Studentische Daten in der Unibibliothek sind weg

Wer zu spät kommt, wird nach dem 15. November bestraft – zumindest diejenigen, die Aufsätze oder Bücherlisten im Bibliothekssystem der Uni gespei­chert haben. Spätestens dann sol­len alle Dateien gelöscht sein, warnt die Homepage der Biblio­thek. Seit Mitte Oktober gibt es ein neues Computerprogramm für die Benutzergeräte.

Bisher konnten Studenten bei der Jagd nach Fachliteratur die gesammelten Informationen in einem eigenen Ordner, dem soge­nannten Homefolder speichern. Dieser Ordner wird sich in naher Zukunft im Nichts auflösen, ein Datentransfer vom alten zum neuen System ist nicht beabsich­tigt. Einzige Rettung: Man fährt noch schnell in die Hauptbiblio­thek nach Erlangen, sucht nach Benutzergeräten mit dem alten System und druckt seine Dateien aus. Oder schickt sie sich als Dateianhang per Mail.

Zentral gespeichert oder für immer gelöscht?


Ob sich der Weg von Nürnberg nach Erlangen allerdings lohnt, ist nicht ganz sicher. Zwei Biblio­thekarinnen meinten, dass die Daten der Nürnberger Wirt­schaftsstudenten bereits unwie­derbringlich gelöscht seien. Zwei andere Mitarbeiterinnen beton­ten jedoch, dass die Daten der vie­len Teilbibliotheken zentral gespeichert würden, eine Teillö­schung also unwahrscheinlich sei. Einig waren sich die vier Buch­expertinnen nur in ihrem Groll auf das Rechenzentrum, dass die neue Software installiert, aber schlecht informiert hat.

Freilich hätte die Bibliothek auch eine Sammel-E-Mail verschicken kön­nen mit einer entsprechenden Warnung. Bei der Bücherrück­gabe funktioniert die Erinnerung per Mail drei Tage vor Rückgabe­termin automatisch. „Opensolaris“, der schillerende Name der neuen Software für die Benutzerstationen, erinnert an einen Roman von Stanislav Lem. Dort geht es um den Planeten Solaris, auf dem sonderbare physi­kalische Gesetze herrschen und Verstorbene wiederkehren.

Werner Veith

Einkaufsliste für Erstis

Einen Zettel und einen Stift. Mehr brauchen viele Studen­ten nicht. Doch was, wenn ein Blatt nicht ausreicht, um all die wichtigen Aussagen des Dozenten mitzuschreiben? Schade auch, wenn der einzige Kugelschreiber, ohne Vorwarnung, den Dienst ver­weigert. Aus diesen Gründen, sollte ein Student vielleicht doch ein paar mehr Dinge in seine Tasche packen.

Einen ganzen Block zum Bei­spiel, um sicher zu gehen, dass kein Professor mehr erzählen kann, als Platz zum Aufschreiben vorhanden ist. Wer keine Lust hat einen Block zu kaufen, bekommt einen geschenkt. Bei der Universi­tätsbuchhandlung gibt es zum Semesterbeginn ein Exemplar zum Bücher-Einkauf gratis dazu. Nun der Stift. In ein Mäppchen kann der Student sogar mehrere Schreibutensilien reinpacken. Zum Beispiel viele Kugelschrei­ber. Noch ein Spartrick: Kullis gibt es zum Semesterstart am Audimax als Werbegeschenke.

Bunte Stifte gegen langweilige Vorlesungen

Ordnungsliebende Studierende besitzen eine Tipp-Ex-Maus oder Bleistift und Radiergummi. Durchgestrichene und darüberge­schmierte Notizen können sie kei­nem Kommilitonen zum Kopieren anbieten. Außerdem können bunte Stifte hilfreich sein: In lang­weiligen Vorlesungen kann damit gemalt werden.

Ein absolutes „Muss“ für jedes Studenten-Mäppchen sind Text­marker. In verschiedenen Farben und doppelter Ausführung. Denn was gibt es im Studium Wichtige­res, als wissenschaftliche Bücher zu lesen und die entscheidenden Stellen mit Textmarker anzustrei­chen?

Weil Textmarker wichtig sind, aber manche Studentin statt eines Rucksacks nur eine kleine Handtasche mit zur Uni trägt, gibt es die bunten Leuchtstifte neuerdings auch in Mini-Größe. Für ein paar Textmarker in Lip­penstift- Format sollte sogar in jeder, noch so aparten, Handta­sche ein Plätzchen frei sein.

Sinnvoll für den stets gestress­ten Studenten ist auch ein Termin­planer. Schließlich zahlt fast jeder in Bayern pro Semester 500 Euro Studiengebühren. Dabei hilft das Büchlein, die anstehen­den Arbeitsschichten am Tresen oder Fließband mit den Vorle­sungszeiten zu koordinieren.

Für Studenten, die unter chroni­scher Müdigkeit leiden, empfeh­len sich als weitere Anschaffun­gen ein Wecker und eine große Thermoskanne für Kaffee.

Stefanie Rubner

Bücher in Zahlen

Rainer  Plappert ist Herr über 5.320.667 Bücher und Zeit­schriftenbände. Etwa 2,6 Millio­nen davon stehen in den Regalen des Hauptgebäudes der Universi­tätsbibliothek Erlangen. Der gesamte Bestand ist an mehr als 130 Standorten in den Zweigstel­len in Nürnberg und Teilbibliothe­ken in den einzelnen Fachberei­chen untergebracht.

Plappert leitet die „Abteilung für Erwerbung und Katalogisie­rung“ der Unibibliothek. Er kauft Bücher, Zeitschriften und Online-Lizensen ein. 32.000 Exem­plare standen im letzten Jahr auf seinem Einkaufszettel. „Dazu kommen Geschenke und Tausch­bücher aus anderen Bibliothe­ken“, sagt Plappert. So wächst der Bestand jährlich um etwa 50.000 Bücher.

Gleich 102 Exemplare gibt es in Erlangen vom „Lehrbuch der phy­sikalischen Chemie“. Auch viele Medizin- und Jurabücher sind mit bis zu 20 Ausgaben vorhan­den. „Trotzdem sind vor den Prü­fungsphasen dann alle weg“, sagt Plappert. Danach stehen sie dafür wieder wochenlang unberührt im Regal. „Da ist es schwierig sich dem Bedarf anzupassen.“ Aus dem 12. Jahrhundert stammt das älteste Buch der Bibliothek. „Eine Handschrift mit einer Auflistung der arabi­schen Zahlen, wie wir sie noch heute verwenden“, sagt Plappert. Außerdem gibt es Papyri aus Ägypten. Studenten der Orienta­listik oder Alten Geschichte kön­nen sie in den Lesesälen einsehen.

In einem speziell gesicherten Tresor lagert eine Bibel aus der Zeit Gutenbergs. „Weltweit sind nur 20 Exemplare davon bekannt“, sagt Plappert. Auch ein handschriftliches Evangelien­buch aus dem 9. Jahrhundert liegt hinter verschlossenen Türen. Erlangen besitzt außerdem eine der Gumbertus-Bibeln. Die „Rie­senbibel“ aus dem Jahr 1180 vom Kloster St.Gumbertus in Ans­bach wiegt 30 Kilogramm. Diese Schätze holt die Bibliothek nur zu Ausstellungen hervor.

Manche Bücher bleiben dage­gen mehr als 100 Jahre lang unge­lesen: „Ein Professor hat sich neu­lich ein Buch ausgeliehen, dessen Druckbögen, wie früher üblich, noch nicht auseinander getrennt waren“, sagt Plappert. „Das heißt, dass sich das Buch seit dem Kauf vor mehr als 120 Jahren nie­mand mehr angesehen hatte.“

Top 5 der im Jahr 2008

am häufigsten aussgeliehenen Bücher der Unibib Erlangen (je 45 Mal)

 Cercignani, Carlo: The Boltzmann equation and its applications.- New York [u.a.] : Springer, 1988

Davis, Philip J.: Methods of numerical integration.- Orlando u.a. : Acad. Pr., 1984

Selberherr, Siegfried: Analysis and simulation of semiconductor devices.- Wien [u.a.] : Springer, 1984

Johnson, Claes: Numerical solution of partial differential equations by the finite element method.- Cambridge u.a. : Cambridge Univ. Pr., 1987

Liboff, Richard L.: Kinetic theory.- Englewood Cliffs, NJ : Prentice-Hall International, 1990

Christina Merkel

Nachtschicht in Bibliotheken

Einige Erinnerungen lassen so gar keine Wehmut aufkommen. Da wären zum Beispiel die bestellten Aufsätze, die der Student früher selbst bezahlen musste. Oder, brauchte er neue Immatrikulationsbescheinigungen, weil die alten unauffindbar waren, musste er erst in die Studentenkanzlei. Heute loggt sich der Student einfach beim Portal «mein campus» ein und druckt den Studiennachweis selbst aus. Auch den früheren Öffnungszeiten der Bibliotheken wird keine Träne nachgeweint.

Seit zwei Jahren haben alle länger geöffnet. Die Hauptbibliothek sogar bis Mitternacht. Selbst sonntags können die Studenten an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (ReWi) bis um 24 Uhr in die Lesesäle. Aber nutzen die Studenten dieses Angebot wirklich? Ja, meint Gisela Gläser, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek. «Sowohl in der Zweigbibliothek der ReWi als auch in der Teilbibliothek Jura in Erlangen sitzen auch in den späten Abendstunden noch Studenten.»

52 Stunden länger geöffnet

Während der Vorlesungszeit können die angehenden Akademiker 52 Stunden pro Woche länger in die Hauptbibliothek. Die Bibliothek des Departments Fachdidaktiken in der Regensburger Straße steht nun weitere 33 Stunden offen.

Damit Haupt-, Zweig- und die Institutsbibliotheken nicht unnötig öffnen, wurden die neuen Zeiten mit Studenten, Fakultäten und den Instituten abgesprochen. «Anpassungen an den Bedarf werden immer wieder vorgenommen», erklärt Gläser. «Für eine großzügige Ausweitung der Öffnungszeiten in den Institutsbibliotheken sehen wir derzeit keine Notwendigkeit.»

220 000 Euro kosten die verlängerten Öffnungszeiten pro Semester. Nach Meinung der Studenten ist das gut investiertes Geld.

Vorbei mit der Schlepperei

Von Christiane Fritz

Sechs Arme haben – das wärs. Die Optik wäre natürlich dahin. Allerdings dürfte es praktisch sein. Gerade wenn man in die Bib geht, um zu lernen. Weil keine Taschen in den Lesesaal mitgenommen werden dürfen, muss der Student die mitgebrachten Lernmaterialien irgendwie auf seinen Körper verteilen.

Die rechte Hand hält den schweren Ordner. Der kleine Finger derselben umkrallt den Deckel der Zwei-Liter-Wasserflasche. Jetzt heißt es: Zähne zusammenbeißen, auch wenn sich das Muster des Deckels in den Finger stanzt. Man will schließlich weder verdursten noch zweimal gehen. Mit der linken Hand balanciert man das Notebook, auf dem noch mehrere Bücher ruhen. Weil die oberen Extremitäten ausgelastet sind, wird der Kleinkram wie Handy, Stifte und UB-Karte auf die Hosentaschen verteilt.

Von den Schließfächern tastet sich der Student Stück für Stück in Richtung Lesesaal. Ist ihm Fortuna hold, öffnen ihm aufmerksame Kommilitonen die Tür. Wenn nicht, muss er versuchen, sie mit einem Fuß aufzuschieben. Einfacher haben es da die Studenten der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät: dank der neu eingeführten Bib-Tasche. Seit dem letzten Wintersemester können die Studenten ihre Bücher, Stifte und Getränke in eine durchsichtige Plastiktasche legen. Die Taschen, welche den blauen Tüten eines bekannten schwedischen Möbelhauses ähneln, dürfen die Studenten mit in die Bibliothek nehmen.

„Die Taschen wurden auf Wunsch der Studierenden eingeführt“, erklärt Gisela Gläser, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek. Weil das „Alumni-Netzwerk und der Fakultätsbund der WiSo Nürnberg e.V.“ die Taschen finanziell unterstützen, müssen die Studenten nur 50 Cent für eine berappen. 1500 Stück wurden bislang verkauft.

Seine Kreativität muss der Student hinsichtlich der Tasche nicht zügeln. Aufkleber oder anmalen sei erlaubt. „Solange die überwiegende Fläche durchsichtig bleibt, hat die Bibliothek nichts gegen eine Individualisierung einzuwenden“, so Gläser. Die Studenten des Departments Fachdidaktiken müssen ihre Laptops und Lernmaterialien bislang ohne Hilfsmittel tragen. Ein Verkauf der Taschen könnte aber bei entsprechender Nachfrage eingerichtet werden.

Eine Alternative wären auch Körbe. Diese stehen den Studenten in der Technisch-Naturwissenschaftlichen Zweigbibliothek zur Verfügung. Optisch vielleicht kein Hingucker, aber immer noch besser als sechs Arme.

Bibliotheken im Test

Wer an anderen Unis zu Hause ist, staunt über die Geschichten eines Kommilitonen der Uni Erlangen-Nürnberg. Wenn dieser von der leidigen Vorgehensweise berichtet, wie er Literatur für seine Hausarbeiten beschafft, wird Studenten der Unis in Bielefeld und Konstanz ganz anders.

In den Beständen der Bibliotheken umherwandern ist bekanntlich in der Universitätsbibliothek in der Schuhstraße unmöglich. Meist wird im Opac erst einmal blind alles bestellt, was irgendwie relevant zu sein scheint. Am nächsten Tag an der Ausleihe wartet dann die eine oder andere Überraschung. Einige Bücher muss man sich durch Besuche der Teilbibliotheken besorgen. Wenn ein Buch in Nürnberg im Lesesaal steht, kann es nicht per Fernleihe nach Erlangen bestellt werden. Kurz gesagt, die Uni Erlangen und ihr Bibliothekssystem ist studentenunfreundlich.

Dies bestätigt auch eine Umfrage des Centrums für Hochschulentwicklung. Unter 21000 Geisteswissenschaftlern wurde nach Verfügbarkeit der für das Studium benötigten Literatur und der Aktualität des Bestandes gefragt. Insgesamt benoteten die Studenten ihre Bibliotheken mit der Note 2,3. Dabei schnitten die Unis in Bielefeld und Konstanz am besten ab. Die Uni Erlangen-Nürnberg landet im Ranking im unteren Drittel. Besonders beim Zugang zu elektronischen Zeitschriften und den Öffnungszeiten verteilen die Studis schlechte Noten. Berücksichtigt werden muss dabei der Erhebungszeitraum. Die Befragung fand bereits im Herbst 2006 statt. Mittlerweile sind durch die Studiengebühren einige Mängel beseitigt worden.

Die Uni als Partnerbörse

Von Kerstin Röpke

Die Bergkirchweih als große Partnerbörse ist vorüber. Nicht umsonst gilt jetzt wieder die Universität als der beste Ort, den Partner für das weitere Leben zu finden. Zu einem besonders beliebten Flirt-Ort zählt die Universitätsbibliothek. In den Lernpausen, in denen man versucht, sich durch Koffeinzufuhr wieder wach zu bekommen, trifft man andere Studenten, die ähnliche Probleme haben, sich auf das Lernen zu konzentrieren. Und schon hat man ein Gesprächsthema, denn schließlich verbindet Leiden.

Ähnlich ist es bei diversen Studentengruppen und -initiativen. Bei der Organisation von Firmenkontaktmessen oder bei Fachschaftstreffen bieten die regelmäßigen Treffen genügend Möglichkeiten des Wiedersehens und Ins-Gespräch-Kommens. So wird über die Farbwahl für Plakate diskutiert, über die Akquisition der Sponsoren und nebenbei auch über geteilte Musikvorlieben oder Jugenderlebnisse.

Hohe Frauenquote in den Theatergruppen

In manchen studentischen Männerkreisen weiß man von diesem Vorteil, dass Gemeinsamkeiten verbinden, und dieses Wissen wird auch bewusst und konkret eingesetzt, um offensiv auf die Frauenwelt zuzugehen. Diese Männer treten Theatergruppen bei, da hier die Frauenquote besonders hoch ist, und sie somit viel Zeit mit vielen Frauen verbringen können.

Aber auch Partys bestimmter Studienrichtungen, wie beispielsweise Psychologie oder Theater- und Medienwissenschaft, werden gezielt angesteuert, da eine hohe Anzahl von Frauen und hoffentlich auch Singles erwartet wird. Das Problem hierbei ist allerdings, dass es schon Partys gab, bei denen die Frauen genau aus diesem Grund lieber zu Hause blieben, und es somit einen hohen Männerüberschuss gab.

Viel Verständnis für den Lernaufwand

Weiterhin kristallisiert sich eine „gute Mischung“ zwischen verschiedenen Studiengängen heraus. Mediziner unter sich haben viel Verständnis für den Lernaufwand und die alltäglichen Probleme zwischen Arztkittel, Skalpell und Anatomielexikon. Ähnliches gilt für Lehramtsanwärter: Wer, wenn nicht eine Referendarin, kann es nachvollziehen, wenn es Stress mit dem Staatsexamen gibt.

Andererseits ergänzen sich manche Fächerkombinationen gut: Der praktische Maschinenbauer und die kreative Buchwissenschaftlerin bilden keinen Widerspruch, sondern passen schon deshalb gut zusammen, da in ihren eigenen Fakultäten eher wenige Leute des anderen Geschlechts studieren.

Aber längst hat auch das Internet Einzug in die studentische Partnersuche gehalten. Hieß es früher einmal wochenlang durch Wohnheimpartys und Sportkurse zu ziehen, um einen Mann oder eine Frau kennenzulernen, so schaut der moderne Student im StudiVZ, wer ein potenzieller Partner oder eine potenzielle Partnerin sein könnte. Oder wenn man doch mal jemanden im realen Leben trifft, heißt es nicht mehr: „Gibst du mir deine Telefonnummer?“, sondern „Ich suche dich dann mal im StudiVZ.“

Frühjahrsputz im Bücherregal: Darf man alte Bücher wegwerfen?

Von Brigitte Vordermayer

Alte_B_cher.jpgDie Uni Flensburg hat sich für ihren diesjährigen Frühjahrsputz etwas Besonderes überlegt: Ihre Bibliotheken sollen dran glauben! Die nämlich sind viel zu voll mit Büchern, alten Schinken, die nur verstauben und den Platz wegnehmen für das Neueste vom Neuen. Der Plan: Alle Bücher, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre nur wenige Male ausgeliehen wurden, sollen verbrannt werden. Na gut, vielleicht nicht verbrannt, aber definitiv entsorgt.

Da stellt es nicht nur den buchaffinen Germanisten alle Nackenhaare auf. Wird damit doch die vielleicht wichtigste Funktion einer Bibliothek, die Archivfunktion, genauso eliminiert wie wichtiges Kulturgut unserer Gesellschaft? Und worüber sich bei Naturwissenschaften, bei denen gewisse Erkenntnisse im Laufe der Jahre und Jahrhunderte einfach überholt oder sogar widerlegt werden, noch streiten lässt, das bedeutet für Wissenschaften, die in die Tiefe gehen, wie gerade die Geisteswissenschaften, eine Katastrophe.

Denn was passiert mit so einer Vorgehensweise? Trends werden gefördert, Paradigmenwechsel fast unmöglich gemacht. In diesem Jahr, sagen wir, sei Gendertheorie angesagt – dementsprechend wird sie häufig ausgeliehen. Das kann aber in zehn Jahren ganz anders sein. Und wenn sich dann herausstellt, dass die heute eher belächelte Leeres_Regal.jpgautobiografische Lesweise von Kafkas Werken doch die Wahre war – dann werden viele wertvolle Auslegungen längst Staub und Asche sein; weil sie die Jahre zuvor kaum ausgeliehen wurden.

Die verstaubten Schätze in der Bibliothek

Darüber hinaus kann mit einer Überprüfung der Ausleihhäufigkeit nicht gemessen werden, wie oft ein Buch in die Hand genommen wird, und Studenten vielleicht auch ohne Ausleihzettel die ein oder andere Information daraus aufsaugen. Nein, eine Bibliothek ohne alte Schmöker und verstaubte Schätze, die auf ihre Wiederentdeckung warten? Ohne muffig-ledrigen Geruch und das „Vorsicht! Gleich fällt das Buch auseinander!“-Gefühl?

Bleibt zu hoffen, dass dieser Flensburger Putztrend sich nicht bis nach Erlangen durchsetzt. Denn so verkommen die alterwürdigen Universitäts-Bibliotheken zu bloßen Ausleihstationen, die Bücherqualität im Stil von Amazon-Kundenrezensionen und -Verkaufsstatistiken bewerten. Diesen Artikel führen wir leider nicht mehr . . .

Lernen in der Uni-Bibliothek

Von Julius Brockmann

ub_1.jpgPsychologen raten beim Lernen zu einem ruhigen Platz, der strukturiertes Denken ermöglicht. Wenn also der Mitbewohner seine neue Freundin zu Besuch hat und vor dem Fenster die Fußgängerzone verlockend den Konsum fordert, wird für manch einen Studenten ein effektives Lernen unmöglich. Aber dieser kann dann ja zum Glück auf die Angebote der Universität ausweichen.

Dass die Uni Erlangen-Nürnberg mit ihrer Hauptbibliothek in der Schuhstraße die Hinweise der modernen Lernpsychologie bei der Planung der Räumlichkeiten bestmöglich umzusetzen wusste, daran besteht kein Zweifel. Lesesäle mit absolutem Handy- und Sprechverbot laden zu ausgiebigem Bücherwälzen ein.

Wer ganz seine Ruhe haben will, der geht in eine der so genannten Lernkabinen. Schlüssel für die zwei Quadratmeter großen Lernzellen gibt es im Lesesaal. Und wer den Ausblick auf das gegenüberliegende Kollegienhaus als zu ablenkend empfindet, kann sich eine Kabine ohne ub_b_cher_tragen.jpgFenster mieten und seinen Laptop mit der Lüftung der UB um die Wette brummen lassen.

Die unspektakuläre, um nicht zu sagen sterile Atmosphäre des Gebäudes wird durch seine „Bewohner“ dagegen umso reizvoller. Nach einigen Wochen täglichen UB-Besuchs bekommen weibliche Studenten Gedichte von älteren Herren gereicht, während manch einer sich so wohl fühlt, dass man ihn morgens in der Toilette beim Rasieren trifft.

Mehrmals kommt der Zwei-Euro-Mann

Absonderlich mutet auch der Zwei-Euro-Mann an, der nicht verlegen ist, mehrmals am Tag die Spinde der Universitätsbibliothek nach vergessenem Kleingeld abzusuchen. Und sich dabei auch nicht von missmutigen Blicken aus der Ruhe bringen lässt.
Wer sich jedoch entschließt, seinen Hausrat in einem der zahlreichen Fächer einzuschließen – man verbringt ja dank verlängerter Öffnungszeiten sowieso fast den ganzen Tag in der Bibliothek –, sollte gelegentliche Besuche beim Hausmeister mit einkalkulieren. Denn die Schließfächer werden vereinzelt am Abend geleert. Ganz so heimelig soll es dann anscheinend doch nicht werden, schließlich ist man zum Lernen da.
Trotzdem, gerade jetzt, wo die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, ist die Universitätsbibliothek Zufluchtsort für arbeitswütige Diplomanwärter gleichermaßen wie für verarmte Intellektuelle, die in den Regalen umherschleichen, immer auf der Suche nach Anschluss. Gut, dass man in solchen Fällen demonstrativ den Zeigefinger vor den Mund halten kann. Stichwort Redeverbot! Es soll ja schon Verweise seitens der Mitarbeiter gegeben haben. Allerdings hat noch nie jemand gesehen, wie die nette Frau von der Information einen Besucher herauskomplimentiert hat.