Mein Abschied von der Uni

Mit dem Fahrrad radle ich den gewohnten Weg zur Uni. Unterwegs wird mir bewusst: Das ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich diese Strecke fahre. Meine Diplomarbeit habe ich vor Monaten abgegeben. Jetzt bekam ich die Note mitgeteilt. Ich bin zufrieden und glücklich, es endlich geschafft zu haben.
Jetzt gehe ich mein Zeugnis im Prüfungsamt abholen. Es wird mein letzter Streifzug durch die Fakultät, das letzte Mal durch die langen Gänge laufen, das letzte Mal der etwas muffige Geruch. Bei diesen Gedanken werde ich fast ein bisschen wehmütig. Wenn ich das Zeugnis in Händen halte, bin ich Absolvent der Sozialwissenschaften, genauer Diplom-Soziologe. Damit gehöre ich zu einer aussterbende Rasse.
Denn neuerdings gibt es „Bachelors of Social Economics“ oder gleichnamige „Master“. Seit meinem Studienbeginn vor sechs Jahren hat sich vieles verändert. Meine Fakultät trägt einen neuen Namen. In der ganzen Metropolregion – auch so ein neues Wort – noch immer unter WiSo bekannt, heißt die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät seit fast schon zwei Jahren ReWi, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. WiSo hat mir besser gefallen, schon vom Klang her.
Keine Sozialistische Hochschulzeitung heute
Als ich mein Fahrrad vor dem Eingang abschließe, sind dort ausnahmsweise keine Flyer-Verteiler postiert, die die nächste Party anpreisen. Der Mann mit der Sozialistischen Hochschulzeitung in Händen ist heute auch nicht zu sehen. Eventuell hat er es aufgegeben, kostenlose Exemplare an desinteressierte Studenten verteilen zu wollen. Sonst habe ich immer versucht, mich geschickt an ihnen vorbeizudrücken, heute fehlen sie mir in meinem Abschiedsbild.
Langsam kann ich über den Campus laufen. Ich betrete die kalte Eingangshalle, deren Aussehen und Geruch mich nach wie vor an das Flair einer Großraumtoilette erinnern. Ausgerechnet solche Dinge bleiben. Zwar fehlt es der Halle an Zuwendung, dafür hat fast jedes Auditorium inzwischen einen Sponsor. Nicht nur Fußballstadien werden gegen schnelle Finanzspritzen nach dem Geber benannt, sondern auch das Herzstück der Universitäten, der Hörsaal.
Der Ort des kritischen Denkens und Diskutierens, wird zur Werbeplattform. Die Studiengebühren stopfen die Finanzlöcher nicht alleine, der ehemalige H1 verdankt seinen Namen nun einem großen Geldinstitut, H2 einem internationalen Wirtschaftsprüfer mit Sitz in Nürnberg. Ich sollte als persönliches Abschiedsgeschenk in großen Buchstaben „Zu Verkaufen“ auf die Türen von Hörsaal Nummer vier schreiben. Der ist noch zu haben.
Lange Wartezeiten im Prüfungsamt
Das Prüfungsamt liegt im ersten Stock. Davor sitzen bereits, es scheint als säßen sie schon länger, sieben Studenten. Nachdem auch ich 40 Minuten gewartet habe, rücke ich ins Zimmer der Sachbearbeiterin vor. Gerade noch kurz vor Ende der Öffnungszeit um 10.45 Uhr. Hochschulstrukturen – nichts was man vermissen wird. Trotz Wirtschaftssponsoren, wenig ökonomisch.
„Ich würde gerne mein Diplomzeugnis abholen“, sage ich stolz. Die Beamtin bietet mir einen Stuhl an, und nach der Unterschrift auf der Empfangsbestätigung halte ich endlich das Papier in Händen, für das ich elf Semester studiert habe. Ob es mir in absehbarer Zeit meinen Traumjob verschaffen wird? Ich wage es zu bezweifeln in Zeiten der Krise.
Während ich die Tür zum Ausgang öffne, überfällt mich erneut Wehmut. Das war’s dann also. Tatsächlich läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Mach’s gut Fakultät. Bei meinem Fahrrad passt mich eine blonde Flyerverteilerin ab, die nächste Studentenparty steht an. Ich kann der Uni getrost den Rücken kehren.
Fabian Friedmann (Absolvent der Uni Erlangen-Nürnberg)

Die Hürden der Jobsuche

Von Kerstin Röpke

Die letzte Prüfung ist bestanden, die Abschlussnote ist bekannt, das Abschlusszeugnis ist schon so gut wie unterwegs – und dann kommt das tiefe schwarze Loch, das den frisch gebackenen Absolventen in die Tiefe zu reißen droht. Fragen schwirren durch den Kopf, Fragen wie „Möchte ich direkt anfangen zu arbeiten? Nehme ich mir noch eine Auszeit und mache eine Weltreise? Sollte ich lieber noch ein paar Praktika machen, um mich zu orientieren?“.

Ratschläge werden in den wenigsten Fällen angenommen. Aber wenn man bedenkt, dass es manchmal Monate dauert, bis eine ausgeschriebene Arbeitsstelle tatsächlich besetzt wird, lassen sich diese Optionen gut miteinander vereinbaren.

Die inzwischen wichtigste Quelle für Stellenanzeigen ist das Internet. Viele Webseiten sind auf Jobsuchen spezialisiert, und der Benutzer kann sich ohne viel Arbeit die gewünschten und passenden Stellen per E-Mail zuschicken lassen. Dann muss er sich diese heraussuchen, an die er gerne eine Bewerbung schicken möchte.

Auch dies funktioniert in den meisten Fällen online: Entweder werden die Unterlagen per E-Mail versandt oder auf den firmeneigenen Homepages hochgeladen. Einfacher und vor allem preiswerter geht es nicht.

Lieber Sprachkurse als vor dem Fernseher sitzen

Wenn der Bewerber Glück hat, bekommt er eine Antwort auf seine Bewerbung. Oft ist dies aber monatelang nicht der Fall. Also heißt es abwarten und sich anderweitig die Zeit vertreiben. Sinnvoll sind die bereits erwähnten Praktika, da sie manchmal auch den Einstieg in ein Unternehmen erleichtern können. Aber auch Sprachkurse an der örtlichen Volkshochschule oder Weiterbildung im Selbststudium bieten eine Möglichkeit, nicht in einen Fernseh-Schlafen-Essen-Alltag zu geraten.

Hilfreich bei der Jobsuche ist die Agentur für Arbeit nur bedingt – je nach Studienfach. Eigeninitiative ist gefragt! Das Arbeitsamt unterstützt alle als arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldeten Absolventen bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen finanziell.
Aber was passiert, wenn man monatelang keinen Erfolg mit seinen Bewerbungen hat? Oft hilft ein Blick über den eigenen Studienfach-Tellerrand. Denn manchmal wird nur nach den eigenen Fächern, nicht aber nach anderen Qualifikationen geschaut, die auch bei Arbeitsstellen passen könnten, die auf dem ersten Blick nicht so wirken.

Partyführer für Studenten

Von Kerstin Röpke

Das Sommersemester hat vor einer Woche begonnen. Nicht alle Studenten vom Wintersemester sind weiterhin dabei. Die „Letztsemester“ haben ihre Abschlussprüfungen hinter sich gebracht und dürfen sich nun Alumnus oder Alumna der Uni Erlangen-Nürnberg nennen.

Auf der einen Seite stehen viele vor der Frage, ob sie all die Dinge während ihrer Studienzeit gemacht haben, die sie sich vor Studienbeginn vorgenommen hatten; sei es einer studentischen Gruppe beizutreten, sich für andere Menschen einzusetzen oder sich vermehrt seinen Hobbys zu widmen, neue Menschen kennenzulernen oder sich selbst zu entdecken und zu verwirklichen.

Auf der anderen Seite gibt es in Erlangen einige berühmt-berüchtigte Dinge, die wahrscheinlich jedem Studenten einmal während der Studienzeit passiert sind oder die er oder sie zumindest einmal gemacht haben sollte. Nicht selten geschieht es beispielsweise, dass ein Fahrrad fahrender Student von der Polizei in der Fußgängerzone angehalten wird und mit einem Verwarnungsgeld bestraft wird. Dies passiert den meisten Radfahrern auch nur ein Mal, denn bekanntlich lernt man aus Fehlern. Von diesem Zeitpunkt an wird das Fahrrad in der Fußgängerzone geschoben oder verstärkt nach Polizisten Ausschau gehalten.

Rommel-Sommerfest ist ein absolutes Muss

Gerade im Sommer gibt es in Erlangen viel zu unternehmen: Das Rommel-Sommerfest ist mit seinen knapp 3000 Besuchern das größte studentische Sommerfest und sollte zumindest einmal während der Studentenzeit besucht werden. Auch die Bergkirchweih, eines der größten Volksfeste Bayerns, ist ein Muss für jeden Erlanger Studenten, ebenso wie einen ganzen Tag im Schlossgarten verbracht und darüber die Vorlesungen und Seminare ganz vergessen zu haben. Zwischendurch wird sich dann mit einem Eis aus dem Eishaus erfrischt, für das im Sommer auch gerne die meterlange Warteschlange in Kauf genommen wird.

Weniger lange Schlangen, aber ein umso abenteuerlicheres Essen erwartet vor allem die Studenten der Technischen Fakultät. Die Süd-Mensa ist aber auch für die „Städter“ mal einen Ausflug wert. Hier gibt es noch Mensa-Essen im ursprünglichen Sinne: ohne Teller, auf wackelnden Tabletts, an langen Gemeinschaftstischen, in kleinen Portionen, zu nicht ganz studentischen Preisen. Menschen mit gutem Appetit bezahlen hier meist deutlich mehr als bei preisgünstigen Schnellimbissen, die es in der Innenstadt gibt.

Rennen um die Terminplaner

Dass viele junge Akademiker gerne Geld sparen, ist kein Vorurteil. Dies beweist auch der große Andrang bei der jährlichen Erstsemesterbegrüßung im Audimax. Während die Erstsemester von den neuen Eindrücken noch ganz überfordert sind, drängen sich die Studenten der höheren Semester bereits um die Stände vor dem Audimax, an denen umsonst Brezen, Bier, Aufkleber, Terminplaner oder Stoffbeutel verteilt werden. So lernen bereits die Neuen, dass sie im nächsten Jahr früher reagieren müssen, um noch etwas abzubekommen.

Auslandserfahrungen sind für moderne Studenten besonders wichtig. Wenn ein Student sich allerdings gegen einen Auslandsaufenthalt entscheidet, gibt es immer noch die Möglichkeit, in Erlangen einen der etwa 2700 Auslandsstudenten kennenzulernen. Hierfür bieten sich die vielfältigen studentischen Gruppen, Erasmus-Stammtische oder Barabende des Alexandrinums an.
Das Erlanger Alex-Wohnheim ist bekannt für multikulturelle Partys, die bis in die frühen Morgenstunden dauern. Hier bietet sich eine gute Chance, internationale Kontakte zu knüpfen und die heute so wichtigen sozialen Kompetenzen zu erweitern und zu vertiefen.