Das Ohm einmal anders

OhmDas Ohm macht… klüger“, lautet seit etwa einem Jahr der Leitspruch der Georg-Simon­Ohm Hochschule Nürnberg. Mit weißer Schrift auf blauem Grund ziert das Motto seither werbewirk­sam Plakate, Broschüren und T-Shirts. Im „Ohm-Shop“ gibt es Kulis, Taschen und Armbanduh­ren mit dem großen griechischen Omega – dem Zeichen für den elektrischen Widerstand, den der deutsche Physiker Georg Simon Ohm beschrieben hat.

Für den Ohm-Carrier-Service macht das Ohm „Karrieren“. Für die Lange Nacht der Wissenschaf­ten Ende Oktober wurde es vorü­bergehend sogar „nachtaktiv“. „Das Ohm macht“ viele unter­schiedliche Dinge. Auf dem Hoch­schulgelände sind auch weiß­blaue Plakate mit dem Spruch zu entdecken: „Das Ohm macht … arm.“

„Als wir von der neuen Ohm­Kampagne erfahren haben, haben wir uns diesen Gegenentwurf aus­gedacht“, sagt Lorenz Hartung, Vorsitzender des Allgemeinen Stu­dierenden Ausschusses (ASt A) der Hochschule Nürnberg. „Wir haben die Glühbirne mit dem Ohm-Symbol nachgezeichnet, die Plakate mit unserem Spruch dru­cken lassen und auf dem Campus aufgehangen.“

Gemeinsam hatten die Mitglie­der des AStA überlegt, wie sie zu dem Hochschulmotto stehen. „Für die Außenwirkung mag es gut sein und den Absolventen etwas bringen, wenn die Hoch­schule dadurch bekannt wird“, sagt Hartung. „Doch das ist nur eine Blase nach außen. Man sollte den Studierenden nicht einreden, dass die Ohm-Hochschule sie klü­ger macht, sondern die Studienbe­dingungen wirklich verbessern.“

Die Aktion hätte rechtliche Kon­sequenzen haben können. Darauf wies die Hochschulleitung den ASA hin. „Die Hochschulleitung hält die Rechte an dem Design. Wir haben es zusammen mit einer Agentur entwickelt und bezahlt“, sagt Achim Hoffmann, Kanzler der Hochschule. Nur die Hoch­schulleitung kann daher anderen gestatten, die Gestaltung zu über­nehmen.
Einzelne Fakultäten haben bereits ihre eigenen „Das Ohmmacht…“-Versionen.

„Der Spruch des ASt A ist von einer Fantasielosigkeit, die nur schwer zu unterbieten ist“, sagt Hoffmann. Die Aussage sei platt und ohne Inhalt.„Geradean unse­rer Hochschule gibt es eine Viel­zahl von Befreiungsmöglichkei­ten“, sagt Hoffmann. Damit sozial Benachteiligte keine Studienbei­träge zahlen müssen. „Wir konn­ten noch nicht feststellen, dass jemand aus finanziellen Gründen das Studium abbrechen musste.“

„Für Werbung gibt die Hoch­schule Geld aus“, beklagt sich Lorenz Hartung. „Für Qualitäts­management gibt es dagegen noch kein vernüftiges Konzept.“ Der Hausmeister hat die ASt A-Pla­kate abgehängt. „Nur in ein paar Nischen, in denen sie noch nie­mand entdeckt hat, hängen sie noch“,sagt Hartung.

Christina Merkel

Matthias Steiner stemmt 150 Kilo für die Uni

 

Die drei Gewichtheber Jürgen Spieß (Europameister), Matthias Steiner (Olympia-Sieger) und Oliver Caruso (ehem. Weltmeister) widmen ihre Kraft "dem lebendigen Geiste"

Die drei Gewichtheber Jürgen Spieß (Europameister), Matthias Steiner (Olympia-Sieger) und Oliver Caruso (ehem. Weltmeister) widmen ihre Kraft "dem lebendigen Geiste" der Uni Heidelberg

Zwei Meter hoch, mehr als 150 Kilogramm schwer und knall­rot ist der Buchstabe „S“, den Gewichtheber Matthias Steiner zusammen mit zwei Kollegen vom Boden in die Senkrechte hebt. Die restlichen 17 Buchstaben hat bereits ein Kran aufgestellt. Zusammen bilden sie den Schrift­zug „Dem lebendigen Geiste“ und zieren nun den Vorplatz der Hei­delberger Universität.

Steiner gewann im vergange­nen Jahr Gold bei den Olympi­schen Spielen in Peking. Doch berühmt wurde der 26-Jährige vor allem durch das Foto seiner verstorbenen Frau, das er bei der Siegerehrung in die Kameras hielt. Nun wird er ab Ende Juli in Heidelberg wohnen und wirbt mit seiner Kraft schon jetzt um Spen­dengelder für die Universität.

Statt kräftiger Gewichtheber hat sich die FH Nürnberg ein schwergewichtiges Fahrzeug als Werbeträger ausgesucht. Bis Juni fuhr ein Bus durch Nürnberg, auf dem das neue Motto der Georg-Si­mon- Ohm-Hochschule zu lesen war: „Das Ohm macht klüger!“

Wir haben viele tolle Studien­gänge, doch zu wenige Leute wis­sen davon“, sagt Wolfgang Feige vom Büro für Öffentlichkeitsar­beit der Fachhochschule. Die im vergangenen Oktober gestartete Kampagne soll das ändern. „Wir wollen das Ohm zu einer richti­gen Marke machen, um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern und die besten Studenten nach Nürn­berg zu holen“, sagt Feige. Inzwi­schen gibt es Kullis, Taschen und Armbanduhren mit dem Ohm-Zei­chen für elektrischen Widerstand.

Bekannt ist die Uni Heidelberg. Sie feiert im Jahr 2011 bereits ihr 625-jähriges Bestehen. Pünktlich zu diesem Jubiläum sollen die Gebäude renoviert werden. Statt um Studenten soll „der lebendige Geist“ also um Spendengelder werben. Die Hälfte der nötigen fünf Millionen Euro sind bereits von Sponsoren zugesagt worden. Ob das Ohm ebenfalls so durch­schlagenden Erfolg hat, werden erst die Studentenzahlen des kom­menden Wintersemesters zeigen.

Christina Merkel