Kommt das Diplom zurück?

Weltweit genießt der deutsche Diplom-Ingenieur einen guten Ruf. Deshalb hatte es insbesondere von Seiten der technischen Disziplinen heftige Kritik an der Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse gegeben. Unternehmen wüssten nicht, wie sie die Absolventen der neuen Studiengänge einstellen sollten. Seitdem wird auf kleiner Flamme immer wieder für den bisherigen Abschluss geworben und gekämpft. Derzeit gibt es sogar ein Lagerfeuer.

»Breite Allianz kämpft für den Erhalt des Titels ,Diplom-Ingenieur‘«, schrieb das Online-Fachmagazin »Elektronik Net«, und die »Freie Presse« in Chemnitz titelte: »Der Diplom-Ingenieur erlebt seine Renaissance.« Nachdem die »TU 9«, ein Zusammenschluss der neun größten deutschen technischen Universitäten, angekündigt hatten, auf Basis eines ingenieurwissenschaftlichen Masters künftig den Titel »Dipl. Ing.« verleihen zu wollen, haben die 22 Universitäten der Arbeitsgemeinschaft der Technischen Hochschulen nachgezogen. Darunter ist auch die Universität Erlangen-Nürnberg mit ihrer großen Technischen Fakultät auf dem Erlanger Südgelände.

»Das heißt nicht, dass wir das alte Diplomstudium wieder einführen wollen«, erklärt Prof. Karl-Dieter Grüske, der Erlanger Uni-Präsident. »Wir wollen das Label Diplom am Ende wieder.« International sei das Diplom einfach anerkannt. In Zusammenarbeit mit einer südkoreanischen Universität bietet die zweitgrößte Hochschule Bayerns einen Studiengang an – und muss künftig auch hier den Master statt des Diploms verleihen. »Dort wurde dies nicht gut aufgenommen«, erläutert Grüske. »Sie haben zu uns gesagt: ,Den Master können wir selber machen. Wir wollen den deutschen Diplom-Ingenieur!‘«

Es gibt aber rechtliche Bedenken

Unterschiede gibt es hier zwischen Universitäten und Fachhochschulen, die sich neuerdings Hochschulen für Angewandte Wissenschaften nennen. An der Uni entspricht der Master nach dem vorhergehenden sechssemestrigen Bachelor dem Diplom, sagt Grüske, der als Vorsitzender der Universität Bayern für alle bayerischen Universitäten spricht. An den Fachhochschulen liegt das bisherige achtsemestrige FH-Diplom auf einer Ebene mit dem siebensemestrigen Bachelor.

Doch auch die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sind nicht abgeneigt, das Diplom wieder zu vergeben: »Sie können davon ausgehen, dass wir dies tun werden, wenn wir dies wieder dürfen«, sagt deren Sprecher, der Ingolstädter Präsident Prof. Gunter Schweiger, selbst ein Diplom-Ingenieur. Noch gibt es aber auch rechtliche Bedenken: Es ist laut Grüske nicht möglich, zwei Hochschulgrade miteinander zu vergeben.

Markus Kaiser