter den reservierten Platz räumen und Stifte, Ordner und Laptop zur Seite schieben. „Bitte unterstützen Sie diese Maßnahme, die Ihnen die Suche nach einem freien Arbeitsplatz erleichtern soll“, schreiben die UB-Mitarbeiter. Erste Reaktionen gibt es unter der Ankündigung im Internet: Nutzer Michael schreibt: „Das finde ich ist eine sehr gute Idee! Ich musste dieses Jahr wiederholt Arbeiten im Stehen verrichten!“ Aber Sibel hat Bedenken: „Ich finde es super, dass man dieses Problem ernst nimmt, nur leider denke ich, dass sich viele nicht daran halten werden.“

Manche sorgen sich um ihre Unterlagen. „E.T.“ schreibt: „Wildfremde Leute sollen einfach so jemandes Unterlagen durcheinanderbringen dürfen? Nicht unbedingt die beste Lösung.“ Doch wer geht, kann seine Sachen ja auch mitnehmen. Andere plädieren sogar dafür, die Wartezeit noch strenger zu regeln und die Tische schon nach 30 Minuten zum Abräumen frei zu geben. Ein Bußgeld bei Überschreitung der Park- beziehungsweise Pausenzeiten wird es nicht geben.

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Gift lagert auf den Büchern

Bibliothek

Nur in Teil-Bibliotheken, wie hier im vierten Stock in Turm B der Philosophischen Fakultät, und in einigen Seminarräumen lag der PCB-Wert über der „Vorsorgegrenze“. Foto: Harald Sippel

Seit 1989 sind Baustoffe, die PCB enthalten, in Deutschland verboten. Die drei Hochhäuser der Philosophischen Fakultät in der Bismarckstraße in Erlangen stehen allerdings schon seit Anfang der 70er Jahre – als weltweit die größte Menge der chlorhaltigen Öle produziert wurde.

PCB galten lange als idealer Baustoff. Sie isolieren gut, sind wärmeleitfähig und verbrennen erst bei 1000 Grad Celsius. Darum kamen polychlorierte Biphenyle als Dichtungsmaterial zum Einsatz, als Fugenmasse um Fenster, sowie in feuerfesten Farben. Bis Wissenschaftler entdeckten, dass die chlorhaltigen Öle Krebs auslösen können.
„PCB sind nicht akut toxisch, sondern chronisch, wenn man sie über einen langen Zeitraum immer wieder aufnimmt und im Körper anreichert“, sagt Hannes Strebl, Betriebsarzt an der Universität Erlangen-Nürnberg. „Darum muss man die lebenslange Belastung möglichst gering halten.“

„Häufiger lüften“

Bei einer Routineüberprüfung im Sommer waren in den Bibliotheken der Philosophischen Fakultät in Erlangen Werte über 3000 Nanogramm (ng) pro Kubikmeter Luft gemessen worden. Eine Grenze, die als „Interventionswert“ gilt – die Uni musste handeln und gab ein Gutachten in Auftrag, das jetzt vorliegt. „Erhöhte Werte im Sommer sind normal“, sagt Strebl. Ab 9000 ng/m3 hätte niemand mehr das Gebäude betreten dürfen. Bei weiteren Messungen im Winter lagen die Werte nun unterhalb der „Vorsorgegrenze“ von 300 Nanogramm pro Kubikmeter, in den Bibliotheken über 300, aber unter 3000. Die offizielle Empfehlung: „Häufiger lüften“.
„In dem alten Staub, der sich über die Jahre auf den Büchern sammelt, haben wir PCB gefunden“, sagt Uni-Sprecher Heiner Stix. „Nicht jedes Buch wird schließlich jeden Tag ausgeliehen und die Reinigungskräfte dürfen nicht höher als 1,60 Meter putzen.“ Das würde zusätzlich kosten, denn die Regale sind 3,50 Meter hoch und dafür bräuchte das Personal Leitern. In den Semesterferien ist nun eine Bücherputzaktion geplant.

6000 betroffene Mitarbeiter und Studenten

Rund 6000 Mitarbeiter und Studierende gehen in den Philosophen-Türmen ein und aus. „Selbst für Menschen, die jahrelang dort gearbeitet haben, besteht absolut keine Gefahr“, sagt Arbeitsmediziner Strebl. Auch Studenten, die die Bibliothek zur Prüfungszeit intensiv nutzen, müssten sich keine Sorgen machen. „Die Grenzwerte sind so streng ausgelegt, dass sie ihr ganzes Leben dort verbringen könnten“, sagt Strebl. Trotzdem: „Die Belastung der Luft ist leider nicht die einzige Art, wie wir PCB aufnehmen, auch belastete Lebensmittel sind ein Problem.“
Als noch wenig über die giftige Wirkung der Biphenyle bekannt war, gelangten Abfälle sorglos in die Umwelt, ins Meer und in die Nahrungskette. „Eine Zeit lang war vor allem Lachs aus der Ostsee stark belastet“, sagt Strebl.
Besorgte Mitarbeiter konnten sich beim Betriebsarzt untersuchen lassen. 14 nahmen das Angebot an. „Bei fast allen lag der Test unter der Nachweisgrenze, bei manchen darüber, aber weit unter schädlichen Grenzwerten.“
Am Mittwoch, 29. Januar, stellen Strebl und der Dekan der Philosophischen Fakultät, Rainer Trinczek, das Gutachten den Studenten und Mitarbeitern vor.

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Teuer zur Uni mit Bussen und Bahnen

Mit dem Auto zur Uni? Das bedeutet nicht nur ewiges Suchen nach einem Parkplatz, es ist auch noch sehr teuer. Dass viele Studenten deshalb auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, ist nur allzu verständlich. Nur viel günstiger kommen sie damit auch nicht weg. Es gibt wieder kein verbilligtes Ticket für das ganze Semester.
236,20 Euro bezahlen Studenten, damit sie im Wintersemester vier Monate lang in Nürnberg, Fürth, Stein und Erlangen zu ihren Vorlesungen fahren können. Die VAG bietet dafür ermäßigte Wertmarken an. Während der vorlesungsfreien Zeit sieht die Sache aber schon anders aus. Wer in die Bibliothek muss, um für seine Hausarbeiten zu recherchieren oder für Prüfungen zu pauken, der kann im Großraum nicht auf ein günstiges Studententicket zurückgreifen. In den Semesterferien im Sommer können Studenten noch mit einem Ferienticket für 25,30 Euro verbundweit fahren. Ein Ticket für die Winterferien gibt es hingegen nicht.

Noch nicht einmal das Fahrrad darf mit

„Die Semesterwertmarken helfen mir auch nicht weiter“, sagt Daniel M. Richter, der in Erlangen im siebten Semester Jura studiert. Der 25-Jährige wohnt in Neustadt an der Aisch, selbst die teuersten Semestermarken gelten jedoch nur für Nürnberg, Fürth, Erlangen und Stein. Deshalb muss er auf die Mobicard ausweichen. „168 Euro kostet meine Karte jeden Monat. In der vorlesungsfreien Zeit steige ich dann auf die günstigere Variante um“. Dann kommt ihn sein Ticket nur auf 81 Euro monatlich, gilt aber erst ab 9 Uhr morgens. „Wenn ich dann früher in Erlangen sein möchte, muss ich eben zusätzlich ein Einzelticket ziehen, das kostet noch mal 8,50 Euro pro Fahrt“. Um den Weg in die Uni kommt er in seinen Ferien nicht herum. Die meisten Klausuren finden zwar am Ende der Vorlesungszeit statt, danach stehen aber meist Hausarbeiten an. Auf das Auto umsteigen will er trotzdem nicht, obwohl die Ticketpreise ein großes Loch in seinen Geldbeutel reißen. Einmal wollte der 25-Jährige, der nebenbei als Personalberater jobbt, die Fahrtkosten von der Steuer absetzen. Aber nicht einmal das war möglich, das Finanzamt machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

„Die Fahrpreise sind für Studenten viel zu teuer“, ärgert sich auch Miriam S. „Und dann darf ich noch nicht einmal mein Fahrrad kostenlos mitnehmen“, sagt sie. Dabei muss die 25-jährige Nürnbergerin, die in Erlangen studiert, oft schnell von einem Seminar zum nächsten, manchmal bleiben ihr nur wenige Minuten zwischen den Veranstaltungen. Sie beneidet Studenten in anderen Regionen Deutschlands, die oft sehr viel günstiger unterwegs sind. So kostet das Studententicket in Nordrhein-Westfalen für ein halbes Jahr nur 125 Euro. Das ist im Vergleich zu den Semestermarken im Großraum Nürnberg so günstig, weil alle Studenten beim Studentenwerk dafür bezahlen, egal, ob sie das Angebot nutzen oder nicht. Da es in der Metropolregion kein solches Solidarmodell gibt, ist es eben teurer.

Die VAG hat bereits Berechnungen angestellt, wie ein solches Modell bei ihr aussehen könnte. Monatlich müssten Studenten demnach 22 Euro zusätzlich ans Studentenwerk bezahlen. Aus Angst vor Klagen liegen die Pläne vorerst aber auf Eis. Das bayerische Wirtschaftsministerium hatte schon 2003 die Ansicht vertreten, dass die Höhe des Beitrages unverhältnismäßig hoch und ein Semesterticket daher nicht genehmigungsfähig sei. Deshalb hat auch das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg Bedenken geäußert. Würden Studenten, die ein solches Ticket nicht nutzen, klagen, so müsste das Studentenwerk die eingezogenen Beiträge wieder zurückzahlen. Wegen der erbrachten Leistung würden VGN und Verkehrsunternehmen den bezogenen Betrag jedoch einbehalten. Eine finanzielle Katastrophe für das Studentenwerk.

Julia Vogl

Selbstversuch mit der FAUcard

Früher herrschte Chaos im Geldbeutel: gleich vier Karten brauchten die Studenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), um den Unialltag zu bewältigen. Jetzt soll mit einer einzigen Karte alles möglich sein. Unsere Reporterin Franziska Baur hat den neuen Alles-Könner ausprobiert.

Ausgerüstet mit dem neuen Studentenausweis der FAU, der FAUcard, mache ich mich heute auf den Weg, um die multifunktionalen Fähigkeiten der Chipkarte auszutesten.

Die Hochschule hat angekündigt, dass die ab dem Wintersemester 2011/2012 eingeführte Karte, das Studentenleben erleichtern soll. Mal sehen wie es in der Praxis aussieht.

Als erstes marschiere ich in das zentrale Gebäude der Uni-Bibliothek in Erlangen. Problemlos entdecke ich einen grauen Automaten, der mir verdächtig nach einem neuen Karten-Aufwertungsautomaten aussieht. Daneben steht ein weiteres, mir unbekanntes, Gerät. Umkodierungsstation steht auf dem Display. Ich stecke meine neue Karte in den Aufladeautomaten – mal sehen was passiert. Nach einem pixeligen „Herzlich Willkommen“, fordert der Automat mich direkt auf ihm Geld zu gehen. Ich schiebe fünf Euro in den rot blinkenden Schlitz – mein Guthaben ist aufgeladen. Soweit läuft alles wie gehabt.

Studentenwerk hilft bei der Umstellung

Mittlerweile hat sich neben mir ein älterer Mann eingefunden, der mir interessiert über die Schulter schaut und die Umkodierungsstation inspiziert. „Haben Sie ihre Karte schon umkodiert?“, fragt er mich. Ich verneine, ich weiß ja noch nicht einmal was das bedeutet, denke ich mir. Er erzählt stolz, er habe seine Mensakarte bereits „migriert“. Meine Verwirrung wächst. Was bitte ist migrieren? Mit vielen Fragen im Kopf, gehe ich in den ersten Stock. Wenn ich meine Post richtig gelesen haben, muss ich nicht nur die neue Karte aufladen, sondern auch meine alte Kopier-, die Mensa- und die Bibliothekskarte abgeben.

Die Frau am Informationsschalter erkennt sofort was ich will, als sie mich in meinem Geldbeutel kramen sieht. Freundlich nimmt sie meinen Bibliotheksausweis entgegen und bittet mich darum, meine Identifikationsnummer hinten auf der neuen FAUcard mit der auf meinem Bibliotheksausweis zu vergleichen. Alles korrekt. Nach diesem letzten Dienst wird der alte Ausweis mit der Schere zerschnitten und entsorgt. Das wäre erledigt. Da es langsam Mittagszeit ist und mein Magen rumort, mache ich mich auf in Richtung Mensa.

Gleich im Eingangsbereich kleben viele gelbe Plakate, die mir erklären, wie die FAUcard funktioniert und wer seine alte Karte behalten darf. Zusätzlich stehen Helfer des Studentenwerks neben den Aufladestationen. Sie erklären jedem Einzelnen, der sich nicht gleich zurechtfindet, wie die Umstellung funktioniert und was zu tun ist. Auch auf Fehlermeldungen an den Geräten sind die Helfer vorbereitet.

Ich gehe weiter ans Buffet. An der Kasse erkundige ich mich, mit welcher Karte ich nun zahle sollte. Die blonde Kassiererin mit dem roten Hütchen erklärt mir freundlich, dass ich prinzipiell noch mit beiden Karten zahlen könne – mit der alten, gelben oder mit der neuen FAUcard. Nur migrieren müsste ich meine alte Mensakarte, erklärt sie mir, um sie weiterhin benutzen zu können. Sie weist auf einen Automaten hinter mir am Treppenaufgang. Aha, jetzt weiß ich, wofür das Gerät ist, das ich bereits in der Bibliothek gesehen habe. „Migrieren“ bedeutet soviel wie umkodieren. Weshalb es dafür zwei Ausdrücke gibt – keine Ahnung. Damit wird die alte Karte dem neuen System angepasst. Um zu bezahlen, lege ich meine neue FAUcard auf das Magnetfeld an der Kasse. Prima, sie funktioniert. Bei einem Mann hinter mir in der Schlange scheint es jedoch Schwierigkeiten zu geben, er hat das Migrieren vergessen. Davon lässt sich die Kassiererin jedoch nicht aus der Ruhe bringen, kurzerhand geht sie selbst zum Automaten und erledigt das. Bei den meisten, scheint das Umkodieren, Migrieren oder Aufladen jedoch gut geklappt zu haben. Nur wenige bleiben an der Kasse mit ihrer Mensakarte hängen. Um meinen Geldbeutel von der überflüssigen Kartenflut zu befreien, gebe ich nach dem Essen meine gelbe Mensakarte zurück. Das restliche Guthaben und das Kartenpfand kann ich mir direkt auf die neue Karte laden lassen.

Von vier Karten habe ich nun noch eine übrig, die ich zurückgeben muss – meine Kopierkarte. Wenn ich das geschafft habe, ist bei mir die Umstellung auf die FAUcard abgeschlossen. Durch die Plakate und das Zusatzpersonal des Studentenwerks habe ich mich gut zurechtgefunden. Die Karte hält, was ihre Entwickler versprochen haben. Sie vereinfacht meinen studentischen Alltag. Egal ob am Kopierer, in der Mensa oder der Bibliothek. In Zukunft genügt es, nach einer Karte im Gelbeutel zu kramen.

Uni trumpft mit neuer Karte auf

Wenn einem beim abendli­chen Kneipenbesuch der Gesprächsstoff ausgeht, beschäf­tigt man sich oft mit Dingen, die da so auf dem Tisch liegen: Man spielt mit dem Bierdeckel, bewun­dert das neue Handy des Zech­kumpans oder kramt im Geldbeu­tel – im eigenen wie im fremden.
Für Studenten der Uni Erlan­gen ist das oft eine peinliche Si­tuation, wenn das Gegenüber ei­nen knittrigen, unsauber ausge­schnittenen Papierfetzen aus dem Portmonee zieht und fragt: „Was ist das denn?“ Das ist der Mo­ment, in dem du als FAU-Studi versuchen musst, gegen die Scha­mesröte anzukämpfen, die dir ins Gesicht schießt – vergeblich, wie unten in der „Ringvorlesung“ er­klärt wird. Stammelnd muss man zugeben: „Das ist unser Studen­tenausweis.“


Fünf Funktionen auf einem Plastikstück

Doch damit soll bald Schluss sein, denn die Uni will – nachdem solche Planungen bereits seit Jah­ren im Schwange sind – nun auch das einführen, was anderswo längst Usus ist: Studentenaus­weis, Mensakarte, Bibliotheksaus­weis, Kopierkarte und Zugangsbe­rechtigung für die Schließanlage – all das wird künftig auf einem einzigen Stück Plastik vereint.
Bereits im Wintersemester, wenn die FAU dank doppeltem Abiturjahrgang vermutlich über 30000 Eingeschriebene zählt, sol­len die Karten – Arbeitstitel „Ei­ne Karte für alles“ – ausgegeben werden. Den Auftrag mit einem beachtlichen Investitionsvolu­men von einer Million Euro hat die Uni an eine niederländische Firma vergeben, die vor einem Jahr ein ähnliches System in Hei­delberg eingeführt hat.
Vor allem für das Studenten­werk mit seinen „Verpflegungsbe­trieben“ – wie man dort die acht Mensen, elf Cafeterien und vier Espresso-Bars nennt – wird die „Eine-für-alles-Karte“ eine wich­tige Neuerung werden. In Erlan­gen und Nürnberg müssen alleine 150 Kassen, Aufwerter und Auto­maten umgerüstet werden – vor­erst nur in den beiden genannten Städten. Eichstätt, Ingolstadt und Ansbach, die ebenfalls an das „Erlanger“ Studentenwerk ange­schlossen sind, sollen „in den nächsten Jahren“ ebenfalls einge­bunden werden. Studenten anderer Hochschu­len, etwa die Nürnberger Ohm-Studenten, können übrigens mit ihren bisherigen Karten weiter­hin ihr Mensa-Essen bezahlen. Apropos Ohm: Dort gibt es einen multifunktionalen Studentenaus­weis bereits seit einem Jahr.

Florian Heider

Ohne Plan in der Bibliothek

Neue Kulturtechniken fordern Bibliotheksnutzer und Bibliotheken gleichermaßen heraus. »Selbst Studenten haben mit der Recherche in Bibliotheken große Probleme, weil die Datenbanken nicht nach dem ,Google-Prinzip‘ funktionieren«, sagt der Direktor des Zentrums für Medien und Interaktivität an der Universität Gießen, Henning Lobin.

Viele an die Internet-Volltextsuche gewöhnte Jüngere wüssten nicht, mit den komplexer aufgebauten Bibliotheks-Systemen umzugehen. »Das scheint den Erfahrungshorizont von jungen Leuten zu übersteigen.« Lobin sieht darin die Gefahr, dass »Wissensschätze verloren gehen, weil sie nicht genutzt werden können«. Schon in der Schule müssten andere Recherche-Methoden mehr geübt werden.

Auf der anderen Seite entwickelten auch die Bibliotheken ihre Datenbank-Suche weiter. »Die Bibliotheken müssen sich auf die ,Google-Generation‘ einstellen«, sagt Lobin. Es gebe heute neue Formen des Lesens: kürzer, dafür häufiger am Tag. Und: »Junge Leute lesen nicht weniger, sondern sogar mehr.« Entsprechend würden Bücher heutzutage mit Info-Kästen, Zusammenfassungen, isolierten Absätzen und kurzen Kapiteln aufbereitet. Das lasse sich gut »in kleinen Häppchen« bewältigen, sagte Lobin.

Deshalb sieht er in der modernen Welt des Internets, der iPads und der elektronischen Bücher (»E-Books«) auch nicht das Aus für die Bücherarchive. »Ganz im Gegenteil dienen sie als Kulturbewahrer«, sagt Lobin. Gerade historische Dokumente könnten oft gar nicht digitalisiert werden.

Eine wichtige Rolle spiele zudem die Qualitätssicherung: »Bei Google weiß man ja nie mit Sicherheit, ob die Angaben stimmen.« Aber auch Stadtbibliotheken haben nach Einschätzung des Experten gute Überlebenschancen. Bücher beispielsweise aus dem Internet zu laden, sei im Vergleich zur Ausleihe in der Bibliothek teurer. Wohin die neuen Trends langfristig führen werden, sei aber heute noch schwer abzuschätzen.

An der Bibliothek der Uni Erlangen-Nürnberg hat der stellvertretende Direktor Karl Schletz auch die Erfahrung gemacht, dass Studenten oft unbeholfen an die Literatursuche herangehen. »Wir versuchen deswegen, diese Probleme mit intensiven Schulungen zu lösen«, sagt er im NZ-Gespräch. »Leider werden diese Angebote noch nicht flächendeckend angenommen.« Abhilfe könnten Reformen der Studienordnungen schaffen. Dann werden Studenten möglicherweise verpflichtet, einen Schein im Bereich »Informationskompetenz« zu machen.

fh/dpa

Ich kleb’ dir eine!

Sitzt ein Zebra in der Uni-Bi­bliothek und genießt den Son­nenuntergang. Am Tisch nebenan heult ein roter Mustang mit schwarzem Faltdach und polier­ten Felgen laut auf – die wild­romantische Berglandschaft des Impressionisten Cezanne zwei Arbeitsplätze weiter vorne scheint nicht seinem Kunstver­ständnis zu entsprechen.

In der Brutstätte der Abschluss­arbeiten und Examensvorberei­tung zählen innere Werte seit neu­estem kaum mehr. Wer etwas auf sich hält, bekennt Farbe. Und zwar nicht mit bedrucktem T-Shirt oder bunter Umhängeta­sche. Das Objekt der Selbstdar­stellung bildet eben jenes Spiel­zeug, das es längst vom elitären BWLer-Accessoire zum besten Freund beinahe jedes Studenten geschafft hat: der Laptop.

Damit die Individualität im grau-silber-schwarzen Einheits­glanz nicht zu kurz kommt, kle­ben kreative Notebook-Halter auch an der Universität Nürn­berg- Erlangen vermehrt darauf los und verschönern die langweili­gen Deckelfronten ihrer Begleiter mit bedruckten Folien. Ob in der Unibibliothek, im Lerntempel der Mathematiker oder in der Philoso­phenschule – immer häufiger hal­ten einen die bunten Hingucker vom Lernen ab.

Filmstar-Portrait oder Herzchen-Explosion

Im Internet findet sich mittler­weile eine große Auswahl ver­schiedenster Muster und Formate von rosa Herzchen-Explosion über Filmstar-Porträt bis zu pla­kativen Sprüchen wie „I wasted my life playing video games. Luckily I have two extra lifes“.

Wem diese Möglichkeiten, den anderen Bücherratten zwischen Strafrecht und Exponentialfunk­tion sein wahres Ich mitzuteilen, nicht genügen, der kann bei eini­gen Anbietern sein ganz persönli­ches Klebebildchen gestalten und mit Goethe-Zitat den Literatur­wissenschaftler oder mit Ein­stein- Karikatur den Physiker durchblitzen lassen. Zeig mir dei­nen Laptop und ich sage dir, wer du bist – dank der originellen Sty­lingmöglichkeit rücken Leistung und Marke des Begleiters in den Hintergrund.

Denn was bedeutet schon ein einzelner Apfel auf dem Compu­terrücken, wenn nebenan eine Südtiroler Obstplantage erblüht? Ach wirklich, du studierst Biolo­gie? Ich liebe ja Südtirol! Nett, dich kennenzulernen… Neben erleichterter Kontaktaufnahme bietet die neue Selbstdarstel­lungs- Spielerei mit hohem Ablen­kungspotenzial übrigens auch eine interessante Parallele zur Fächerwahl einer Studentenlauf­bahn: Beide sind Ausdruck der Persönlichkeit und beide können, solange der Geldbeutel mitmacht, beliebig oft gewechselt werden.

Brigitte Vordermayer

Spanner an der WiSo

Auf der Homepage der Nürn­berger WiSo-Bibliothek ist zu lesen: „Im Lesesaal laden rund 450 Arbeitsplätze zum Studieren ein.“ Mehr als 500.000 Bücher und über 5500 Zeitschriften gibt es dazu in den Regalen der Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftli­chen Zweigbibliothek der Uni Erlangen. Dennoch kam jemand vergangene Woche nicht „zum Studieren“, zumindest nicht von Büchern, in die Bibliothek.

„Sehr geehrte Damen und Her­ren, wie uns die Bibliothekslei­tung mitgeteilt hat, ist in der WiSo-Bibliothek in der Langen Gasse in den Abendstunden ein Spanner aufgetaucht, der in der Damentoilette unter den Türen durch fotografiert hat.“ Mit die­sen Worten beginnt die E-Mail des Fachbereichs Wirtschaftswis­senschaften an alle Professoren und Studierenden.

Das Dekanat bittet „um erhöhte Aufmerksamkeit“. Die betroffene Studentin hatte die fotografierende Person nicht iden­tifizieren können. „So dass die Gefahr, belästigt zu werden, immer noch besteht“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Leider hatten wir bis jetzt noch immer keinen Fahndungserfolg“, sagt Dekan Michael Amberg. „Aber jeder ist informiert.“

„Verstärkt auf verdächtige Umtriebe achten“

Die Bibliothek hat ihre Mitar­beiter gebeten, verstärkt auf „ver­dächtige Umtriebe“ zu achten. Täglich ab 16.30 Uhr patroulliert ein Wachmann über den Campus. Das Dekanat hat ihn angewiesen „diese Maßnahmen in geeigneter Weise zu unterstüten“ und die Polizei eingeschaltet.

„Wir denken außerdem über Baumaßnahmen nach, damit die Wände der Toiletten künftig bis zum Boden reichen“, sagt Amberg. Studierende, die etwas gesehen haben und die Person beschrei­ben können, sollen sich im Deka­nat melden.

Christina Merkel