Freie Fahrt für das Semesterticket

SemesterticketjaEndlich. Seit mehr als 20 Jahren fordern die Studenten an den Hochschulen in Nürnberg und Erlangen ein Semesterticket. Die Region ist die einzige in Bayern, die noch keines hat. Ab Oktober wird sich das endlich ändern. Bei einer Abstimmung sprach sich die Mehrheit für ein Angebot des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) aus.

Nach zähem Ringen ist es ein guter Kompromiss. Die zahlreichen Studenten, die aus dem Umland mit Bus und Bahn in die Städte pendeln, sparen künftig bis zu 150 Euro pro Monat. Auch die, die Vorlesungen an mehreren Standorten der Uni in verschiedenen Städten haben, profitieren. Nur, wer in der Nähe der Uni wohnt und vor allem Füße und Fahrrad nutzt, muss künftig elf Euro mehr bezahlen. Beim Solidarprinzip geben alle etwas, damit es insgesamt günstiger wird. Das Ticket ist ein Signal an die ganze Region. Wohnraum in den Städten ist knapp und teuer. Gleichzeitig klagt der ländliche Raum über den Wegzug der Jungen. Der neue Fahrschein wirkt dem entgegen.

Kultureinrichtungen und Gastronomen werden von der erweiterten Mobilität der Studenten profitieren. Wer sowieso ein Ticket hat, fährt eher ins Museum nach Nürnberg, zum Konzert nach Bamberg und zum Wandern in die Fränkische Schweiz oder ins Fränkische Seenland. Alle, die das Ticket ohnehin bezahlen müssen, lassen häufiger ihr Auto stehen und nutzen öffentliche Verkehrsmittel. Das entspannt sowohl die katastrophale Parkplatzsituation rund um die Uni in Erlangen und die Hochschulen in Nürnberg als auch den Stau auf den Straßen zwischen den Städten.

Christina Merkel

Das Ohm einmal anders

OhmDas Ohm macht… klüger“, lautet seit etwa einem Jahr der Leitspruch der Georg-Simon­Ohm Hochschule Nürnberg. Mit weißer Schrift auf blauem Grund ziert das Motto seither werbewirk­sam Plakate, Broschüren und T-Shirts. Im „Ohm-Shop“ gibt es Kulis, Taschen und Armbanduh­ren mit dem großen griechischen Omega – dem Zeichen für den elektrischen Widerstand, den der deutsche Physiker Georg Simon Ohm beschrieben hat.

Für den Ohm-Carrier-Service macht das Ohm „Karrieren“. Für die Lange Nacht der Wissenschaf­ten Ende Oktober wurde es vorü­bergehend sogar „nachtaktiv“. „Das Ohm macht“ viele unter­schiedliche Dinge. Auf dem Hoch­schulgelände sind auch weiß­blaue Plakate mit dem Spruch zu entdecken: „Das Ohm macht … arm.“

„Als wir von der neuen Ohm­Kampagne erfahren haben, haben wir uns diesen Gegenentwurf aus­gedacht“, sagt Lorenz Hartung, Vorsitzender des Allgemeinen Stu­dierenden Ausschusses (ASt A) der Hochschule Nürnberg. „Wir haben die Glühbirne mit dem Ohm-Symbol nachgezeichnet, die Plakate mit unserem Spruch dru­cken lassen und auf dem Campus aufgehangen.“

Gemeinsam hatten die Mitglie­der des AStA überlegt, wie sie zu dem Hochschulmotto stehen. „Für die Außenwirkung mag es gut sein und den Absolventen etwas bringen, wenn die Hoch­schule dadurch bekannt wird“, sagt Hartung. „Doch das ist nur eine Blase nach außen. Man sollte den Studierenden nicht einreden, dass die Ohm-Hochschule sie klü­ger macht, sondern die Studienbe­dingungen wirklich verbessern.“

Die Aktion hätte rechtliche Kon­sequenzen haben können. Darauf wies die Hochschulleitung den ASA hin. „Die Hochschulleitung hält die Rechte an dem Design. Wir haben es zusammen mit einer Agentur entwickelt und bezahlt“, sagt Achim Hoffmann, Kanzler der Hochschule. Nur die Hoch­schulleitung kann daher anderen gestatten, die Gestaltung zu über­nehmen.
Einzelne Fakultäten haben bereits ihre eigenen „Das Ohmmacht…“-Versionen.

„Der Spruch des ASt A ist von einer Fantasielosigkeit, die nur schwer zu unterbieten ist“, sagt Hoffmann. Die Aussage sei platt und ohne Inhalt.„Geradean unse­rer Hochschule gibt es eine Viel­zahl von Befreiungsmöglichkei­ten“, sagt Hoffmann. Damit sozial Benachteiligte keine Studienbei­träge zahlen müssen. „Wir konn­ten noch nicht feststellen, dass jemand aus finanziellen Gründen das Studium abbrechen musste.“

„Für Werbung gibt die Hoch­schule Geld aus“, beklagt sich Lorenz Hartung. „Für Qualitäts­management gibt es dagegen noch kein vernüftiges Konzept.“ Der Hausmeister hat die ASt A-Pla­kate abgehängt. „Nur in ein paar Nischen, in denen sie noch nie­mand entdeckt hat, hängen sie noch“,sagt Hartung.

Christina Merkel