Die FAU-Spitze trifft sich am Berg

NZ-ErlangenErwischt! Unser Fotograf Harald Sippel entdeckte heute den alten Kanzler und die neue Kanzlerin der Uni Erlangen auf der Bergkirchweih beim Anstoßen! Sybille Reichert übernimmt nächsten Montag das Amt von Vorgänger Thomas A. H. Schöck. Der geht nach 25 Jahren an der Spitze der Univerwaltung mit Verspätung in den Ruhestand.

Die Neubesetzung zog sich wegen eines Gerichtsverfahrens über ein Jahr hin. Der Universitätsrat hatte die neue Kanzlerin schon im Februar 2013 ohne Gegenstimme als Nachfolgerin vorgeschlagen. Dagegen klagte ein unterlegener Kandidat vor dem Verwaltungsgericht in Ansbach. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob das Urteil vor Kurzem auf. Auch ein weitere Beschwerde am Bundesverfassungsgericht scheiterte.

Ob sie sich heute bei einer Maß Bier Tipps fürs neue Amt holte?
Morgen interviewe ich sie für unsere nächste Hochschulseite, dann frag ich nach!

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Mehr Platz zum Taumeln

Von Eva Lindner

Als ob die Waliser es geahnt hätten: Da bringt die Universität von Cardiff doch tatsächlich die weltweit erste Studie heraus, die Körperbewegungen Betrunkener erfasst. Nun sind die Insulaner nicht gerade für ihren gemäßigten Alkoholkonsum bekannt.

Vielmehr ereilen den Kontinent immer wieder Meldungen über die tiefe Zuneigung der Inselbewohner zum Flüssigen. Exzessives after work-drinking und Pub-crawling, ein beliebtes durch-die-Kneipen-Ziehen mit anschließendem nach-Hause-Kriechen, sind dabei noch die harmlosen Varianten. Es verwundert also nicht, dass diese Studie aus Großbritannien kommt.

Das Ergebnis der Wissenschaftler: Eine Menschenmenge bewegt sich um so langsamer und großflächiger, je mehr Betrunkene dabei sind. Taumelt also die ganze Gruppe, bewegt sie sich um 38 Prozent langsamer als ein nüchterner Fußgänger. So weit, so gut. Nun rufen die Wissenschaftler aber dazu auf, Kneipenstraßen sicherer und weniger konfliktanfällig zu gestalten. Im Klartext heißt das: Weg mit den Sitzbänken, den Denkmälern, den Blumenbeeten. Denn läuft ein Betrunkener erstmal gegen so ein Hindernis, ist der Stress vorprogrammiert.

Häuser müssen den Betrunkenen weichen

Welche Konsequenz hat nun aber Erlangen zu ziehen? Klarer Fall: Die Bergkirchweih beginnt in gut zwei Monaten und die Stadt ist noch keineswegs präpariert. Noch immer zieren Bäume und bald auch wieder Blumenkästen die Wegränder der Bergstraße. Und dann erst die Engstelle auf dem Schwabach-Übergang an der Hauptstraße! Dort muss Platz geschaffen werden, Häuser müssen weichen, sonst wird Erlangens alkoholfreudige Bevölkerung nach zwei Wochen mit blauen Flecken und Schürfwunden übersät sein.

Am Martin-Luther-Platz sollten Bars, Kneipen und Imbisse abgerissen werden, damit der ganze Tross nicht mehr auf der Straße stehen bleibt, sondern sich ordentlich vorwärts bewegt. Leider muss dann auch das Standbild des Universitätsgründers Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth vom Schlossplatz weichen. Der Schlossgarten dagegen sollte in die Hauptstraße verlegt werden, dann haben die Bergbesucher angemessen Platz zum taumeln und schwanken. Einzig unberührt bleiben darf die Altstädter Kirche, denn die wollen wir ja mal schön im Dorf lassen.

Alkoholverbot für Studenten

Von Julius Brockmann

Liegewiese.jpgIn Erlangen gilt es schon länger, andere Uni-Städte sind dem Beispiel gefolgt, nun darf man es fast nirgendwo mehr: Alkohol trinken unter freiem Himmel. Bereits Ende 2005 war man in Erlangen dem Anblick Betrunkener im Schlossgarten und auf dem Bahnhofsvorplatz leid und sagte diesen den Kampf an.

Betrunkene machen Lärm, beschmieren und zerstören. Sie sind ein schlechtes Beispiel für Kinder und Jugendliche, sie schaden dem Stadtbild. So, oder so ähnlich wurde damals argumentiert. Heute, knapp drei Jahre später, hat sich nicht viel getan. Sobald die Sonne die Luft erwärmt und das Sommersemester beginnt, stoßen die ersten bereits mittags mit einem Bier auf bestandene Prüfungen, das Wochenende oder einfach nur so an.

Das „Wildliegen“ ist weiter beliebt

Dazu beliebt ist das „Wildgrillen“ und „Wildliegen“, sprich um den Hugenottenbrunnen herum. Die Ordnungshüter sehen dem Treiben meist gelassen zu und kontrollieren lieber Radfahrer. Nur gelegentlich kommt ein Mann von der Stadt und bittet darum, in den gekennzeichneten Liegebereichen zu bleiben. Gekennzeichnete Bereiche sind in Deutschland mittlerweile ja so beliebt wie Schlange stehen im Supermarkt. Egal ob Tabak oder Alkohol, „bitte im gekennzeichneten Bereich“.

Einen Erfolg des Alkoholverbotes in der Öffentlichkeit ist indes nur schwer sichtbar. Vereinzelt wird reagiert und das Hochprozentige nun in Plastikflaschen gefüllt und so unkenntlich gemacht. Wirklich weniger Betrunkene gibt es wohl kaum. Und ob der Vandalismus eingedämmt wurde – man mag es bezweifeln.

Erlangen war lange Vorreiter – aber auch in Nürnberg und Fürth darf nicht im Freien getrunken werden. Erlangen schaffte es so in die landes- und bundesweite Medienwelt, mittlerweile haben Freiburg, Marburg und selbst Hamburg nachgezogen.

Die protestarmen Studenten von heute, die zwischen Nebenjob und Bachelor stehen, wehren sich nicht. Auch ein Antrag der Grünen Liste in Erlangen an den Oberbürgermeister, das Verbot aufzuheben, scheiterte. Stattdessen wich man eben aus dem schönen Schlossgarten auf andere Orte aus.