Der Protest geht weiter

urn:newsml:dpa.com:20090101:091229-10-11029Rund 200 Studierende demons­trierten am vergangenen Mittwoch in München, als Wissen­schaftsminister Wolfgang Heu­bisch Studierendenvertreter aus ganz Bayern zum Gespräch emp­fing. Es waren zwar wesentlich weniger Demonstranten als Ende vergangenen Jahres bei den Nürn­berger Protestmärschen. Doch die Studenten wollten mit ihrer jüngs­ten Demo zeigen, dass sie ihre For­derungen nach besseren Studien­bedingungen über die Feiertage nicht vergessen haben.

„Für uns alle steht fest, dass es 2010 mit dem Protest weitergehen soll“, sagt Rene R., Student an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg und ehema­liger Mitbesetzer der Ohm-Hoch­schule. „Besetzung ist nur eine Form des Protests, es gibt noch viele andere.“ Bereits zweimal in diesem Jahr haben sich die Nürn­berger Besetzer getroffen, um zu diskutieren, wie es weitergeht. „Bis jetzt reflektieren wir noch, was im Dezember richtig und was falsch gemacht wurde“, sagt Rene. 50 bis 100 Menschen, schätzt er, waren beide Male mit dabei. Sie wollen sich nun jeden Donnerstagabend wieder treffen.

Forderungen sind noch nicht umgesetzt

Denn: „Wir sehen unsere Forde­rungen noch nicht umgesetzt“, sagt Rene. Noch immer müssen sie Studiengebühren bezahlen. Es gibt keine verfasste Studierenden­schaft in Bayern. Etwas haben die Proteste erreicht. „Wir wurden wahrgenommen“, sagt der Lehr­amtsstudent. „In den Gremien wird über unsere Forderungen gesprochen.“ Auch dass in Bam­berg die Studiengebühren um 100 Euro verringert wurden, „zählen wir zu unseren Erfolgen“, sagt Rene. Die Masse an Besetzungen sei entscheidend gewesen.

Deshalb wollen die Nürnberger Studierenden in der kommenden Zeit vor allem andere Aktionen unterstützen. Einige von ihnen sind vergangenen Mittwoch zur Demo nach München gefahren. Ende Januar soll in Frankfurt demonstriert werden. „Wir wer­den dort sein“, sagt Rene.

Christina Merkel

Hörsaal als Schlafzimmer

Hörsaal_OhmDie Studenten haben es sich gemütlich gemacht: Einen Adventskranz haben sie im Foyer der Ohm-Hochschule an der Bahn­hofstraße in Nürnberg stehen, und einen Weihnachtsbaum. Die Hörsaal-Besetzer haben bereits einen Schichtplan entworfen, damit auch über Weihnachten immer jemand das Audimax besetzt hält und die Hochschule nicht einfach über die Feiertage die Türen schließen kann.

Der Hochschulleitung geht die Besetzung schon länger auf die Nerven, auch Prof. Roland Geg­ner, Dekan der Fakultät Betriebs­wirtschaft, hat die Studenten bei einer Podiumsdiskussion vor einer Woche aufgefordert, den Hörsaal wieder für Lehrveranstal­tungen freizugeben: „Am besten schon morgen Früh um 8 Uhr.“ Es grummelt auch unter den Studen­ten: Nicht alle stehen geschlossen hinter dieser Form des Protestes, und nicht alle Kommilitonen ste­hen hinter den Forderungen.

„Das ist eine Unverschämtheit“

Vor allem Studenten der Betriebswirtschaftslehre stört es, dass sie für ihre Pflichtveranstal­tungen aus dem Audimax in klei­nere Räume und teilweise ganz andere Gebäude ausweichen müs­sen – während im Hörsaal sogar unter tags manchmal mehr geschlafen als gestreikt wird. Am Mittwoch gegen 10 Uhr waren im größten Vorlesungsraum an der Bahnhofstraße gerade einmal drei Streikende, alle in ihre Schlafsä­cke eingelümmelt. Die Luft roch verbraucht.

„Das ist eine Unver­schämtheit“, beklagt sich ein Fünftsemestler, und eine Kommi­litonin ergänzt: „Wenn sie wenigs­tens unter tags in einen anderen Raum gehen würden, könnte ich ja noch damit leben.“ Dann würde – argumentieren Befürworter der Besetzung – die Aktion aber deutlich an Gewicht verlieren, der Druck auf die Poli­tik geringer werden. Zum Streik gehört bewusst die Provokation, auch mit geringem Personal – und sogar schlafend – ganze Massen­veranstaltungen lahmzulegen.

Markus Kaiser

Bald schon ist Weihnachtszeit

BildungsbaumDer Weihnachtsbaum ist mit gelben und roten Papierster­nen geschmückt. Um die Zweige haben sie eine Lichterkette geschlungen. Unter dem Baum lie­gen in Geschenkpapier verpackte Päckchen.

„Oh, oh, wenn das der Haus­meister sieht“, sagt Lorenz Har­tung vom AStA der Ohm-Hoch­schule. „Ich befürchte der Baum steht im Fluchtweg.“ Ihren Weih­nachtsbaum müssen die Besetzer wohl ein Stück zur Seite rücken. Denn auf dem Boden der Hoch­schulaula markieren zwei rot­weiße Klebebänder, einen Gang, der zur Sicherheit frei bleiben muss. Der rund drei Meter breite Streifen zieht sich von der Treppe des Hintereingangs bis zum Haupteingang in der Bahnhof­straße. Trotz des Streik-Ausnah­mezustands – die Bierbänke, der Infopoint, Essensausgabe, Stell­wände, Feldbetten und auch der Christbaum dürfen nur außerhalb des Fluchtweges stehen.

„Wenn nötig, bleiben wir über die Feiertage“

„Wenn nötig, bleiben wir auch über die Feiertage hier“, sagt Har­tung. Heiligabend ohne die Fami­lie? „Mit Freunden feiert es sich doch am schönsten.“ Mit Bekannten aus anderen Hochschulstädten hat der Stu­dent schon gesprochen. Die frag­ten, ob sie nach Nürnberg reisen dürften und mitfeiern. Auch die Studenten in Bam­berg wollen ihre Hörsäle über Weihnachten besetzt halten, soll­ten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. „Wir haben schon Schichtpläne erstellt damit uns der besetzte Raum nicht verloren geht“, sagte ein Sprecher der Besetzer.

In Nordrhein-Westfalen haben die Hochschulleitungen in dieser Woche die Hörsäle in Düsseldorf, Bochum und Bonn räumen lassen. Am Montag trug die Polizei rund 30 Menschen aus dem besetzten Dortmunder Audimax. Als die Polizei den Hörsaal in Münster stürmen wollte, war allerdings niemand mehr dort. Die Studen­ten demonstrierten derweil vor der Uni gegen den Polizeieinsatz.

Christina Merkel

Demo gegen Studiengebühren

In der Printausgabe der NZ haben wir sie bereits angekündigt, die Veranstalter der bayernweiten Demonstration gegen Studiengebühren am Mittwoch, 13. Mai 2009, haben uns gebeten, auch hier in unserem Blog noch einmal darauf hinzuweisen. Man hört momentan Unterschiedliches, ob mit vielen oder wenigen Demonstranten zu rechnen ist. Manche sagen, es werden mehr als beim letzten mal, andere Studenten sagen, sie haben noch gar nichts von der geplanten Demo und dem Programm gehört. Und – naja – da weder die CSU noch die FDP einen Gedanken an die Abschaffung verschwenden, sondern felsenfest an den Studiengebühren festhalten wollen, ist anscheinend auch alle Müh umsonst (die Grünen und die SPD sind in Bayern für die Abschaffung).

Immerhin gibt es einen kleinen Fortschritt: Über die Höhe darf künftig (das hat die CSU im Hochschulausschuss des Landtags mitbeschlossen) zur Hälfte von den Studenten mitentschieden werden. Wer also über 500 Euro Gebühren jammert und sich beschwert, kann sich künftig dafür einsetzen, dass an der Fachhochschule nur noch 100 Euro und an der Uni 300 Euro verlangt werden! Jetzt haben es die Studenten in der Hand.