Das neue Semester in Zahlen

Vergangene Woche hat das neue Semester begonnen, nun wurden die Studierenden gezählt. An der Uni Erlangen-Nürnberg studieren so viele Menschen wie nie zuvor. Genau 33400 Studierende zählt die Universität zu Beginn des Semesters. Sie ist damit die größte Hochschule Nordbayerns und erstmals die zwölftgrößte in ganz Deutschland. „Größe ist zwar kein Maß von Qualität“, sagte Uni-Präsident Karl-Dieter-Grüske bei der Präsentation der Ergebnisse, „aber ein Zeichen für die Attraktivität unserer Hochschule ist es schon.“ Noch vor zehn Jahren waren lediglich 20606 Studenten an der FAU eingeschrieben. Die NZ zeigt die Zahlen des neuen Semesters im Überblick:

– 6789 Studienanfängerinnen und -anfänger haben sich in Erlangen erstmals für ein Studium immatrikuliert.

– Darunter sind zum ersten Mal seit acht Jahren wieder mehr männliche als weibliche „Erstis“ – und zwar 3482 neue Männer an der Uni gegenüber 3307 neuen Frauen. Der Grund dafür liegt wohl im Wegfall der Wehrpflicht.

– Insgesamt haben jedoch weiterhin die Studentinnen die Nase vorne, wenn auch nur knapp. An der FAU studieren 238 Frauen mehr als Männer. Die Jungs holen auf: Im vergangenen Jahren lag der Unterschied noch bei 1375.

– Heuer besonders interessant sind die Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs in Bayern. 29 Prozent der neuen Studierenden sind aus dem letzten G9-Jahrgang. Knapp ein Drittel (32 Prozent) hat erstmals G8-Abitur. Die restlichen 39 Prozent haben die Hochschulreife bereits schon länger bestanden oder kommen aus anderen Bundesländern.

– 14 Erstis waren bei der Einschreibung noch unter 18 Jahre alt.

– Die meisten Neuzugänge – 1972 Studenten – gab es an der Technischen Fakultät. Den größten prozentualen Zuwachs verzeichnen die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, deren Anfängerzahlen um 43,2 Prozent gestiegen sind. Die zahlenmäßig größte Fakultät bleibt die Philosophische mit 9289 Studierenden.

– Der größte Hörsaal der Uni fasst 850 Sitzplätze, doch weil das nicht genügt, finden die Grundvorlesungen in Mathematik künftig in der Erlanger Stadthalle statt.

– An der FAU studieren in diesem Semester Menschen aus 108 verschiedenen Ländern. Die meisten kommen aus China (303), gefolgt von der Türkei (259) und Russland (157). Die weiteste Anreise hat ein Student aus Neuseeland hinter sich.

Christina Merkel

Ohm muss nachträglich NC einführen

Damit hatte Christian K. nicht gerechnet: Sein Wunsch-Studiengang – der Bachelor in Bauingenieurwesen an der Nürnberger Georg-Simon-Ohm-Hochschule (GSO) sollte es sein – ist total überlaufen. Vier Tage vor Bewerbungsschluss – der war am vergangenen Freitag – trudelte eine E-Mail vom GSO-Studienbüro ein. Darin teilte man dem Abiturienten mit, dass „in Folge der hohen Bewerberzahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit nachträglich“ ein Numerus-clausus-Verfahren (NC) durchgeführt werde. Der junge Mann solle sicherheitshalber Alternativen ausloten.

Inzwischen ist die Bewerbungsfrist verstrichen. Für 131 Studienplätze haben sich mehr als 500 Interessenten gemeldet, wie die Hochschule auf NZ-Anfrage mitteilt. „Wegen der sehr hohen Bewerberzahlen war ein NC-Verfahren unumgänglich, da sonst ein ordnungsgemäßer Lehrbetrieb nicht gewährleistet werden kann“, heißt es in der Stellungnahme. Mit dem sicher geglaubten Studienplatz wird es jetzt für einige Bewerber nichts werden. Jetzt müssen alle erst mal ihre Abiturzeugnisse nachreichen. Bis zu welcher Note zugelassen wird, ist zurzeit noch nicht abzusehen.

Von Engpässen bei den Studienplätzen will man im Wissenschaftsministerium derweil nichts wissen. Minister Wolfgang Heubisch (FDP) teilte heute zum wiederholten Mal mit, Bayern sei „für den doppelten Abiturjahrgang gut gewappnet“. Im Ländervergleich habe der Freistaat überproportional viele Studienplätze geschaffen. Die NC-Quote (35,1 Prozent der Studiengänge) sei im bundesweiten Vergleich sehr niedrig.

fbh/dpa

Hochschulfinanzierung: Von Aufatmen kann keine Rede sein

Weil die Steuerschätzung dem Freistaat deutlich höhere Einnahmen in Aussicht stellt als bislang angenommen, müssen die Hochschulen wohl keine so großen Einsparungen verkraften wie zuletzt befürchtet. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte nach der Kabinettsklausur am vergangenen Wochenende nur „minimale Kürzungen“ im Hochschulbereich angekündigt (die NZ berichtete).

„Vorsichtig optimistisch“ blickt der Erlanger Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske deswegen in die Zukunft. „Ich gehe davon aus, dass unsere Argumente bei der Politik auf fruchtbaren Boden gefallen sind“, sagt er im NZ-Gespräch. Allerdings müsse man erst sehen, was unter den angekündigten „minimalen Kürzungen“ zu verstehen sei. „Wir warten erst mal ab, was tatsächlich rauskommt.“

Innovationsbündnis bleibt wohl vorerst bestehen

Genaue Zahlen stehen noch aus. Trotzdem erwartet Grüske, dass die im Staatshaushalt für den Doppelhaushalt 2011/12 veranschlagten Mittel für die Hochschulfinanzierung nicht unter das Niveau von 2008 fallen. Sonst sei „das Innovationsbündnis gefährdet“, in dem Freistaat und Hochschulen vereinbart hatten, für den doppelten Abiturjahrgang und die bis 2013 steigenden Studentenzahlen besondere Vorkehrungen zu treffen und außergewöhnliche Belastungen auf sich zu nehmen. Wenn die Finanzierung nicht gesichert sei, könnten Unis und Fachhochschulen nämlich das Bündnis kündigen. Auf diese Handhabe hatten sie in den vergangenen Wochen immer wieder unmissverständlich hingewiesen. „Das will die bayerische Staatsregierung aber wohl nicht riskieren“, vermutet Grüske.

Ebenfalls abzuwarten sei, ob die Sofortmaßnahmen zurückgenommen werden, die allein die Uni Erlangen mit 1,2 Millionen Euro zusätzlichen Einsparungen im laufenden Jahr belasten würden. Grüske erwartet, dass eine Entscheidung darüber in den nächsten Tagen fallen wird.

Der Bamberger Uni-Präsident Godehard Ruppert hatte vor wenigen Wochen gesagt, die Sparbeschlüsse seien ein „Beschiss“ an kommenden Studenten-Generationen. Trotz der Signale aus München will er den vorsichtigen Optimismus seines Erlanger Kollegen Grüske nicht teilen. „Ich habe noch keine Zahlen gehört, deswegen bin ich weiterhin skeptisch.“ Zahlen seien aber ohnehin nur das eine: „Vielmehr gilt meine Sorge der Erosion des Vertrauens junger Leute in verlässliche Zusagen seitens der Politik.“ Würde man der letzten großen Schülerkohorte eine adäquate Ausbildung verweigern, sei das „das Gegenteil von Zukunftssicherung“, so Ruppert.

Florian Heider