Bachelor auf Reisen

Aufmacher 1Ein halbes Jahr Australien zwi­schen Campus, Surfschule und Strand-Bar, das muss für Filmheld Momo aus der aktuellen Filmkomödie „13 Semester“ schon drin sein. Der kann es sich leisten, mag mancher Kinobesu­cher denken, der studiert schließ­lich noch auf Diplom!

Die meis­ten Bachelor-Studenten müssen heute schon in der Hälfte der Zeit zu ihrem Abschluss kommen, für Träume von Sonne und Meer bleibt da kaum Gelegenheit. Selbst Momo muss irgendwann feststellen, dass andere zu Hause mehr geackert haben und sich bereits nach der Regelstudienzeit ins Berufsleben verabschieden.

Die Bologna-Reform hat es deutlich schwerer gemacht, Aus­landsaufenthalt und Studium mit­einander zu verbinden. Bei zusätz­lichen Prüfungen und einem eng verzahnten Modulsystem lässt sich nur schwer etwas dazwi­schenschieben. Nicht zuletzt ist der Lernplan oft so vollgepackt, dass keine Zeit mehr bleibt für einen Nebenjob, der Geld in die Reisekasse spült.

Das Fernweh neu erwecken

Mit Mobilitätsfenstern und einer besseren Anerkennung der internationalen Kurse wollen die Universitäten das Fernweh der Studenten neu erwecken. Außer­dem sei es kein Muss, den Bache­lor in drei Jahren zu absolvieren. Doch gerade an diesem Punkt wirft das neue System Fragen auf: Soll ich für den Bachelor mit „Auslandsplus“ acht Semester einplanen, wenn ich an meiner Heim-Uni schon nach zehn Semes­tern bis zum Master kommen kann? Ist es nicht besser, für den ersten Abschluss hierzubleiben und den zweiten komplett in einem anderen Land zu machen?

Die Frage, wie viele Studenten zukünftig in die Fremde ziehen, hängt auch damit zusammen, ob der Bachelor tatsächlich aus­reicht fürs Berufsleben. Denn für Abgänger, die nur einen Abschluss machen, lohnt es sich, sofort ein oder zwei Auslandsse­mester einzulegen. Wer weiterstu­diert, kann seinen Horizont statt­dessen bei einem Praktikum erweitern oder indem er seinen Studienort vollständig verlegt. Australien soll toll sein, doch Europa bietet ebenfalls schöne Ziele. Bologna zum Beispiel.

Lisa Leander

Das graue Webportal

meincampus.JPGDa wurden unsere Studiengebühren ja mal richtig gut investiert! Ich bin ganz begeistert, als mir mein Freund das neue Webportal der Uni Erlangen-Nürnberg präsentiert. «mein campus» heißt es und dort kann er nun alles rund um sein Studium mit ein paar Klicks erledigen: Studienbescheinigungen und Anträge ausdrucken, sich zu Prüfungen an- und abmelden, seinen aktuellen Notenspiegel abfragen und eine Übersicht über seine angemeldeten Prüfungen hat er auch noch. Toll! Das muss ich doch gleich selber mal ausprobieren. Rein ins Internet und angemeldet.

Komfort nur für die «Neuen»

Da liegt es vor mir: Mein Campus! Aber, was ist das? Wo kann ich mich zu Prüfungen anmelden? Wo ist mein Notenspiegel? Und die Übersicht über meine angemeldeten Prüfungen? Nichts dergleichen ist zu finden – außer «inaktive Bereiche sind in der Hauptnavigation ausgegraut». Bei mir ist ziemlich viel grau. Das einzige, was ich tun kann: Meinen Studentenausweis, meine Immatrikulationsbescheinigungen und zahlreiche Anträge ausdrucken.

So läuft das also. Für die neuen Bachelor-Studenten, wie meinen Freund, richtet die Uni ein Webportal ein, das ihnen den Weg zum Prüfungsamt und zu den Aushängen am schwarzen Brett erspart. «Umsetzung des Bologna-Prozesses» nennt die Uni das. Die Magister, Diplomer und alten Lehramtsstudenten bleiben auf der Strecke, obwohl wir genauso Studiengebühren zahlen.

Zumindest kann ich meinen Studentenausweis nun farbig ausdrucken. Um ihn trotz des neuen Verfahrens fälschungssicher zu machen, steht auf seiner Rückseite eine Webadresse, die mich als Studentin verifiziert. Keine schlechte Idee. Aber, werden mir der alte Mann im Freibad oder das junge Mädchen im Kino das nächste Mal auch glauben, dass ich Studentin bin? Sie haben nämlich keinen Internetzugang an der Kasse.

Ein großer Vorteil von «mein campus»: Ich kann meine Immatrikulationsbescheinigungen so oft ausdrucken wie ich will. Super! Endlich keine Engpässe mehr. Auch wenn ich mich mal bei einem Antrag verschrieben habe, muss ich einfach nur nochmal auf «drucken» klicken. Scheinbar verschickt die Uni jetzt nur noch eins per Post: Die Überweisungsträger für die Studiengebühren. cn