Texas erlaubt Waffen an der Uni

(FILES) This file photo taken on April 25, 2014 shows a view down the barrel of a semi-automatic handgun displayed at the 143rd NRA Annual Meetings and Exhibits at the Indiana Convention Center in Indianapolis, Indiana. Texas becomes the eighth US state to allow guns on university campuses – a controversial decision that comes on the 50th anniversary of a deadly campus sniper rampage at the University of Texas that left 17 dead. / AFP PHOTO / KAREN BLEIER

Hallo Texas,

erst am vergangenen Wochenende ist in deiner Hauptstadt Austin eine Frau bei einer Schießerei ums Leben gekommen. Vier Menschen wurden verletzt. In Dallas, deiner drittgrößten Stadt, wurden kürzlich fünf Polizisten erschossen. Und jetzt weitest du mit dem „Campus-Carry“-Gesetz die Erlaubnis für das Tragen von Waffen auf Universitäten aus?

Ich halte das für eine schlechte Idee. Und für eine sehr gefährliche. Klar, ich verstehe, dass du dir mehr Sicherheit für deine Bürgerinnen und Bürger wünschst. Wer tut das nicht? Auch in Deutschland wird das Thema gerade heiß diskutiert, nach dem was in den vergangenen Wochen hier passiert ist. Du glaubst, dass potenzielle Amokläufer abgeschreckt werden, wenn sie wissen, dass an der Universität Studenten, Dozenten und Besucher auch Waffen dabei haben könnten.

Ich aber denke nicht, dass mehr Waffen die Welt zu einem sichereren Ort machen. Ich stelle es mir ganz im Gegenteil ziemlich beängstigend vor, in der Uni zu sitzen und zu wissen, dass die Person neben mir gleich ihre Pistole ziehen könnte. Klar, du bist Waffen gewohnt. Schließlich tragen die Leute sie überall in Texas offen herum. Und ich weiß auch, dass Waffen laut neuem Gesetz auf dem Campus nur verdeckt getragen werden dürfen. Dass ich mich dadurch sicherer fühlen würde, bezweifle ich stark.

Ich habe mir die Hinweise der Universität Austin zum „Campus-Carry“-Gesetz durchgelesen: Wer auf dem Universitätsgelände eine offen getragene Waffe sieht, soll sofort die Polizei rufen. Wer eine Waffe mitbringt, muss sie immer bei sich tragen – und darf sie nur im eigenen Auto ablegen; an der Uni gibt es sonst keine Möglichkeit dazu. So ein Uni-Tag mit Waffe muss also sorgfältig geplant werden. Denn Veranstaltungen, bei denen die Waffe zum Vorschein kommen könnte, wie zum Beispiel beim Sport oder bei Rollenspielen im Theaterkurs, sollen die Waffenträger meiden. Zusätzlich können Universitäten in einigen Bereichen des Campus auch das verdeckte Tragen von Waffen weiterhin verbieten – die dürfen Waffenträger dann nicht betreten. Vielleicht schreckt das ja ein paar Leute ab und sie lassen ihre Waffen doch lieber zu Hause.

Texas, ich wünsche dir und deinen Bundesstaaten-Kollegen von Herzen mehr Frieden und Sicherheit. Dass das „Campus-Carry“-Gesetz dazu führt, ist aus meiner Sicht ein großer Trugschluss.

Viele Grüße

deine Kerstin Kesselgruber

WiSo: Kuschelstimmung im Hörsaal

Zwei Abiturjahrgänge, dazu noch die Wehrdienstbefreiten. Um den Rekordansturm zu entzerren, wurde auch an der Friedrich-Alexander-Universität viel geplant: 360 neue Dozentenstellen, Zusatzgebäude oder mehrere Termine zum Studienbeginn. Doch mit 1700 Erstsemestern wird es voll und kuschelig in diesem Winter an Nürnbergs WiSo.

„Geh schnell in die Mensa, sonst kriegst du keinen Platz mehr“, ruft Eva Preiß einer ihrer Kommilitoninnen zu, die daraufhin versucht, eilig durch die Studentengrüppchen über den Hof zu kommen. Eva ist 24 und gehört momentan schon zum „alten Eisen“ an der Wiso. Seit sieben Semestern studiert sie hier Wirtschaftspädagogik.

Sie versucht, cool zu bleiben angesichts des Rekordansturms der Erstsemester auf die Fakultät. „Für mich wird es nicht mehr so schlimm werden, ich bin fast fertig“, sagt sie und grinst etwas erleichtert. „In den Übungen mit begrenzter Teilnehmerzahl könnte es aber richtig eng werden“, befürchtet sie. „Viel können die Unis doch auch nicht machen“, meint die Nürnbergerin. „Sie haben halt einfach nicht mehr Raum schaffen können.“

Raum – das Zauberwort dieser Tage. Hörsaal 4. In einer halben Stunde soll hier die „Einführung in die Mathematik“ stattfinden, für die Wirtschaftswissenschaftler zu Studienbeginn eine Pflichtveranstaltung. Drei Viertel des riesigen Saals sind bereits belegt. In Strömen pilgern weiter und weiter Studenten ein. Einige machen mit ihren Handys Fotos von den Vorlesungszeiten – keiner will gleich am ersten Tag die Übersicht in diesem Getümmel verlieren.

Um die Situation zu entzerren, durften sich bereits im Sommer 1300 G9-Abiturienten an der FAU immatrikulieren. „Das ist die Hälfte der 2550 Studienanfänger gewesen“, rechnet Heiner Stix, Leiter der Kommunikation an der Universität.

„Mein erster Eindruck war ziemlich heftig“, gesteht dennoch Eva Fuss, die in ihr Studium in Statistik und empirische Wirtschaftsforschung startet. „Ich hatte ja keine Vorstellung, wie voll das wird“, klagt die 31-Jährige. Sie und Freundin Katja Walz wollen daher künftig früher aufstehen, um einen Platz in den überfüllten Hörsälen zu ergattern. „Ansonsten muss ich mir die Videos von den Vorlesungen im Internet ansehen und nachbereiten.“

Kevin Pubatz freut sich vor allem über seinen ersten Tag als Student. Denn der Baden-Württemberger profitiert von der Wehrpflichtreform. „Das ist zwar gut für mich, aber ein weiterer Hammer für die Uni.“ Kevin beginnt sein Studium in Wirtschaftswissenschaften und ächzt bereits nach der Einführungsvorlesung.

„In den Haupthörsaal konnte man gar nicht mehr rein, aber immerhin haben sie eine Live-Übertragung in einen anderen Hörsaal gestellt“, sagt der 20-Jährige und befürchtet: „Die Dozenten werden in den ersten Semestern ziemlich aussieben, um die Engpässe aufzulockern.“

Engpässe gibt vor allem bei den Sprachkursen, erzählt Katrin Ziegler von der Fachschaftsinitiative der WiSo. „Wir haben einfach keine Räume mehr für die Sprachkurse. Das wird ein echtes Problem“, sagt sie. Der reguläre Uni-Betrieb werde sich schnell einpendeln, doch auch die zusätzlichen Sprachkurse reichten nicht. „Sie könnten nur noch Kurse auf Samstagabend oder Sonntag legen“, sagt die 21-Jährige.

5500 Studenten drängen sich fortan an der Langen Zeile. Tausend weniger waren es zur gleichen Zeit vor einem Jahr. „Den ersten Hochrechnungen zufolge haben wir an der Wiso 1700 Anfänger“, sagt Stix. Das sind nochmals rund 400 Studenten mehr als im Winter 2010/2011.

Insgesamt starten rund 6770 Neustudenten an allen Fakultäten. Knapp 29 Prozent von ihnen sind Teil des letzten G9-Jahrgangs, 33 Prozent sind G8-Absolventen, berichtet Stix. „Seit drei Jahren haben wir eine eigene Abteilung, die sich nur mit dem doppelten Abiturjahrgang auseinandersetzt.“ Hinzu kommen die Maßnahmen wie die Einstellung von Zusatz-Personal. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, aber wir sind gut gerüstet“, verspricht er.

Andrea Munkert

Der Campus ist der ideale Ort zum Verlieben

Ein langer Blick, ein kurzes Lächeln, vielleicht ein zartes «Servus»: So fangen Flirts oft an. Auf dem Campus gibt es dazu jede Menge Gelegenheiten. Dort tummeln sich viele Menschen gleichen Alters mit ähnlichen Interessen. »An der Uni ist die Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu finden, sehr hoch«, sagt der Sozialpsychologe Professor Manfred Hassebrauck von der Universität Wuppertal. »Für eine Partnerschaft ist es von Vorteil, wenn Einstellungen und Wertvorstellungen zueinander passen.« Das trifft oft auf Kommilitonen zu, die das gleiche Fach studieren.

Nicht nur deshalb gelten Hochschulen als idealer Ort zum Flirten: »Allein der Umstand, dass man sich immer wiedersieht, macht das Kennenlernen einfacher«, erklärt Hassebrauck, der ein Buch über die Liebe geschrieben hat. Für ihn ist die Uni eine exzellente Kontaktbörse.

Kennenlernen in legerer Situation

»Ich lerne den anderen in einer unverkrampften und unverbindlichen Situation kennen.« Anders als abends in der Kneipe besteht kein Zeitdruck, andere noch schnell anzusprechen, bevor er oder sie wieder geht. Wer sich in einer Vorlesung verliebt, kann ziemlich sicher sein, den anderen jede Woche zur selben Zeit wiederzusehen.

Flirttrainerin Nina Deißler gibt Tipps fürs erste Kennenlernen: »Jemanden in der Bibliothek oder der Vorlesung immer nur anzuschmachten und dann wegzuschauen, wenn der andere guckt, das bringt nichts.« Stattdessen sollte der Blickkontakt gehalten werden.

Was außerdem ankommt: Lächeln! Schüchternen empfiehlt Deißler einen kleinen Trick: »Wer Angst vor Fremden hat, muss sich nur vorstellen, dass man die andere Person schon kennt.« So ließen sich Hemmungen überwinden, jemanden anzusprechen.

Die Vorlesung verrät viel über den anderen

Immerhin verrät allein die Vorlesung, die jemand besucht, schon viel über die Person: Was studiert der andere, ist er oder sie eher am Anfang oder am Ende des Studiums? Dadurch gibt es viele Fäden, die im Gespräch aufgenommen werden können. So könne man den anderen fragen, ob er oder sie schon ein Seminar des Dozenten besucht hat, rät Flirttrainerin Deißler. In der Prüfungszeit kann man auch vom Lernstress erzählen und fragen, wie der andere damit umgeht.

Ist der erste Anlauf gemacht, bietet die Uni viele Möglichkeiten, den Kontakt zu vertiefen. In Erlangen feiern Studenten gerne ihren Semesterbeginn im E-Werk oder im »Hörsaal«. In Nürnberg trifft man sich bei den beliebten Wiso-Partys oder auf dem EWF-Sommerfest. Und auch private WG-Partys sind gute Gelegenheiten, andere Studenten kennenzulernen.

Auf der Uniparty trifft man allenfalls jemanden fürs Bett

Amelie Altenbuchner von der Studentenvertretung der Universität Regensburg empfiehlt, sich in studentischen Gruppen umzuschauen. »Unipartys eignen sich eher nicht dafür, jemanden ernsthaft kennenzulernen«, meint sie. Dort fänden sich allenfalls Partner für eine Nacht.

In Studenten- und Lerngruppen treffen dagegen Kommilitonen mit gleichen Interessen aufeinander – und finden dann womöglich auch zueinander. Ein Vorteil von kleineren Unistädten wie Regensburg: »Die Altstadt hier hat eine hohe Kneipendichte und ist wie ein Dorf. Dort trifft man auch Leute aus den Hörsälen wieder.«

Ein eher zufälliges Date? Kein Problem!

So kann es passieren, dass sich Studenten eher zufällig zu einer Art erstem Date treffen, ohne vorher groß grübeln zu müssen, wann und wo ein solches Treffen stattfinden sollte. Das macht beide Seiten entspannt und locker – eine gute Voraussetzung, um sich kennenzulernen.

Sozialpsychologe Hassebrauck sieht hier auch einen Unterschied zum späteren Flirt am Arbeitsplatz. »Anders als mit 30 oder 40 denkt man mit Anfang 20 noch nicht an Familie und Kinder«, sagt er. Das entkrampfe das Kennenlernen, weil das Gegenüber nicht sofort nach dem idealen Familienvater oder der Frau fürs Leben sucht. »Außerdem ist der Pool derjenigen, die man kennenlernen kann, mit Anfang 20 größer«, sagt Hassebrauck. Im Studentenalter gibt es genug Leute, die noch nicht fest vergeben sind. Ein Flirt hat an der Uni deshalb gute Chancen auf Erfolg.

fh/dpa

Bachelor auf Reisen

Aufmacher 1Ein halbes Jahr Australien zwi­schen Campus, Surfschule und Strand-Bar, das muss für Filmheld Momo aus der aktuellen Filmkomödie „13 Semester“ schon drin sein. Der kann es sich leisten, mag mancher Kinobesu­cher denken, der studiert schließ­lich noch auf Diplom!

Die meis­ten Bachelor-Studenten müssen heute schon in der Hälfte der Zeit zu ihrem Abschluss kommen, für Träume von Sonne und Meer bleibt da kaum Gelegenheit. Selbst Momo muss irgendwann feststellen, dass andere zu Hause mehr geackert haben und sich bereits nach der Regelstudienzeit ins Berufsleben verabschieden.

Die Bologna-Reform hat es deutlich schwerer gemacht, Aus­landsaufenthalt und Studium mit­einander zu verbinden. Bei zusätz­lichen Prüfungen und einem eng verzahnten Modulsystem lässt sich nur schwer etwas dazwi­schenschieben. Nicht zuletzt ist der Lernplan oft so vollgepackt, dass keine Zeit mehr bleibt für einen Nebenjob, der Geld in die Reisekasse spült.

Das Fernweh neu erwecken

Mit Mobilitätsfenstern und einer besseren Anerkennung der internationalen Kurse wollen die Universitäten das Fernweh der Studenten neu erwecken. Außer­dem sei es kein Muss, den Bache­lor in drei Jahren zu absolvieren. Doch gerade an diesem Punkt wirft das neue System Fragen auf: Soll ich für den Bachelor mit „Auslandsplus“ acht Semester einplanen, wenn ich an meiner Heim-Uni schon nach zehn Semes­tern bis zum Master kommen kann? Ist es nicht besser, für den ersten Abschluss hierzubleiben und den zweiten komplett in einem anderen Land zu machen?

Die Frage, wie viele Studenten zukünftig in die Fremde ziehen, hängt auch damit zusammen, ob der Bachelor tatsächlich aus­reicht fürs Berufsleben. Denn für Abgänger, die nur einen Abschluss machen, lohnt es sich, sofort ein oder zwei Auslandsse­mester einzulegen. Wer weiterstu­diert, kann seinen Horizont statt­dessen bei einem Praktikum erweitern oder indem er seinen Studienort vollständig verlegt. Australien soll toll sein, doch Europa bietet ebenfalls schöne Ziele. Bologna zum Beispiel.

Lisa Leander

Die Uni in zwei Städten

Hochschul-Campus in Erlangen? – Fehlanzeige. Nicht nur, dass die Studenten der Friedrich-Alexander-Universität über ganz Erlangen verstreut sind. Nein, sie befinden sich sogar in zwei verschiedenen Städten. Das wäre kein Problem, wenn die einen nur in Erlangen und die anderen nur in Nürnberg studie­ren würden. Tun sie aber nicht.

So müssen die Wirtschaftsinfor­matiker zum Beispiel Informatik an der Erlanger Tech Fak und BWLan der Nürnberger Re Wi stu­dieren. Dass das bei so manchem den Stunden- beziehungsweise Zeitplan gehörig durcheinander­wirft, ist programmiert. Denn wie soll es bei der obligatorischen 30-Minuten-Pause zwischen den Vorlesungen möglich sein, von Erlangen nach Nürnberg oder von Nürnberg nach Erlangen zu gelangen? Fährt der Student mit dem Zug, kommt er zu spät. Ebenso, wenn er den Bus nimmt. Mit dem Auto wäre es fast zu schaffen, wäre da nicht die lang­wierige Parkplatzsuche.

Dass die Uni auf zwei Städte verteilt ist, hat aber auch Vor­teile. So zum Beispiel für die Lehr­amtsstudenten, die manche Vor­lesungen sowohl in Nürnberg als auch in Erlangen besuchen kön­nen. So lässt sich der Stunden­plan flexibler gestalten. Meistens zumindest.

Am Morgen in Erlangen, am Nachmittag in Nürnberg

So müssen beispielsweise die angehenden Lehrer, deren Stu­dium inzwischen auch auf Bache­lor umgestellt wurde, ein Pädago­gik- Modul mit zwei Vorlesungen belegen. Diese Vorlesungen wer­den sowohl in Erlangen als auch in Nürnberg angeboten. „Prima“, dachte sich ein Nürnberger Stu­dent, der die eine Pädagogik-Vor­lesung in Erlangen besucht. „Dann kann ich ja im nächsten Semester die andere Pädagogik-Vorlesung in Nürnberg besuchen und muss nicht mehr pendeln.“ Zu früh gefreut.

Obwohl die Erlanger und die Nürnberger Vorlesungen den iden­tischen Inhalt haben, müssen beide an einem Ort absolviert wer­den. Wer den einen Schein also in der Hugenottenstadt macht, muss seine Leistung für den anderen auch hier erbringen. Und das, obwohl die Lehrveranstaltungen an der gleichen Uni und nur an anderen Orten angeboten wer­den!
Die Begründung des Dozenten: „Die machen das da ein bisschen anders.“ Aha. Fragt sich nur, wie die ach so flexiblen Studenten innerhalb Deutschlands oder gar Europas von einer Hochschule zur anderen wechseln sollen und dabei Scheine anerkannt bekom­men, wenn das noch nicht einmal innerhalb einer Universität funk­tioniert.

Christin Nünemann