Uni trumpft mit neuer Karte auf

Wenn einem beim abendli­chen Kneipenbesuch der Gesprächsstoff ausgeht, beschäf­tigt man sich oft mit Dingen, die da so auf dem Tisch liegen: Man spielt mit dem Bierdeckel, bewun­dert das neue Handy des Zech­kumpans oder kramt im Geldbeu­tel – im eigenen wie im fremden.
Für Studenten der Uni Erlan­gen ist das oft eine peinliche Si­tuation, wenn das Gegenüber ei­nen knittrigen, unsauber ausge­schnittenen Papierfetzen aus dem Portmonee zieht und fragt: „Was ist das denn?“ Das ist der Mo­ment, in dem du als FAU-Studi versuchen musst, gegen die Scha­mesröte anzukämpfen, die dir ins Gesicht schießt – vergeblich, wie unten in der „Ringvorlesung“ er­klärt wird. Stammelnd muss man zugeben: „Das ist unser Studen­tenausweis.“


Fünf Funktionen auf einem Plastikstück

Doch damit soll bald Schluss sein, denn die Uni will – nachdem solche Planungen bereits seit Jah­ren im Schwange sind – nun auch das einführen, was anderswo längst Usus ist: Studentenaus­weis, Mensakarte, Bibliotheksaus­weis, Kopierkarte und Zugangsbe­rechtigung für die Schließanlage – all das wird künftig auf einem einzigen Stück Plastik vereint.
Bereits im Wintersemester, wenn die FAU dank doppeltem Abiturjahrgang vermutlich über 30000 Eingeschriebene zählt, sol­len die Karten – Arbeitstitel „Ei­ne Karte für alles“ – ausgegeben werden. Den Auftrag mit einem beachtlichen Investitionsvolu­men von einer Million Euro hat die Uni an eine niederländische Firma vergeben, die vor einem Jahr ein ähnliches System in Hei­delberg eingeführt hat.
Vor allem für das Studenten­werk mit seinen „Verpflegungsbe­trieben“ – wie man dort die acht Mensen, elf Cafeterien und vier Espresso-Bars nennt – wird die „Eine-für-alles-Karte“ eine wich­tige Neuerung werden. In Erlan­gen und Nürnberg müssen alleine 150 Kassen, Aufwerter und Auto­maten umgerüstet werden – vor­erst nur in den beiden genannten Städten. Eichstätt, Ingolstadt und Ansbach, die ebenfalls an das „Erlanger“ Studentenwerk ange­schlossen sind, sollen „in den nächsten Jahren“ ebenfalls einge­bunden werden. Studenten anderer Hochschu­len, etwa die Nürnberger Ohm-Studenten, können übrigens mit ihren bisherigen Karten weiter­hin ihr Mensa-Essen bezahlen. Apropos Ohm: Dort gibt es einen multifunktionalen Studentenaus­weis bereits seit einem Jahr.

Florian Heider

Uni plant Campus-Card

Von Christiane Fritz

Gleich platzt es! Noch eine Chipkarte mehr und der Verschluss am Portmonee reißt aus seiner Verankerung. Was muss der Student an Plastikmaterial nicht alles mit sich führen: Bankkarte, Führerschein, eine Plastikkarte für den Arztbesuch, eine für die Videothek, UB-Karte, Mensacard und die graue Kopierkarte. Summa summarum sind das an die zehn Karten.

Weniger dicke Geldbeutel haben ab dem Sommersemester die Studenten der Universität Bayreuth. Denn die führte kürzlich die UBT-Campus-Card ein. Die neue Chipkarte ist nun Semesterticket, Bibliotheksausweis, Geldkarte und Studentenausweis zugleich. Auch an der FAU Erlangen–Nürnberg soll die all-in-one Karte, welche die Ruhr-Uni Bochum als erste Hochschule vor 15 Jahren einführte, kommen. „Seit zwei, drei Jahren denken wir darüber nach“, erklärt Alfred Steinhäußer, Controller der Uni.

In den letzten Semestern signalisierten immer mehr Studenten Interesse an der Plastikkarte. Denn seit sie ihre Studentenausweise über das Selbstbedienungssystem „Mein Campus“ ausdrücken müssen, sind sie mit der Papierform immer unzufriedener. „Etwa zehn Prozent meckern über den ihrer Meinung nach popeligen Ausdruck“, berichtet Steinhäußer.

Dass die Studenten der FAU bislang keine Campus-Card in den Händen halten, hat einen Grund. Denn die Firmen, welche die Karten herstellen, konnten die Sicherheit der Daten des Benutzers nicht gewährleisten. Häcker hatten im März 2008 den Verschlüsselungs-Algorithmus geknackt. Derzeit läuft an FAU Erlangen-Nürnberg ein Technologieberatungs-Projekt, mit dem die richtige Kartenarchitektur ermittelt werden soll.

Konkrete Vorstellungen, was das multifunktionale Plastikkärtchen leisten muss, gibt es bereits. So soll sich auf der Vorderseite ein Bild des Studenten befinden, der Strichcode für die Bibliothek ist auf die Rückseite gedruckt. Der Student soll die Karten zum Zahlen und Kopieren verwenden können. „Und um elektronische Türen zu öffnen und E-Mails zu signieren“, sagt Steinhäußer.

Ob jeder Student die Campus-Card erhält oder ob sie nur Erstsemester verteilt wird, steht noch nicht fest – bis dahin muss ein Gummiband ums Portmonee Schlimmeres verhindern.