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Tabuthema Studienabbruch

Andreas war nicht da. Schon vorab hatte er erklärt, dass er auf keinen Fall zum fünfjähri­gen Abiturtreffen seines Jahr­gangs kommen wolle. „Da muss ich allen erklären, warum ich nicht mehr an der Uni bin“, sagte er. Und diese Vorstellung war ihm peinlich. Seine Angst war stärker als die Vorfreude darauf, mit den alten Schulkameraden wieder einmal zu quatschen und zu feiern. Sein Entschluss stand fest: „Ich gehe nicht hin.“

Bis zum vergangenen Semester hatte Andreas an der Uni Erlan­gen Elektrotechnik studiert. Doch nachdem er drei Mal an der Klausur in Experimentalphysik scheiterte, empfahl ihm der Pro­fessor, sich nach alternativen Stu­dienmöglichkeiten umzusehen.

Jeder Dritte bricht wegen zu hohen Anforderungen ab

Fast jeder dritte Student bricht sein Studium ab, weil er sich über­fordert fühlt. Das zeigt eine Stu­die des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Rund 2500 Studi­enabbrecher beteiligten sich an der Untersuchung. Elf Prozent der Befragten mussten ihr Stu­dium beenden, weil sie durch eine Prüfung gefallen waren. Insge­samt bricht rund jeder Fünfte sein Studium endgültig ab. „Von einem Studienanfängerjahrgang mit 100 erstimmatrikulierten Stu­dierenden verlassen 21 die Hoch­schule endgültig ohne Examen“, heißt es in der HIS-Studie.

Bei den alten Studienabschlüs­sen erreichten Studierende auch mit nicht bestandenen Prüfungen höhere Semester. Beim Bachelor zählt von Anfang an jede Klau­sur. „Während in den herkömmli­chen Studiengängen die Abbre­cher nach durchschnittlich 7,3 Fachsemestern die Hochschule verlassen, ist dies in den Bachelor­studiengängen nach 2,3 Semes­tern der Fall“, zeigt die Studie.

Seit diesem Semester studiert Andreas Elektrotechnik an der Fachhochschule in Nürnberg. Es gefällt ihm dort gut. „Der Druck ist geringer und die Vorlesungen praxisnaher“, sagt er. „Vielleicht komme ich zum zehnjährigen Abi­treffen.“

Christina Merkel

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Der Protest geht weiter

urn:newsml:dpa.com:20090101:091229-10-11029Rund 200 Studierende demons­trierten am vergangenen Mittwoch in München, als Wissen­schaftsminister Wolfgang Heu­bisch Studierendenvertreter aus ganz Bayern zum Gespräch emp­fing. Es waren zwar wesentlich weniger Demonstranten als Ende vergangenen Jahres bei den Nürn­berger Protestmärschen. Doch die Studenten wollten mit ihrer jüngs­ten Demo zeigen, dass sie ihre For­derungen nach besseren Studien­bedingungen über die Feiertage nicht vergessen haben.

„Für uns alle steht fest, dass es 2010 mit dem Protest weitergehen soll“, sagt Rene R., Student an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg und ehema­liger Mitbesetzer der Ohm-Hoch­schule. „Besetzung ist nur eine Form des Protests, es gibt noch viele andere.“ Bereits zweimal in diesem Jahr haben sich die Nürn­berger Besetzer getroffen, um zu diskutieren, wie es weitergeht. „Bis jetzt reflektieren wir noch, was im Dezember richtig und was falsch gemacht wurde“, sagt Rene. 50 bis 100 Menschen, schätzt er, waren beide Male mit dabei. Sie wollen sich nun jeden Donnerstagabend wieder treffen.

Forderungen sind noch nicht umgesetzt

Denn: „Wir sehen unsere Forde­rungen noch nicht umgesetzt“, sagt Rene. Noch immer müssen sie Studiengebühren bezahlen. Es gibt keine verfasste Studierenden­schaft in Bayern. Etwas haben die Proteste erreicht. „Wir wurden wahrgenommen“, sagt der Lehr­amtsstudent. „In den Gremien wird über unsere Forderungen gesprochen.“ Auch dass in Bam­berg die Studiengebühren um 100 Euro verringert wurden, „zählen wir zu unseren Erfolgen“, sagt Rene. Die Masse an Besetzungen sei entscheidend gewesen.

Deshalb wollen die Nürnberger Studierenden in der kommenden Zeit vor allem andere Aktionen unterstützen. Einige von ihnen sind vergangenen Mittwoch zur Demo nach München gefahren. Ende Januar soll in Frankfurt demonstriert werden. „Wir wer­den dort sein“, sagt Rene.

Christina Merkel

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Zu alt für Geburtstag?

In jedem Erwachsenen steckt ein Geburtstagskind. Das möchte einmal im Jahr herausge­lassen und beachtet werden – auch an der Uni.
Schokoladenkuchen oder kleine Brezeln für jeden Spielka­meraden haben die Drei- bis Fünf­jährigen in den Kindergarten mit­gebracht, wenn sie Geburtstag hatten. Manchmal bekam jedes Kind der Gruppe auch ein kleines Päckchen mit Gummibärchen oder ein Sandförmchen ge­schenkt, zum mit nach Hause neh­men. Die Kindergärtnerin wusste den Geburtstag jedes ihrer Schützlinge. Nach der Früh­stückspause sangen alle „Wie schön, dass du geboren bist“ und das Geburtstagskind durfte auf einem besonderen Platz sitzen.

In der Grundschule hingen an der Wand neben der Tafel 24 rote Papierbilderrahmen. In jedem das Foto eines Klassenmitglieds, darunter war das Geburtsdatum geschrieben. Spätestens als alle Kinder die Zahlen gelernt hatten, konnte jeder nachsehen, wann der Banknachbar Geburtstag hatte. Die Lehrerin schenkte dem Geburtstagskind einen Gut­schein, für einmal Hausaufgaben nicht machen müssen.

Trotzdem habe ich Kuchen dabei

Der Professor räuspert sich laut. Ich sitze mit 200 weiteren Studenten in der Physikvorle­sung. Keiner hier weiß, dass ich heute Geburtstag habe. Es ist mein erstes Semester an der Uni, bis Januar haben sich meine Kom­militonen bestenfalls die Namen ihrer ständig wechselnden Bank­nachbarn gemerkt, aber nicht deren Geburtsdatum. Neben der Tafel hängen keine Papierrah­men. Keiner singt mir ein Lied.
Trotzdem habe ich Kuchen dabei. Im Seminar am Nachmit­tag sind wir nur zu zwölft. Eine, mit der ich mich seit dem ersten Tag gut verstehe, läuft auf mich zu: „Alles Gute zum Geburtstag!“ Jetzt wissen es alle. Sie gratulie­ren und ich packe den Kuchen aus. „Das ist ja wie im Kindergar­ten hier“, sagt der Professor. Zum Glück.

Christina Merkel

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Die Uni in zwei Städten

Hochschul-Campus in Erlangen? – Fehlanzeige. Nicht nur, dass die Studenten der Friedrich-Alexander-Universität über ganz Erlangen verstreut sind. Nein, sie befinden sich sogar in zwei verschiedenen Städten. Das wäre kein Problem, wenn die einen nur in Erlangen und die anderen nur in Nürnberg studie­ren würden. Tun sie aber nicht.

So müssen die Wirtschaftsinfor­matiker zum Beispiel Informatik an der Erlanger Tech Fak und BWLan der Nürnberger Re Wi stu­dieren. Dass das bei so manchem den Stunden- beziehungsweise Zeitplan gehörig durcheinander­wirft, ist programmiert. Denn wie soll es bei der obligatorischen 30-Minuten-Pause zwischen den Vorlesungen möglich sein, von Erlangen nach Nürnberg oder von Nürnberg nach Erlangen zu gelangen? Fährt der Student mit dem Zug, kommt er zu spät. Ebenso, wenn er den Bus nimmt. Mit dem Auto wäre es fast zu schaffen, wäre da nicht die lang­wierige Parkplatzsuche.

Dass die Uni auf zwei Städte verteilt ist, hat aber auch Vor­teile. So zum Beispiel für die Lehr­amtsstudenten, die manche Vor­lesungen sowohl in Nürnberg als auch in Erlangen besuchen kön­nen. So lässt sich der Stunden­plan flexibler gestalten. Meistens zumindest.

Am Morgen in Erlangen, am Nachmittag in Nürnberg

So müssen beispielsweise die angehenden Lehrer, deren Stu­dium inzwischen auch auf Bache­lor umgestellt wurde, ein Pädago­gik- Modul mit zwei Vorlesungen belegen. Diese Vorlesungen wer­den sowohl in Erlangen als auch in Nürnberg angeboten. „Prima“, dachte sich ein Nürnberger Stu­dent, der die eine Pädagogik-Vor­lesung in Erlangen besucht. „Dann kann ich ja im nächsten Semester die andere Pädagogik-Vorlesung in Nürnberg besuchen und muss nicht mehr pendeln.“ Zu früh gefreut.

Obwohl die Erlanger und die Nürnberger Vorlesungen den iden­tischen Inhalt haben, müssen beide an einem Ort absolviert wer­den. Wer den einen Schein also in der Hugenottenstadt macht, muss seine Leistung für den anderen auch hier erbringen. Und das, obwohl die Lehrveranstaltungen an der gleichen Uni und nur an anderen Orten angeboten wer­den!
Die Begründung des Dozenten: „Die machen das da ein bisschen anders.“ Aha. Fragt sich nur, wie die ach so flexiblen Studenten innerhalb Deutschlands oder gar Europas von einer Hochschule zur anderen wechseln sollen und dabei Scheine anerkannt bekom­men, wenn das noch nicht einmal innerhalb einer Universität funk­tioniert.

Christin Nünemann

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urn:newsml:dpa.com:20090101:091228-10-10239Ein Jahresrückblick anhand des eigenen Taschenkalen­ders.

Januar: Aufwärmphase. Nicht viel los, abgesehen vom „Ich“ auf der Geburtstagsliste. Das Älterwerden fiel 2009 auf einen Sonntag, nach der Kneipen­tour am Vorabend kamen die Gäste deshalb mittags zum Brunch vorbei.

Februar: Prüfun­gen in der Uni, danach Besuch von der Freundin aus Berlin, der zwar auf dem Papier eine Woche dauerte, aber gefühlt viel schnel­ler vergangen ist.

März, April: Zurück an der Uni, einige große WG-Partys fanden statt, bevor sich Lernstoff und Hausarbeiten zu sehr ansammel­ten.

Mai: Organisations-Treffen für das Campus-Sommerfest, Lis­ten für Bratwürstchen, Getränke und Sitzbänke. Der Gewitter­schauer am Tag der Feier stand nicht auf dem Plan.

WG-Partys und Prüfungen

Juni: Die Notizen für Nachmit­tage mit der Lerngruppe häufen sich, das Unvermeidliche folgt im

Juli: Wieder Prüfungen, diesmal in größerer Zahl und Dichte. Ich erinnere mich an Momente kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Rasch weiterblättern zum Erho­lungsurlaub in Schweden.

August: Beginn des Sommer­praktikums. Termine, Notizen, dazu ein paar Kritzeleien, die während des Telefonierens ent­standen sind. Nach Feierabend ging es oft mit anderen Praktikan­ten ins Schwimmbad oder in die Eisdiele.

September: Weiter bei der Arbeit, allmählich Vorfreude auf das kommende Semester, in dem man vielleicht wieder die Chance auf ein paar freie Nach­mittage hat.

Oktober, November: Tage vollgepackt mit Seminaren und Vorlesungen, Sehnsucht nach den Wochen im Praktikum, in denen man für seine Schufterei wenigstens entlohnt wurde.

Dezember: Traditioneller Besuch auf dem Weihnachts­markt, Feiertage mit der Familie, Wiedersehen von alten Freunden an Silvester. Erster Vorsatz für das nächste Jahr: Einen neuen Taschenkalender kaufen.

Lisa Leander

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Wie immer an Weihnachten

urn:newsml:dpa.com:20090101:091223-11-10609Weihnachten ist das schönste Déjà-vu-Erlebnis des Jah­res. Nach Monaten in der Studen­ten- WG sitzen wir wieder zu Hause am Tisch und erinnern uns an die Tage, in denen wir nie fern waren von einem gut gefüllten Kühlschrank und frisch duften­den Bettlaken. Der letzte Besuch ist eindeutig zu lange her, die Katze beginnt schon zu fremdeln. Ansonsten ist alles wie immer: Der Christbaum steht, die Gans brutzelt, die Geschenkpakete sehen besonders groß aus. Ach nein, das täuscht, der Baum ist nur kleiner. Sie wollten nicht mehr so ein Riesending besorgen, erklärt der Vater, schließlich seien die Kinder aus dem Alter raus. Na gut, verschmerzen wir das… Himmel, warum ist das bloß so hell hier? Das seien die neuen LED-Lämpchen, bemerkt er stolz. Die hielten länger und seien viel sicherer als die alten Lichterketten.

Vor dem Gänsebraten lauern die Fragen zum Studium

Die Mutter kommt aus der Küche und setzt sich dazu. Müsste die Gans nicht schon fer­tig sein? Nein, die brauche noch ein bis zwei Stündchen, sie pro­biere gerade diese Niedriggarme­thode aus, heutzutage mache das jeder so. Bis es soweit ist, löchert sie uns mit allerlei Fragen über das Studium. Der Gedanke an die Seminararbeit, die bis kommen­den Montag fertig sein soll, bohrt sich schmerzhaft ins Gedächtnis. Doch die Zeit hat kein Einsehen, sie bröselt vor sich hin wie ange­trocknetes Buttergebäck.

Als die Gans endlich kommt, schmeckt sie anders als sonst. Alles ist anders dieses Jahr. Der alte Holzengel hängt auch nicht am Fenster! Tatsächlich, wo sei der denn eigentlich hingekom­men, fragt die Mutter scharf. Der Vater kaut und schweigt. Der lag bestimmt mit den anderen Sachen auf dem Speicher, zetert sie, das sei ja typisch, er hätte das Ding noch nie gemocht. Stimmt, erwidert er. Da ist er wieder, der traditionelle, fünf-minütige Weih­nachtszank. Wir schließen neue Freundschaft mit der Katze, indem wir ihr ein Stück halbgare Gänsebrust schenken.

Lisa Leander

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Copyright (c)2009 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 23.12.2009

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Ich kleb’ dir eine!

Sitzt ein Zebra in der Uni-Bi­bliothek und genießt den Son­nenuntergang. Am Tisch nebenan heult ein roter Mustang mit schwarzem Faltdach und polier­ten Felgen laut auf – die wild­romantische Berglandschaft des Impressionisten Cezanne zwei Arbeitsplätze weiter vorne scheint nicht seinem Kunstver­ständnis zu entsprechen.

In der Brutstätte der Abschluss­arbeiten und Examensvorberei­tung zählen innere Werte seit neu­estem kaum mehr. Wer etwas auf sich hält, bekennt Farbe. Und zwar nicht mit bedrucktem T-Shirt oder bunter Umhängeta­sche. Das Objekt der Selbstdar­stellung bildet eben jenes Spiel­zeug, das es längst vom elitären BWLer-Accessoire zum besten Freund beinahe jedes Studenten geschafft hat: der Laptop.

Damit die Individualität im grau-silber-schwarzen Einheits­glanz nicht zu kurz kommt, kle­ben kreative Notebook-Halter auch an der Universität Nürn­berg- Erlangen vermehrt darauf los und verschönern die langweili­gen Deckelfronten ihrer Begleiter mit bedruckten Folien. Ob in der Unibibliothek, im Lerntempel der Mathematiker oder in der Philoso­phenschule – immer häufiger hal­ten einen die bunten Hingucker vom Lernen ab.

Filmstar-Portrait oder Herzchen-Explosion

Im Internet findet sich mittler­weile eine große Auswahl ver­schiedenster Muster und Formate von rosa Herzchen-Explosion über Filmstar-Porträt bis zu pla­kativen Sprüchen wie „I wasted my life playing video games. Luckily I have two extra lifes“.

Wem diese Möglichkeiten, den anderen Bücherratten zwischen Strafrecht und Exponentialfunk­tion sein wahres Ich mitzuteilen, nicht genügen, der kann bei eini­gen Anbietern sein ganz persönli­ches Klebebildchen gestalten und mit Goethe-Zitat den Literatur­wissenschaftler oder mit Ein­stein- Karikatur den Physiker durchblitzen lassen. Zeig mir dei­nen Laptop und ich sage dir, wer du bist – dank der originellen Sty­lingmöglichkeit rücken Leistung und Marke des Begleiters in den Hintergrund.

Denn was bedeutet schon ein einzelner Apfel auf dem Compu­terrücken, wenn nebenan eine Südtiroler Obstplantage erblüht? Ach wirklich, du studierst Biolo­gie? Ich liebe ja Südtirol! Nett, dich kennenzulernen… Neben erleichterter Kontaktaufnahme bietet die neue Selbstdarstel­lungs- Spielerei mit hohem Ablen­kungspotenzial übrigens auch eine interessante Parallele zur Fächerwahl einer Studentenlauf­bahn: Beide sind Ausdruck der Persönlichkeit und beide können, solange der Geldbeutel mitmacht, beliebig oft gewechselt werden.

Brigitte Vordermayer

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Naschen ohne Reue

PlätzchenIhre Extrakte sind 300 mal süßer als Zucker, machen nicht dick und schützen sogar vor Zahn­belag: Die Pflanze „Stevia rebau­diana Bertoni“ aus Südamerika ist wohl der wahrgewordene Traum vieler Naschkatzen. Doch während Indianer in Paraguay und Brasilien sich seit Jahrhun­derten den Tee mit ihr versüßen und auch die Asiaten schon auf den Geschmack gekommen sind, ist sie in der EU bisher nicht zuge­lassen. Sie fällt unter die Novel-Food-Verordnung, nach der alle Lebensmittel, die seit dem 15. Mai 1997 neu auf den Markt drän­gen, zuerst eingehend geprüft wer­den müssen.

Sollte es mit der Zulassung klappen, ginge der großangelegte Import des Wunderkrauts dann nicht auf Kosten der Umwelt? Yaroslav Shevchenko, Experte für Lebensmittelbiotechnologie an der Technischen Universität Berlin, will Stevia deshalb nach Deutschland holen. Er hat die käl­teempfindliche Staudenpflanze in seinem Labor nachgezüchtet. Bei Temperaturen von über 25 Grad lassen sich ihre Ableger innerhalb von drei Wochen auf die richtige Größe ziehen. Die Blätter kann er dann zehnmal im Jahr ernten. Laut dem Berliner Forscher ist es möglich, die Stau­den so auch im großen Maßstab für die Industrie anzubauen. Ganz überflüssig machen kann Stevia den handelsüblichen Zucker jedoch nicht, denn sie braucht ihn selbst zum Wachsen: 50 Gramm Zucker pro Liter Nähr­lösung sind dazu ideal.

Super süß, aber kaum Kalorien

Aus den Pflanzenfasern lassen sich die Glykoside gewinnen, die für die sagenhafte Süße verant­wortlich sind. Da die Zunge sie zwar schmecken, aber der Körper nicht verwerten kann, haben sie kaum Kalorien. Vor allem für Dia­betiker könnte Stevia eine gesun­den Alternative zu anderen Zuckerersatzstoffen sein, meint Shevchenko.

Obwohl die offizielle Genehmi­gung fehlt, sind bereits zahlreiche Stevia-Produkte in Deutschland erhältlich. Solange sie nicht als Lebensmittel deklariert werden, können Pulver, Tabletten, Sirup oder ganze Blättern etwa als Grundstoff zur „Herstellung von Dentalkosmetik“ verkauft wer­den. In Bayern stritt bis vor kur­zem ein Biohändler mit den Gerichten des Freistaats darüber, ob er seinen mit Stevia gesüßten Tee weiter vertreiben darf, da er schon vor dem EU-Stichtag im Jahr 1997 mehrere Tonnen davon umgesetzt hat. Seit Juli befasst sich nun der Europäische Gerichtshof mit dem Fall.

Lisa Leander

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Scharfer Semesterstart

DenkpfefferBlaue Taschen mit dem Uni­ Logo darauf bekommen Stu­dienanfänger in Erlangen geschenkt. Darin verpackt gibt es für jeden Infobroschüren, einen Block und Kugelschreiber. Auch an der Universität Hannover bekommen die Erstsemester zum Studienstart blaue Tragetaschen. Seit diesem Wintersemester ist darin jedoch eine außergewöhnli­che Überraschung enthalten: „Denkpfeffer – das intelligente Gewürz“.

Die Zutatenliste verrät in etwa, was darin steckt: Traubenzucker, Salz, Zwiebeln, Knoblauch, Kur­kuma, Lauch, Paprika, Karda­mom, Zitronenöl. Die genaue Mischung ist aber geheim. Im Ein­führungsheft finden die neuen Studenten in Hannover auch einen Rezeptvorschlag. In die „Bunte Gemüsepfanne“ gehört neben Zucchini, Kartoffeln, Paprika ein Esslöffel Denkpfef­fer. Denn „Denkpfeffer ist das ideale Gewürz zu Fleisch, Gemüse, Reis und Nudeln. Ganz ohne Geschmacksverstärker oder andere künstliche Inhaltsstoffe“.

Ein Gewürz, das mitdenkt

„Wir wollten unseren Studen­ten etwas Auffälliges mitgeben, das sie mit der Universität verbin­den“, sagt Cornelis Kater vom Organisationsteam der Erstsemes­tereinführung. „Einer unserer Mitarbeiter ist außerdem Koch. Da kam uns die Idee, ein eigenes Gewürz zu erschaffen.“ Die oberfränkischen Raps Gewürzwerke in Kulmbach unter­stützten das Team bei seinem Vor­haben. In ihrer Testküche entwi­ckelten sie die spezielle Mischung und spendierten 200 Kilo Denkpfeffer zum Semesterstart.

„Ein Gewürz mit Pfiff, das mit­denkt und zu allen Speisen passt“, sagt Kater. „Unsere Hoch­schule soll für die Studenten das sein, was das Gewürz fürs Essen ist.“ Dass in Denkpfeffer selbst kein Pfeffer enthalten ist, sieht Kater nicht als Widerspruch. „Wir haben einen Namen gesucht, der Stärke und Kraft aus­drückt und die Verbindung zur Hochschule herstellt.“ Das kommt bei den Erstsemestern gut an. „Auf unserer Homepage for­dern die ersten Nachschub“, sagt Kater. Je 50 Gramm sind in den 4000 Packungen, die die Studen­ten geschenkt bekommen haben. „Sobald die Finanzen geregelt sind, wollen wir weiteren Denkpfeffer zu studentenfreundli­chen Preisen verkaufen.“

Christina Merkel

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Hörsaal als Schlafzimmer

Hörsaal_OhmDie Studenten haben es sich gemütlich gemacht: Einen Adventskranz haben sie im Foyer der Ohm-Hochschule an der Bahn­hofstraße in Nürnberg stehen, und einen Weihnachtsbaum. Die Hörsaal-Besetzer haben bereits einen Schichtplan entworfen, damit auch über Weihnachten immer jemand das Audimax besetzt hält und die Hochschule nicht einfach über die Feiertage die Türen schließen kann.

Der Hochschulleitung geht die Besetzung schon länger auf die Nerven, auch Prof. Roland Geg­ner, Dekan der Fakultät Betriebs­wirtschaft, hat die Studenten bei einer Podiumsdiskussion vor einer Woche aufgefordert, den Hörsaal wieder für Lehrveranstal­tungen freizugeben: „Am besten schon morgen Früh um 8 Uhr.“ Es grummelt auch unter den Studen­ten: Nicht alle stehen geschlossen hinter dieser Form des Protestes, und nicht alle Kommilitonen ste­hen hinter den Forderungen.

„Das ist eine Unverschämtheit“

Vor allem Studenten der Betriebswirtschaftslehre stört es, dass sie für ihre Pflichtveranstal­tungen aus dem Audimax in klei­nere Räume und teilweise ganz andere Gebäude ausweichen müs­sen – während im Hörsaal sogar unter tags manchmal mehr geschlafen als gestreikt wird. Am Mittwoch gegen 10 Uhr waren im größten Vorlesungsraum an der Bahnhofstraße gerade einmal drei Streikende, alle in ihre Schlafsä­cke eingelümmelt. Die Luft roch verbraucht.

„Das ist eine Unver­schämtheit“, beklagt sich ein Fünftsemestler, und eine Kommi­litonin ergänzt: „Wenn sie wenigs­tens unter tags in einen anderen Raum gehen würden, könnte ich ja noch damit leben.“ Dann würde – argumentieren Befürworter der Besetzung – die Aktion aber deutlich an Gewicht verlieren, der Druck auf die Poli­tik geringer werden. Zum Streik gehört bewusst die Provokation, auch mit geringem Personal – und sogar schlafend – ganze Massen­veranstaltungen lahmzulegen.

Markus Kaiser

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