Ab ins kalte Wasser – vom Hörsaal ins Büro

Für viele von uns ist das Praxissemester eine der letzten Hürden vor dem Bachelorabschluss. Im Idealfall sind die schlimmsten Prüfungen vorher bestanden und die längsten Hausarbeiten abgegeben. Ist das Praxissemester also nur dazu da, ein wenig Zeit zu schinden, oder hilft es wirklich beim Berufseinstieg? weiter lesen

Duales Studium: Anstrengend, lohnt sich aber

20100526_4c_dual9_big20100526_4c_dual7_bigDas Semester hat vor kurzem erst wieder angefangen und schon muss Martina Baumer wieder lernen. Zusammen mit ihrer Kommilitonin sitzt die Studentin an einer sogenannten Lerninsel in der ehemaligen »Wiso« in Nürnberg. Eine Lerninsel – das ist eigentlich nur ein kleiner Tisch auf dem Gang im 5. Stock. An der Wand hängen Regeln, wie man sich verhalten soll: möglichst leise und kollegial. Auf dem Tisch liegen Bücher, Zettel und Süßigkeiten als Nervennahrung.

Gute Nerven sind für die Studentin gerade besonders wichtig, denn in einer Woche steht die Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer (IHK) an. Danach darf Martina Baumer sich Industriekauffrau nennen. Ein Semester später kommt der zweite Abschluss dazu: der Bachelor in Wirtschaftswissenschaften.

»Duales Studium« nennt sich die Ausbildung, die Baumer gerade durchläuft. Dabei wird ein Studium an der Universität mit einer Ausbildung in einem Betrieb kombiniert, die in der Regel während der Semesterferien stattfindet. Baumer absolviert ihren Praxisteil bei Siemens in Nürnberg. Es sind jedoch auch andere Betriebe möglich.

Ab dem Wintersemester gibt es neue Kombinationen

Die Vorteile liegen auf der Hand: Praxis und Theorie lassen sich auf diese Weise gut verbinden und die Studenten können wertvolle Kontakte zu Unternehmen aus der Region knüpfen. Außerdem bekommen sie von ihrem Arbeitgeber eine Ausbildungsvergütung gezahlt. Aus diesen Gründen finden immer mehr Studenten das duale Studium attraktiv. Wahlmöglichkeiten gab es bislang keine, einzig Baumers Kombination stand den Studenten offen.

Ab dem kommenden Wintersemester soll sich das jedoch ändern. Aufgrund einer Kooperation zwischen der IHK Nürnberg für Mittelfranken und der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) haben Interessenten dann die Möglichkeit, flächendeckend aus dem gesamten Ausbildungsangebot regionaler Betriebe und aller Studienfächer an der Universität eine duale Wunschkombination von praktischer Ausbildung und wissenschaftlichem Universitätsstudium zu wählen.

Neuartige Kombinationen, wie zum Beispiel ein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang, verbunden mit einer Ausbildung in der Wirtschaft, werden dann möglich sein. Insgesamt können rund 200 IHK-Ausbildungsberufe mit mehr als 100 Studiengängen gepaart werden.

Kooperation mit der IHK macht es auch Betrieben leichter

Für Wolfgang Henning, Leiter der zentralen Universitätsverwaltung, ist die Neuerung ein wichtiger Schritt – sowohl aus Sicht der Studenten als auch für Unternehmen. »Bislang mussten Firmen, die an einer Zusammenarbeit im Sektor Ausbildung und Studium mit der Universität interessiert waren, Einzelkooperationen aushandeln, was vor allem für mittlere und kleinere Betriebe ein zu hoher Aufwand war«, sagt er der NZ. »Die neue Form des dualen Studiums ermöglicht es Unternehmen nun, sich auf dem kurzen Dienstweg über die IHK einfach in die Kooperation mit der Universität einzuklinken. Damit können auch kleine und mittlere Betriebe einzelne Azubis ohne großen Aufwand nominieren und so potenzielle Führungskräfte frühzeitig gewinnen.«

Um einen der begehrten Ausbildungsplätze zu ergattern, müssen die Studenten großes Engagement, Interesse und Durchhaltevermögen zeigen. »Wer sich für ein duales IHK-FAU-Studium interessiert, sucht sich zunächst einen betrieblichen Ausbildungsplatz, klärt dort die Modalitäten und schließt einen Ausbildungsvertrag«, rät Henning. »Am besten ist, wenn man gleich im Bewerbungsschreiben deutlich macht, dass man das Potenzial hat und ein duales Studium nach der neuen Kooperation anstrebt.« Die Grundlage sei ein gutes bis sehr gutes Abitur. Danach wählt man seinen Studiengang an der FAU aus und bewirbt sich Anfang Juli für einen Studienplatz.

Ein langer Weg, bis endlich die Zusage da war

Für Martina Baumer war es ein weiter Weg bis zur endgültigen Zusage. »Während der Schulzeit hat mich der Gedanke gereizt, ein Universitätsstudium und gleichzeitig eine Ausbildung zu machen«, erzählt die inzwischen 21-Jährige. »Bei einer Infoveranstaltung bei Siemens habe ich dann das Modell kennengelernt und war interessiert.«

Daraufhin hat sich die Studentin beworben. Es folgten ein Online-Test, ein schriftlicher Eignungstest und eine Auswahltagung. Hier musste Martina Baumer sowohl in Gruppendiskussionen als auch in Einzelgesprächen überzeugen. Im Januar, wenige Monate vor dem Abitur, bekam sie dann die Zusage.

Baumer ist froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben: »Es war eine gute Entscheidung, weil man in der Praxisphase austesten kann, was einem liegt. Besonders gefällt mir das Personalwesen«, sagt die junge Frau, die sich in ihrem kleinen Jahrgang mit rund 25 Studenten sehr wohl fühlt. »Wir sind eine offene und kommunikative Truppe, das gefällt mir sehr gut«, ergänzt sie. Außerdem ist sie noch immer vom Praxissemester begeistert, das ihr der Studiengang ermöglicht hat. Im vergangenen Jahr schickte ihr Arbeitgeber Siemens sie zweieinhalb Monate nach Paris.

Trotz der vielen Möglichkeiten, die das duale Studium bietet, gilt es aber auch, die erhöhten Anforderungen zu meistern. »Die Prüfungszeit liegt meistens in den ersten zwei oder drei Wochen der Semesterferien«, sagt Baumer. »Hier muss man sich gut koordinieren können, weil man in der gleichen Zeit ja schon im Betrieb arbeitet. Dann muss man überlegen, ob man für diese Zeit ein paar Tage Urlaub nimmt.«

Kerstin Fellenzer (Text) und Harald Sippel (Fotos)

Akademika: Jobs für Akademiker

Akademiker sind zwar hoch qualifiziert, finden aber trotzdem – oder gerade deswegen – oft nicht gleich einen geeigneten Arbeitsplatz. Am 11. und 12. Mai wollen die Veranstalter der Job-Messe Akademika Studenten, Absolventen und potenzielle Arbeitgeber im Nürnberger Messezentrum zusammenbringen, um jungen Menschen den Eintritt ins Berufsleben zu erleichtern.

Die Messe wird veranstaltet von der Nürnberger WiSo-Führungskräfte-Akademie (WFA). Sie richtet sich grundsätzlich an alle Akademiker. In den vergangenen Jahren haben jedoch vor allem Ingenieure, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler hier Kontakte geknüpft. Die Aussteller kommen meist aus dem technischen Bereich, der IT-Branche, aber auch aus Handel, Bankwesen und der Dienstleistung.

Heuer werden mehr als 120 Aussteller mit offenen Stellen, Traineeprogrammen, Praktikumsplätzen und Themen für Abschlussarbeiten um die besten Nachwuchskräfte werben. Die Veranstalter erwarten über 5000 Besucher im Nürnberger Messezentrum.

Im Rahmenprogramm werden sich Unternehmen in Vorträgen präsentieren. Außerdem wird es Veranstaltungen zu aktuellen Branchentrends und diverse Bewerbungstrainings geben. Für Studenten und Absolventen ist der Eintritt zur Messe frei.

Florian Heider

Zeit für den Kinderwunsch

KoalitioSpätestens wenn die Schwie­germutter in spe nachfragt, ob es nicht langsam Zeit für einen Enkel werde, wird man als Hoch­schulabsolventin Mitte bis Ende 20 mit dem Kinderwunsch kon­frontiert.

Eva-Maria Thiele hat vor kur­zem ihr Studium der Buchwissen­schaft abgeschlossen und ist seit fünf Jahren mit ihrem Freund zusammen. An Nachwuchs denkt sie jedoch noch lange nicht. „Ich hätte Angst, dass ich dann gar nicht in einen Beruf komme, der meiner Ausbildung und meinen Interessen entspricht.“

Steht für junge Akademikerin­nen also ihre Selbstverwirkli­chung an erster Stelle? Oder ent­scheiden sie sich vielmehr für eine rationale Reihenfolge – zuerst die Berufserfahrung, dann das Kind? Andersherum wird es schwierig, einen Arbeitgeber zu finden, der eine Berufseinsteige­rin mit Kind einstellt – es könnte ja krank werden oder muss mit­tags aus der Kita abgeholt wer­den. Die Stereotypen über Arbeit­nehmerinnen mit Kind sind ähn­lich gestrickt wie die über kinder­lose Akademikerinnen.

Kinderlosigkeit unter Akademikern nimmt zu

Laut Statistischem Bundesamt ist die zunehmende Kinderlosig­keit in Deutschland umso höher, je höher die Bildung des Paares. 2008 hatten 28 Prozent der Akade­mikerinnen zwischen 40 und 75 im Westen Deutschlands keine Kinder. Die Angst vor Arbeitslo­sigkeit ist ein wichtiger Grund, oft fehlt aber auch schlichtweg der richtige Partner, mit dem eine Familie gegründet werden kann.

Apropos, warum fragt man eigentlich so selten bei Akademi­kern nach, ob sie ein Kind haben, wollen oder nicht wollen? Der Jurist Christoph Röhl wünschte es sich schon lange: „Ich hatte immer den Traum, ein Kind zu bekommen, bevor ich 30 werde.“ Seine Frau erwartet im Mai eine Tochter, sie kann sich als Selbst­ständige ihre Arbeitszeiten selbst einteilen. Die größte Rolle spielt bei den meisten Hochschulabsol­venten wohl die Sicherheit, ein Kind nicht nur materiell, sondern auch zeitlich angemessen versor­gen zu können. Und da dies nicht jedem möglich ist, müssen viele Schwiegermütter einfach noch ein wenig warten.

Anna Souksengphet-Dachlauer

Mein Abschied von der Uni

Mit dem Fahrrad radle ich den gewohnten Weg zur Uni. Unterwegs wird mir bewusst: Das ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich diese Strecke fahre. Meine Diplomarbeit habe ich vor Monaten abgegeben. Jetzt bekam ich die Note mitgeteilt. Ich bin zufrieden und glücklich, es endlich geschafft zu haben.
Jetzt gehe ich mein Zeugnis im Prüfungsamt abholen. Es wird mein letzter Streifzug durch die Fakultät, das letzte Mal durch die langen Gänge laufen, das letzte Mal der etwas muffige Geruch. Bei diesen Gedanken werde ich fast ein bisschen wehmütig. Wenn ich das Zeugnis in Händen halte, bin ich Absolvent der Sozialwissenschaften, genauer Diplom-Soziologe. Damit gehöre ich zu einer aussterbende Rasse.
Denn neuerdings gibt es „Bachelors of Social Economics“ oder gleichnamige „Master“. Seit meinem Studienbeginn vor sechs Jahren hat sich vieles verändert. Meine Fakultät trägt einen neuen Namen. In der ganzen Metropolregion – auch so ein neues Wort – noch immer unter WiSo bekannt, heißt die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät seit fast schon zwei Jahren ReWi, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. WiSo hat mir besser gefallen, schon vom Klang her.
Keine Sozialistische Hochschulzeitung heute
Als ich mein Fahrrad vor dem Eingang abschließe, sind dort ausnahmsweise keine Flyer-Verteiler postiert, die die nächste Party anpreisen. Der Mann mit der Sozialistischen Hochschulzeitung in Händen ist heute auch nicht zu sehen. Eventuell hat er es aufgegeben, kostenlose Exemplare an desinteressierte Studenten verteilen zu wollen. Sonst habe ich immer versucht, mich geschickt an ihnen vorbeizudrücken, heute fehlen sie mir in meinem Abschiedsbild.
Langsam kann ich über den Campus laufen. Ich betrete die kalte Eingangshalle, deren Aussehen und Geruch mich nach wie vor an das Flair einer Großraumtoilette erinnern. Ausgerechnet solche Dinge bleiben. Zwar fehlt es der Halle an Zuwendung, dafür hat fast jedes Auditorium inzwischen einen Sponsor. Nicht nur Fußballstadien werden gegen schnelle Finanzspritzen nach dem Geber benannt, sondern auch das Herzstück der Universitäten, der Hörsaal.
Der Ort des kritischen Denkens und Diskutierens, wird zur Werbeplattform. Die Studiengebühren stopfen die Finanzlöcher nicht alleine, der ehemalige H1 verdankt seinen Namen nun einem großen Geldinstitut, H2 einem internationalen Wirtschaftsprüfer mit Sitz in Nürnberg. Ich sollte als persönliches Abschiedsgeschenk in großen Buchstaben „Zu Verkaufen“ auf die Türen von Hörsaal Nummer vier schreiben. Der ist noch zu haben.
Lange Wartezeiten im Prüfungsamt
Das Prüfungsamt liegt im ersten Stock. Davor sitzen bereits, es scheint als säßen sie schon länger, sieben Studenten. Nachdem auch ich 40 Minuten gewartet habe, rücke ich ins Zimmer der Sachbearbeiterin vor. Gerade noch kurz vor Ende der Öffnungszeit um 10.45 Uhr. Hochschulstrukturen – nichts was man vermissen wird. Trotz Wirtschaftssponsoren, wenig ökonomisch.
„Ich würde gerne mein Diplomzeugnis abholen“, sage ich stolz. Die Beamtin bietet mir einen Stuhl an, und nach der Unterschrift auf der Empfangsbestätigung halte ich endlich das Papier in Händen, für das ich elf Semester studiert habe. Ob es mir in absehbarer Zeit meinen Traumjob verschaffen wird? Ich wage es zu bezweifeln in Zeiten der Krise.
Während ich die Tür zum Ausgang öffne, überfällt mich erneut Wehmut. Das war’s dann also. Tatsächlich läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Mach’s gut Fakultät. Bei meinem Fahrrad passt mich eine blonde Flyerverteilerin ab, die nächste Studentenparty steht an. Ich kann der Uni getrost den Rücken kehren.
Fabian Friedmann (Absolvent der Uni Erlangen-Nürnberg)

Problem mit Praktikum: Keine Umkleidekabine für Frauen

Von Christiane Fritz

„Sie haben aber einen kurzen Rock an.“ Diese und ähnlich diskriminierende Sprüche von Professoren und männlichen Kommilitonen müssen Studentinnen in technischen Studiengängen oft über sich ergehen lassen.

„Auch die Hochschule ist kein Vakuum“, erklärt Anja Gadow, Vorstandsmitglied des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs). „Auch an der Uni haben Menschen Vorurteile.“ Um diesen entgegen zu wirken, rief die fzs im Rahmen ihrer Kampagne „Kein Sexismus an Hochschulen“ vor kurzem zum dritten Mal zu einer Aktionswoche auf. Acht Universitäten, darunter Heidelberg, Dresden und Leipzig, sagten zu und setzten sich in Informationsveranstaltungen und Ausstellungen mit Erwartungen an und Vorstellungen von Geschlechterrollen auseinander.

Thema wird wenig beachtet

„Wir möchten, dass sich die Universitäten, Studenten und Professoren mit sexualisierter Gewalt beschäftigen“, erklärt Gadow. Denn noch immer werde dieses Thema „relativ wenig beachtet“. Dass gerade Studentinnen, die technische Fächer studieren, unter Sexismus leiden, verdeutlicht die 29-Jährige an einem weiteren Beispiel: So könnten einige Studentinnen im Fach Maschinenbau kein Praktikum absolvieren, da schlichtweg Umkleidekabinen für Frauen fehlten.
Gadow betont jedoch, dass auch Männer sexualisierte Gewalt an der Uni erfahren. Sie müssten in Fächern wie Erziehungswissenschaften sexistische Sprüche ertragen. Bei den flapsigen Bemerkungen bleibe es jedoch selten, erzählt das Vorstandsmitglied.

Neben Sexismus will die Kampagne auch homophobes Verhalten an den Universitäten in die öffentliche Diskussion rücken. Um Diskriminierungen dauerhaft zu verhindern, plädiert Gadow für eine frühe Aufklärungsarbeit. Die sollte bereits im Kindergarten und in der Schule beginnen.

Studium im Rückblick

Von Christin Nünemann

Hätte ich mal mehr Praktika gemacht! Wäre ich doch bloß für ein Semester ins Ausland gegangen! – Hinterher ist man immer schlauer. Mehr Sprachen, mehr Engagement, weniger geschwänzte Vorlesungen. Ob man bei seinem Studium alles richtig gemacht hat oder nicht, lässt sich eben immer erst dann sagen, wenn die Uni-Zeit (fast) vorbei ist.

„Ich hätte lieber an einer Fachhochschule als an der Uni studiert“, sagt Annalena Dietrich,  „dort hat man einfach mehr Praxisbezug“. Das Studium der Geographie hat der 24-Jährigen an der Uni Erlangen sehr gut gefallen, Theater- und Medienwissenschaft eher weniger. „Gewechselt habe ich nicht, weil man ja nie weiß, ob es an anderen Unis besser ist“, sagt Dietrich, „wenn es einem nicht so gut gefällt, muss man eben das Beste daraus machen.“ Dass sie während ihres Studiums nicht im Ausland war, bereut die gebürtige Braunschweigerin, die die 11. Klasse in den USA verbracht hat, nicht. „Ich gehe lieber nach meinem Abschluss ins Ausland“, sagt Dietrich, „wenn mir dann ein Job angeboten wird, kann ich ihn gleich annehmen.“

Auch Sabine Hammernick hat kein Semester im Ausland verbracht. „Ich habe die Erfahrung bereits nach dem Abi gesammelt“, erzählt die 26-Jährige, die Realschul-Lehramt für Erdkunde und Wirtschaft studiert hat. Ihre Traumkombination war allerdings ursprünglich eine andere. „Am Liebsten hätte ich Erdkunde und Sport auf Realschul-Lehramt studiert“, erzählt sie, „zu dem Sport-Eignungstest habe ich mich aber nie angemeldet.“

 

Wieder erst zwei Wochen vor der Prüfung gelernt


Rückblickend hätte Hammernick bei ihrem Studium nicht viel anders gemacht. „Ich hätte Seminare gezielter aussuchen sollen, so dass sie mir für das Staatsexamen auch nützlich sind“, sagt die gebürtige Erfurterin. Außerdem hätte sie kontinuierlicher mitgearbeitet. „Man hat sich das ja jedes Semester vorgenommen“, erinnert sich Hammernick, „aber dann hat man doch meistens erst zwei Wochen vor den Prüfungen mit lernen angefangen“.

„Ich würde nicht viel anders machen“, sagt Anna Souksengphet, die gerade ihre Doktorarbeit über Hörkunst geschrieben hat. Mit dem Verlauf ihres Studiums der Neueren Deutschen Literaturgeschichte, Theater- und Medienwissenschaft sowie der Mediävistik ist die sie sehr zufrieden. „Ich habe mein Studium und die Promotion in angemessener Zeit durchgezogen und immer versucht, auch über den Tellerrand hinaus zu schauen“, sagt Souksengphet.

Neben Praktika im Theater Erlangen und beim Bayerischen Rundfunk, engagierte sich die 27-Jährige auch ehrenamtlich beim Uni-Radio, dem Hörkunstverein Erlangen und den Nachwuchsjournalisten in Bayern. Das einzige, was sie rückblickend an ihrem Lebenslauf ändern würde: Noch mehr praktische Erfahrung sammeln.„Wenn ich neben dem Studium und Nebenjobs noch etwas Zeit gehabt hätte, wären einige Praktika mehr im journalistischen Bereich schön gewesen“, sagt Souksengphet.

Studienabbruch

Von Julius Brockmann

Die einen nehmen, um ihren Traumstudiengang zu bekommen, viele Semester Wartezeit auf sich. Die anderen wechseln ihr Nebenfach häufiger als manches Kleidungsstück. So war es früher, zu Zeiten des Magisters. Mittlerweile sterben diese Studis allerdings aus, werden doch seit Jahren nur noch Bachelor-Studiengänge angeboten. Einmal entschieden, legt der Lehrplan die nächsten drei Jahre fest.

Wohl jeder Studi hat während seines Studiums eine Phase, in der er sich fragt: Wozu das alles? Gerade unter Geisteswissenschaftlern ist dieses Phänomen verbreitet. Schließlich wartet nach dem Abschluss selten ein Jobangebot oder eine überdurchschnittliche Bezahlung.

Ganz anders sieht das bei den Ingenieuren und Maschinenbauern aus. Überraschenderweise vermeldet nun der „Focus“, dass rund die Hälfte der Maschinenbaustudis ihr Studium vorzeitig abbricht. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau hatte eine Studie beim Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover in Auftrag gegeben, um nach den Gründen zu forschen. Fazit: Viele sind mit den Leistungsanforderungen schlicht überfordert, haben finanzielle Schwierigkeiten, da das Studium eine Nebenbeschäftigung fast unmöglich macht, und bestehen so wichtige Prüfungen nicht.

Schadenfreude beim Klassentreffen

Dass ein Weg aus dem Studium ohne Abschluss nicht zwangsläufig ins Abseits führt, ist relativ neu. Sind da doch zunächst Selbstzweifel, die Misere im Geldbeutel, die Schadenfreude manch eines ehemaligen Mitschülers. Denn wer gibt beim Klassentreffen schon gern zu, sein Studium abgebrochen zu haben?

Da helfen auch Promis wie Reinhold Messner oder der in diesem Zusammenhang oft zitierte Günther Jauch wenig, denn diese bilden nun mal die Ausnahme. Nicht jeder wird gleich Moderator oder Bergsteiger nach dem Hinschmeißen der akademischen Laufbahn. Ein Trost ist jedoch: Rund drei Viertel der Abbrecher haben ein halbes Jahr später einen Job. Dies geht ebenfalls aus einer Studie des HIS hervor.

Viele Praktika ohne Geld

Von Julius Brockmann

Faxen, kopieren, abheften, Kaffee kochen. Typische Praktikantentätigkeiten sehen längst anders aus. Oft werden Praktikanten über Monate angestellt und übernehmen nach und nach eine vollwertige Stelle. Zu deutlich schlechterer Bezahlung und ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Kein Wunder, dass sich in den vergangenen Jahren der Begriff Generation Praktikum herausgebildet hat.

Eine Bezahlung sollte eigentlich selbstverständlich sein, trotzdem hat eine Entlohnung meist noch Seltenheitswert. So quälen sich Studenten durch viele Praktika, egal ob bei Parteien, Verbänden, Fernsehsendern oder im Theaterbetrieb: Oft ist nicht viel mehr drin als ein „Danke“ und ein Praktikumszeugnis. Fahrkarte, Verpflegung, Aufwand, alles zu Lasten der Praktikanten.

Der „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ haben jüngst gemeldet, dass selbst im Arbeitsministerium die Praktikanten kein Geld für ihren Job bekommen. Und das, obwohl Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) Verfechter der angemessenen Bezahlung sei. Zur Begründung seitens des Ministeriums hieß es, dass die rund 100 Praktikanten, die pro Jahr im Ministerium arbeiten, alle Pflichtpraktika absolvierten. Die Praktikanten sollten dazulernen und würden nicht als Ersatz einer Arbeitsstelle herhalten, sagte eine Sprecherin.

Hoffnung aus Baden-Württemberg

Diese Regelung gilt in vielen Bereichen. Wenn Studenten während ihres Studiums Praktika machen, sind diese oft unbezahlt. Mit Diplom in der Tasche sollten sie allerdings auch vergütet werden, woran sich die meisten Arbeitgeber halten. Fest steht: Es gibt keine gesetzliche Regelung zur Mindestentlohnung und maximalen Praktikumszeit.

Ein Hoffnungsschimmer für alle unbezahlten Praktikanten kommt da aus Baden-Württemberg. Dort schuftete eine Hochschulabsolventin für 375 Euro im Monat bei einer Agentur. Sechs Monate lang. Das Landesarbeitsgericht entschied, dass die 2,46 Euro Stundenlohn entschieden zu wenig seien und wertete die Praktikumszeit nach dem Studium als Probezeit. Ein später Sieg, der 7100 Euro Nachzahlung einbrachte.

Wie Mutti im Netz hilft

<!–[if gte mso 9]> Normal 0 21 MicrosoftInternetExplorer4 <![endif]–> Von Julius Brockmann

Einmal bei Mama ausgezogen, heißt es für viele männliche Junggesellen: Pizzataxi, Burger und Döner. Die Nahrungsaufnahme wird so zur kostspieligen Angelegenheit. Einige sind nicht in der Lage, sich selbst zu bekochen, geschweige denn, gewillt dies zu tun. Aber auch die weiblichen Kommilitonen haben so manches Mal Probleme und sind mit ihrem Küchenlatein schnell am Ende. Um dem Abhilfe zu schaffen, spezialisieren sich Autoren mit Büchern wie „Studentenfutter“ oder „Kochen für Singles“ auf die Zielgruppe Jungakademiker mit niedrigen Kochkünsten, wahlweise ohne Partner, der den Part am Herd übernehmen könnte.

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Besuch bei Günther Jauch

Zwei Studenten aus Ludwigsburg erging es da ähnlich. Der Legende nach wollten sie einmal aus Kartoffeln schmackhafte Salzkartoffeln herstellen, wussten aber nicht wie. Der eine griff zum Hörer, rief seine Mutter an und schwups, waren die Erdäpfel in Form gebracht. Mutter weiß eben, was zu tun ist. Fortan gaben die Studenten unter frag-mutti.de und frag-vati.de Haushaltstipps und Handwerksratschläge. Und das sehr erfolgreich: Bernhard Finkbeiner und Hans-Jörg Brekle stießen mit ihren Tipps im Netz anscheinend auf eine Marktlücke. Seit fünf Jahren gibt es die Website nun schon. Die besten Tipps brachten die Studenten in mehreren Büchern heraus. Wie es sich für echte Schwaben gehört, war auch ein Buch zum Thema Sparen dabei. Die Medien wurden auf die Informatik-Studenten aufmerksam. Sie kochten bei Günther Jauch im Fernsehstudio, gaben Radiointerviews und schafften es in die „Bild“-Zeitung. Reich geworden seien sie laut eigenen Angaben bisher allerdings nicht mit der Seite und dem Buchverkauf. Was Feministinnen und „Gender“-Forscher dazu sagen, dass die Studenten die Mutter an den digitalen Herd stellen und der Vater sich um alles Handwerkliche kümmert, ist nicht bekannt. Fest steht wohl nur, dass Finkbeiner und Brekle mit ihren Tipps vielen Studenten geholfen haben.